The Seal of the Prophets (Pbuh) German - About Islam | Das Siegel der Propheten*
خَاتَمَ
النَّبِيِّينَ
Die
Biografie des Propheten Muhammad
Jotiar
Bamarni
The Seal of the Prophets (Pbuh) German Language - About Islam | Das Siegel der Propheten
- Die Kaaba wie ein Magnet
- Der letzte Gesandten Allahs
- Wird Muhammad als Kind sterben?
- Muhammads Mutter wird krank
- Die Kaaba und der schwarze Stein
- Gabriel kommt zu Muhammad
- Die Schwachen werden gefoltert
- Unterdrückung und Geduld
- Die Auswanderung
- Jemand will den Propheten töten
- Boykott gegen die Schwachen
- Die Nachtreise
- Wird der Prophet auswandern?
- Ein Staat wird gegründet
- Wird Atikas Traum wahr?
- Eine große Armee gegen eine kleine
- Die Quraisch wollen Rache
- Die Schlacht von Uhud
- Hafsa und Fatima heiraten
- Der Grabenkrieg
- Früchte der Güte
- Aischas Kette
- Friedensangebot
- Ein Geheimnis für nur drei Tage
- Aus Chaibar kommt nie wieder Gefahr
- Friedensboten
- Herakleios
- Das Versprechen Allahs
- Das Versprechen des Propheten
- Der Abschied des Propheten
- Quellen
* so wird
der Gesandte Allahs Muhammad im Koran 33:40 bezeichnet
Nachdruck,
Verfilmung und Übersetzung dieses Buches ist ausdrücklich ERLAUBT!
Der
Text, das Hörbuch oder eine Übersetzung darf weder geändert noch mit
"Copyright" versehen werden
حقوق الطَبْعوالتَّرْجَمَة لكُلِ مَنْ
يُريدُ إرْضاءَ الله
1. Auflage 2020
ISBN 978-3-9803633-9-6
التَرْقِيمْ
الدَّوْلِي:
Umschlagsgestaltung:
Typografie:
J. Bamarni
Das Siegel der Propheten
Die
Kaaba wie ein Magnet
|
A |
bdullah schloss sich
einer Handelsreise nach Syrien an und verabschiedete sich vonseiner weinenden
Frau Amina vor der Kaaba.
Die Kaabazog gläubige Menschen
aus allen Himmelsrichtungen an wie ein Magnet. Deshalb war Abraha[1],
der Vertreterdes Königs von Abessinien im Jemen,neidisch. Er überlegte, was er
machen sollte, um das zu ändern. Er wollte auch seinen König glücklich machen. Da
kam er auf die Idee,eine gewaltige Kirche in Sanaa zu bauen, damit die Leute dorthin
pilgerten und nicht dieKaaba besuchten.
ErbrauchteaberdazuvieleArbeiter,diedurchGewaltschnellarbeitensollten.SchnellbesorgteervieleundgabBefehle:
„Wererst nach Sonnenaufgang zur Arbeit kommt, dem soll eine Hand abgehackt
werden.“
InSanaahungertendieMenschenund
Abrahaließ große Kreuze aus Gold herstellen. Aus den Ruinen der Paläste der
Königin von Saba ließ er Marmor herbeischleppen. Die neu erbaute Kirche nannte
er Qulays.[2]
Abraha machte Werbung für
sein Bauwerk. Er ließ die Nachricht über die Schönheit seiner Qulays verbreiten
und sprach schlecht von der Kaaba. Ungeduldig wartete er auf die Massen von Pilgern,
die er dem König von Abessinien versprochen hatte, jedochwar es vergeblich. Als
die Pilgerzeit kam, sah er mit eigenen Augen, wie die mit Schätzen und
Opfertieren beladenen großen Karawanen an seiner prächtigen Kirche vorbeizogen
und sich in die Hitze der Wüste begaben, um nach Mekka zu reisen. Da kochte er
vor Wut. All seine Werbeversuche waren umsonst, und als auch noch ein Mann seine
Kirche beschmutzte, um die Kaaba zu rächen, stand Abrahas Entschluss fest. „Ich
muss diese Kaaba zerstören!“
Er nahm seinesechzigtausend
Soldaten, neun weibliche und dreizehn männliche Elefanten[3]und marschierte
in Richtung Mekka. Unterwegs zerstörte er rücksichtslos, was ihm in den Weg
kam.
Kurz vor Mekka machten
sie Halt und fingen alle Tiere ein, die sie als Beute für Abraha finden konnten
- darunter auch zweihundert Kamele, die Abdul-Muttalib gehörten.
VieleTagevergingenunddieschwangereAminawarteteimmer
noch sehnsüchtig auf ihren Mann und verbrachte viele Nächte draußen. In dieser
Zeit- während sie und alle Bewohner Mekkas in Angst und Schrecken vor dem
gewaltigen Abraha lebten - hätte sie Abdullah am meisten gebraucht.
Als die Quraisch den
übermächtigen Gegner mit seiner großen Armee kommen sahen, beschlossen sie,
nicht zu kämpfen, weil es nichts bringen würde.
Abdul-Muttalib ging mit
einem seiner Söhne zu Abraha und bat nur um seine zweihundert Kamele. Das wunderte
Abraha und er sagte zu Abdul-Muttalib: „Ich bin doch gekommen, um die Kaaba und
deine Religion zu zerstören und du fragst nur nach deinen Kamelen. Wie kommt
das?“ Abdul-Muttalib sprach mit ruhiger Stimme, aber selbstbewusst: „Ich bin
der Besitzer der Kamele. Die Kaaba hat aber einen Herrn, Der sie beschützen
wird, und braucht mich nicht!“
Abraha lachte: „Gegen
mich und meine Armee kann niemand die Kaaba schützen.“
„Wir werden sehen, was
zwischen dir und dem Herrn der Kaaba geschehen wird“, sagte Abdul-Muttalib.[4]
Er erhielt seine Kamele
und ging zurück in die Stadt. Er hatte den Bewohnern geraten, Mekka zu
verlassen und außerhalb der Stadt abzuwarten, was geschehen würde.
Abdul-Muttalib und einige
Männer von seiner Familie gingen zur Kaaba und beteten zu Allah, dass Er Sein
Haus schützen soll. Dann begaben sie sich zu den Familien hinter der Stadt.
Am nächsten Morgen nahmen
die Soldaten ihre Waffen und Unais der Elefantenführer kam, um den Elefanten
für den Ritt Abrahas vorzubereiten. Da blieb der große Elefant überrascht
stehen. Was war mit dem Tier geschehen? Der Elefant kniete!
Unaiswarverblüfft,dennerhattenochnieeinen Elefanten knien gesehen. Immer wieder
murmelte er: „O Wunder, o Wunder!“
Eilig brachte er die
Nachricht von dem knienden Elefanten zu den Männern, die in seiner Nähe waren,
und sie eilten herbei, um ihn zu sehen.
Unais und die Männer um
ihn herum versuchten, den Elefanten zum Aufstehen zu bewegen, aber es klappte nicht.
Die Nachricht vom
knienden Elefanten verbreitete sich unter den Soldaten wie ein Lauffeuer und
erreichte schließlich auch Abraha. Abraha ahnte, dass das kein Glück bringen würde.
Er befahl den Männern, den Elefanten zum Aufstehen zu bewegen – egal wie. Die
Soldaten schlugen den armen Elefanten mit Eisenstangen und stachen ihn mit
Lanzen, bis er vor Schmerzen schrie. Aber er blieb regungslos wie ein Fels. Als
sie jedoch versuchten, den Elefanten Richtung Jemen zu lenken, lief er los. Die
Soldaten liefen ihm hinterher und brachten ihn zurück. Sie versuchtenihn zurück
in Richtung Mekka zu drehen. Der Elefant aber weigerte sich mit aller Kraft,
auch nur einen Schritt zu tun. Die Männer wendeten ihn nach Westen und nach
Osten, und er lief los. Sobald sie ihn aber in Richtung Mekka drehten, blieb er
stehen und ließ sich nieder.
Abraha schrie seine
Soldaten an: „Ich will auf keinen Fall aufgeben. Die Kaaba muss zerstört werden,
auch wenn keiner von euch diesen Platz lebendig verlässt!“
Da geschah aber etwas
Seltsames: Ein dunkler Schwarm Vögel näherte sichund bedeckte schließlich den
gesamten Himmel wie eine schwarze Wolke. Die Vögel kreisten über der
abessinischen Armee und ließen einen Hagel von Steinen auf das überraschte Heer
niederprasseln. Die schweren Panzerhemden der Soldaten konnten sie nicht
schützen, denn es waren fürchterliche Steine aus glühendem gebrannten Ton, die
vom Himmel stürzten – zwar nur so klein wie Linsen, aber sie durchbohrten ihre
Körper. Es war schrecklich und tat so weh.
Voll Todesangst
versuchten sie zu flüchten. Alsdie Armee endlich im Jemen angekommen war, waren
die meisten unterwegs gestorben.
Abraha wurde schwerverletzt
in seine Burg getragen, wo seine Leute ihn in seinem schrecklichen Zustand kaum
erkannten. Kurze Zeit später starb er und die Menschen in Sanaa waren froh
darüber.
Unais, der Elefant Mahmudund
einige wenige jedoch blieben verschont.Späterberichtetensieimmerwiedervondem
schrecklichen Geschehen. Einige von ihnen blieben in der Gegend von Mekka.
„Was hat diese starken
Männer getroffen?“, fragten sich die Menschen, als sie überall die Leichen
liegen sahen. Wie eine abgefressene Saat[5], fast
vollständig vernichtet, war die Armee Abrahas dorthin zurückgekehrt, von wo sie
gekommen war, ohne dass seine Soldaten Mekka betreten und ihre Augen das
Heilige Haus Allahs gesehen hatten! Gesund und stark, stolz auf ihre Zahl und Waffen,
waren sie gekommen. Aber dann waren die Reste der Armee krank, schwach und
gedemütigt geflüchtet.
Groß war die Überraschung
und Freude der Mekkaner als sie hörten, dass Abrahas Soldaten abgezogen waren
ohne die Kaaba erblickt zu haben. Abdul-Muttalib jedoch war nicht überrascht.
Mit ruhiger Stimme erklärte er, dass er fest daran geglaubt hatte, dass Allah
Sein Haus verteidigen werde. Denn Er hatte ja früher Seine Propheten Abraham
und Ismael beauftragt, diese Kaaba zu bauen.
Die Mekkaner verfassten
über die Rettung der Kaaba viele schöne Gedichte.[6]
Ganz Arabien war Zeuge,
wie Allah die feindliche Armee vernichtet hatte. Bald wurde in ganz Mekka
gefeiert.
Ab sofort nannte man
dieses Jahrdas „Jahr des Elefanten“. In diesem Jahr sollte etwas Großes geschehen,
um die ganze Welt zu verändern. Jemand sollte geboren werden.
Der
letzte Gesandte Allahs
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A |
mina wartete immer noch
und machte sich inzwischen großeSorgenumihrenliebenMann.Abdullahwarimmer noch
unterwegs. Er erlebte die Bedrohung durch Abraha und das Vogelwunder nicht mit,
denn er war zu jener Zeit nicht in Mekka, sondern auf seiner Handelsreise nach
Syrien und Palästina.
Auf dem Rückweg erkrankte
er schwer und musste in Medina[7]
bei der Familie seiner Großmutter bleiben, während die Karawane weiter nach
Mekka zog.
AlsdieKarawaneohneAbdullahzurückkehrte,erschraken
Abdul-Muttalib, Amina und die ganze Familie. Sofort schickte Abdul-Muttalib
seinen ältesten Sohn Al-Harith nach Medina. Doch sein Bruder lebte nicht mehr.[8]
Als Al-Harith mit der
schrecklichen Nachricht zurück nach Mekka kam, trauerte man nicht nur in Abdul-Muttalibs
Haus, sondern in der ganzen Stadt. Der Kummer der jungen Amina jedoch war am
tiefsten. In vielen schönen und rührenden Gedichten hat sie ihre Liebe zu ihm erwähnt.[9]
Ihr Kindwurde Halbwaise, noch bevor es zur Welt kam. Ganz Mekka konnte ihr
keinen Trost bieten – nur das ungeborene Kind von ihrem geliebten Mann, das sie
unter dem Herzen trug. Sie konnte es kaum erwarten, das Baby zu sehen, das sie
wie eine kleine Sonne in ihrem Leib spürte.
In dieser Zeit, im Westen
und im Osten, in Spanien, England, Rom, ja und auf der ganzen Welt töteten sich
die Menschen auf grausame Art und Weise gegenseitig.
Medina wurde von zwei
großen arabischen Stämmen bewohnt, den Aus und den Chazradsch. Die beiden
Stämme lagen auch oft miteinander im Streit und hatten sich schon oft bekämpft.
Außerdem lebten dort drei jüdische Stämme, die BanuQurayda, die BanuAn-Nadir
und die Banu Qaynuqa. Diese Stämme hatten sich auf der Flucht vor der römischen
Unterdrückung in Medina niedergelassen. Die Römer hatten viele von ihnen ermordet.
Sie sprachen mittlerweile Arabisch, fühlten sich aber weiterhin als Angehörige
der Religion Moses und warteten sehnsüchtig auf einenneuen Propheten. Sie
wünschten, dass ein neuer Prophet von ihnen käme.
Zu dieser Zeit stieg in
Medina ein Jude auf das Dach seines Hauses und rief so laut er konnte: „OIhr
Juden!“
Als sie sich um ihn
versammelt hatten, fragten sie, weshalb er so herumschreie. Er sagte ihnen,
dass er gesehen hatte, wie in der Nacht ein Stern erschienen sei. Aber nicht
irgendein Stern, sondern der Stern, der zur Geburt des neuen Propheten, des Gepriesenen[10],
angekündigt worden war. Das hatten ja große Gelehrte beschrieben und in ihren
Büchern wurde es immer wieder gelesen. Das war in Medina.
In Mekka aber hörte Amina
in diesem Augenblick eine Stimme, die zu ihr sprach: „Du bist mit dem Herrn
dieses Volkes schwanger, und wenn er zur Welt kommt, sage: ‚Ich gebe ihn in den
Schutz des Einzigen [Gottes] vor dem Bösen jedes Neiders!’Dann nenne ihn
Muhammad.“ Amina nahm sich vor, der Stimme zu folgen.
Aminas Schwangerschaft
und die Geburt verliefen trotz allen Kummers ganz leicht, nicht wie bei den
meisten Frauen. Sie gebar einen Sohn und nannte ihn Muhammad, wie die Stimme es
ihr gesagt hatte. Sie murmelte das Bittgebet: „Ich gebe ihn in den Schutz des
Einzigen [Gottes] vor dem Bösen jedes Neiders.“, damit Allah ihn schütze.
Nach seiner Geburt ließ
Amina Muhammads Großvater Abdul-Muttalib kommen und ihm ausrichten: „Dir ist
ein Junge geboren! Komm her und schau dir dein Enkelkind an!“
Abdul-Muttalib eilte zu
Amina und betrachtete den Jungen. Amina erzählte ihm, was sie während der
Schwangerschaft gesehen hatte. Abdul-Muttalib nahm das Kind in seine Arme, trug
es zur Kaaba und betete zu Allah, um Ihm für dieses Geschenk zu danken.
The Seal of the Prophets German - Das Siegel der Propheten
Wird
Muhammad als Kind sterben?
|
N |
ach der Geburt Muhammads
machten sich seine Mutter und sein Großvater Sorgen, er könnte an einer
Krankheit sterben. Selbst für Erwachsene warendie Umstände in Mekka damals
gefährlich. Immer häufiger gab es hier große Krankheiten, an denen viele
Menschen zugrunde gingen. In einer großen Handelsstadt, in die Menschen aus
allen Orten der Erde kamen, um Geschäfte zu machen oder zur Kaaba zu pilgern,
war das kein Wunder. Die Reisenden blieben oft mehrere Monate und hinterließen
nicht nur ihre Waren, sondern auch gefährliche Krankheiten. So starben viele
Kinder kurz nach der Geburt. Daher schickten die reichen Leute Mekkas ihre
Kinder zu den Ammen (Stillmütter), die außerhalb der Stadt lebten.
Aus Liebe zu ihrem Kind
willigte Amina ein, dass Muhammad einen Teil seiner Kindheit bei den Beduinen
außerhalb der Stadt verbringen sollte – nicht nur, um ihn vor den gefährlichen
Krankheiten zu schützen, sondern auch, um ihn in der klaren Luft der Wüste zu
stärken.
Amina und Abdul-Muttalib
hatten noch einen Grund gehabt, das Kind zu den Ammen zu schicken. Auch sollte
er die kostbare arabische Sprache klar sprechen lernen und einen scharfen
Verstand bekommen.
Schon bald war es soweit:
Die Ammen kamen, um Pflegekinder aus wohlhabenden Familien mitzunehmen. Eine
von ihnen war Halima, die mit anderen Frauen ihres Stammes zusammen mit ihrem
Mann Harith und dem neugeborenen Sohn, den sie stillte, ihre Heimat verlassen
hatte, um sich Babys zu suchen.
Sie erzählte: „Es war ein
Jahr der Trockenheit und wir hatten fast nichts mehr zu essen gehabt, als wir auf
einer grauen Eselin und einer alten Kamelstute unterwegs waren. Bei Allah, das
Euter der Kamelstute war so leer, dass sie uns keinen Tropfen Milch gab. Vor
Hunger weinte unser Kind so sehr, dass wir die ganze Nacht nicht schlafen
konnten.[11] Was in meiner Brust war, reichte
ihm nicht. Wir hatten aber gehofft, dass es regnen und unsere Reise sich etwas
erleichtern würde. Meine Eselin, auf der ich ritt, war so schwach und lief
kaum. Wir kamen endlich in Mekka an und begannen nach Babys zu suchen.“
Amina bot ihren Sohn
Muhammad einer Amme nach der anderen an. Wir alle lehnten es ab, weil er ein
Waisenkind war. Was hätten seine Mutter und sein Großvater uns geben können?
Amina und der Großvater des kleinen Muhammad waren sehr traurig, dass niemand
den Jungen nehmen wollte. Sollte das Kind in Mekka krank werden und vielleicht
früh sterben?
Halima erzählte weiter: „Außer
mir hatten alle Frauen, die mit mir gekommen waren, ein Baby.
Als wir uns versammelten,
um heimzukehren, sagte ich zu meinem Mann: ‚Bei Allah! Ich kann doch nicht ohne
ein Baby zurückkehren! Ich nehme lieber dieses Waisenkind!’ ‚Ich habe nichts
dagegen, mach das, vielleicht wird Allah uns durch ihn segnen’, antwortete er.
Ich nahm ihn nur, weil ich kein anderes Kind fand. Dann kehrte ich mit ihm zu
unserem Lagerplatz zurück. Dort legte ich ihn an meine Brust, die plötzlich so
viel Milch gab, bis er satt war. Danach trank mein eigener Sohn, bis auch er
gestillt war. Dann schliefen beide ein. Vorher hatte unser Kind nicht schlafen
können. Dann ging mein Mann zu der Kamelstute. Auch ihr Euter war voll Milch.
Als er sie gemolken hatte, trank er und auch ich trank so viel, bis wir satt und
zufrieden waren. Wir haben gut geschlafen und es war eine wunderschöne Nacht
für mich und meinen Mann.
Am nächsten Morgen sagte
mein Mann: ‚Bei Allah, Halima, du hast ein gesegnetes Geschöpf zu dir genommen!’,
‚Bei Allah, so scheint es’, antwortete ich.
Auf meiner Eselstute trug
ich Muhammad, während diese auf einmal so schnell lief, dass kein anderer Esel
ihr folgen konnte, und alle riefen: ‚O Tochter des Abu Du’aib, hab Erbarmen mit
uns. Ist das nicht die gleiche Eselin?’, ‚Bei Allah, es ist die gleiche!’, rief
ich.
Schließlich kamen wir in
unserer Heimat an. Mir ist kein Land auf Allahs Erde bekannt, das trockener ist
als unseres. Doch ab diesem Zeitpunkt kamen meine Schafe am Abend immer mit
prallen Eutern voll Milch zurück, während andere keinen Tropfen Milch aus den
Eutern ihrer Tiere holten![12]
Wir erlebten Allahs Güte,
bis Muhammad sein zweites Lebensjahr erreichte und ich ihn abstillte. Er gedieh
wie kein anderer gleichaltriger Junge. Wir brachten ihn zu seiner Mutter
zurück, obwohl wir ihn am liebsten nach all dem Segen, den wir durch ihn
erfahren hatten, gerne behalten hätten. Also bat ich sie: ‚Wenn du deinen
Jungen doch noch eine Weile bei mir lassen würdest, bis er größer ist, weil ich
Angst um ihn habe wegen der Pest in Mekka!’ Wir haben immer wieder geredet, bis
sie ihn mir aus Furcht, ihn in Mekka durch eine Krankheit zu verlieren, wieder
gab.
Wir kehrten mit ihm
zurück.“[13]
Halima berichtet weiter:
„Einen Monat später,als Muhammad
mit seinem Milchbruder draußen spielte, rief unser Sohn: ‚Hilfe! Hilfe! Zwei
Männer mit weißen Kleidern haben meinen quraischitischen Bruder zu Boden gelegt
und seinen Bauch geöffnet, und sie schütteln ihn gerade!’ Wir eilten hinter die
Zelte, sahen ihn dort mit blassem Gesicht stehen und fragten: ‚Was hast du,
mein Kind?’ ‚Zwei Männer, weiß gekleidet, kamen zu mir, legten mich nieder,
öffneten meine Brust und suchten etwas darin, ich weiß aber nicht was sie
suchten!’ Ganz gleich, wie oft wir die Kinder befragten, sie erzählten immer
wieder dieselbe Geschichte.
Wir brachten Muhammad zum
Zelt zurück.“
Das seltsame Erlebnis
verunsicherte die Familie der Amme. Was war mit dem Kind? War es krank oder gar
von einem bösen Geist besessen? „Halima, gib ihn seiner Familie zurück!“, riet
ihr Harith.
Halima und Harith
brachten den kleinen Muhammad also wieder nach Mekka zu seiner Mutter.
Überrascht fragte sie: „Warum
kommst du wieder, o Halima? Du wolltest doch unbedingt, dass das Kind noch bei
dir bleibt!“
„Ja, aber Allah hat das
Kind wachsen lassen und ich habe meine Aufgabe getan. Ich mache mir Sorgen um
ihn und bringe ihn dir, wie du es auch wolltest, zurück!“
„Das ist nicht dein
Ernst. Sag mir die Wahrheit!“ Amina bedrängte die Amme so lange, bis diese ihr
alles erzählte.
„Hast du Angst bekommen?
Fürchtest du den Teufel?“
„Ja“, gab Halima zu.
Amina beruhigte sie:
„Nein, bei Allah, der Teufel kann ihm nichts anhaben! Große Dinge warten auf
meinen kleinen Sohn. Soll ich dir etwas erzählen?“
Halima nickte.
Amina berichtete von dem
Licht, das sie in der Schwangerschaft gesehen hatte und das es die Schlösser
von Busra in Syrien erleuchteließ. Und sie sprach von der leichten
Schwangerschaft und Geburt.
Amina verabschiedete sich
von Halima, indem sie sprach: „So lasse ihn hier und komm gut nach Hause!“
Mutter und Sohn verbrachten
drei glückliche Jahre in Mekka und freuten sich, endlich wieder zusammen zu
sein. Aber für wie lange?
Muhammads
Mutter wird krank
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A |
mina beschloss eines
Tages, mit Muhammad das Grab seines Vaters in Medina und die dort lebenden
Verwandten zu besuchen.
Sie nahm auch Barakamit
und schlossen sich der Karawane nach Medina an.
Baraka, die den Knaben innig
liebte, ritt mit ihm auf einem Kamel und Amina auf einem anderen. So legten sie
fast fünfhundert Kilometer zurück. Das war sehr hart.
Als sie ankamen, zeigte
Amina dem Jungen, wo sein Vater gestorben und begraben war. Es war ein
trauriges Gefühl für den Jungen. Viel erzählte die Mutter ihm von dem geliebten
Vater, der sie nach den wenigen Tagen, die er mit ihr gemeinsam gelebt hatte,
verlassen hatte und gestorben war.
Nachdem sie sich einen
Monat in Medina aufgehalten hatten, entschloss sich Amina zur Rückkehr.
Unterwegs wurde sie krank.
Vor einigen Tagen noch
hatte Muhammad vor dem Grab seines Vaters gestanden – und jetzt war seine
geliebte Mutter krank. Er hatte Angst, jetzt auch sie zu verlieren.
Die Krankheit
verschlimmerte sich, und bis nach Mekka war es noch ein weiter Weg.
Zwischen den beiden
Städten Medina und Mekka starb auch Amina. Während ihrer letzten Atemzüge war
der kleine Muhammad an ihrer Seite und weinte. Sie wurde in einem Ort namens Abwa
begraben.[14]
Baraka kehrte mit dem
weinenden und einsamen Kind zurück. Sie tat ihr Bestes, um Muhammad zu trösten.
Muhammad spürte nun
doppelt, dass er auf Erden verwaist war, und ihn schmerzte sehr, seine Eltern
für immer verloren zu haben. Nur einige Tage zuvor hatte er die Trauer seiner
Mutter über den Verlust ihres Mannes, seines Vaters, erlebt. Jetzt musste er
auch noch den Tod seiner Mutter verkraften.
Muhammad wurde indie
Obhut seines Großvaters Abdul-Muttalib gegeben. Dieserliebte ihn und streichelte
seinen Rücken und freute sich über alles, was er tat.[15]
Als Muhammad acht Jahre
alt wurde, war auch für Abdul-Muttalib die Zeit gekommen – er lag im Sterben.
Weinend sagte
Abdul-Muttalib zu seinem Sohn Abu Talib: „Ich weine, weil ich Muhammad nicht
länger sehen werde und habe Angst, meinem Enkel könnte etwas passieren!“ Er vertraute
ihn seinem Sohn Abu Talib an.
Abu Talib wurde auch
Nachfolger seines Vaters als Oberhaupt des StammesBanu Haschim.[16]
Als Abdul-Muttalib gestorben
war, sah Baraka, wie Muhammad in der Nähe des Bettes seines Großvaters saß und
bitterlich weinte.[17]
Abu Talib, der Onkel
Muhammads, nahm ihn auf, sorgte für ihn und liebte ihn innig. Auch seine Frau
Fatima wurde ihm neben ihren vielen eigenen Kindern eine liebevolle Mutter. Abu
Talib war sehr arm, aber trotzdem sehr großzügig.
Muhammad war immer sehr hilfsbereit
und fleißig und versuchte sich selbst zu versorgen, um seinem Onkel die
Ernährung der Familie zu erleichtern. So begann er, in Mekka für einen geringen
Lohn Schafe und Ziegen zu hüten.
Als Muhammad zwölf Jahre
alt wurde und Abu Talib mit einer Handelskarawane nach Syrien reisen wollte, um
Handel zu treiben, bat Muhammad ihn, mitkommen zu dürfen.
Abu Talib überlegte, dann
sagte er. „Bei Allah, ich nehme dich mit und wir trennen uns nie!“[18]
Baldmachtensie sich auf
den Weg. Im syrischen Busra machten die Reisenden aus Mekka wie immer in der
Nähe einer alten Kirche Rast.
Busra war eine arabische
Stadt, die von den Byzantinern besetzt war. In der Kirche lebten seit vielen
Generationen christliche Mönche, die wertvolle alte Schriften aufbewahrten und
einander weitergaben. Darunter gab es auch ein Buch, in dem etwas über das
Erscheinen eines Propheten unter den Arabern geschrieben stand. Zu dieser Zeit
lebte dort ein Mönch namens Bahira, der das alte Buch auswendig kannte und
geduldig auf das Kommen des neuen Propheten wartete. Sein einziger Wunsch war
es, das wunderbare Erscheinendes neuen Propheten zu erleben, bevor er starb.
Aber wann genau dies passieren sollte, wusste niemand.
Die mekkanischen
Reisenden waren schon oft bei Bahira vorbeigekommen und kaum von ihm beachtet
worden. Doch diesmal sah er eine Wolke am Himmel, welche die Reisenden
begleitete wie ein kühler Schatten. Schließlich breitete sie ihren Schatten
über einen Baum, und der Baum ließ seine Zweige tiefer und tiefer hängen, damit
jene, die darunter saßen, zweifachen Schatten bekämen. Als Bahira dies sah, kam
er aus seiner Kirche hervor und rief: „Ich habe Essen für euch vorbereitet! Ich
möchte euch alle einladen!“[19]
Sie hatten mehrere Tage
in der Wüste verbracht und waren müde, durstig und hungrig. Sie wunderten sich.
„Heute muss es einen
besonderen Grund geben, Bahira! Noch nie hast du uns eingeladen, obwohl wir
schon öfter bei dir vorbei kamen. Was ist der Grund dafür?“
„Ihr habt Recht, so ist
es! Ihr seid meine Gäste, und ich möchte euch Essen vorbereiten, das ihr alle
essen sollt. Ihr seid ja sehr müde!“
Bahira interessierte in
Wahrheit nur das eine: der erwartete Prophet! Konnte er unter den Leuten aus
Mekka sein – dort, wo die heilige Kaaba sich befand?
Alle kamen zu ihm in die
Kirche. Nur Muhammad blieb unter dem Baum.
Bahira sah sich neugierig
unter seinen Gästen um und fand keine der Beschreibungen, die er aus dem
heiligen Buch kannte. Konnte es sein, dass nicht alle gekommen waren? Er rief
wieder: „Niemand soll zurückbleiben, alle sollen kommen!“
„Nur der Jüngste von uns
ist bei unserem Gepäck geblieben!“
„O nein! Ruft ihn, damit
er auch mit euch essen kann!“
Ein Mann von den Quraisch
holte Muhammad und ließ ihn zwischen den Männern sitzen. Bahira begann
neugierig nach den Zeichen zu sehen. Er beobachtete Muhammad genau und wollte
wissen, ob er irgendwelche der Zeichen bei ihm finden könnte, die der neue
Prophettragen sollte.
Nachdem seine Gäste
gegessen und sich verstreut hatten, ging Bahira zu Muhammad und bat ihn: „O
Junge, ich bitte dich, beantworte meine Fragen!“
Muhammad erwiderte:
„Frage mich, was du fragen möchtest!“ Er fragte nach seinen Träumen, nach
seinem Körper und nach vielen Sachen.
Muhammads Antworten
stimmten mit den Zeichen Bahiras überein, die er kannte. Bahira sah sich nun
den Rücken Muhammads an, auf dem er das ovale Muttermal entdeckte, das den
Propheten kennzeichnen sollte. Nun wusste er, dass es sich bei dem Jungen um
einen Gesandten Allahs handelte – einen Propheten, der es wie Noah, Abraham,
Moses und Jesus, sehr schwer haben würde. Als er Muhammad zu seinem Onkel Abu
Talib zurückbrachte, fragte er ihn: „Welcher Verwandtschaftsgrad besteht
zwischen dir und diesem Jungen?“
„Er ist mein Sohn.“
„Er kann nicht dein Sohn
sein! Der Vater dieses Jungen soll nicht mehr am Leben sein!“
„Er ist der Sohn meines
Bruders“, sagte jetzt Abu Talib die
Wahrheit.
„Was ist seinem Vater passiert?“
„Er ist gestorben,
während die Mutter des Jungen mit ihm schwanger war.“
„Jetzt hast du die
Wahrheit gesagt! Bring deinen Neffen in seine Heimat zurück und beschütze ihn
vor den Juden! Denn bei Allah, wenn sie wissen, was ich über ihn weiß, werden
sie ihm Böses antun! Große Dinge erwarten deinen Neffen! Beeile dich und bring
ihn nach Hause!“[20]
Kaum hatte Abu Talib
seine Geschäfte in Ash-Sham erledigt, eilte er mit Muhammad nach Mekka zurück.
Die Jahre vergingen und
Muhammad wuchszu einem Mann heran.
Weil die Mekkaner
Muhammad stets als ehrlichen und freundlichen Menschen erlebten, nannten sie
ihn „Al-Amin“, den Vertrauenswürdigen. Händler der Stadt beauftragten
ihn, ihre Ware mit Handelskarawanen ins Ausland zu bringen. Durch diese Reisen
konnte Muhammad etwas Geld verdienen und seinem Onkel helfen.
Auch Chadidscha, eine
reiche und kluge Kaufmannswitwe, lebte in Mekka. Sie war schon zweimal
verheiratet gewesen und hatte beide Männer verloren. Als sie von Muhammads
Ehrlichkeit und seinem edlen Charakter hörte, schickte sie eines Tages nach ihm
und machte ihm das Angebot, ihre Handelskarawane nach Ash-Sham zu bringen.
Muhammad war zu dieser Zeit fünfundzwanzig Jahre alt. Sie bot Muhammad einen
höheren Lohn als jedem anderen, und sie war sogar bereit, ihm einen ihrer
Sklaven, einen Mann namens Maisara, zur Verfügung zu stellen.
MuhammadnahmihrAngebotanundschloss
sich mit Maisara der Handelskarawane an.
Als sie in Busra im Süden
Syriens ankamen, ließ Muhammad sich im Schatten eines Baumes in der Nähe einer
Kirche nieder, dieeinem Mönch namens Nestor gehörte.
Der Mönch fragte Maisara:
„Wer ist dieser Mann unter dem Baum?“
„Er gehört zum Stamm
Quraisch, zu den Leuten der Kaaba“, antwortete Maisara.
„Unter diesem Baum haben
bisher nur Propheten gesessen!“ sagte der Mönch.[21]
Auf dem Markt verkaufte
Muhammad die Waren und kaufte für Mekkaner andere Sachen, die sie gerne haben
wollten.
Maisara merkte, dass er
einen Menschen begleitete, der anders war als alle anderen. Es gab aber etwas,
das ihn noch mehr verwunderte: Während der Reise sah Maisara, dass wenn die
Sonne stark schien, zwei Engel Muhammad Schatten gaben. Bei ihrer Rückkehr nach
Mekka berichtete Maisara Chadidscha von den Worten des Mönches und von den zwei
Engeln. Er erzählte aber auch, wie freundlich und lieb er war: „Du hast mich
mit ihm geschickt, damit ich ihm diene. Dabei hat er mir gedient. Wenn ich
krank war, pflegte er mich, wenn ich traurig war, machte er mich glücklich!“,
sagte Maisara.
Chadidscha ging zu ihrem
Cousin Waraqa und erzählte ihm, was sie über Muhammad gehört hatte.
Waraqa Bin Naufal war in
seiner Jugend Christ geworden, er konnte Hebräisch lesen und schreiben und
hatte Wissen überdie heiligen Schriften
der Juden und Christen. Im Alter war er erblindet, wurde aber in Mekka wegen
seiner Intelligenz sehr geschätzt.
„Chadidscha! Wenn das
stimmt, dann ist Muhammad der Prophet Allahs! Denn ich weiß seit langer Zeit,
dass ein Prophet erwartet wird. Seine Zeit ist schon gekommen!“, sagte er.
Chadidscha schickte
Maisara zu Muhammad, um ihn zu holen.
Als Muhammad bei ihr ankam,
brachte sie gleich ihre Gefühle ihm gegenüber zum Ausdruck, besonders ihre
Wertschätzung seiner Gerechtigkeit. Sie sagte ihm auch: „Ich schätze dich wegen
deiner Beliebtheit in deiner Familie, wegen der Schönheit deines Charakters und
wegen deiner Ehrlichkeit.“ Nach diesen Worten sagte Chadidscha, dass sie
Muhammad gerne heiraten wolle.[22] Muhammad war
einverstanden.
Muhammad sprach mit
seinen Onkeln darüber. Sie schickten seinen Onkel Hamza zu Chadidschas Familie
um - wie es üblich war - für Muhammad um ihre Hand anzuhalten.
Die Verwandten der
Brautleute freuten sich über die Heirat, und Muhammad gabChadidscha zwanzig
Kamele als Brautgeschenk. Chadidscha war zu diesem Zeitpunkt vierzig Jahre alt,
Muhammad fünfundzwanzig.
Bald verließ Muhammad das
Haus seines Onkels. Er lebte nun bei seiner Frau und führte eine glückliche
Ehe. Sie gründeten eine große Familie, die nicht nur aus ihren eigenen Kindern
bestand. Ihr erstes Kind war Qasim, der aber in seinem zweiten Lebensjahr
starb.[23]
Nach ihm gebar Chadidscha vier Töchter, die sie Zaynab, Ruqayya, Umm Kulthum
und Fatima nannten. Das letzte Kind, ein Junge, den Muhammad Abdullah[24]
nannte, starb ebenfalls früh.
Muhammad war sehr dankbar
für seine Töchter, die er sehr liebte. Baraka, die Dienerin seiner Mutter, die
ihre Freiheit von der Sklaverei Muhammad zu verdanken hatte, lebte auch bei
ihnen, nachdem sie ihren Mann verloren hatte. Zaid, ein Sklavenjunge, den
Muhammad freigelassen und auf eigenen Wunsch als Sohn angenommen hatte, gehörte
ebenfalls zur Familie.
Da Muhammads Onkel Abu
Talib seine Kinder kaum ernähren konnte, weil er zu arm wurde, schlug Muhammad
seinem OnkelAbbasvor,dassjedervonihneneinenseiner Söhne aufnehmen sollte. Abu
Talibs Sohn Dschaafar wurde von Abbas aufgenommen, sein Sohn Ali von Muhammad.
So gehörte nun auch Ali zum Hause des Propheten.
Die
Kaaba und der schwarze Stein
|
D |
ie Kaaba war
beschädigtund dazu noch erschien auf den Mauern der Ruine der Kaaba jeden Tag eine
riesige Schlange. Jeden, der sich ihr näherte, griff sie an und versetzte alle
in Angst und Schrecken. Daher konnte die Kaaba nicht wieder aufgebaut werden.
War das furchterregende Tier ein übles Vorzeichen? Ein paar Menschen
beobachteten, dass die Schlange eines Tages in der Sonne lag und Allah einen
Adler schickte. Er flog tiefer und tiefer, bis er sie schnappte und sogleich
mit ihr verschwand.[25]
Die Leute von Stamm Quraisch
gingen davon aus, dass Allah mit ihrer Absicht, die Kaaba wieder aufzubauen, einverstanden
war. Doch wer würde sich trauen, Allahs Haus zu berühren? Zwar waren die
Mekkaner wieder Götzendiener geworden, aber an Allah und die Botschaft Seiner
Propheten Abraham und Ismael glaubten sie immer noch. Dass die Kaaba immer der
Mittelpunkt der göttlichen Botschaft und ein Symbol der Einzigkeit Allahs war,
wussten sie noch. Aber in jener Zeit waren Unwissenheit, Götzendienst und
Gewalt so verbreitet, dass sie manchmal nicht mehr unterscheiden konnten, was
zur Religion Abrahams gehörte und was zum Aberglauben.
Würde Allah einen
weiteren Gesandten schicken, um die Menschen wieder auf Seinen Weg zu bringen?
Reichten die Propheten Adam, Noah, Abraham, Ismael, Moses, Zacharias, Johannes,
Jesus und alle anderen, die gesandt worden waren, nicht aus?
Die christlichen und
jüdischen Gelehrten erwarteten den Propheten, der barmherzig zu aller Welt sein
sollte und nicht nur zu einem bestimmten Volk geschickt wurde.
Die Geduld der Gelehrten,
aber auch die der einfachen Menschen, war fast erschöpft. Wann nur war es
endlich soweit? Wie lange sollten die Menschen noch ihre Töchter lebendig
begraben? Wie lange noch sollten Sklaven und Frauen auf der ganzen Welt, ob im
Westen oder Osten, schlecht behandelt werden? Wie lange noch sollten die
Menschen Steine anbeten und sich in ihrem Aberglauben damit rechtfertigen, dass
diese ihnen den Befehl gäben, einander zu schlagen und zu ermorden?
Walid Bin Mughira,
Sippenoberhaupt der Banu Machzum, trat vor die Menschen und erklärte mutig:
„Ich beginne mit dem Abbruch der Kaaba!“
Während Walid sich mit
einer Spitzhacke in der Hand dem Haus Allahs näherte, betete er: „O Allah, wir
wollen nur Gutes!“ Dann begann er, an den Steinen der Kaaba zu arbeiten.
Als die anderen Männer am
nächsten Tag sahen, dass Walid in der Nacht kein Unglück geschehen war, fingen
sie an ihm zu helfen, die alten Mauern bis zu den Fundamenten Abrahams niederzureißen.
Als ein Arbeiter eine
Stange zwischen zwei grüne Steine des Fundaments steckte, um sie auseinander zu
brechen, bebte ganz Mekka.[26]
Die Arbeiter hörten mit dem Abriss auf. Das Fundament sollte unberührt bleiben.
Sie hatten die Botschaft Allahs verstanden.
Nun begann der
Wiederaufbau. Alle Sippen von Mekka nahmen daran teil, und die Arbeit ging schnellvoran.
Bald erreichten die
Mauern die Stelle, wo der schwarze Stein[27]
an der richtigen Stelle angebracht werden sollte.
Plötzlich fingen die
Männer an zu streiten, wer die Ehre haben sollte, den schwarzen Stein an seinen
Platz zu setzen.
Fünf Tage lang stritten
sich die Männer. Jeder Stamm wollte den Ruhm für sich allein. Ausgerechnet vor dem
Haus Allahs, das Abraham gebaut hatte, damit die Gläubigen sich dort vor Allah
in Frieden und Sicherheit niederwerfen, gab es jetzt Streit! Vor dem heiligen
Haus des Friedens sollte es nun Krieg geben!
Abu Umayya, ein kluger alter
Mann, rief: „Ihr Männer der Quraisch, ich habe einen Vorschlag!“, alle riefen:
„und was für einen Vorschlag hast du?“
„Der Erste, der durch das
Tor der Moschee hineintritt, soll entscheiden, wer den schwarzen Stein an seinem
Platz einfügen soll!“ Er meinte das Tor, das zum Platz vor der Kaaba führte.
Der Vorschlag beruhigte
die Streitenden. Alle waren einverstanden und warteten und warteten. Lange Zeit
kam niemand. Fast wollten die Männer erneut streiten.
Endlich näherte sich eine
Gestalt dem Tor.
„Es ist Al-Amin, der
Vertrauenswürdige, Muhammad! Mit seinem
Urteil sind wir einverstanden!“ riefen alle.
Muhammad hörte sich an,
worüber die Männer stritten. Dann breitete er ein Tuch auf dem Boden aus und
legte den schwarzen Stein genau in die Mitte. Dann sagte er: „Von jeder Sippe
nimmt ein Mann eine Ecke des Tuches, dann heben alle gleichzeitig den Stein
hoch!“
Der Stein wurde zu seinem
Platz gebracht. Dann nahm Muhammad den Stein und schob ihn an seine Stelle.[28]
Nun waren sie alle daran
beteiligt gewesen, und so konnte Muhammad einen Kampf vermeiden. Alle freuten
sich sehr.
Muhammad war zu dieser
Zeit fünfunddreißig Jahre alt. Er wurde von allen gelobt. Die Quraisch setzten
große Hoffnungen in Muhammad, denn sie wussten, dass er nicht wie jeder andere
war.
Hala hatte ihre Schwester
Chadidscha und deren Familie sehr gern. Ihr Sohn Abul As, ein edler Mann unter
den Quraisch, bat Muhammad um die Hand seiner ältesten Tochter Zaynab. Muhammad
sagte seiner Tochter, dass ihr Cousin sie heiraten wolle und wollte wissen, ob
sie damit einverstanden wäre. Durch ein Lächeln brachte Zaynab ihre Zusage zum
Ausdruck. Chadidscha liebte ihren Neffen, daher freute sie sich über die
Heirat.
Gabriel
kommt zu Muhammad
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M |
uhammad war nun vierzig Jahre
alt und er hatte Dinge gesehen, die kein anderer Mensch sehen konnte.
Ereignisse, die er im Traum sah, geschahen tatsächlich. Er wollte lieber
alleine bleiben, daher verbrachte er viele Nächte in einer einsamen Höhle auf
dem Berg Hira.
Chadidscha und ihre
Töchter machten sich große Sorgen, als Muhammad wieder einmal lange dort blieb.
Sie schickten schließlich Boten auf den Berg, um ihn zu suchen. Doch
vergeblich.
Während Chadidscha noch
überlegte, wo er seinkönnte, stand Muhammad plötzlich vor ihr, aber ganz
verändert. Was war mit ihm geschehen?
„Bedecke mich! Bedecke
mich!“, bat er seine Frau, die ihn sogleich mit einem Gewand zudeckte. „Ich
fürchte um mein Leben!“ fügte er ängstlich hinzu.
Chadidscha beruhigte ihn.
„Niemals wirst du etwas Schlechtes erleben. Allah wird dich nie im Stich
lassen, denn du bist ein Mensch, der den Schwachen hilft, den Mittellosen gibt,
den Gast freundlich aufnimmt, nur die Wahrheit spricht
und dem Notleidenden unter die Arme greift!“[29]
Muhammad erzählte seiner
Frau, was in jener Nacht in der einsamen Höhle geschehen war: Ihm war ein Engel
erschienen! „Der Engel erschien und befahl mir: ‚Lies!’ Ich sagte: ‚Ich kann
nicht lesen!’ Aber der Engel packte und drückte mich, sodass ich dachte, ich
müsste sterben. Er ließ von mir ab und befahl noch einmal: ‚Lies!’ Ich
antwortete erneut: ‚Ich kann nicht lesen.’ Der Engel packte mich wieder, bis
ich es nicht mehr ertragen konnte. Erst dann ließ er mich los und befahlmirwieder:‚Lies!’Dariefich:‚Wassollichdennlesen?’
Da begann der Engel mir vorzusprechen:
Lies,
im Namen deines Herrn, der erschuf.
Er
erschuf den Menschen aus einem Blutklumpen.
Lies;
denn dein Herr ist Allgütig,
der
mit der Schreibfeder lehrt,
lehrt
den Menschen, was er nicht wusste.[30]
„Es war, als ob die Worte
in mein Herz geschrieben wurden“, erzählte Muhammad.[31] Als
er aufgeregt die Höhle verließ, erschien der Engel erneut und rief: „Muhammad, du bist der Gesandte Allahs, und
ich bin der Engel Gabriel!“
Muhammad sah den
mächtigen Engel mit ausgebreiteten Flügeln am Horizont stehen; die gewaltige
Gestalt füllte den ganzen Himmel aus. „In welche Richtung ich mich auch drehte,
überall sah ich ihn! Im Norden, Süden, Osten und Westen!“
Chadidscha, die nicht an
seinen Worten zweifelte, rannte eilig zu ihrem Cousin Waraqa und erzählte ihm,
was Muhammad erlebt hatte.
„Heilig! Heilig!“, rief
Waraqa. „Das war genau der Engel, der auch Moses erschien! Ganz bestimmt,
Muhammad ist der Prophet! Sage ihm, er möge geduldig sein!“
Chadidscha erzählte
Muhammad, was Waraqa gesagt hatte. Schließlich wollte Waraqa aber aus Muhammads
Mund hören, was geschehen war. Muhammad berichtete ihm von dem Zusammentreffen
mit dem Engel Gabriel. Der blinde Waraqa wiederholte seine Bestätigung und
schwor: „Beim Allah, du bist der Prophet Allahs! Die Botschaft ist zu dir
gekommen, wie sie zu Moses kam. Wenn ich noch ein junger Mann wäre, würde ich
dir helfen, wenn dein Volk dich vertreibt!“
„Werden sie mich wirklich
vertreiben?“, fragte Muhammad überrascht. Er konnte sich nicht vorstellen, wie
ein so beliebter und harmloser Mensch wie er von seinem Volk vertrieben werden
sollte.
„Ja, niemand ist bisher
mit dieser Botschaft gekommen, ohne verfolgt zu werden!“, antwortete Waraqa. Er
ermutigte ihn dennoch, sich zu freuen und geduldig zu bleiben.[32]
Chadidscha bekannte sich
als erste zum Islam. Sie war überzeugt davon, dass die Botschaften, die
Muhammad erhielt, tatsächlich von Allah kamen. Von nun an besuchte Gabriel ihn
häufig.
Der Prophet Muhammad, wie
er nun von den Muslimen genannt wurde, begann, den Leutenaus seiner Sippe, zu
denen er Vertrauen hatte, im Geheimen von seiner Botschaft zu berichten.
Als das Gebet zur Pflicht
wurde, erschien Gabriel auf der höchsten Stelle Mekkas und schlug mit einem Fuß
ein Loch in die Erde, aus dem Wasser sprudelte. Der Engel verrichtete die
rituelle Waschung, während Muhammad ihn dabei beobachtete und anschließend das
Gleiche tat. Dann stellte der Engel sich zum Gebet auf, und Muhammad stellte
sich neben ihn und betete mit ihm.[33]
Der Prophet ging zu
Chadidscha, wusch sich und betete mit ihr, wie Gabriel mit ihm gebetet hatte,
damit auch sie es lernte.[34]
Er begann, den Menschen
die klare Botschaft des Einzigen Gottes zu predigen und
ermutigte sie, nur noch Allah zu dienen und keine Menschen oder Steine
anzubeten.
Ihm war bewusst, dass
diese Botschaft Gefahren mit sich brachte, denn die Gleichheit und
Gerechtigkeit, die Allah für die Menschen will, bedeutete für viele reiche
Männer in Mekka und in der übrigen Welt das Ende ihrer Gewalt gegenüber den
Schwachen – vor allem gegenüber den armen Frauen.
Diejenigen, die hunderte
Sklaven besaßen und sie wie Tiere behandelten, sollten sie laut der neuen
Religion nämlich freilassen. Die Frau sollte ein Erbrecht erhalten und eigenen
Besitz haben dürfen. Muhammad ermutigte die Menschen, Sklaven freizulassen und
Frauen gütig zu behandeln. Männer durften nicht mehr eine unbegrenzte Anzahl
von Frauen haben. Er bestand darauf, den Frauen Rechte, ein Brautgeld, Erbe und
Eigentum zu geben. Er erklärte den Mann zum Besten, der
am freundlichsten und nettesten zu seiner Frau und seinen Kindern ist.[35]
Die Mekkaner machten sich
lustig über Muhammad, wenn er sich für die Rechte der Schwachen einsetzte und
Tränen über Mädchen vergoss, die lebendig begraben wurden. Frauen wurden damals
verachtet – nicht nur im vorislamischen Arabien, auch von den Römern und
Persern. Der Koran verkündete offen, dass die Männer sich dafür einst
verantworten werden müssen. „...und wenn das lebendig begrabene Mädchen
gefragt wird: ‚Für welch ein Verbrechen wurdest du getötet?’“[36]
Eines Tages erzählte einer seiner Gefährten dem Propheten, was er bevor er Muslim wurde,getan
hatte:
„O Gesandter Allahs, in
der vorislamischen Unwissenheit haben wir unsere Kinder getötet! Ich hatte eine
Tochter, die ich eines Tages zu einem Brunnen brachte, in den ich sie
hinabstieß. Während sie fiel, schrie sie: ‚Papa! Papa!’“
Als der Prophet dies
hörte, weinte und schluchzte er so sehr, als habe er einesseiner eigenen Kinder
verloren. Er weinte so lange, bis sein Bart nass wurde, und doch konnte er den
Mann für seine Tat nicht bestrafen. Er hatte ja bereut und dies nur erzählt, um
zum Ausdruck zu bringen, wie schrecklich sich die Menschen vor dem Islam
verhalten hatten und wie wichtig der Islam für die Menschen ist.[37]
Viele Menschen verstanden,
dass der Prophet, der so schöne Dinge sagte und tat, nur das Beste für sie
wollte, sie vom Aberglauben befreien und ihnen zeigen wollte, dass Götzen nur
Steine waren, die den Menschen weder nützten noch schadeten. Die Quraisch aber
betrachteten die neue Religion, die durch Muhammad verkündet wurde, als Beleidigung
ihrer Götter. Durch diese Götzen, die um die Kaaba standen, waren viele der Quraisch
aber reich geworden. Der Handel, der während der Pilgerzeit getrieben wurde,
war die Quelle ihres Reichtums.
Nach Chadidscha waren
Ali, Zaid und Abu Bakr die Ersten, die sich dem Islam anschlossen. Abu Bakr war
bekannt für seine Klugheit und brauchte nicht lange zu überlegen, um den Islam
anzunehmen. Er kannte Muhammad besser als jeder andere und wusste, wie ehrlich
und aufrecht sein Freund war. Er begann, die klugen Leute aufzufordern dem
Propheten zu folgen. Durch ihn wurden Abu Ubayda Bin Al-Dscharah, Abdurrahman BinAuf
und später noch viele andere Muslime.
Noch wurde der Islam im Geheimen
verbreitet. Der Prophet hatte bis dahin nichtsüber die Götzen gesagt, daher waren
die Quraisch noch nicht ganz verärgert.
Die
Schwachen werden gefoltert
|
I |
n Mekka herrschte damals
das Recht des Stärkeren: Wer reich und stark war, konnte sich alles erlauben.
Frauen und Sklaven wurden schlecht behandelt.
Die Botschaft des Islam war
vom Propheten drei Jahre im Geheimen verbreitet worden, doch nun wurde ihm von
Allah der Befehl erteilt, den Islam öffentlich zu verbreiten.
Zuerst sprach der Prophet
mit seinen Verwandten, den Banu Haschim. Es bekannten sich zwar nur wenige von
ihnen zum Islam, aber Abu Talib sicherte ihm den Schutz der Banu Haschim zu und
sagte ihm, dass er weitermachen könne. Nur ein dicker, böser Mannvon den Banu
Haschim war gegen ihn: Muhammads Onkel Abu Lahab.
Am folgenden Tag stieg
der Prophet auf den Hügel Safa in der Nähe der Kaaba und rief alle Stämme der
Quraisch: „O Banu Machzum, o Banu Zuhra, o Banu…“.
Als sie hörten, dass es
Muhammad war, der rief, eilten sie zum Hügel Safa. Nachdem die Leute sich nun
alle versammelt hatten, fragte der Prophet: “Würde ich euch sagen, dass sich
hinter diesem Berg Reiter befinden, die euch angreifen wollen, würdet ihr mir
glauben?“ Sie antworteten: „Ja, wir haben von dir noch nie eine Lüge gehört und
kennen dich als jemanden, der immer die Wahrheit spricht“.
Da sagte der Prophet:
“Ich bin für euch ein Warner vor einer schlimmen Strafe. Ich bin wie jemand,
der einen Feind gesehen hat und nun seine Leute warnt“.
Er erzählte ihnen von
seiner Botschaft und dem Auftrag, den Allah ihm gegeben hatte: „O Quraisch,
glaubt an Allah, rettet euch vor dem Feuer der Hölle, denn ich kann euch nach
dem Tode nicht mehr helfen!“[38]
Damit wollte er ihnen erklären, dass vor Allah jeder Mensch für sich selbst
verantwortlich ist. Vor Allah gibt es keinen Schutz durch Beziehungen oder
durch Geld. Alle Menschen sind gleich.
Die Leute der Quraisch
hatten zwar zugehört, sagten aber nicht dazu. Sie waren dabei zu gehen, als Abu
Lahab rief: „Wehe dir, hast du uns dafür versammelt?“[39]
Dies sollte der Beginn
einer tiefen Feindschaft Abu Lahabs gegenüber seinem Neffen und den Muslimen
sein.
Auch bei vielen der
Anführer der Quraisch wuchs eine Feindschaft zum Islam. Sie begannen Gewalt gegen
die schwachen Muslimeanzuwenden.SobegannendieMächtigender Quraisch, ihre Sklaven und Diener
zu foltern, die den Islam angenommen hatten, um sie dazu zu zwingen, zum
Götzendienst zurückzukehren. Sie nahmen ihnen die Religionsfreiheit.
Muhammad warnte jeden, der gegen andere Gewalt anwandte, und
sagte, dass jeder für seine Taten dereinst von Allah zur Rechenschaft gezogen
werden würde. Er erklärte auch, er persönlich könne selbst für seinen Onkel
Hamza, seine Tante Safiya oder für seine Tochter Fatima – sein eigen Fleisch
und Blut – nichts tun.[40] Jeder sei also für sich
selbst verantwortlich. Er sprach von den Wundern der Natur, die von der Einheit
und Allmacht Allahs zeugen. Er berichtete auch von der Gnade, Güte und Weisheit
Allahs. Er rezitierte die schönen und bewegenden Verse des Korans.
Die Freundlichkeit der
Muslime war bald in aller Munde: Jeden Menschen, ob arm oder reich, grüßten sie
mit dem Friedensgruß As-Salamu alaikum
- Friede sei mit euch. Es waren die Worte, die der Engel Gabriel dem Propheten beigebracht
hatte.
Ganz gleich, was der
Islam den Menschen brachte und wie ehrlich der Prophet Muhammad war – sie
wollten sich nicht ändern! Sein Onkel Abu Lahab erklärte ihn für verrückt.
Manche nannten ihn einen
Dichter, der mit seinen schönen Wortendie Herzen der Menschen nach der ersten
Begegnung änderte – obwohl er vor der Entsendung gar kein Talent zur Dichtkunst
gezeigt hatte und das Lesen und Schreibennicht gelernt hatte. Die Quraisch
fragten sich, wer ihm von heute auf morgen Gedichte und Weisheit beigebracht
haben konnte.
Schließlich gingen sie zu
Abu Talib, und boten sogar an, Muhammad zu ihrem König zu machen, ihm so viele
Frauen zu geben,wie er nur wollte, oder so viel Geld, dass er der Reichste
unter ihnen würde, wenn er nur mit dem Islam aufhörte. Er möge nur endlich aufhören,Rechte
für die Frauen, die Kinder, die Armen und die Schwachen zu fordern! Das würde
ihre Geschäfte ruinieren.
Muhammad machte deutlich,
dass er nie aufhören würde, selbst wenn er dafür sterben müsste.
Abu Talib versprach ihm:
„Verbreite, was du möchtest, Muhammad, bei Allah, für nichts werde ich dich im
Stich lassen!“[41]
NachdenerstenachtMuslimenerreichtedieZahlderFrauenundMänner,diedenIslamannahmen,schnell
einhundertdreißig. Unter ihnen waren einige Verwandte des Propheten, seine
beiden Cousins Dschaafar und Zubair sowie Zubairs Mutter Safiya. Ummul Fadl,
die Frau des noch unsicheren Abbas, brachte ihre Schwestern Salma, Asma’ und
Maymuna zum Propheten. Dschaafar heiratete Asma’, während Hamza ihre Schwester
Salma heiratete.[42] Sie
alle waren Quraischiten.
Chadidscha war weiterhin
eine große Hilfe für den Propheten. Er liebte sie sehr und heiratete zu ihren
Lebzeiten keine weitere Frau.
Um sich vor ihrem Stamm
zu verstecken, gingen die Gefährten des Propheten zum Gebet in die Schluchten
außerhalb Mekkas.
Als Saad Bin Abi Waqqas
einmal mit einigen Gefährten dort beim Gebet war, kam eine Gruppe Mekkaner bei
ihnen vorbei, stoppte sie, störte ihr Gebet, beschimpfte sie und wurde dann
gewalttätig. Als sie sich nicht mehr anders wehren konnten, schlug Saad einen
der Angreifer mit dem Kieferknochen eines Kamels und verletzte ihn am Kopf.
Dies war das erste Blut, das zur Verteidigung der Muslime vergossen wurde.
Als Abu Talib seinen Sohn
Ali mit dem Propheten beten sah, fragte er sie, was sie da täten. Die beiden
erklärten ihm den Sinn und die Wichtigkeit des Gebetes. Er hörte es sich an und
bat sie, geduldig zu bleiben.[43]
„Männer von Quraisch!“sagte
Abu Dschahl eines Tages zu den Anwesenden, „Ich verspreche euch, ich werde
morgen mit einem großen Stein auf Muhammad warten, den ich kaum tragen kann.
Wenn er sich während des Gebets niederbeugt, schlage ich ihn damit auf denKopf!“
Am nächsten Morgen nahm
Abu Dschahl einen Stein, setzte sich nieder und wartete auf den Propheten. Der
Prophet kam und betete, während die Quraisch in ihrer Versammlung saßen und
warteten, was Abu Dschahl tun würde. Als der Prophet sich im Gebet
niederbeugte, nahm Abu Dschahl den Stein und ging auf den Propheten zu. Als er
aber in seine Nähe kam, erschrak er und ließ den Stein fallen.
„Was ist mit dir, Abul
Hakam?“, riefen sie ihn.
„Ich ging zu ihm, um mit
ihm zu machen, was ich euch gestern versprach. Als ich mich näherte, griff mich
ein riesiges Kamel an. Bei Allah, mit so einem Kopf und solchen Zähnen, so eins
habe ich noch nie gesehen! Es versuchte mich zu fressen!“
Der Prophet erklärte
später, dies sei Gabriel gewesen und wenn Abu Dschahl noch nähergekommen wäre,
hätte er ihn getötet.“[44]
Nadr Bin Al-Harith
sprach: „Ihr Männer von Quraisch! Bei Allah, ihr habt keine Lösung für euer
Problem! Unter euch war Muhammad doch ein junger Mann, mit dem ihr am meisten
zufrieden gewesen seid, der Ehrlichste und Zuverlässigste unter euch. Erst
nachdem er mit seiner Botschaft kam, habt ihr ihn einen Zauberer genannt; ein
Zauberer aber kann er nicht sein, denn wir haben die Zauberer, ihr Spucken und
ihre Knoten gesehen. Ihr habt ihn einen Hellseher genannt, der er nicht sein
kann. Ihr habt ihn einen Dichter genannt. Ein Dichter kann er auch nicht sein,
denn wir kennen alle Dichtkünste. Schließlich habt ihr ihn als verrückt
bezeichnet, was auch nicht sein kann. Männer von Quraisch, nehmt eure Sache
ernst! Bei Allah, eine große Sache wird passieren!“
Unterdrückung
und Geduld
|
D |
aderProphetMuhammad unter
dem Schutz Abu Talibs als Oberhaupt der Banu Haschim stand, konnten die
Quraisch den Propheten nicht so einfach ermorden. Es reichte ihnen zuerst, die
Schwachen unter den Muslimen zu verfolgen, vor allem die armen Sklaven.
Um sie vom Islam
abzubringen, sperrten sie sie ein, folterten sie, ließen sie hungern und
dursten und setzten sie Mittagshitze aus. Einige wurden so schwer gefoltert,
dass sie äußerlich den Islam aufgaben, während sie aber innerlich im Herzen Muslime
blieben; andere jedoch hielten alles durch. Der Römer Sinan wurde unter der
Folter so oft bewusstlos, dass er am Ende nicht mehr wusste, was er sprach.
Chabbab, ein Schmied, wurde mit einer glühenden Eisenstange gefoltert, damit er
Muhammad abschwöre. Er ertrug jedoch die Folter, und sein Glaube wurde umso
stärker. Ein Mann namens Abu Fukayha wurde in Ketten gelegt, man riss ihm die
Kleider vom Leib und legte einen riesigen Stein auf seinen Rücken, sodass er
sich nicht mehr bewegen konnte. Einmal band man sogar einen Strick um ihn und
zog ihn bis zur Ramda[45],
wo man ihn für tot erklärte. Abu Bakr kam weinend zu ihm, rettete ihn und
kaufte ihn von seinen Peinigern los; dann ließ er ihn frei.[46]
Zunayra, eine römische
Sklavin, hatte durch furchtbare Folter ihr Augenlicht verloren. Man sagte ihr,
die Götzen hätten sie blind gemacht. Sie erwiderte: „Bei Allah, das stimmt
nicht, und Allah wird es wieder in Ordnung bringen!“ Am nächsten Tag konnte sie
wieder sehen. Die Quraisch sagten, dies sei etwas vom Zauberwerk Muhammads,
dass er wieder heilte.[47]
Umayya folterte Bilal,
wenn die Mittagshitze nicht zu ertragen war. Im Tal von Mekka warf er ihn auf
den Rücken, dann befahl er seinen Männern, Bilal einen großen Stein auf die
Brust zu legen und sprach: „Du wirst solange so bleiben, bis du stirbst!“
„Ahadun Ahad, Einer! Einer!“, rief
Bilal und bekannte sich so trotz seiner Schmerzen zu Allah, dem Einzigen und
Einen Gott.
Waraqa Bin Naufal ging
vorüber und sah, wie Bilal gequält wurde und schwor: „Bei Allah, so ist es
Bilal, Allah ist nur Einer, Einer!“
Dann rief er Umayya und
die anderen vom Stamm Dschuma[48], die Bilal folterten:
„Ich schwöre bei Allah, wenn ihr ihn dafür tötet, dass er standhaft blieb, werde
ich sein Grab zu einer Pilgerstätte machen!“
Abu Bakr wohnte in dem
Viertel und kam eines Tages vorbei, als die Banu Dschuma wieder einmal Bilal
folterten. Er fragte Umayya: „Hast du keine Furcht vor Allah, wegen dem, was du
diesem Armen antust? Wie lange noch?“
„Du hast ihn verdorben,
also rette ihn doch“, schrie Umayya wütend.
Darauf bot Abu Bakr an,
Bilal zu kaufen, und Umayya willigte ein.
Abu Bakr nahm Bilal mit
und schenkte ihm die Freiheit, so wie er es schon mit vielen anderen Sklaven gemacht
hatte.
Unter denen, die Abu Bakr
befreit hatte, waren auch Amr Bin Fuhayra, An-Nahdiya mit ihrer Tochter, die
unter schlimmer Folter zu leiden gehabt hatten, sowie Zunayra, die römische
Sklavin, die ihr Augenlicht vorübergehend verloren hatte.
Weil Abu Bakr so viele
Sklaven befreite, wurde er von seinem Vater Abu Quhafa getadelt. Er fragte ihn,
weshalb er nur die Schwächsten freikaufte, die ihm keinen Nutzen brächten. Abu
Bakr antwortete, dass er es für Allah tue und nicht zu seinem eigenen Vorteil.
Das Lob für diese Taten Abu Bakrs findet sich in einem Koranvers, welcher die
Menschen motiviert, solange diese Erde existiert Gutes zu tun, ohne deswegen im
Diesseits einen Nutzen zu erwarten.[49]
Es war vor allem Abu
Dschahl, der die Quraisch gegen die schwachen Muslime aufhetzte.
Yasir war als junger Mann
mit seiner Frau Sumayya nach Mekka gezogen. Da er ein Fremder war, begab er
sich unter den Schutz der Banu Machzum. Sie lebten in Mekka und bekamen einen
Sohn, den sie Ammar nannten. Als dieser herangewachsen war, gehörte er zu den
ersten, die den Islam annahmen. Er überzeugte auch seine Eltern, Muslime zu
werden. Alle drei wurden auf einem Platz der Mittagshitze ausgesetzt und
gefoltert. Doch sie ertrugen die Demütigungen und Qualen voller Geduld. Immer
wenn der Prophet Muhammad an ihnen vorbei kam, sagte er zu ihnen: „Habt Geduld,
Familie von Yasir, euer Treffpunkt wird das Paradies sein.“[50]
Eines Tages kam Abu
Dschahl an Sumayya vorbei, während sie gefoltert wurde. Er beschimpfte sie auf
die übelste Weise. Als sie ihm keine Beachtung schenkte, stach er seinen Speer
in ihren Schoß. Sumayya starb. Die schwache, magere, alte Frau war die erste
Märtyrerin für die Sache Allahs. Ihr Mann Yasir starb ebenfalls kurze Zeit
später unter der Folter. Ihr Sohn Ammar wurde von Abu Dschahl weiter gefoltert.
Eines Tages, als der
Prophet sich in der Nähe des Hügels Safa aufhielt, kam Abu Dschahl vorbei und
begann, ihn schrecklich zu beschimpfen. Der Prophet wurde nie ausfallend oder
stritt sich mit anderen – ganz gleich, wie schwer er beleidigt wurde. Er
schwieg, sah Abu Dschahl nur an, und als dieser fertig war, wandte er sich von
ihm ab und ging. Da bewarf dieser den Propheten mit einem Stein und verletzte
ihn. Danach setzte sich Abu Dschahl zu einer Gruppe von Männern der Quraisch,
welche sich immer in der Nähe der Kaaba trafen.
Kurz darauf kehrte Hamza,
mit seinem Bogen in der Hand, von der Jagd zurück. Als er nun auf dem Weg zur
Kaaba war, erzählte ihm eine Frau, was Abu Dschahl dem Propheten angetan hatte.
Bebend vor Zorn ging er
zu dem Treffpunkt der Quraisch. Hamza lief ohne zu grüßen oder sonst etwas zu
sagen auf Abu Dschahl zu. „Du beschimpfst meinen Neffen, obwohl ich seiner
Religion angehöre“, sagte er und schlug Abu Dschahl so fest mit seinem Bogen
ins Gesicht, dass er ihm eine tiefe Wunde zufügte. „Schlag zurück, wenn du
kannst!“, rief er.[51]
Nun war ein starker und
gefürchteter Held der Quraisch Muslim geworden, was die Lage der Muslime
natürlich verbesserte. Aber die schwachen Muslime taten dem Propheten leid,
deshalb fasste er einen Plan.
Die
Auswanderung
|
„W |
enn ihr in das Land der
Abessinier geht, findet ihr dort einen König, bei dem euch kein Unrecht
zustoßen wird“, war der Plan des Propheten.
Sofortbereiteten sich die
Muslime auf eine geheime Reise vor.
Um nicht von den Quraisch
gefangen genommen zu werden, verließen die ersten Muslime heimlich im Schutze
der Nacht Mekka. Ihre Flucht blieb den Quraisch jedoch nicht lange verborgen. Bevor
die Muslime ein Schiff am Hafen erreichten, wurde eine Truppe entsandt, um die
Auswanderer zurückzuholen. Da die Verfolger mit Pferden und ohne Frauen und
Kinder waren, ritten sie schnell und würden bald am Hafen ankommen.
Das war im Jahre 615, als
Abessinien[52] von
einem christlichen Negus regiert wurde, der ein gerechter König war, wie der
Prophet ihn beschrieben hatte. Unter den Auswanderern war auch eine Tochter des
Propheten, Ruqayya, mit ihrem Mann Uthman. Der Prophet sagte, dass „es sich
hier um die erste Familie handelt, die auf dem Weg Allahs ausgewandert ist,
nach der Auswanderung der Propheten Abraham und Lot.“
Die Auswanderer eilten
zum Hafen Schuayba. Als ihre Verfolger von den Quraisch den Strand erreichten,
waren sie schon mit zwei Handelsschiffen in See gestochen und damit gerettet.[53]
Vom Negus wurden die
Muslime herzlich begrüßt und sie konnten in Freiheit leben und ihre Religion
ungestört ausüben. Einige Tage später folgte ihnen eine größere Gruppe nach.
Für diejenigen, die in Mekka zurückblieben, wurde das Leben nun immer
schwieriger.
Abessinien war ein
wichtiger Handelspartner Mekkas. Die Quraisch hatten gute Kontakte zum Negus
und seinem Hof. Daher waren die Quraisch sehr verärgert darüber, dass die
Muslime in Abessinien Zuflucht suchten. Sie dachten sich: „Nun genügt es
Muhammad nicht mehr, bei uns zu Hause für Unruhe zu sorgen, jetzt stört er auch
noch unsere Beziehungen ins Ausland!“. Also fassten sie einen Plan: Sie wollten
den Abessiniern Geschenke machen, um sie zur Auslieferung der Muslime zu bewegen.
Mit diesem Auftrag schickten die Mekkaner eine Delegation, zu der auch der
angesehene und kluge Amr Bin Al-As gehörte, nach Abessinien.
Die Mekkaner gaben dem
Negus die Geschenke und begannen über die Auswanderer schlecht zu reden. Sie
wollten auf jeden Fall verhindern, dass der Negus mit den Auswanderern sprechen
würde, sondern sie ihnen einfach auslieferte, damit sie sie nach Mekka zurückbringen
könnten.
Das Ganze machte den
Negus wütend, und er sprach zu seinen Leuten: „Nein, bei Allah, ich werde sie
nicht übergeben! Leute, die mich wählten und zu mir gekommen sind, werde ich
nie ausliefern, ohne sie vorher angehört zu haben. Wenn es stimmt, was ihr über
sie sagt, werde ich sie zu ihrem Volk zurückschicken. Wenn es aber nicht
stimmt, werde ich sie vor den Quraisch beschützen, solange sie mich brauchen.“
Dann ließ er die
Gefährten des Propheten kommen. Auch seine Bischöfe ließ er mit ihren heiligen
Schriften kommen.
Die beiden Mekkaner
hatten gehofft, dieses Treffen würde nicht stattfinden und die Muslime würden
nicht sprechen dürfen.
Als die muslimischen
Frauen und Männer zum Saal kamen, merkten die Abessinier, dass diese ihnen viel
sympathischer waren als die Quraischiten. Schon bevor sie zu sprechen begannen,
waren der König und die Anwesenden erfreut über diese Leute.
Der Negus fragte die
Muslime: „Welche Religion ist es, wegen der ihr euer Volk verlassen habt und ihr
weder meine noch eine andere Religion eines anderen Volkes angenommen habt?“
Dschaafar, der Sohn Abu
Talibs, sprach für die Muslime: „O König, wir waren ein unwissendes Volk,
beteten Götzenaus Stein an, aßen Kadaver, begingen alles, was schlecht war,
behandelten die Nachbarn schlecht, und die Starken unter uns nutzten die
Schwachen aus. Auf diese Weise lebten wir, bis Allah uns aus uns selber einen
Propheten schickte. Wir kennen seine Abstammung, seine Ehrlichkeit und
Vertrauenswürdigkeit. Er lehrte uns, die Einzigkeit Allahs anzuerkennen, Ihm
alleine zu dienen und nicht Steinen und Götzen. Er lehrte uns, immer die
Wahrheit zu sprechen, Versprechen zu halten, die Rechte der Frauen, Kinder und
Nachbarn zu achten und kein Blut zu vergießen. Er verbot uns, falsche
Zeugenaussagen zu machen oder den Besitz der Waisen zu veruntreuen und
unschuldige Frauen zu verleumden. Er befahl uns, nur Allah anzubeten und Ihm
keine Götter beizugesellen, den Armen Almosen zu geben und zu fasten.
Wir glauben ihm und an den
Quran, mit der er von Allah kam. Wir beten Allah alleine an, ohne Ihm Partner
beizugesellen.
Was Allah uns verboten
hat, sehen wir als verboten, und was Er uns erlaubt hat, sehen wir als erlaubt.
Aber unser Volk fing an, uns zu foltern, damit wir unseren Glauben aufgeben und
anstelle Allahs Götzen anbeten und diese schrecklichen Sachen der Vergangenheit
wieder erlauben würden.
Nachdem sie uns
unterdrückten und uns das Leben schwer machten, wählten wir dein Land. Wir sind
überzeugt, o König, dass wir bei dir kein Unrecht erleiden werden!“
Der Negus fragte: „Ist
etwas von dem Quran, was von Allah offenbart wurde, bei dir?“
„Ja.“
„Dann trage es mir vor!“
Dschaafar rezitierte aus der Sure Maryam
(Maria)[54].
In dieser Sure wird die Geschichte von der Geburt Jesu erzählt.
Als der Negus diese schönen
Worte,die so voll Achtung über Maria und Jesus berichten, hörte, weinte er, bis
sein Bart nass war. Seine Bischöfe weinten auch, bis die Tränen ihre Bücher
befeuchteten, die sie in den Händen hielten, als sie diese Rezitation aus dem
Koran hörten.
Als der König sich wieder
beruhigt hatte, wandte er sich an die Mekkaner. „Diese und die Offenbarung Jesu
sind Strahlen desselben Lichts. Bei Allah, ich gebe euchdiese Leute nicht und
werde sie nicht verraten!“[55]
Der König schickte die
Delegation Mekkas zurück.
Amr sagte zu seinem
Begleiter Abdullah, er werde am nächsten Tag noch mal zum König gehen und ihn
mit einer anderen Geschichte überraschen. „Tu das nicht! Sie sind immer noch
unsere Verwandten!“ sagte Abdullah.
„Bei Allah, ich werde dem
König erzählen, dass diese sagten, Jesus, der Sohn Marias, sei nur ein Diener
Allahs.“
Am nächsten Tag erschien
Amr erneut beim König und sagte: „O König, sie sagen etwas Schlimmes über
Jesus. Lass sie kommen und frage sie nach dem, was sie sagen!“
Der Negus ließ sie erneut
kommen.
Sie fragten sich, was sie
über Jesus sagen sollten. Dann sagten sie: „Bei Allah, wir sagen, was Allah
sagt und was dem Propheten offenbart wurde; ganz gleich, was passiert, werden
wir nur die Wahrheit sagen.“
Beim Negus angekommen,
fragte er, was sie von Jesus hielten. Dschaafar sprach wieder: „Über Jesus sagen
wir, was unserem Propheten offenbart wurde: Er ist Diener und Prophet Allahs,
Sein Geist und Sein Wort, das Er der Jungfrau Maria eingab.“
Der Negus bestätigte, was
Dschaafar über Jesus sagte.
„In meinem Land seid ihr
in Sicherheit.“ Dreimal sagte er: „Wer euch beschimpft, wird bestraft! Selbst
für einen Berg Gold würde ich euch nicht verraten. Wir brauchen ihre Geschenke
nicht, gebt sie zurück!“
Gescheitert kehrten die Quraisch
mit ihren Geschenken wieder[56]nach
Mekkazurück, mit der Nachricht, dass sie mit ihrem Vorhaben nichts erreicht und
sich ihre Beziehungen zu Abessinien verschlechterthätten.
Jemand
will den Propheten töten
|
U |
mar Bin Al-Chattab war
ein Neffe Abu Dschahls und ein gefürchteter Mann in Mekka. Die Muslime hatten sehrunter
ihm gelitten. Er war sehr mutig. Außerdem war er ein gebildeter Mann, der lesen
und schreiben konnte.
Umar hat entschieden,Muhammad
zu töten.
Mit seinem Schwert in der
Hand ging er eines Tages los und begegnete unterwegs Nu´aym, der ihn fragte, wo
er denn hingehe.
AlsUmarihmvonseiner
Absicht erzählte, antwortete Nu´aym: „Die Sippe der Banu Haschim wird sich an
dir rächen, wenn du Muhammad tötest!
Du solltest dich lieber um
deine eigene Familie kümmern, denn deine Schwester Fatima und ihr Mann sind
längst Muslime geworden und Muhammads Freunde geworden.“
Umar begab sich sofort
zum Haus seiner Schwester und seines Schwagers.
In der Nähe des Hauses hörte
er, wie jemand etwas vorlas.
Umar klopfte an die Tür.
Bei seiner Schwester befand sich Chabbab, einer der Freunde des Propheten, der Fatima
und ihrem Mann Koranverse beibringen wollte, die auf ein Pergament geschrieben
waren.
Als sie hörten, wer an
der Tür war, erschraken sie.
Fatima und ihr Mann
versteckten Chabbab und das Pergament mit den Koranversen, dann ließen sie Umar
ins Haus. Umar fragte: „Was war das, was ich eben gehört habe?“
Die beiden antworteten:
„Du hast nichts gehört!“ Umar sagte „Doch, ich habe gerade erfahren, dass ihr
Muhammads Religion folgt!“ Dabei packte er Said. Als seine Frau ihm zu Hilfe
eilen wollte, schlug Umar sie so stark ins Gesicht, dass sie blutete. Da sagte
seine Schwester: „Ja, wir glauben an Allah und Seinen Gesandten, so mache, was
du möchtest.“
Als Umar seine Schwester
sah, wie sie blutete, bereute er es und schämte sich für das, was er ihr
angetan hatte.
„Würdest du mich in den
Koran blicken lassen?“, fragte Umar. Nach langem Zögern händigte ihm Fatima das
Pergament mit den Koranversen aus, das sie versteckt hatte. Als Umar zu Ende
gelesen hatte, rief er: „Wie schön und edel diese Worte sind!“
Chabbab hörte diese
Worte, kam aus seinem Versteck hervor und sagte schnell: „Umar, ich hoffe,
Allah hat dich durch das Gebet Seines Propheten Muhammad gewählt, als er
gestern betete: “O Allah, stärke den Islam mit Amr Bin Hischam – Abu Dschahl -
oder mit Umar Bin Al-Chattab!“
Umar nahm sein Schwert
und fragte, wo er den Propheten finden könne. Dieser saß zusammen mit einigen
Gefährtinnen und Gefährten in einem Haus am Hügel Safain der Nähe der Kaaba.
Umar rannte dorthin und klopfte
an die Tür. Einer der Gefährten sah durch einen Spalt, dass es Umar war, der
ein Schwert dabei hatte, und sagte es ängstlich den anderen.
Hamza rief laut: „Macht
ihm die Tür auf! Wenn er Gutes will, werden wir ihm mit Gutem begegnen; wenn er
aber Böses will, dann töten wir ihn mit seinem eigenen Schwert!“
Als die Türe aufging, ergriff
ihn der Prophet an seinem Gürtel und seinem Kleid, zog ihn heftig und fragte:
„Was führt dich hierher, o Sohn des Chattab?“
„O Gesandter Allahs, ich
komme, um an Allah und Seinen Gesandten zu glauben und an den Koran, der von
Allah kommt“, erklärte Umar.
Die Freude des Propheten
und seiner Anhänger war sehr groß. „Allahu akbar! Allah ist groß!“, riefen
alle, sodass es ganz Mekka hörte.[57]
Bald wusste jeder, dass
Umar keine Götzen mehr anbetete. Vorher hatten die Muslime ihren Glauben vor
den Mekkanern verheimlichen müssen und konnten ihre Gebete nicht in der
Öffentlichkeit verrichten.
Umar wollte jedem vom Islam
erzählen. Er erzählte später: „Als ich Muslim wurde, überlegte ich mir, wer in
Mekka dem Gesandten Allahs am meisten wehgetan hatte, um zu ihm zu gehen und
ihm ins Gesicht zu sagen, dass ich Muslim gewordenbin.Ichsagtemir:“AbuDschahl!“
Also ging ich am nächsten Morgen, gleich nachdem ich aufgewacht war, zu ihm und
klopfte an seine Tür. Abu Dschahl kam heraus und sagte:
“Willkommen, Sohn meiner
Schwester! Was hat dich zu mir gebracht?“ Ich sagte: “Ich komme, um dir zu
sagen, dass ich anAllahundSeinenGesandten Muhammad glaube!“ Er schlug mir die
Tür ins Gesicht und schrie: “Allah verfluche dich, und verflucht sei die
Nachricht, mit derdu gekommen bist!“[58]
Dann bat Umar den
Propheten, bei der Kaaba beten zu dürfen, denn er konnte nicht ertragen, dass
die Quraisch öffentlich Steine anbeteten, während die Gläubigen Allah im
Geheimen verehrten.
Er selbst führte einen
Teil der Muslime dorthin, und ein zweiter Teil wurde von Hamza geführt. Als
alle beisammen waren, wurden die Gebete unter der Leitung des Propheten
gemeinsam verrichtet. Dies war das erste Gebet dieser Art bei der Kaaba.
Boykott
gegen die Schwachen
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N |
achdemUmarundHamzadenIslamangenommen
hatten, gewann der Islam unter den arabischen Stämmen an Beliebtheit. Die
Quraisch wurden noch härter. Sie schrieben eine Urkunde, in der ein
Boykottgegen die Banu Haschim und die Banu Abdul-Muttalib beschlossen wurde,
also „dass niemand eine Ehe mit den Frauen und Männern dieser beiden Sippen
eingehen dürfe, und nichts mehr an sie verkauft oder von ihnen gekauft werden
dürfe.“ Es wurden also alle zusammen bestraft, die Muslime und die Götzendiener,
Kinder und Frauen, außer Abu Lahab, der den Quraisch gegen seine eigene Familie
half.
Die Bedingungen schrieben
sie auf ein Pergament, das sie in der Kaaba aufhängten.[59]
Gegen den Boykott konnten
nicht einmal Hamza und Umar etwas tun, da der Prophet ihnen die Anwendung von
Gewalt verboten hatte.
Die Familien hatten lange
unter dem Boykott zu leiden, der ihnenuntersagte, Waren zu kaufen oder selber
Handel zu treiben. Sie konnten sich also nicht versorgen. Kam eine fremde
KarawanemitWarenindieStadt,triebendie Quraisch die Preise in die Höhe, um zu
verhindern, dass die Banu Haschim die Waren kaufen konnten.
Abu Dschahls Hass war so
groß, dass er den Hungertod von Menschen - Muslimen und Götzendienern - in Kauf
nahm.Eines Tages hielt er Chadidschas Neffen Hakim an, als dieser mit einem
Sklaven, der einen Sack Mehl trug, an ihm
vorbeiging.AbuDschahlbeschuldigtebeide,denBanuHaschimEssen zu schicken. Es kam
zu einem Streit, zu dem auch Abul Bachtari dazukam. Dieser hob einen
Kamelknochen auf und schlug ihn auf Abu Dschahls Schädel, sodass er zu Boden
stürzte. Dort traten sie ihn mit den Füßen. Abul Bachtari und HakimwarenkeineMuslime,
sie sahen es aber als eine Schande, so eine feige Blockade nicht zu brechen.
Einige der Quraisch
schämten sich für diese Blockade.
Auch Hischam Bin Amr war
ein edler Mann und einer, derentschieden hatte, etwas dagegen zu unternehmen.
Oft ging er nachts mit
seinem Kamel und ließ den Zügel seines Tiers, das er mit Essen oder Kleidung
beladen hatte, los, damit es zu den hungernden Banu Haschim liefe.[60]
Hischam besuchte eines
Tages Zuhair, einen anderen jungen Mann, dessen Mutter Atika eine Tante des
Propheten war. Er sagte zu ihm: „Zuhair, wie kannst du ruhig schlafen, wenn
deine Verwandten arm und rechtlos sind und kaum noch etwas zum Leben haben?“
Zuhair antwortete:
„Hischam, was soll ich machen? Ich bin ein einzelner Mann! Hätte ich einen
anderen Mann mit mir, wäre ich zur Aufhebung des Boykotts tätig geworden, bis
er endlich beendet wäre!“
„Du hast aber bereits
einen zweiten Mann gefunden!“
„Wer ist es?“
„Ich!“
„Dann finde noch einen
dritten Mann!“
Er überzeugte Mut’im Bin
Uday, Abul Bachtari und Zama’a Bin Aswad. Zama’a war immer gegen den Boykott
gewesen, da er es nicht dulden konnte, die eigenen Stammesbrüder leiden zu
sehen. Nun waren sie fünf wichtige Männer, die nur noch einen Plan brauchten.
Sie trafen sich in der
Nacht außerhalb Mekkas. Dort einigten sie sich für den nächsten Morgen auf
einen Plan.
Als der Morgen kam, ging
Zuhair zur Kaaba, stellte sich vor die Leute und rief: „Ihr Bewohner von Mekka!
Wollen wir noch länger mit ansehen, wie unsere Verwandten vom Stamm der Banu
Haschim hungern? Wie könnt ihr noch essen und euch kleiden, wie ungerecht seid
ihr doch? Ich sage euch, wir werden nicht nach Hause gehen, bevor nicht diese
ungerechte Boykotturkunde zerrissen wird!“
„Du lügst, wir werden sie
nicht zerreißen!“, schrie Abu Dschahl zornig.
„Du bist ein größerer
Lügner, denn wir waren nie damit einverstanden, als diese Urkunde geschrieben
wurde!“, erwiderte Zama’a.
Abul Bachtari stand jetzt
auf und rief: „Zama’a sagt die Wahrheit, wir sind nicht einverstanden mit dem,
was geschrieben wurde und wir erkennen es nicht an!“
Mut’im rief - wie geplant
- auch dazwischen: „Ihr drei sprecht die Wahrheit, und derjenige lügt, der
etwas anderes sagt! Wir sind, was diese Urkunde angeht und was darin ist, Allah
gegenüber unschuldig!“
Hischam BinAmr sprach
ähnlich wie alle anderen.
Abu Dschahl, der vor Wut
kochte, schrie: „Diese Sache ist eine Verschwörung, die in der Nacht an einem
anderen Ort beschlossen wurde!“ Doch als er sich umschaute, begriff er, dass
die Mehrheit der Leute auf dem Platz gegen ihn und den Boykott war.
Dem Propheten Muhammad
wurde offenbart, dass Würmer dieUrkundegefressenhätten-nur die Worte Bismikallahumma
- In deinem Namen, o Allah!warengeblieben.
Der Prophet erzählte
seinem Onkel Abu Talib davon, und Abu Talib ging sofort zur Kaaba, um diese
Nachricht zu überbringen. Er hatte neben der Kaaba gesessen, während der Streit
anfing. Er richtete den Streitenden aus, was sein Neffe gesagt hatte.
Wenn es stimmte, dann
dürfte die Urkunde keine Gültigkeit mehr haben! Die meisten waren einverstanden.
Während das Volk mit Abu
Dschahl stritt, machte sich Mut´im auf, um die Urkunde aus der Kaaba zu holen
und sie zu zerreißen.
Als er sah, dass die
Urkunde zerfressen worden war, außer den Worten Bismikallahumma - in
deinem Namen, o Allah!, staunte er. Der Unterdrückungsvertrag wurde für
immer und ewig ungültig, und der Prophet und seine Anhänger kehrten sofort in
ihre Häuser zurück.[61]
Für die Götzendiener war
das ein weiteres Zeichen, dass Muhammad ein Prophet Allahs war, „doch wenn
sie ein Zeichen sehen, wenden sie sich ab und sagen: »Fortdauernde Zauberei.«“[62]
Die Quraisch ärgerten
sich, dass die Sympathie für die gerechten Werte des Islam[63]mehr
wurde. Als sie begriffen, dass sowohl die Bezichtigung der Zauberei als auch derBoykott
und andere Handlungen, um den Propheten Muhammad unbeliebt zu machen, nichts brachten,
planten sie, ihn umzubringen. Aber wie sollten sie das machen?
Wie ein Lauffeuer hatte
es sich überall herumgesprochen: Allah hat den Menschen einen neuen Gesandten
geschickt! Muhammad ist der lang erwartete Prophet Allahs!
Immer mehr Menschen
wollten wissen, was der neue Prophet zu sagen hatte; aus allen Gegenden
Arabiens strömten Besucher zu ihm nach Mekka. Der Prophet nahm sich Zeit für
jeden von ihnen, wie er auch in dieser Zeit für etwa zwanzig Christen aus
Nadschran Zeit fand, die aber von den Quraisch beobachtet wurden.
Sie fragten den Propheten
vieles und er antwortete, lud sie zum Islam ein und rezitierte aus dem Koran.
Beim Hören des Korans liefen Tränen über ihre Wangen. Nach diesem Gespräch
glaubten sie an Allah und erkannten, dass es sich bei Muhammad um den Propheten
handelte, über den sie in ihren Schriften schon oft gelesen hatten.
Als sie gehen wollten,
hielten Abu Dschahl und einige andere Männer der Quraisch sie auf und sagten
ihnen: „Euer Volk hat euch hierher geschickt, um es über diesen Mann zu
informieren! Doch noch bevor ihr euch zu ihm gesetzt habt, habt ihr sofort eure
Religion verlassen und an Muhammad geglaubt. Wie dumm seid ihr doch!“
Diese Delegation bestand
aus gebildeten Leuten, die nicht bereit waren zu streiten und antworteten: „Salamun
alaikum - Friede sei mit euch; wir führen kein niveauloses Gespräch. Wir
haben unsere Taten und ihr habt eure zu verantworten.“ Und sie wandten sich von
ihnen ab.
Die drei Jahre des
Boykotts waren überstanden, die Muslime begannen sich zu erholen. Es folgten
aber bald zwei unglückliche Ereignisse aufeinander: Die Krankheit Abu Talibs
und die Chadidschas.
Zuerst wurde Abu Talib
krank. Seine Krankheit war nicht ganz überraschend gekommen, denn er hatte die
letzten Jahre, wie die meisten, sehr unter dem Boykott gelitten.
Abu Talib starb kurze
Zeit darauf. Nun war der Rückhalt des Propheten in seinem Stamm sehr schwach
geworden.
Doch das Unglück sollte
noch größer werden. Wenige Tage nach Abu Talib starb Chadidscha, die Frau des
Propheten. Sie war ihm nicht nur eine treue Ehefrau, sondern auch eine große
Hilfe und geduldige Freundin gewesen, mit der er fünfundzwanzig glückliche
Jahre gelebt hatte.
Chadidscha war seine
erste Frau, und solange sie lebte, heiratete er keine andere. Vier Töchter
hatten die beiden miteinander: Fatima, Zaynab, Umm Kulthum und Ruqayya. Als
ihre Mutter starb, wurden die Mädchen von Trauer erschüttert. Der Prophet
tröstete sie, indem er sie daran erinnerte, was der Engel Gabriel ihm gesagt
hatte: „Richte Chadidscha von Allah, unserem Herrn, den Friedensgruß aus! Und
sage ihr, dass für sie eine Wohnstatt im Paradies vorbereitet ist.“[64]
Schon zu ihren Lebzeiten hatte er manches Mal den Finger zum Himmel gerichtet
und gesagt: „Mariam, die Mutter Jesu,
ist dort die Beste“ und - den Finger zur Erde -„Chadidscha ist hier die Beste.“[65]
Das Jahr, in dem
Chadidscha und Abu Talib starben, wurde von den Muslimen „das Jahr der Trauer“
genannt. Chadidscha wird auch „die erste Muslima“ und „die erste Mutter der
Gläubigen“ genannt, wodurch sie vor allen muslimischen Frauen und den anderen
Müttern der Gläubigen ausgezeichnet ist. Chadidscha war die erste Frau im
Islam, der das Paradies versprochen wurde.
Nach Chadidschas und Abu
Talibs Tod begann für den Propheten eine Zeit voller Schwierigkeiten. Abu Talib
hatte den Propheten stets geschützt. Jetzt aber war er gestorben, und die
Quraisch fingen an, dem Propheten so viel Leid anzutun, wie sie es zuvor nie
gewagt hatten.
Er wurde mit Prüfungen,
die an die Grenzen der menschlichen Belastbarkeit gingen, auf die Probe
gestellt.
Ein frecher Bursche von
den Quraisch lauerte ihm in der Stadt auf und warf Dreck auf seinen Kopf. Als
der Prophet zu Hause ankam, weinte seine Tochter und wusch ihm die Haare. All
die Demütigungen aber führten nur dazu, dass er sich mit seinem Herzen noch
mehr Allah zuwandte, in der Gewissheit, dass Seine Hilfe kommen würde. Er sagte
zu seiner Tochter: „Weine nicht, o meine Tochter! Allah wird deinen Vater
schützen!“ Aber er sagte zwischendurch auch: „Die Quraisch taten mir so etwas Schlimmes
nicht an, bis Abu Talib starb.“[66]
Der Verlust Chadidschas
hinterließ beim Propheten tiefe Trauer. Er trug nun allein die Last der
Verantwortung für seine Botschaft und seine Gemeinde sowie für die Betreuung
und Erziehung seiner Töchter. Für die erste Zeit nach ihrem Tod
versuchteniemand, ihm eine neue Heirat vorzuschlagen. Außerdem - wenn er
überhaupt noch einmal heiratete, wer sollte die Ehre haben, die Frau des
Gesandten zu werden?
Eine gutherzige Frau
namens Chaula Bint Hakim war es, die sich schließlich bemühte, den Propheten
von der Notwendigkeit einer neuen Ehe zu überzeugen, dienicht nur um
seinetwillen, sondern auch zum Wohle der Gemeinde wichtig war.
Sauda lebte in Mekka und
war mit ihrem Cousin As-Sakran, Sohn des Amr verheiratet gewesen. Sie und ihr
Mann zählten zu den ersten Muslimen. Zusammen mit den anderen Anhängern des
Propheten Muhammads wurden sie in Mekka wegen ihres Glaubens gequält und
geschlagen. Beide gehörten zu den Auswanderern, die nach Abessinien geflüchtet
waren. In dieser harten Zeit verlor Sauda ihren Mann. Nach einiger Zeit kehrte
sie aus Abessinien zurück.
Der Prophet wollte ihre
Opferbereitschaft und Glaubensstärke belohnen und sich um sie kümmern. Chaula
kam nun als Vermittlerin zum Hause Saudas und begrüßte sie mit den Worten:
„Welche Güte und welchen Segen dir Allah gewährte, Sauda!“
Sauda fragte erstaunt:
„Und welche Güte ist das, Chaula?“
Chaula antwortete: „Der
Gesandte Allahs schickt mich, um für ihn um deine Hand anzuhalten! Willst du
ihn heiraten?“
Sauda reagierte erfreut,
aber zugleich beherrscht, indem sie Chaula aufforderte, zunächst ihren Vater
davon zu unterrichten. Sie wies zu dem Zimmer, in dem ihr Vater saß.
Saudas Vater Zama’a war
ein alter Mann, der an seinem alten Glauben hing.
Als Chaula ihm von Muhammads
Vorschlag erzählte, äußerte er sich ganz knapp über ihn: „Edel und fähig.“ Dann
fragte er: „Und was sagt deine Freundin Sauda dazu?“
Sie erwiderte: „Sie mag
es.“
Darauf ließ Zama’a seine
Tochter holen und fragte sie: „O Sauda, diese hier behauptet, dass Muhammad sie
zu dir geschickt habe, um dich um die Ehe mit ihm zu bitten. Er ist fähig,
willst du, dass ich dich mit ihm verheirate?“
Saudas Augen leuchteten
vor Freude und die Heirat wurde bald vollzogen.
NiemandinderislamischenGemeinschaft
wollte glauben, dass Sauda die Stellung Chadidschas einnehmen könnte. Denn
Sauda war bereits alt; ihr Glaube jedoch verband sie aufs Innigste mit dem
Propheten.
Sauda war sich bewusst,
dass der Prophet sie vor allem aus Güte und Barmherzigkeit geheiratet hatte.
Sauda wurde dem Propheten eine freundliche, gütige, bescheidene und fröhliche
Ehefrau. Oft erzählte sie ihm lustige Dinge, mit denen sie ihn zum Lachen
brachte. So berichtete sie ihm eines Tages, dass sie einmal lange hinter ihm
gebetet habe. „Ich habe hinter dir die Nacht hindurch gebetet, o Gesandter
Allahs, und fiel nieder mit dir, bis ich meine Nase festhalten musste, da ich
befürchtete, dass Blut aus ihr tropfen würde!“
Darüber lächelte der
Prophet zunächst; dann musste er herzlich lachen.
Nun versuchte der Prophet
bei den Thaqif, den Bewohnern der Stadt Taif[67],
seine Botschaft zu verbreiten - wahrscheinlich auch, um für seine verfolgte
Gemeinde einen Zufluchtsort zu finden. Unwissenheit und Götzendienst waren dort
aber noch stärker verbreitet als in Mekka: Sie beschimpften den Propheten, dann
hetzten die Anführer der Thaqif die Bewohner der Stadt auf ihn, die ihn mit
Steinen bewarfen und ihn zwangen, Taif zu verlassen. Mit blutigen Füßen, aber
geduldig, kehrte er nach Mekka zurück.
Unterwegs ließ er sich im
Schatten eines Rebstocks nieder und betete sein bekanntes Gebet: „O Allah, zu Dir klage ich über meine
Kraftlosigkeit, meine Hilflosigkeit und meine Armseligkeit... Wenn Du mir nicht
zürnst, bekümmert mich dies hier nicht...“[68]
Utba Bin Rabi’a und sein
Bruder Schayba, denen in Taif ein Weinberg gehörte, befanden sich zu der Zeit dort
und hatten gesehen, was dem Propheten widerfahren war. Obwohl sie Gegner des
Propheten waren, schmerzte sie, dass einer ihrer Stammesbrüder so von den
Thaqif behandelt wurde. Sie riefen ihren Sklaven, einen Christen namens Addas:
„Nimm von diesen Trauben und gib sie diesem Mann!“
Als der Prophet danach
griff, sprach er: „Bismillah - Im Namen Allahs.“ Dann aß er davon.
Addas sagte: „Die
Menschen dieses Landes sprechen so etwas nicht!“
Darauf fragte der
Prophet: „Aus welchem Land bist du, o Addas und was ist deine Religion?“ „Ein
Christ aus Ninive“, antwortete er.
„Aus der Stadt des
rechtschaffenen Propheten Jonas, dem Sohn des Matta“, fügte der Prophet hinzu.
„Woher weißt du, wer
Jonas, der Sohn Mattas, ist?“ fragte Addas.
Der Prophet sagte: „Er
ist mein Bruder, denn er war ein Prophet und ich bin ein Prophet.“ Addas beugte
sich über ihn und küsste seinen Kopf, seine Hände und seine Füße.
Als Addas zu den zwei Brüdern
ging, beschimpften sie ihn: „Wehe dir, was war das?“
„O mein Herr, auf dieser
Erde gibt es keinen Besseren als diesen! Er hat mir von einer Sache berichtet,
von der kein anderer wissen kann, außer einem Propheten!“[69]
Auf dem Rückweg nach
Mekka machte der Prophet halt in Nachla. Während er dort betete, kam eine
Gruppe von Dschinn[70] und hörte seine
Koran-Rezitation. Durch eine Offenbarung erfuhr der Prophet davon. Das sollte
ein weiteres Zeichensein, dass er nicht nur ein Prophet für die Menschen, sondern
auch für die Dschinn ist.
Die
Nachtreise
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D |
er Prophet wurde von
Allah durch eine Auszeichnung belohnt, die ihm neue Kraft und Mut auf seinem
Weg geben sollte: die Nachtreise.
In einer Nacht im
dreizehnten Jahr seiner Entsendung kam Gabriel mit einem Reittier[71]
zu ihm.
Sie reisten zuerst nach
Jerusalem, wo Muhammad vorher noch nie gewesen war. Dort betete er in der
Aqsa-Moschee, gemeinsam mit den anderen Propheten, seinen Vorgängern. Nach dem
Gebet stieg er mit dem Engel Gabriel in den Himmel auf. Der Aufstieg führte ihn
durch sieben Himmel. In jedem der Himmel traf er einen der Propheten; er
begrüßte sie und sie hießen ihn willkommen. Im siebten Himmel ging der Weg zum
Allmächtigen, der ihm die fünf täglichen Gebete befahl, die seit diesem Zeitpunkt
von den Muslimen verrichtet werden. Sie sind der wichtigste Gottesdienst der
Muslime. Der Prophet sah auch das Paradies und die Hölle. Diese Reise stärkte ihn
und gab ihm Gewissheit. Als er nach Mekka zurückkehrte, war seine Schlafstelle
noch warm. Er hatte für die Reise nicht einmal eine Nacht benötigt.
Die Zeit der Pilgerfahrt
kam und der Prophet nutzte jede Gelegenheit, mit den Leuten der arabischen
Stämme, die nach Mekka kamen, zu sprechen und versuchte sie zum Islam einzuladen.
Immer wenn der Prophet mit
einem Stamm sprechen wollte, folgte ihm Abu Lahab, lobte den alten Götzendienst
und sprach schlecht von seinem Neffen. Dies machte er immer wieder, doch Allah wollte
der Wahrheit zum Sieg verhelfen. Bei Al-Aqaba, einem Ort nahe Mekka, ging der
Prophet zu einigen Männern aus Medina vom Stamm der Chazradsch.
Der Prophet fragte: “Darf
ich mit euch sprechen?“ Sie sagten: „Ja!“ Sie saßen mit ihm zusammen und er lud
sie zum Glauben an Allah ein, erklärte ihnen den Islam und rezitierte aus dem
Koran. In Medina lebten sie mit Juden zusammen, die als Offenbarungsreligion den
Götzendienst ablehnte. Immer wenn es einen Zwischenfall gab, drohten ihnen die
Juden: “Die Zeit eines Propheten ist gekommen. Wir folgen ihm und werden euch
töten.“ Jedem von ihnen war diese jüdische Drohung bekannt, aber auch andere
Einzelheiten über das Kommen des neuen Gesandten.
Nach diesem Gespräch
sagten sie sich: “Dies ist ganz gewiss der Prophet, mit dem die Juden uns ständig
drohen! Lasst nicht zu, dass sie ihm vor uns folgen!“
Nachdem sie keine Zweifel
am Propheten hatten, bezeugten alle aus Medina die Wahrheit der Botschaft des
Islam und versprachen, danach zu leben. Sie erwähnten beim Propheten auch: “Es
gibt kein Volk, das zerstrittener ist als unseres. Möge Allah es durch dich
vereinigen! Sobald wir in Medina sind, versuchen wir unseren Leuten diesen
Glauben nahe zu bringen.“[72]
Sie hofften, durch die neue, friedliche Religion die Feindschaft und Gewalt
zwischen ihren Stämmen Aus und Chazradsch zu beenden.
Kaum in Medina
angekommen, erzählten sie ihren Verwandten mit leuchtenden Augen vom Propheten,
von dem die Juden und Christen früher berichtet hatten. Bald gab es kein Haus
mehr, in dem man nicht vom Propheten Muhammad und seiner Botschaft sprach.
In der Pilgerzeit des
nächsten Jahres kamen zwölf Leute aus Medina und verabredeten sich mit dem
Propheten in Al-Aqaba. Zwei von ihnen waren aus dem Stamm der Aus. „Durch den
Treueeid verpflichteten wir uns, Allah nichts beizugesellen, keinen Diebstahl
und keinen Ehebruch zu begehen, unsere Kinder nicht zu töten[73],
andere nicht zu verleumden und dem Propheten im Guten nicht zu widersprechen“,
sagten sie.
„Wenn ihr euch daran
haltet, ist euch das Paradies bestimmt. Wenn ihr eines dieser Verbote
übertretet, ist eure Sache bei Allah, ob Er euch strafen oder euch verzeihen
will!“[74]
Mus’ab Bin Umayr, der ein
gutaussehender junger Muslim war, ging mit ihnen als erster Botschafter des
Islam nach Medina, um aus dem Koran zu rezitieren und den Menschen den Islam zu
lehren. Deshalb wurde Mus’ab in Medina auch „der Lesende“ genannt.
Mus’ab gehörte zu den Banu
Abdu Manaf. Er wurde in eine der reichsten Familien Mekkas geboren und lebte
verwöhnt in Luxus. Man sagte von ihm: „Es gibt niemanden, der besser gekleidet
ist, besser duftet und besser speist als Mus’ab“. Er gehörte zu den ersten
Muslimen, verheimlichte seinen Glauben aber aus Furcht vor seiner Mutter, die
ihn zwar liebte, aber einen Glaubenswechsel nicht akzeptierte. Sie war nicht
tolerant. Sie erfuhr dennoch davon und ließ ihren Sohn einsperren, um ihn zu
zwingen, den Islam zu verlassen. Doch Mus’ab blieb standhaft. Da verstieß ihn
seine Mutter und enterbte ihn. Beim Abschied bat er sie noch, die Wahrheit zu
erkennen und den Islam anzunehmen, doch sie beschimpfte ihn nur. Danach lebte er
in großer Armut, trug alte Kleider, hatte an einem Tag zu essen und hungerte am
nächsten Tag. Er war unter den Gefährten für sein Wissen, seine Redegewandtheit
und seine feine, angenehme Art bekannt.
In Medina angekommen,
begann er sofort mit dem Auftrag des Propheten.
Saad Bin Mu’adh[75]
und sein Freund Usayd, ein edler Mann aus Medina, störten sich an den
friedlichen Gesprächen, die Mus’ab mit einigen neu konvertierten Muslimen
führte. Sie wollten sie verjagen. Mus’ab sprach zu Usayd: „Wie wäre es, wenn du
dich zu uns setztest, um zu sehen, ob es dir gefällt, was wir sagen!“
Usayd gefielen diese
Worte. „Das finde ich gerecht“, sagte er und setzte sich zu ihnen.
Er hörte Mus’ab über die
Werte des Islam sprechen und Verse aus dem Koran rezitieren. Usayds Gesicht
strahlte. Als Mus’ab fertig war, rief Usayd mit leuchtenden Augen aus: „Wie
edel sind diese Worte und wie schön! Was macht ihr, um dieser Religion
beizutreten?“
Mus’ab erklärte ihm, wie
einfach es ist, den Islam anzunehmen. Usayd wusch sich, säuberte seine Kleider
und bezeugte: „Es gibt keinen Gott
außer Allah, und Muhammad ist Sein Prophet!“ Dann betete er und sprach:
„Hinter mir steht ein Mann, Saad Bin Mu´adh. Wenn er euch folgt, wird niemand
aus seinem Volk zurückbleiben! Ich schicke ihn sofort zu euch!“
Als Usayd zu Saad
zurückkam, schilderte er ihm, dass er nichts Böses an diesen Männern fand. Saad
war verblüfft und wunderte sich. Er ging zu den beisammensitzenden Muslimen. Er
nahm sich vor, sich von ihrem Gerede nicht einfangen zu lassen. Aber es erging
ihm wie Usayd – die Worte der Offenbarung rührten sein Herz. Daraufhinberiefer
eine Versammlung ein und fragte die Versammelten: „O mein Volk, welchen Rang
besitze ich unter euch?“
Sie antworteten: „Du bist
unser Herr und ein Oberhaupt, der unsere Interessen am besten vertritt!“
„Dann verspreche ich,
dass ich mit keinem Mann und mit keiner Frau von euch spreche, bis ihr alle
Allah und Seinem Propheten folgt, also Muslime werdet!“
Bis es Abend wurde, blieben
kein Mann und keine Frau, die nicht Muslim oder Muslima wurden.[76]
Mus’ab musste die Muslime
in Medina im Gebet leiten, da die beiden verfeindeten Stämme Aus und Chazradsch
erst neu im Islam waren und auf keinen Fall einem Mann des jeweils anderen
Stammes den Vorrang geben wollten. Vor kurzem erst hatten die Sippen sich
gegenseitig ihre Paläste und Häuser zerstört, und sie waren immer noch bereit,
zu töten und zu vernichten, bis nichts mehr übrig bliebe. Mus’ab blieb in
Medina und rief die Menschen zum Islam, zum Frieden auf, bis es kein Haus in
Medina mehr gab, in dem keine muslimischen Männer und Frauen lebten.
Je mehr sich der Islam in
der Stadt verbreitete, desto lauter wurden die Stimmen, die nach Frieden riefen
und den Krieg ablehnten.
Inzwischen war dem
Propheten klar geworden, dass das wasserreiche Land, das er einst im Traum
gesehen hatte, Medina sein musste. Dorthin würden er und seine Gefährten
auswandern! Seiner Tante Ummul Fadl und seinem Onkel Al–Abbas, der kein Muslim
war, vertraute er an, dass er die Hoffnung habe, nach Medina zu gehen.
Tag für Tag zeigten neue
Muslime ihren Islam in Medina öffentlich und der Aberglaube und der Hass
zwischen den Stämmen nahmen ab. Die Hoffnung auf einen gerechten Frieden wuchs.
Unter den Aus und den
Chazradsch gab es einige alte Leute, die sich sehr schwer damit taten, sich vom
Götzendienst zu befreien.
Amr Bin Al-Dschamuh war
einer der Führer der Banu Salama, der sehr hartnäckig war. Mu’adh war sein
Sohn, der bei Aqaba dabei gewesen war und dem Propheten den Treueeid geschworen
hatte. Amr hatte in seinem Haus ein Götzenbild, ein Figur aus Holz, das Manat[77]
genannt wurde und das er verehrte und immer gut pflegte. Als alle jungen gebildetenMänner
der Banu Salama Muslime geworden waren, schlichen sie eines Nachts zu dem
Götzenbild, trugen es zur Mistgrube des Stammes und schleuderten es hinein. Als
Amr am folgenden Morgen erwachte und sein geliebtes Götzenbild nicht fand, rief
er: „Wehe euch! Wer hat in dieser Nacht unseren Göttern etwas angetan?“
Er machte sich auf die
Suche nach dem Götzenbild. Als er es endlich in der Mistgrube fand, holte er es
heraus, reinigte und parfümierte es. „Wenn ich herausfinde, wer so etwas macht,
bringe ich Schande über ihn!“, drohte er verärgert.
Als Amr wieder schlief,
machten die jungen Muslime, unter ihnen sein eigener Sohn Mu’adh, mit dem
Götzen noch einmal das Gleiche. Am Morgen fand Amr ihn in der gleichen
Situation. Beim dritten Mal hielt er nicht mehr durch. Nachdem er den Götzen
gereinigt hatte, befestigte er sein Schwert an ihm und sagte: „Es tut mir leid,
ich weiß wirklich nicht, wer so etwas mit dir macht! Wer auch immer sich dir
nähert – verteidige dich mit diesem Schwert!“
Nachdem Amr eingeschlafen
war, kamen die Muslime, entfernten das Schwert von dem Götzen, befestigten mit
einer Schnur einen toten Hund an ihm und stießen ihn wieder in die Mistgrube.
Als Amr morgens aufstand
und das Götzenbild nicht an seinem Platz fand, suchte er weiter, bis er es in
der Mistgrube mit dem toten Hund am Hals fand.
Er sah, dass sein Götze
sich nicht helfen konnte, und die Muslime seines Stammes begannen, mit ihm darüber
zu reden. Er nahm den Islam an und wurde ein überzeugter Muslim. Er schrieb ein
rührendes Gedicht, in dem er seinen Götzen mit dem Hund erwähnt und Allah
dankt, Der ihn am Ende doch rettete und ihm den Islam zeigte.[78]
Nachdem in Medina die
Zahl der Muslime schnell gewachsen war, erlaubte der Prophet den Gläubigen aus
Mekka, nach Medina auszuwandern, wo er für sie eine sichere Heimat gefunden
hatte. Er selbst blieb jedoch weiterhin in Mekka.
Die Muslime begannen,
einzeln oder in kleinen Gruppen auszuwandern, um die Wut der Quraisch nicht auf
sich zu lenken. Doch die Auswanderungen blieben den Quraisch nicht verborgen,
und so versuchten sie, die übrigen Muslime mit Gewalt zum Bleiben zu zwingen.
Umm Salama versuchte mit
ihrem Mann und ihrem noch kleinen Sohn Salama zu fliehen. Sie wurde jedoch von
ihrem Cousin Abu Dschahl und seinen Männern verfolgt und aufgehalten. Mit
Gewalt nahmen sie Abu Salama den Zügel des Kamels aus der Hand und brachten die
Familie auseinander. Als Abu Salamas Familienangehörige davon erfuhren, nahmen
sie Umm Salama auch noch das Kind weg.
Umm Salama fiel wegen des
Verlustes ihres Sohnes in tiefe Trauer. Deshalb begab sie sich jeden Tag außerhalb
Mekkasund weinte bis zum Abend. Sie gab nicht auf, bis sie ihren Sohn nach
einem Jahr wieder an sich drücken konnte. Allein mit ihm verließ sie auf einem
Kamel reitend Mekka.
Unterwegs traf sie Uthman
Bin Talha[79], der
noch kein Muslim war. Er nahm die Zügel des Kamels und begleitete Mutter und
Kind, bis die kleine Familie wieder beisammen war.
Als sie in der Nähe des
Dorfes Quba nicht weit von Medina ankamen, sagte Uthman Bin Talha: „Wir haben
es geschaffen, dein Mann ist in diesem Dorf!“
Dann
kehrte er nach Mekka zurück. Umm Salama erwähnte ständig: „Bei Allah, ich kenne
keine Familie im Islam, der geschehen ist, was der Familie Abu Salamas geschah,
und ich habe noch keinen Begleiter gesehen, der edleren Charakters war als
Uthman Bin Talha.“[80]
Sie war nicht die Einzige, die grausam von ihren Lieben getrennt wurde.
Ayyash
war mit Umar Bin Al-Chattab nach Medina ausgewandert. Seine zwei Halbbrüder Abu
Dschahl und Harith folgten ihm, fesselten ihn an Händen und Füßen und brachten
ihn wie einen Gefangenen nach Mekka. In Mekka sagten sie: „O ihr Leute von
Mekka, macht doch das Gleiche mit euren Narren, was wir mit unserem gemacht
haben!“[81]
Hischam
Bin Al-As war der Bruder des Amr Bin Al-As. Als Hischam, der inzwischen Muslim
geworden war, nun auswandern wollte und seine Familie davon erfuhr, hielten ihn
sein Vater und sein Bruder Amr mit Gewalt auf und sperrten ihn ein.[82]
Beide, Ayyash und Hischam, wurden so lange gefoltert und unter Druck gesetzt,
bis sie den Islam zum Schein, also äußerlich, aufgaben. Obwohl sie innerlich
noch Muslime waren, ließ ihr Gewissen ihnen keine Ruhe. Während dieser Zeit des
Zweifels und desschlechten Gewissens wurden die folgenden Verse offenbart: O
meine Diener, die ihr gegen euch selber maßlos gewesen seid, verliert nicht die
Hoffnung auf Allahs Barmherzigkeit. Gewiss, Allah vergibt die Sünden alle. Er
ist ja der Allvergebende und der Barmherzige. Und wendet euch eurem Herrn reuig
zu und seid Ihm ergeben, bevor die Strafe über euch kommt, worauf euch keine
Hilfe zuteil werden wird. Und folgt dem Besten von dem, was zu euch von eurem
Herrn herabgesandt worden ist, bevor die Strafe plötzlich über euch kommt, ohne
dass ihr es merkt.[83]
Umar schrieb diese Verse
mit eigener Hand und sandte sie Hischam, der später erzählte: „Als ich diese
Verse bekam, hielt ich sie nah und weit vor meine Augen und konnte sie nicht
verstehen, bis ich sagte: ‚O Allah, lass sie mich verstehen!’ Da legte Allah in
mein Herz, dass sie über uns offenbart wurden und über das, was wir und andere
über uns dachten.“
Hischam zeigte die Verse
Ayyash, die auch ihn darin bestärkten, den Glauben wieder aufzunehmen und
fliehen zu wollen. Das war nicht einfach, denn die Quraisch unternahmen alles,
um die Auswanderung der Gläubigen zu verhindern.
Unter den Auswanderern
waren auch Hamza, Zaid, Umar mit seiner Frau Zaynab, seiner Tochter Hafsa und
dem kleinen klugen Abdullah.
Suhaib, einem Römer,
gelang die Auswanderung ebenfalls.
Als die Quraisch
erfuhren, dass Suhaib auswandern wollte, sagten sie zu ihm: „Du bist als
geringer Kerl zu uns gekommen und bist reich und zu dem geworden, was du jetzt
bist, und nun möchtest du mit deinem Besitz und Leben weggehen. Das kommt nicht
in Frage!“ Suhaib antwortete: „Wenn ich euch meinen ganzen Besitz gebe, werdet
ihr mich gehen lassen?“ Die Götzendiener waren einverstanden. Suhaib sagte:
„Dann lasse ich euch meinen Besitz!“ Als diese Nachricht den Propheten
erreichte, sagte er: „Suhaib hat gewonnen, Suhaib hat gewonnen!“[84]
Bald hatten die meisten
Gläubigen Mekka verlassen – außer Ali, Abu Bakr und Muhammad selbst. Abu Bakr
bat den Propheten immer wieder um Erlaubnis, auswandern zu dürfen. Doch
Muhammad sagte zu ihm: „Beeile dich nicht, vielleicht wird dir Allah einen
Gefährten geben!“ Mehr sagte er nicht. Abu Bakr wünschte, der Prophet wäre
dieser Gefährte und kaufte zwei Kamele, die er für die Reise gut fütterte.[85]
Wird
der Prophet auswandern?
|
A |
ls die Mekkaner hörten,
dass die Muslime in Medina Gefährten gefunden hatten und dort in Sicherheit und
Frieden lebten, ärgerten sie sich. Sie kannten diesen Mann, der nie aufgab und
den Tod nicht fürchtete. Sie hatten auch erlebt, dass seine Geduld und
Nachsicht beispiellos waren.
Durch die Auswanderungen
nach Medina bestand nun die Möglichkeit, dass die Muslime sich irgendwann
wehren würden. Ihnen war in Medina eine Tür der Hoffnung auf Freiheit geöffnet
worden, und die Herrscher von Mekka hatten in ganz Arabien ihr Gesicht verloren.
Nach einer längeren,
streng geheimen Beratung im Haus der Ratsversammlung[86]fassten
die Quraisch den Entschluss, den Propheten zu ermorden. Nur wie dies geschehen
sollte, darüber waren sie sich noch uneinig. Ein Vorschlag war, ihn
einzusperren, bis er sterben würde. Andere fanden es ausreichend, wenn man ihn
vertreiben würde.
Einigen reichten diese
Vorschläge nicht, denn wenn man Muhammad einsperrte, würden seine Gefährten ihn
gewiss befreien, und wenn man ihn vertriebe, würde seine Botschaft bald ganz
Arabien erreichen. „Habt ihr denn die Süße seiner Worte vergessen, und wie
schnell er die Herzen der Menschen von seiner Botschaft überzeugt?“, fragte
einer.
Schließlich hatte Abu
Dschahl die Idee, aus jedem Stamm einen kräftigen jungen Mann zu wählen und
jedem von ihnen ein Schwert zu geben, damit sie den Propheten gleichzeitig
töten würden. So würde sein Blut sich auf alle Sippen verteilen, und Muhammads
Sippe, die Abd Manaf, könnte nicht alle zugleich bekämpfen; sie müssten dann
ein Blutgeld akzeptieren, und die Angelegenheit wäre vorbei.
Der grausame Mordplan
fand Zustimmung. Nachts, wenn der Prophet schlief, sollten die Männer ihn mit
ihren Schwertern töten.[87]
Dem Propheten erschien
Gabriel und sagte: „Schlafe in dieser Nacht nicht in deinem Bett!“
Eigentlich besuchte der
Prophet immer vormittags oder nachmittags seinen Freund Abu Bakr, aber nicht um
die Mittagszeit wie heute, während auch seine Töchter Aischa und Asma’ bei ihm
waren. Da ahnte Abu Bakr, dass etwas passiert sein müsste.
„Allah hat mir erlaubt,
auszuwandern“, sagte er.
„In Begleitung?“, fragte
Abu Bakr schnell.
„In Begleitung“,
antwortete der Prophet. Da weinte Abu Bakr vor Freude, den Propheten begleiten
und sein Gefährte sein zu dürfen. Aischa sagte später immer wieder: „Bei Allah,
bis zu diesem Tage wusste ich nicht, dass jemand auch vor Freude weinen kann,
bis ich an dem Tag meinen Vater weinen sah!“
„O Prophet Allahs, ich
habe diese beiden Kamele für diesen Zweck vorbereitet.“
Der Prophet war wieder zu
Hause, wo er Ali bat, solange in Mekka zu bleiben, bis alle Wertsachen, die
Muhammad für die Leute aufbewahrte, an ihre Besitzer zurückgegeben worden
seien. Da der Prophet von allen als vertrauenswürdig angesehen wurde, brachten
auch Götzendiener ihm immer wieder Wertsachen zur Aufbewahrung. Der Prophet bat
Ali, sich in der Nacht mit seinem grünen Mantel zu bedecken und in seinem Bett
zu schlafen. Er versprach ihm, dass ihm nichts Böses geschehen würde.
Die Männer, die von den
Quraisch mit der Ermordung des Propheten beauftragt worden waren, umschlichen
in jener Nacht sein Haus. Sie fürchteten, dass er nach Medina fliehen könnte
und damit in Sicherheit wäre.
Abu Dschahl, der bei
ihnen war, war sich sicher, dass er nun endlich den Propheten töten würde. Spöttisch
rief er: „Muhammad behauptet, wenn ihr ihm folgt, werdet ihr die Könige der
Araber und Nichtaraber werden, und nach eurem Tod werdet ihr wieder erweckt
werden und in Gärten leben, so schön wie die Gärten am Jordan! Weiter sagt er,
dass es ein Blutvergießen unter euch geben wird, und wenn ihr dann nach dem Tod
wieder erweckt werdet, verbrennt ihr im Höllenfeuer. Wir werden sehen, wer wen
tötet, wer die Wahrheit sagt und wer lügt!“[88]
In diesem Moment trat der
Prophet vor sein Haus und sprach: „Ja, das sage ich und du bist einer von
ihnen!“ Dann begann er, die ersten neun Verse der Sure Ya-Sin[89] zu rezitieren, nahm eine
Handvoll Sand vom Boden und warf ihn auf die Männer. Allah verdunkelte ihre
Blicke, sodass sie ihn nicht sehen konnten, während er dies tat - obwohl er
direkt vor ihnen stand.
Ein Mann kam vorüber und
fragte: „Worauf wartet ihr hier?“
„Auf Muhammad“,
antworteten die Männer.
„Aber Muhammad ist doch
schon an euch vorbeigegangen! Er hat Sand auf euch geworfen, und dann ist er
weggegangen. Habt ihr das nicht bemerkt!“
Die Männer fassten sich
an den Kopf und fühlten den Sand. Sie schauten durchs Fenster und sahen
jemanden, in den Mantel des Propheten gehüllt, auf dem Bett liegen und dachten,
dass der Prophet noch da sei. „Das ist Muhammad und er schläft in seinem
Mantel!“, sagten die Mörder und warteten, bis der Morgen anbrach.
Als Ali bei Tagesanbruch
aufstand und sich ihnen zeigte, stellten sie enttäuscht fest, dass der Unbekannte
recht gehabt hatte. Sie fragten Ali, ob er wisse, wo Muhammad sei. Doch Ali
wusste es nicht. Damit war der Anschlag fehlgeschlagen.[90]
Zu dieser Zeit wurden dem
Propheten Koranverse offenbart, welche die Überlegenheit Allahs über die
Verschwörer erklärten.[91]
Abu Bakr hatte bereits
vor Einbruch der Nacht Vorbereitungen für den Aufbruch getroffen. Als der
Prophet kam, kletterten sie gemeinsam durch ein Fenster auf der Rückseite des
Hauses.
Als sie Mekka verließen,
ließ der Prophet die Kamele anhalten, drehte sich noch einmal um und warf einen
letzten Blick auf seine geliebte Stadt. Dabei sprach er: „Bei Allah, auf Allahs
Erde bist du mir der am meisten geliebte Ort. Hätte mein Volk mich nicht
verbannt, hätte ich dich nicht verlassen!“
Abu Dschahl und seine
Männer gingen inzwischen zu Abu Bakrs Haus. Als Asma’ die Tür öffnete, fragten
die Männer: „Wo ist dein Vater, o Tochter Abu Bakrs?“
Als Asma’ antwortete „Ich
weiß es nicht“, versetzte Abu Dschahl ihr eine Ohrfeige, woraufhin einer ihrer
Ohrringe sich löste und zu Boden fiel.[92]
Amir war ein Schäfer, der
für die Mekkaner Schafe auf die Weide brachte. Er war ein ehemaliger Sklave,
der von Abu Bakr, wie viele andere Sklaven, gekauft und freigelassen worden
war. Er folgte ihnen mit seinen Schafen und beseitigte ihre Spuren, bis der
Prophet und Abu Bakr eine Höhle im Berg Thaur, südlich von Mekka, erreicht
hatten.
Nachdem Abu Dschahl
gegangen war, machte sich Asma’ mit ihrem Bruder Abdullah auf den Weg zur
Höhle, um ihrem Vater und dem Propheten Essen zu bringen und ihnen zu
berichten, dass die Quraisch eine Belohnung von hundert Kamelen für denjenigen
ausgesetzt hätten, der den Propheten tot oder lebendig fänden und nach Mekka bringen
würde.[93] Die
meisten Verfolger suchten im Norden nach dem Propheten, weil das die Richtung
war, in der Medina lag. Einige wenige kamen aber auch auf die Idee, dass der
Prophet einen Umweg genommen haben könnte, und suchten im Süden.
Abu Bakr und der Prophet
versteckten sich in der Höhle. Sie waren sehr müde. Plötzlich drangen Stimmen
zu ihnen, die näher zu kommen schienen. Es waren Männer aus Mekka. Sie blieben
vor der Höhle stehen und unterhielten sich miteinander. Abu Bakr machte sich
Sorgen und flüsterte: „Wenn einer von ihnen zu seinen Füßen blickt, dann sieht
er uns!“ Der Prophet flüsterte: „Was, Abu Bakr, hältst du von zweien, bei denen
Allah der Dritte ist?“[94]
Die Verfolger waren
erschöpft und hatten die Hoffnung längst aufgegeben, den Propheten zu finden.
Sie entdeckten ihn und Abu Bakr nicht.
Asma’ erschien zur
vereinbarten Zeit mit ihrem Bruder Abdullah. Amr war auch gekommen – aber ohne
seine Schafe. Er brachte Abdullah Bin Arqat mit, dem Abu Bakr zwei Kamele
anvertraut hatte, die für die Reise gut gefüttert worden waren.
Asma’ nahm ihren Gürtel
ab und zerschnitt ihn in zwei Teile. Den einen behielt sie, und mit der anderen
Hälfte befestigte sie das Essen am Sattel ihres Vaters. Deshalb wird Asma’ auch:
Dhatun Nitaqain - die mit den beiden Gürteln“ genannt. Ibn Arqat führte
Muhammad und Abu Bakr nach Westen bis zum Roten Meer, an dessen Ufer sie eine
Weile entlang ritten, um dann den Weg nach Norden in Richtung Medina einzuschlagen.
Über die weitere
Verfolgung des Propheten berichtet Suraqa Bin Malik: „Die Boten der Quraisch
kamen zu uns und gaben den Preis bekannt, der demjenigen gezahlt werden sollte,
der den Gesandten Allahs und Abu Bakr tötete oder gefangen nahm. Während ich
mich in einer der Versammlungen meines Stammes, der Banu Mudlagh, befand und
wir so zusammensaßen, kam ein Mann von ihnen zu uns und berichtete noch im
Stehen Folgendes: ‚O Suraqa, ich habe vor kurzem drei Personen wahrgenommen,
die an der Küste vorbeizogen. Ich glaube, sie sind Muhammad und seine
Gefährten!’
Ich gab ihm ein Zeichen,
damit er schwieg und sagte zu ihm: ‚Sie sind es nicht gewesen.’
Ich blieb noch eine Weile
in der Versammlung, stand dann auf und ging in mein Haus. Ich befahl meiner
Sklavin, meine Pferdestute hinter einen Hügel zu führen und dort auf mich zu
warten. Dann nahm ich mein Schwert und ging durchs Hinterhaus hinaus, lief den
Hügel hinauf, das Tal hinunter und ritt auf meiner Stute davon. Ich ritt sehr
schnell, bis ich ihnen immer näher kam. Da stolperte die Stute, und ich fiel
hinunter. Schnell stand ich wieder auf und folgte ihnen weiter.
Abu Bakr schien etwas zu
hören, denn er sah sich häufig um. Da sanken die Beine meiner Stute bis zu den
Knien ein. Ich stieg sofort ab und schlug auf das Tier ein, bis es sich
schließlich doch aus dem Sand befreite. So rief ich den Männern, die ich
verfolgte, zu, sie mögen anhalten, ich sei für sie keine Gefahr. Sie blieben
stehen, und ich ritt zu ihnen. Aufgrund der Hindernisse, die zwischen mir und
ihnen überwunden worden waren, hegte ich inzwischen die Vermutung, dass die
Botschaft des Gesandten Allahs doch wahr war und seine Sache Erfolg haben
würde. Ich sagte zu ihm: ‚Deine Leute haben ein Blutgeld für dich ausgesetzt!’
Ich erzählte, was die
Mekkaner mit ihnen vorhatten. Auch bot ich ihnen Essen und andere Gegenstände
an, die sie jedoch nicht annahmen. Sie baten nur: ‚Halte unsere Sache geheim!’
Darauf fragte ich den
Propheten, ob er mir ein Schriftstück mit der Zusage über meine Sicherheit
schreiben könne, und er sagte: ‚Schreibe es ihm, Abu Bakr!’“Obwohl der Prophet
auf der Flucht war, war Suraqa überzeugt, dass er eines Tages siegen und seine
Botschaft des Islams sich schnell verbreiten werde.[95]
Während seiner Flucht
empfing der Prophet eine Offenbarung, in der Allah ihm versprach: Siehe! Er,
der dir den Koran auferlegte, bringt dich wieder nach Hause![96]
Unterwegs trafen sie auf
Abu Bakrs Cousin Talha. Dieser war in Medina und hatte die Ruhelosigkeit und
Freude der Leute in Medina erlebt, die auf den Propheten warteten. Denn sie
hatten gehört, dass er Mekka verlassen habe. Sie gingen täglich vormittags ins
Freie um auf ihn zu warten. Sie blieben so lange, bis die Mittagshitze sie in ihre
Häuser zwang. Eines Tages als sie schon wieder in ihre Häuser gegangen waren,
stieg ein Jude auf das Dach eines hohen Gebäudes, um Ausschau zu halten. Da
erblickte er in der Ferne den Gesandten Allahs und seinen Gefährten. Der Jude
rief, so laut er konnte: „Ihr Araber! Da kommt euer Oberhaupt, auf das ihr
wartet!“[97]
Auf diesen Ruf hin
strömten die Männer, Frauen und Kinder jubelnd hinaus.
Die Muslime empfingen den
Gesandten Allahs, als er noch weit entfernt war. Er hielt zuerst im Dorf Quba
an.
Diejenigen Muslime, die
aus Medina gekommen waren und den Propheten nie zuvor gesehen hatten, begrüßten
zuerst Abu Bakr.
Man schätzte den
Propheten gerade einmal auf die Hälfte seines tatsächlichen Alters; Abu Bakr,
der zwar auch noch sehr gut aussah, wirkte wesentlich älter. Vielleicht war das
der Grund, warum manche dachten, Abu Bakr sei der Prophet.
Als die Sonne höher
stieg, begab sich Abu Bakr zum Propheten, um ihn mit seinem Gewand zu schützen.
So erkannten die Menschen den Gesandten Allahs.
Er erhob sich und sprach
zu ihnen: „Ihr Leute, grüßt einander mit dem Friedensgruß, gebt den Hungernden
zu essen, ehrt eure Familien und betet in der Nacht, wenn die Menschen
schlafen! Dann betretet ihr das Paradies in Frieden!“[98].Viele solcherAussprüche
hat er an dem Tag gesagt, die man heute Hadith nennt.
Der Rabbi Hussain war
auch zu der Menge gekommen und hatte die Worte Muhammads gehört. Später sagte
er: „Als ich das Gesicht des Propheten sah, wusste ich, dass es nicht das
Gesicht eines Lügners war.“[99]
Viele Menschen kamen nach
Quba, um den Propheten zu begrüßen; unter ihnen auch ein Perser namens Salman.
Er war Christ und schon als junger Mann nach Syrien und in den Irak gereist, wo
er bei christlichen Gelehrten studiert hatte. Sein letzter Lehrer hatte auf dem
Sterbebett zu ihm gesagt, dass die Zeit des letzten Propheten gekommen sei, der
von Gott gesendet wird und mit der Religion Abrahams kommen und in Arabien aus
seiner Heimat vertrieben werden würde. Seine Zeichen seien nicht zu übersehen:
Von Geschenken, aber nicht von Almosen würde er essen, und zwischen seinen
Schultern sei das Siegel des Prophetentums.
Salman erzählt seine
Geschichte weiter: „Eigentlich hatte ich Händler mit meinen Kühen und meinem
restlichen Geld dafür bezahlt, dass sie mich nach Arabien brächten. Doch sie
betrogen mich und verkauften mich als Sklaven an einen jüdischen Händler. Nach
einer Weile wurde ich an den jüdischen Stamm der Banu Quraida verkauft, die in
Medina lebten. So kam ich doch noch nach Arabien. Mein Besitzer hatte einen
Verwandten in Quba. Dieser kam nach Medina und berichtete, dass der Prophet in
Medina angekommen sei. Bei Allah, ich befand mich auf einer Palme und arbeitete
für meinen Besitzer, während dieser darunter saß. Ich hörte, dass sie sich über
die Chazradsch wunderten, weil diese sich um einen Propheten scharten, der aus
Mekka gekommen war und sich gerade in Quba befand.
Als ich das hörte,
zitterte ich am ganzen Körper, sodass ich fürchtete, ich würde vom Baum fallen.
Ich stieg von der Palme herab und lief zu dem Mann, um ihn zu befragen.
Darüber ärgerte sich mein
Besitzer, schlug mir heftig ins Gesicht und schickte mich wieder zur Arbeit. Es
gelang mir aber noch am gleichen Abend, mit etwas Essen, das ich aufgespart
hatte, zum Propheten nach Quba zu laufen.
Als ich bei ihm ankam,
sagte ich ihm, dass ich gehört hätte, dass er ein rechtschaffener Mensch sei
und auch mittellose Gefährten bei sich habe, die mit ihm von dem, was ich als
Almosen anbot, essen sollten. Der Prophet sagte zu seinen Gefährten: „Esst
davon“; er selber aber nahm nichts.
Nach diesem Zeichen war
Salman gespannt, ob er die nächsten Zeichen sehen würde. Er stellte einige
Dinge zusammen, brachte sie ihm später, als der Prophet in Medina war und
sagte: „Ich habe gesehen, dass du nicht von Almosen isst, dies ist aber etwas,
das ich dir schenken möchte!“
Als der Prophet Muhammad
davon aß und zugleich seinen Gefährten etwas abgab, hatte Salman ein weiteres
Zeichen. Schließlich sah er ihn auf dem Friedhof von Baqi´ in Medina bei einer
Beerdigung. Er grüßte ihn und beugte sich neugierig nach hinten, um seinen
Rücken zu sehen.
Da der Prophet wusste,
was Salman so interessierte, nahm er den Mantel ab, und Salman erblickte das
Siegel der Prophetenschaft, das ihm sein Lehrer einst beschrieben hatte. Betroffen
und weinend küsste er das Siegel auf seinem Rücken und verkündete seinen Islam.[100]
Der Prophet blieb einige
Tage beim Stamm der Banu Amr Bin Auf. Während dieser Zeit legte er in Quba das
Fundament der ersten islamischen Moschee.
Ali, der drei Tage gehabt
hatte, um alle Wertsachen, die dem Propheten anvertraut worden waren, an ihre
Besitzer zurückzugeben, war inzwischen aus Mekka eingetroffen.
Ein
Staat wird gegründet
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L |
angsam ritt der Prophet
auf seiner Kamelstute Qaswa inmitten einer Menschenmenge durch Medina.[101]
Viele Muslime näherten sich dem Propheten, berührten Qaswas Zügel und baten: „O
Gesandter Allahs, bleibe bitte bei uns!“
„Lasst sie weiterziehen,
denn sie steht unter dem Befehl Allahs“, erklärte der Prophet lächelnd. Nach
einer Weile verließ die Kamelstute die Straße und kniete auf einem Platz nieder,
der zum Trocknen der Datteln genutzt wurde.
Der Prophet stieg ab und
fragte, wessen Haus diesem Ort am nächsten sei. Abu Ayyub sagte: „Meines, o
Gesandter Allahs“. Er hatte die Ehre, der Gastgeber des Propheten zu sein. Abu
Ayyub[102] band das Gepäck los und
brachte es in sein Haus. Er konnte kaum glauben, dass er der Gastgeber des
Propheten sein darf.
Die Bewohner Medinas
berichteten später, dass es nie einen fröhlicheren Tag in Medina gegeben hatte
als diesen.
Der Prophet wollte nun
wissen, wem der Platz gehörte, auf dem die Kamelstute sich niedergelassen
hatte.
Es dauerte nicht lange,
bis die Besitzer des Grundstücks, Sahl und Suhail, zwei Waisen, ausfindig
gemacht waren. Der Prophet fragte, ob sie diesen Platz verkaufen möchten. Sie
wollten ihn aber dem Propheten schenken.
Der Prophet wollte aber
nicht den Besitz der Waisen geschenkt haben, deshalb wurde der Platz gekauft.
„Hier, so Allah will, ist
die Niederlassung“, erklärte der Prophet. Sofort wurde mit dem Bau einer
Moschee begonnen. Sie sollte ein Ort des Gebets, des Wissens und eine
Versammlungsstätte für die Muslime werden. An einer Seite der Moschee wurden
einfache Räume als Wohnung für den Propheten gebaut.
Abu Bakrs Frau Umm Rumman
und ihre Kinder kamen auch bald an. Mit dieser Auswanderung verlor Abu Bakr
seinen Besitz in Mekka.
Bald wurde das
bescheidene Haus des Propheten fertig. Er schickte Zaid um Sauda, seine zwei
Töchter Umm Kulthum und Fatima, aber auch Zaids Frau Baraka und ihren kleinen
Sohn Usama aus Mekka zu holen.
Sauda verwaltete das Haus
des Propheten, als dieser kurz nach ihrer Ankunft in Medina Abu Bakrs Tochter
Aischa heiratete. Aischa kannte Muhammad seit ihrer Kindheit und wusste, dass
er der Gesandte Allahs war. Sie hörte immer wieder Gutes über ihn und mochte
ihn sehr gerne. Seine Eheschließung mit Aischa machte nicht nur die Braut
glücklich, sondern auch ihre Eltern, die diese Ehre wohl zu schätzen wussten.
Sie war schon früher verlobt gewesen mit einem anderen Mann, der diese
Verlobung zu ihren Ehren löste, weil sie Muslima war.
Die Ehe des Propheten mit
der jungen Aischa belastete Sauda nicht. Ihr wurde bald klar, wie
wissensdurstig dieses Mädchen war, das von Allah eine große Aufnahmefähigkeit
geschenkt bekommen hatte und ihr Wissen den Muslimen und der ganzen Menschheit
einst zurückgeben sollte, wenn die Zeit dafür reif sein würde.
Aischa war die Tochter
des ersten und wichtigsten Helfers des Propheten, des Mannes, der ihm am
liebsten war und am nächsten stand.
Wegen Aischas Herkunft
und der Liebe des Propheten zu ihr räumte Sauda ihr bald die erste Stelle im
Haus des Propheten und in der Gemeinde ein. Nach Berichten der Muslime soll
Sauda zur Zeit ihrer Heirat mit dem Propheten schon recht alt gewesen sein, und
damit wollte er ein gütiges Vorbild für seine Gemeinde sein. Jeder sollte sich
um jeden kümmern und die Chance haben zu heiraten, ob alt und jung.
Sauda war klar, dass
Muhammad sie nicht weltlicher Dinge wegen geheiratet hatte. Sie selber sagte:
„Bei Allah, ich lege keinen Wert darauf, Ehemänner zu bekommen, jedoch wünsche
ich mir, dass Allah mich am Jüngsten Tage als Ehefrau des Gesandten
wiederauferstehen lässt. Ich werde meine Nacht Aischa schenken!“
Der Prophet war tief
beeindruckt von ihrer Bescheidenheit und Großzügigkeit. Aischa war Sauda sehr
dankbar für die zusätzliche Nacht. Der Verzicht stärkte die Bindung zwischen
den beiden Frauen, und Sauda führte ein glückliches Leben im Hause des
Propheten.[103]
Wie die anderen Gläubigen
war Aischa der Überzeugung, dass der Gesandte Allahs seine Ehen geschlossen
hatte, weil diese für die Gemeinschaft gut waren –nicht zur Befriedigung
persönlicher Begierden.[104]
Die islamische Gemeinde
wurde gegründet, und ab sofort sollte niemand mehr seines Glaubens oder seiner
Herkunft wegen benachteiligt werden. Der Prophet Muhammad verurteilte die
Unterdrückung der Frauen, Kinder und Sklaven und erklärte Medina zu einer
offenen Stadt der Toleranz und Verständigung. Seine Güte und Barmherzigkeit war
nicht nur auf die Menschen, sondern ebenso auf die Tiere, die Pflanzen und alle
anderen Geschöpfeverteilt.[105]
Die Frauen in Medina
bekamen Rechte, von denen sie vorher nicht einmal geträumt hatten. Sie durften
nicht mehr ohne ihre Zustimmung verheiratet werden, durften Besitz haben und
hatten ein Recht auf das Erbe ihrer Verwandten und Ehemänner.
Der Prophet kümmerte sich
auch um das Wohlergehen der Kinder. Er wies die Muslime an, sowohl Mädchen als
auch Jungen Lesen und Schreiben zu lehren. Er war bekannt für seine
Freundlichkeit gegenüber Kindern.
Schwache und Starke wurden
gleich behandelt. Der Prophet lehrte die Muslime, dass es gottgefällig sei,
Sklaven die Freiheit zu schenken. So kamen viele Sklaven frei. Die
Offenbarungen schrieben den Muslimen vor, dass jeder Wohlhabende pro Jahr 2,5%
seines Besitzes an die Armen abgeben sollte – die sogenannte Zakat. Der Armut wurde der Kampf
erklärt.
In Medina, der Stadt des
Propheten, waren bald fast alle Muslime. Allmählich lebten sich die Auswanderer
aus Mekka ein und bekamen den Namen Muhadschirun, Auswanderer. Die
Muslime aus Medina wurden vom Propheten Ansar genannt – Helfer, denn sie
halfen ihren Brüdern und Schwestern aus Mekka. Sie nahmen sie in ihren Häusern
auf, und alles, was sie besaßen, teilten sie mit ihnen, da die Auswanderer all
ihre Habe in Mekka hatten zurücklassen müssen.
Die Muslime richteten ihr
tägliches Leben und ihre gemeinsamen Angelegenheiten nach den Lehren des Islam
aus, die jeder leicht praktizieren konnte. Der Prophet achtete darauf, dass die
Menschen in der Religion nicht übertrieben und sich damit ihr Leben
erschwerten.[106]
Er gab der neuen
Gesellschaft eine Ordnung, stellte Regeln für das Zusammenleben auf. Er
schaffte die Blutrache ab und stellte Frieden zwischen den verschiedenen
Stämmen her.
Es wurde auch das
Verhältnis zu den Nichtmuslimen, vor allem zu den jüdischen Stämmen, geregelt,
welche ein Teil der neuen Gesellschaft bleiben sollten.
Der Prophet schloss ein
Abkommen mit den Juden, in dem Muslimen und Juden ähnliche Rechte gegeben und
Pflichten abverlangt wurden, damit Gerechtigkeit herrschte.[107]
Dieses Abkommen wurde
„der Vertrag von Medina“ genannt. Jener Vertrag und die Aussagen des Korans
wurden eine Basis für das Leben von Juden und Christen in muslimischen
Gesellschaften.[108]
Viele Juden schätzten die
Toleranz und Großzügigkeit des Propheten und seiner Lehre. Aber vor allem
einige Oberhäupter der jüdischen Stämme, waren nicht zufrieden, weil Allah Seinen
letzten Propheten unter den Arabern erwählt hatte. Nun war das Prophetentum von
den Kindern Isaaks auf die Kinder Ismaels übergegangen. Ein weiterer Grund war,
dass durch die neuen Verhältnisse in Medina der Einfluss der jüdischen Stämme geringer
wurde.
Einige der Angehörigen
der jüdischen Stämme wurden Muslime. Dies war für sie nicht immer einfach.
Einer von ihnen war ein angesehener und gelehrter Rabbi namens Hussain BinSalam.
Er hatte keinen Zweifel daran, dass Muhammad der Gesandte Allahs war, über den
in den Schriften der Juden und Christen berichtet worden war.
Ibn Salam ging heimlich
zum Propheten, um ihm mitzuteilen, dass er Muslim werden wollte. Er schlug vor,
dass der Prophet die jüdischen Gelehrten befragen sollte, was sie über ihn, Ibn
Salam, dachten, bevor sie wüssten, dass er Muslim geworden war.
Dies tat der Prophet.
Während der Rabbi sich in seinem Haus verbarg, fragte Muhammad die Delegation
der Juden, was sie über Ibn Salamhalten.
Einstimmig antworteten
sie: „Er ist unser Gelehrter, Sohn unseres Gelehrten, unser Oberhaupt und der
Sohn unseres Oberhauptes!“
Der Prophet sagte: „Was
ist, wenn er Muslim würde?“ Sie antworteten: „Allah bewahre ihn davor, das
würde er nie tun!“
Nun kam Ibn Salam heraus
und sagte, dass er Muslim geworden ist. Als die Gelehrten dies hörten sagten
sie: „Ibn Salam ist der Boshafteste unter uns und der Sohn eines Boshaften!“
Ibn Salam sagte: „Ihr Juden, ihr wisst, dass dieser Mann der Prophet Allahs
ist, der in der Thora mit seinem Namen und seinen Eigenschaften erwähnt wird,
also fürchtet Allah und nehmt an, was Er euch gesandt hat!“ Dann erklärte er,
dass er selbst und seine gesamte Familie den Islam angenommen hatten. Sie
beschimpften ihn und gingen.[109]
Es gab auch Gegner des
Propheten unter den Aus und den Chazradsch; diese waren entweder beim
Götzendienst geblieben oder zum Schein Muslime geworden, um Vorteile zu bekommen.
Diese Gruppe verbündete sich mit den Gegnern aus den jüdischen Stämmen.
Das Oberhaupt der
Heuchler war ein bedeutender Mann – Abdullah Bin Ubay Bin Salul[110]
- eines der Stammesoberhäupter der Chazradsch, der nicht nur an Macht verloren
hatte, sondern auch zusehen musste, wie sein Sohn, der ebenfalls
Abdullahhieß,und seine Tochter Dschamila Muslime wurden.
Es gab auch jüdische
Rabbiner, die sich in heuchlerischer Weise zum Islam bekannten, um Zweifel
unter den Muslimen zu säen. Einer von ihnen war Zaid Bin Al-Lusayt. Als sich
einmal das Kamel des Propheten verlaufen hatte, spottete er: „Muhammad soll
Botschaften aus dem Himmel empfangen, während er nicht einmal weiß, wo sein
Kamel sich gerade befindet!“
Nachdem Allah es ihn
wissen ließ, sagte der Prophet: „Bei Allah, ich weiß nur Dinge, die mich Allah
wissen lässt, und Er hat es mir gezeigt, es ist in jenem Tal, und es verfing
sich mit seinem Zügel an einem Baum.“ Sogleich machten sich einige Muslime auf
den Weg und fanden das Kamel an der Stelle, die der Prophet ihnen genannt hatte
und in dem Zustand, wie er es beschrieben hatte.[111]
Eines der
einflussreichsten und ältesten Oberhäupter der Banu Qaynuqa war Shas Bin Qays.
Ihn ärgerte die neue friedliche Ordnung und die Verbrüderung zwischen den
beiden großen Stämmen in Medina und zwischen den Muhadschirun und den Ansar,also denAuswanderern und den
Helfern.
Er beauftragte einen
jungen Sänger damit, sich zwischen die Männer zu setzen, wenn Angehörige der
Aus und der Chazradsch zusammen saßen, und alte Gedichte vorzutragen, die
während des Krieges von Dichtern beider Stämme verfasst worden waren. Es
handelte sich um Verse, in denen die Stämme sich selbst als tapfer beschrieben
und den Feind beschimpften; auch vielfältige Erinnerungen an die Gefallenen
wurden geweckt und Rache geschworen.
Als die Aus und die
Chazradsch wieder einmal friedlich beieinander saßen, tat der Sänger, was Shas Bin
Qays ihm gesagt hatte. Er trug Gedichte über die Schlacht von Bua’th vor. Mit
seiner schönen Stimme konnte er tatsächlich die Männer an die schreckliche
vorislamische Vergangenheit erinnern und alte Wunden aufreißen.
Zwei Männer beider Stämme
begannen sich zu streiten. Schon riefen manche: „Greift zu den Waffen!“
Schnell wurde der Prophet
benachrichtigt. Er eilte mit einigen Auswanderern zu dem Platz, wo die beiden
Gruppen sich gerade voller Wut aufeinander stürzen wollten und rief: „O ihr
Muslime, Allah, Allah! Wollt ihr euch so verhalten wie in den Tagen der
Unwissenheit, jetzt, wo ich unter euch bin? Nachdem Allah euch zum Islam rechtgeleitet
hat, euch damit geehrt hat, euch von euren Sitten aus der Zeit der Unwissenheit
befreit, euch vor dem Unglauben gerettet und eure Herzen vereint hat?“
Die Worte aus dem Mund
des Propheten beruhigte die Zornigen wieder und erinnerte sie daran, dass der Islam
ihre Herzen längst versöhnt und sie zu einander liebenden Geschwistern gemacht
hatte. Sie schämten sich ihres Verhalten und erkannten, dass sie betrogen
worden waren. Weinend umarmten sie einander und gingen mit dem Propheten zur
Moschee.[112]
Nachdem nun viele
Bewohner Medinas Muslime geworden waren, war es notwendig geworden, einen Weg
zu finden, sie zum gemeinsamen Gebet in die Moschee zu rufen. Anfangs waren die
Muslime ohne Aufforderung zur richtigen Zeit zum Propheten gekommen; das war
nun nicht mehr so einfach. Der Prophet und die Muslime überlegten, was zu tun
wäre. Sie dachten an ein Horn oder eine Glocke, um die Muslime zu rufen.
Abdullah Bin Zaid hatte
einen Traum. Gleich nachdem er wach wurde, ging er aufregend zum Propheten und
sprach: „O Gesandter Allahs, in der letzten Nacht sah ich im Traum, wie ein
grün gekleideter Mann mit einer Glocke in der Hand an mir vorbeiging. Ich habe
ihn gefragt: ‚Würdest du mir diese Glocke verkaufen?’ ‚Was hast du damit vor?’,
fragte er mich. ‚Damit zum Gebet rufen’, antwortete ich ihm. ‚Soll ich dir
etwas Besseres zeigen?’, entgegnete er. ‚Was wäre das denn?’, fragte ich.
Da sagte er: ‚Rufe
viermal: Allahu akbar, Allah ist groß! und jeweils zweimal: Aschhadu
an la ilaha illa Allah -ich bezeuge:
Es gibt keine Gottheit außer Allah! Aschhadu anna Muhammadan Rasulullah - ich
bezeuge: Muhammad ist der Gesandte Allahs! Hayya alas Salat - kommt zum Gebet!
Hayya alal Falah - kommt zum Heil! Allahu akbar - Allah ist groß! Und dann
zuletzt einmal: La ilaha ila Allah - es
gibt keine Gottheit außer Allah.’“
Als der Prophet das
hörte, rief er: „Ein wahrer Traum, so Allah will! Du sollst zu Bilal gehen und
es ihm beibringen und er soll damit zum Gebet rufen; denn seine Stimme ist kräftiger
als deine!“
Gewiss war die Kehle Bilals,
auf dessen Körper Umayya einst den schweren Stein gelegt hatte und der in der
Hitze Mekkas so grausam gefoltert worden war, diejenige, die es verdiente, den
Ruf der Einzigkeit Allahs laut und herrlich zu verkünden, sodass sie die Weiten
des Himmels durchdrang und alle Menschen erbeben ließ. Ein Ruf, der seitdem
fünfmal am Tag die Einheit und Großartigkeit Allahs in arabischer Sprache
verkündet, ohne dass eine einzige Silbe geändert wurde.
Umar befand sich in
seinem Haus, als er Bilals Stimme, die zum Gebet rief, hörte. Er rannte, sein
Gewand über den Boden schleifend, zum Propheten und sprach: „O Prophet Allahs! Ich
schwöre bei Dem, Der dich mit der Wahrheit sandte, ich hatte den gleichen
Traum!“
„Allah sei gelobt dafür“,
rief der Prophet.[113]
Wird
Atikas Traum wahr?
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A |
ls die Muslime auch in
Medina keine Ruhe vor den Quraisch hatten- die Verschleppung Ayashs war nur ein
Fall von vielen - empfing der Prophet Allahs Erlaubnis, sich aktiv zu
verteidigen.
Bisher war es den
Muslimen untersagt gewesen, sich zu wehren. Die Verse lauteten: „Die
Erlaubnis [sich zu verteidigen] ist denjenigen gegeben, die bekämpft werden,
weil ihnen ja Unrecht zugefügt wurde - und Allah hat wahrlich die Macht, sie
zum Sieg zu führen. Jene, die schuldlos aus ihren Häusern vertrieben wurden,
nur weil sie sagen: ‚Unser Herr ist Allah.’ Und wenn Allah nicht die einen
Menschen durch die anderen zurückgehalten hätte, so wären gewiss Mönchsklausen,
Kirchen, Synagogen und Moscheen, in denen der Name Allahs häufig genannt wird,
niedergerissen worden. Und Allah wird ganz gewiss denjenigen zum Sieg
verhelfen, die Ihm helfen. Allah ist wahrlich Stark und Allmächtig.“[114]
Um aber die Regeln dieser
Verteidigung zu bestimmen, offenbarte Allah: „Und kämpft gegen sie, bis es
keine Verfolgung mehr gibt und bis aller Glaube Allah gehört. Wenn sie aber
aufhören, dann darf es keine Gewalttätigkeit geben außer gegen diejenigen, die
Unrecht tun.“[115]
Und weiter: „Überschreitet nicht das Maß, wahrlich, Allah liebt die Maßlosen nicht.“[116]
Offensichtlich waren die
Götzendiener davon ausgegangen, dass die Muslime sich nie verteidigen würden
und man sie auch in Medina verfolgen und ausplündern konnte.
DieMuslime wussten, dass
es ohne Verteidigung keinen Frieden und keine Freiheit geben würde. Aber ohne
einen Befehl von Allah durften sie nichts unternehmen - ganz gleich, wie gern
sich manche von ihnen von Anfang an verteidigthätten, um der Gewalt und dem
Morden ein Ende zu setzen. Wichtig war aber auch die Frage, wie sich die
friedlichen und mittellosen Gläubigen überhaupt gegen die mächtigen Quraisch
wehren sollten.
Die Quraisch schickten
einen Brief an Ubay Bin Salul, der als Kopf der Heuchler bekannt war, und
verlangten von ihm, er solledenGesandten ermorden oder wenigstens verfolgen.
Täte er das nicht, würden sie sich versammeln, Medina angreifen, alle Männer
töten und die Frauen verschleppen.
Ibn Salul freute sich
über diesen Brief, denn er sicherte ihm Unterstützung aus Mekka. Er versuchte,
alle Götzendiener und Heuchler zu vereinen, um die Muslime zu bekämpfen. Es
dauerte nicht lange, und der Gesandte erfuhr davon. Er ließ seine Gegner
kommen, stellte sie zur Rede und konnte das Feuer ihres Hasses durch seine
Weisheit löschen.[117]
Die Situation für die
Muslime in Medina war also ernst. Das hinderte sie jedoch nicht daran, fleißig
zu arbeiten und nach den Gesetzen des Korans zu leben. Sie begannen, um Medina
herum Friedensabkommen mit den Stämmen zu schließen, Gerechtigkeit herzustellen
und die Stadt vor Straßenräubern und ähnlichem sicher zu machen.
Die Bildung des
islamischen Staates war den Mekkanern ein Dorn im Auge, und sie sammelten
Kräfte, um ihn zu vernichten.Auchversuchtensie,die gesamte arabische Halbinsel
gegen Muhammad und seine Gefährten aufzubringen. Das Hab und Gut, das die
Muslime in Mekka zurückgelassen hatten, wurde von den Götzendienern geraubt und
auf Kamele geladen, um es zu verkaufen.
Eine dieser Karawanen
wurde von Abu Sufyan nach Syrien geführt. Auf dem Weg zurück nach Mekka musste
er nah an Medina vorbei. Die Muslime, die von der Karawane wussten, wollten sie
abfangen, um einen Teil ihrer Habe von den Quraisch zurückzuerobern. Die
Nachricht von der militärischen Bewegung der Muslime erreichte Abu Sufyan. Er
blieb vorsichtig und bereitete einen Boten vor, Damdam Bin‘Amr, den er eilends
mit dem Befehl nach Mekka schickte, die Quraisch von der notwendigen Verteidigung
ihrer Güter zu überzeugen und davon, dass die Karawane in Gefahr sei. Er sollte
alles Mögliche machen, um Hilfe zu holen.
Drei Nächte vor der
Ankunft des Boten in Mekka hatte Atika, die Tante des Propheten, einen Traum,
der sie sehr bewegte. Sie rief nach ihrem Bruder Abbas und erzählte ihm davon,
bat ihn jedoch, niemandem von dem Traum zu erzählen.
„Was hast du im Traum
gesehen?“, fragte Abbas neugierig.
„Ich sah einen Mann auf
einem Kamel reiten, im Tal hielt er an. Dann rief er mit schrecklicher Stimme:
‚Lauft, ihr hinterhältigen Quraisch,in euer Unglück, das euch in drei Tagen erwartet!’
Ich sah, wie die Leute sich um ihn versammelten. Dann betrat er die Moschee und
die Menschen folgten ihm. Währenddessen sprang er mit seinem Kamel auf das Dach
der Kaaba und rief wieder: ‚Lauft, ihr Hinterhältigen, in euer Unglück, das
euch in drei Tagen niederwerfen wird!’ Dann gelangte er mit seinem Kamel auf
den Gipfel des Abu Qubays und rief: ‚Lauft, ihr Hinterhältigen, in euer
Unglück, das euch in drei Tagen niederwerfen wird!’ Kurz darauf nahm er einen
Felsbrocken und schleuderte ihn hinunter. Als der Stein unten aufschlug,
zerbrach er in tausend Stücke und seine Splitter trafen jedes Haus in Mekka.“[118]
Abbas wunderte sich über
den Traum und sagte zu seiner Schwester: „Bei Allah, das ist ein wahrer Traum,
den du geheim halten solltest!“ Dann ging er in die Stadt und war so
beunruhigt, dass er ihn selber nicht geheim halten konnte. Auf dem Weg traf er
seinen Freund Walid Bin Utba.
Er erzählte ihm den Traum
der Schwester und bat ihn, nicht mit anderen darüber zu sprechen. Walid aber
erzählte es seinem Vater Utba. Es dauerte nicht lange, bis ganz Mekka darüber
redete.
Am Tage darauf ging
Abbas, um einen Tawaf zu verrichten, also die Kaaba zu umschreiten.
Währenddessen saß Abu Dschahl mit einigen Leuten der Quraisch beisammen; sie
sprachen über Atikas Traum.
Abu Dschahl rief Abbas
zu: „O Abbas, wenn du mit deinem Tawaf fertig bist, komm zu uns!“
Als Abbas fertig war,
ging er zu ihnen. Abu Dschahl fragte ihn bösartig: „O ihr Söhne
Abdul-Muttalibs, seit wann sieht diese Prophetin unter euch Dinge voraus? Seid
ihr nicht damit zufrieden, dass eure Männer prophezeien, tun das nun auch eure
Frauen?“
Abbas fragte, was er
damit meinte.
Abu Dschahl erwiderte:
„Atikas Traum, in dem jemand gesagt haben soll: ‚Lauft, ihr Hinterhältigen, in
euer Unglück, das euch in drei Tagen niederwerfen wird!’ Wir werden drei Tage
warten! Wenn es stimmt, was sie sagt, wird es so sein; wenn aber die drei Tage
um sind und nichts passiert ist, werden wir ein Schreiben über euch
veröffentlichen, dass ihr die größte Lügnerfamilie unter allen Arabern seid!“
Abbas, dem nichts
einfiel, was er Abu Dschahl erwidern konnte, schwieg und ging nach Hause.
Die Frauen der Sippe
Abdul-Muttalib tadelten ihn: „Bist du zufrieden, dass der bösartige Abu Dschahl
zuerst über die Männer herfällt und nun auf diese Weise auch noch über die
Frauen schlecht redet? Wie kannst du bei so etwas einfach zuhören?“
„Bei Allah, ich habe
keine passende Antwort gefunden, werde ihn aber morgen herausfordern, und wenn
er es wiederholt, werde ich mit ihm machen, was euch zufrieden stellt!“
Am nächsten, also am
dritten Tag nach Atikas Traum, ging Abbas wütend zur Kaaba und wollte tun, was
er am Tag zuvor versäumt hatte. Er sah Abu Dschahl. Er näherte sich ihm, um ihn
zu provozieren, damit er das, was er am Tag zuvor gesagt hatte, wiederholte.
Abu Dschahl war ein
lebhafter Mann mit harten Gesichtszügen, scharfer Zunge und scharfem Blick.
Noch bevor Abbas ihm etwas sagen konnte, erhielt Abu Dschahl seine Antwort – so
heftig, dass die Felsen des Abu Qubays von der lauten Stimme des Boten Abu
Sufyans widerhallten: Das war Damdam!
Als der Bote das Innere
des Tals von Mekka erreicht hatte, verstümmelte er seinem Kamel die Nase,
sodass Blut aus ihr rann. Er drehte den Sattel herum und ritt stehend weiter,
nachdem er sein Hemd vorn und hinten zerrissen hatte; dabei schrie er: „O ihr
Quraisch! Das Geld und der Handel! Euer Vermögen, das Abu Sufyan verwaltet, ist
in Gefahr, Muhammad und seinen Gefährten in die Hände zu fallen. Ich weiß
nicht, ob ihr es noch zu fassen bekommt! Zu Hilfe! Zu Hilfe!“
Das ganze Theater machte
er als Zeichen eines drohenden Unheils. Abu Sufyan hatte ihn reichlich bezahlt,
sodass er seine Rolle so glaubwürdig spielte wie nur möglich.
Abu Dschahl und seine
Männer machten sich bereit. Kein Sippenführer oder Kampffähiger blieb zurück -
nur Abu Lahab, der an seiner Stelle einen Mann namens Al-Asi Bin Hischam
schickte, der ihm viertausend Dirham[119]
schuldete und seine Schulden nicht bezahlen konnte. Als Gegenleistung für das
Erlassen der Schuld sollte Al-Asi an Abu Lahabs Stelle in den Krieg ziehen.
Von den Oberhäuptern der
Quraisch wollte auch Bilals ehemaliger Besitzer Umayya Bin Chalaf, ein dicker,
hochnäsiger alter Mann, zurückbleiben, worauf Uqba mit einer Weihrauchschale zu
ihm zur Kaaba ging. Uqba stellte das Räuchergefäß vor seine Nase und spottete:
„Parfümiere dich damit, du gehörst ja zu den Frauen!“
„Allah verfluche dich und
das, womit du gekommen bist!“, schimpfte Umayya und nahm die Herausforderung
an, indem er sich vorbereitete, mit den anderen in den Kampf zu ziehen.[120]
Eine
große Armee gegen eine kleine
|
N |
un stand die kleine
Gruppe der Muslime vor der Entscheidung, sich dem Feind zu stellen oder nach
Medina zurückzukehren und die Quraisch dort zu erwarten. Der Prophet fragte
nach der Meinung seiner Gefährten und Freunde.
Abu Bakr, Umar und
Al-Miqdad sprachen für die Auswanderer. Sie waren dafür, dass der Angriff der
Mekkaner außerhalb Medinas erwartetwird. Al-Miqdad sagte: „O Gesandter Allahs!
Gehe dorthin, wohin Allah dir den Weg zeigt. Und wir sind mit dir. Wir werden
nie sagen, wie die Kinder Israels zu Moses gesagte hatten: ‚Gehe doch du und
dein Herr hin und kämpft! Wir bleiben hier sitzen.’[121] Nein, wir sagen dir:
‚Gehe du mit deinem Herrn und kämpft! Wir werden zusammen mit euch kämpfen!’“
Der Prophet sprach Segenswünsche
ihn. Dann sagte er zu den Helfern: „Ihr Leute, gebt mir einen Rat!“ Saad Bin Mu’adh,
ihr Anführer, fragte: „Bei Allah, das klingt so, als ob du uns meintest, o
Gesandter Allahs?“
Der Prophet sagte: „Ja!“
Saad sagte: „Wir glauben an dich und bezeugen, dass das, womit du gesandt bist,
die Wahrheit ist. Darauf haben wir den Treueid geschworen, um dir zu gehorchen.
Also entscheide, was du möchtest, und wir sind mit dir! Ich schwöre bei Allah,
Der dich mit der Wahrheit sandte, auch wenn du uns den Befehl geben würdest,
dieses Meer zu durchqueren, würden wir es machen, und kein einziger Mann von
uns würde zurückbleiben. So führe uns mit Allahs Segen!“[122]
Diese Worte erfreuten den
Propheten. Er rief: „Dann zieht weiter! Und seid frohen Mutes, denn Allah, der
Höchste, hat mir versprochen, dass wir eines von beiden bekommen: die Karawane
oder den Sieg über das Heer der Quraisch, und bei Allah, mir ist so, als würde
ich schon das besiegte Volk sehen!“
Sie rüsteten sich und
brachen auf. Der Prophet und seine Gefährten hatten nur siebzig Kamele, auf
denen sie abwechselnd ritten. Muhammad teilte den Rücken eines Kamels mit Ali
und Marthad. Er wollte nicht die gesamte Zeit reiten und andere zu Fuß gehen
lassen.[123]
Als sie in der Nähe von
Badr[124]
lagerten, schickte der Prophet am Abend Az-Zubair und Saad Bin Abi Waqqas[125]
mit anderen Männern zum Brunnen von Badr, um Ausschau zu halten. Dort trafen
sie zwei Sklaven, die Wasser für die
Quraisch holen wollten. Sie nahmen die beiden mit und begannen, sie zu
befragen, während der Prophet sein Gebet verrichtete.
Gleich am Anfang sagten
die Sklaven, dass sie von den Quraisch zum Brunnen geschickt wurden, um Wasser
zu holen. Az-Zubair und Saad hofften, die beiden würden zur Karawane Abu
Sufyans gehören, deshalb schlugen sie die Männer, bis sie sagten, sie sind für
Abu Sufyan unterwegs. Erst dann ließ man sie in Ruhe.
Nachdem er sein Gebet
beendet hatte, sprach der Prophet: „Sie sagten euch die Wahrheit und ihr habt
sie geschlagen, dann haben sie gelogen, und ihr habt sie in Ruhe gelassen. Bei
Allah, sie sagten die Wahrheit, sie gehören zu den Quraisch.“ Dann fragte er
die beiden freundlich, wo die Quraisch seien.
„Sie sind hinter diesem
Hügel, den du dort neben dem Tal siehst.“
Der Prophet fragte: „Wie
viele?“
„Sehr viele.“
Da sie mit Zahlen wahrscheinlich
wenig anfangen konnten, fragte er: „Wie viele Tiere schlachten sie jeden Tag?“
„Manchmal neun, manchmal
zehn“, antworteten sie.
„Es sind zwischen
neunhundert und tausend Menschen“, schätzte der Prophet.
„Welche Anführer der
Quraisch haben sie dabei?“
“Abu Dschahl, Umayya, AmrBin
Abdu-Wadd, Nadir, Utba, Schayba, Abul Bachtari, Hakim, Naufal, Harith…!“[126]
Die beiden Armeen
marschierten zu den Brunnen von Badr.
Die Muslime beeilten sich
und erreichten sie zuerst und schlugen ihr Lager vor den Brunnen auf, so dass
die Brunnen zwischen ihnen und dem Feind lagen. Einer der Gefährten, der Hubab BinAl-Munthir
hieß, fragte den Propheten: „Ist dies ein Lagerort, welcher dir von Allah
befohlen wurde?“ Der Prophet verneinte, daraufhin sagte Hubab: „So ist dies
kein guter Lagerort, lass das Lager hinter den Brunnen aufschlagen, dann haben
wir Wasser und die Quraisch nicht!“ Der Prophet folgte dem Rat Hubabs. Damit
hatten die Muslime einen Vorteil bekommen.
In der Nacht vor der
Schlacht hatte Dschuhaym Bin As-Salt von der Sippe der Muttalib einen Traum:
„Ich hatte einen Traum zwischen Schlafen und Wachen; ich sah, wie ein Mann sich
den Pferden näherte und stehen blieb. Er hatte ein Kamel bei sich und sagte:
‚Utba und Schayba, Abu Dschahl und Umayya sind getötet!’“ Er nannte noch einige
Männer und sagte weiter: „Dann erstach er sein Kamel mit seinem Dolch und ließ
es durch das Heer laufen. Es gab kein Zelt im ganzen Lager, dass nicht mit Blut
befleckt wurde!“
Als er seinen Traum Abu
Dschahl erzählte, rief dieser lachend: „Da haben wir also noch einen weiteren
Propheten unter den Söhnen Muttalibs! Morgen, wenn wir aufeinander treffen,
wird er wissen, wer getötet wird!“[127]
Inzwischen hatte Abu
Sufyan seine Karawane in Sicherheit gebracht.Er schickte einen Boten zu den
Quraisch und ließ ihnen ausrichten: „Ihr seid unterwegs, um die Karawane, die
Männer und eure Güter zu retten. Sie wurden gerettet und sind gut angekommen,
nun kehrt wieder zurück!“
Abu Dschahl aber
widersprach: „Nein! Wir werden nicht umkehren, bevor wir Badr erreicht haben!
Wir wollen drei Tage dort bleiben, Kamele schlachten, essen, Wein trinken, und
die Sklavinnen sollen für uns singen. Die Araber werden von unserer Versammlung
hören. Danach werden sie uns für immer schätzen. Geht nur weiter!“
Achnas jedoch ermahnte
seine Leute, nicht auf Abu Dschahl zu hören und kehrte mit ihnen zurück nach
Mekka.[128] Gleich danach kehrte
auch Talib mit den Banu Haschim zurück. Dabei stritten einige Männer der Quraisch
sich mit ihnen und beschuldigten sie: „Wir wissen, dass ihr Muhammad liebt,
obwohl ihr mit uns seid.“
In dieser Zeit machte
Utba Bin Rabi’a, der zwar ein Gegner des Propheten war, einen Kampf aber nicht
gern wollte, noch einen Versuch, seine Leute zur Vernunft zu bringen: „In
diesem Krieg wird es keinen Gewinner geben! Selbst wenn ihr Muhammad und seine
Gefährten besiegt, so werdet ihr euch später nicht mehr ins Gesicht sehen
können. Die Männer da drüben sind eure Verwandten! Nach dem Kampf werdet ihr
euch gegenseitig dafür hassen, dass ihr eure Verwandten getötet habt. Kehrt
lieber zurück!“
Aber Abu Dschahl
beschimpfte Utba als Feigling: „Er hat Angst, als er Muhammad und seine
Gefährten sah! Aber nein, wir werden nicht zurückkehren. Utba hat nur gesehen,
dass Muhammad und seine Gefährten nicht mehr sind als etwas Futter für ein
Kamel, und weil sein Sohn Abu Hudhayfa unter ihnen ist, um den er Angst hat!“
Als es Nacht wurde, „senkte
Allah einen friedlichen Schlaf auf die Gläubigen“[129], aus welchem sie frohen
Mutes und erholt erwachten.
Die Sonne ging auf; der
Morgen der Schlacht brach an. Die Quraisch rückten näher und begannen sich auf
dem Hügel zu zeigen. Als sie den Gipfel erreicht hatten und der Prophet die
stark bewaffneten Truppen, die nach Blutvergießen riefen, zahlreich in Richtung
Badr herabkommen sah, rief er aus: „O Allah, dies sind Quraisch, die mit ihrer
Eitelkeit gekommen sind und Dich und Deinen Propheten verleugnen. O Allah, gib
uns Deine Hilfe, die Du mir versprochen hast! O Allah, vernichte sie am
heutigen Morgen!“
Sobald die Quraisch ihr
Lager am Fuß des Hügels aufgeschlagen hatten, sahen sie die wenigen Muslime,
die ihnen gegenüberstanden wie ein kleiner weißer Fleck auf einem schwarzen
Kamel, gegenüber der Zahl der Quraisch. Sie schickten Umair Bin Wahb als
Kundschafter, um herauszufinden, ob weitere Verstärkung da wäre. Er kehrte
zurück und gab bekannt, dass keine anderen Muslime, außer denen, die man sah,
in der ganzen Gegend seien.
Der Prophet begann die
Reihen der Gläubigen zu ordnen, während er einen Pfeil in der Hand trug. Einem
Helfer namens Sawad, der von der Reihe abwich, tippte er mit dem Pfeil auf den
Bauch.
„Steh’ gerade, Sawad!“
„O Gesandter Allahs, du
hast mir wehgetan! Weil Allah dich mit Wahrheit und Gerechtigkeit entsandt hat,
gib mir mein Recht zurück!“
Ohne zu zögern gab der
Prophet Sawad seinen Pfeil, zeigte ihm seinen Bauch und forderte ihn auf, er
solle sich rächen.
Sawad umarmte den
Propheten und küsste seinen Bauch.
Der Prophet fragte ihn
nach dem Grund für sein Verhalten.
Sawad antwortete: „O
Gesandter Allahs, du siehst, was uns erwartet. Ich will, dass in meiner letzten
Gelegenheit des Zusammenseins mit dir meine Haut die deine berührt.“ Er liebte
den Propheten so sehr. Da betete der Gesandte für ihn um Segen.[130]
Als die Mekkaner noch
deutlicher sahen, wie klein die Zahl der nur leicht bewaffneten Muslime war,
jubelten sie siegesgewiss. Muhammad war klar, dass die Zahl der Mekkaner um ein
Vielfaches größer war als die seiner eigenen Leute. Er zog sich zurück, um
Allah um die Hilfe zu bitten, die Er ihm versprochen hatte. Der Prophet fiel in
einen leichten Schlaf und empfing die Kunde vom Sieg. Er sagte zu Abu Bakr:
„Abu Bakr, zu uns ist der Sieg Allahs gekommen! Hier ist Gabriel, der die Zügel
eines Pferdes hält, auf dessen Zähnen Staub zu sehen ist!“[131]
Der Prophet wusste nun,
dass die Muslime göttliche Hilfe bekommen würden. Allah hatte versprochen, ihm
Engel zu senden.[132]
Utba Bin Rabi’a konnte
die Schlacht jetzt nicht mehr verhindern; seine Unsicherheit war dennoch so
groß, dass er an Umkehr dachte. Die Quraisch jedoch beharrten auf ihren üblen
Plänen. Al-Aswad Bin Asad von den Banu Machzum, ein berüchtigter Krieger, der
sich bereits des Sieges sicher fühlte, trat als erster von den Quraisch hervor
und rief: „Ich verspreche, aus ihrem Becken zu trinken oder es zu zerstören!“
Doch bevor er sich dem
Becken näherte, schlug ihm Hamza, der Onkel des Propheten, gegen das Bein. Er
sank mit seinem blutenden Bein auf den Rücken nieder. Er kroch zum Becken.
Hamza folgte ihm und schlug ihn erneut, bis er ihn dort tötete.
Nach ihm rückte Utba mit
seinem Bruder Schayba und seinem Sohn Al-Walid voran und forderte die Muslime
zum Duell auf. Drei junge Ansar, also Helfer aus Medina, sprangen hervor. Die
Quraisch aber riefen: „Wer seid ihr?Wir brauchen euch nicht! Muhammad! Schicke
unseresgleichen aus unserem Stamm!“
Der Prophet rief: „Steh
auf, Ubayda Bin Al-Harith[133],
steh auf, Hamza, und steh auf, Ali!“,alle aus seiner eigenen Familie.
Die Quraisch riefen: „Ja!
Sie sind uns ebenbürtig und edel.“ Ubayda -er war der Älteste - kämpfte gegen
Utba, Hamza gegen Schayba und Ali gegen Al-Walid.
Nach einem kurzen Kampf
hatten Hamza und Ali ihre Gegner getötet. Ubayda und Utba schlugen sich
gegenseitig und fielen verwundet zu Boden. Dann kamen Hamza und Ali hinzu und
töteten Utba, da es drei gegen drei war. Sie brachten Ubayda zu ihren
Gefährten.
Jetzt griffen die
Quraisch an. Der Prophet rief schnell: „Erst dann, wenn die Leute euch
umzingeln, überschüttet sie mit Pfeilen!“
Beide Seiten beschossen
sich mit Pfeilen; als erster Muslim wurde Mihdscha, ein ehemaliger Sklave,
durch einen Pfeil getötet; ein weiterer traf Haritha, einen Mann aus Medina,
als er aus dem Becken Wasser trank.
Da rief der Prophet zu
seinen Leuten:
„Bei Dem, in Dessen Hand
Muhammads Seele ist, jeder Mann, der heute geduldig und im Streben nach Allahs
Lohn stirbt, der vorwärts tritt und nicht rückwärts, den wird Allah ins
Paradies eintreten lassen!“
Unter den Quraisch war Abul
As, der Schwiegersohn des Propheten und der Gatte seiner Tochter Zaynab.
Aufgrund seiner Redlichkeit und Güte war er einer der geachtetsten Männer in
Mekka. Er war ein Neffe Chadidschas, die ihn wie ihren eigenen Sohn behandelt
hatte. Der Prophet klärte seine Gefährten auf: „Ich weiß, dass es einige unter
den Banu Haschim und auch andere gibt, die unfreiwillig gekommen sind und kein
Interesse haben, uns zu bekämpfen!“ Er nannte viele Namen von Männern, die im
Kampf nicht getötet werden sollten, weil sie unschuldig sind.
Der Prophet hob eine
Handvoll Sand auf und rief: „Erniedrigt werden sollen diese Gesichter!“ Dann
warf er mit dem Schotter nach ihnen und gab den Befehl anzugreifen.
Als sie sich in den Kampf
warfen, spürten die Gläubigen eine gewaltige Kraft, die sie vorantrug. Viele
von ihnen erblickten weiße Engel, die auf himmlischen Pferden neben ihnen durch
die Luft ritten und auf der Seite der Muslime gegen den Feind kämpften. Es
schien, als sei das Heer der Gläubigen auf wunderbare Weise verdoppelt, ja
verdreifacht. Während Abu Dawud Al-Maziny einen Götzendiener verfolgte, sah er,
wie dessen Kopf abgetrennt wurde, durch eine andere Kraft, schon bevor er ihn
erreichte.
Ibn Abbas berichtet, dass
ein Mann aus dem Stamm Ghifar erzählte: „Mit meinem Cousin kletterten wir auf
einen Hügel, um Badr zu beobachten. Als wir uns auf dem Hügel befanden, waren
wir plötzlich von einer Wolke umgeben und hörten Pferdegewieher. Mein Cousin
fiel zu Boden, und sein Herz zersprang vor Angst, sodass er auf der Stelle
starb. Beinahe wäre auch ich gestorben.“[134]
Die Quraisch waren geschockt.
Eine grenzenlose Angst ergriff Besitz von ihnen, sodass sie trotz ihrer
zahlenmäßigen Übermacht zu flüchten begannen.
Die Muslime, die spürten,
dass sie in diesem Kampf nicht allein waren, bekamen Hoffnung und Mut. Etwa
siebzig Männer der Quraisch wurden getötet und etwa ebenso viele gefangen
genommen – unter ihnen Abul As, der Schwiegersohn Muhammads.
Mehr als achthundert
Mekkaner flüchteten – sie konnten allerdings jederzeit zurückkommen. Die
Muslime verloren nur vierzehn Männer. Sie hatten den Kampf trotz der Übermacht
des Feindes gewonnen!
Als der Sieg der
Gläubigen sicher war und es danach aussah, dass die Quraisch sich nicht neu
formieren würden, schickte der Prophet Abdullah Bin Rawaha und Zaid Bin Haritha
mit der Botschaft des Sieges nach Medina.
Usama Bin Zaid berichtet:
„Wir hatten soeben Ruqayya, die Tochter des Propheten und Frau Uthmans beerdigt,
als mein Vater Zaid in Medina ankam. Ich erreichte ihn, als er von Menschen
umgeben auf dem Gebetsplatz stand und rief: “Getötet sind die Führer der
Quraisch: Utba, Schayba, Abu Dschahl, Zam’a, Umayya und die beiden Söhne des
Al–Hadschadsch, Nabih und Munabbih!“
Unter den getöteten
Quraisch befanden sich außer Umayya, der den schwarzen Bilal gefoltert hatte,
auch Nadir Bin Al Harith und Uqba Bin Abi Muit, die für ihre Grausamkeit
gegenüber den Menschen bekannt waren.[135]
Der Prophet beriet nun
mit seinen Gefährten, was sie mit den Gefangenen tun sollten. Abu Bakr war
dafür, sie mit nach Medina zu nehmen und gegen ein kleines Lösegeld
freizulassen. Umar hingegen war dafür, sie wegen ihrer Verbrechen hinzurichten,
denn an ihren Händen klebte das Blut der gequälten und getöteten Muslime aus
Mekka.Der Prophet stimmte Abu Bakr zu.
Muhammad erreichte Medina
wenige Tage später, noch bevor man die Gefangenen brachte. Er verteilte sie an
seine Gefährten und trug ihnen auf, sie gut zu behandeln. Die Muslime teilten
ihr Essen und ihre Behausungen mit den Gefangenen.[136]
Gespannt saß Abu Lahab im
großen Zamzam–Zelt in Mekka, als Abu Sufyan eintraf. Er rief: „Komm und setz
dich zu mir, mein Neffe, und berichte, was mit den Leuten passiert ist!“
Von den Ereignissen in
Badr erschüttert, erwiderte Abu Sufyan: „Es gibt nichts zu sagen, außer, dass
wir, sobald wir auf die Leute trafen, ihnen sofort wieder den Rücken zuwandten,
damit sie uns töteten und gefangen nahmen, wie sie wollten. Deshalb würde ich
keinen unserer Krieger etwas sagen oder tadeln, weil wir weißen Männern auf
Pferden gegenüberstanden. Sie sind zwischen Himmel und Erde geritten und haben
uns angegriffen!“[137]
„Bei Allah, das waren die
Engel!“, rief der Sklave Abu Rafi´ jubelnd, der mit Ummul Fadl in einer Ecke
des Zeltes kauerte und Pfeile machte. Beide hatten ihren Glauben an den Islam
bisher geheim gehalten.
Da wurde Abu Lahab wütend
und fing an, ihn ins Gesicht zu schlagen. Als der magere und schwache Sklave
sich zu wehren versuchte, warf Abu Lahab ihn zu Boden, kniete sich auf ihn und
schlug ihn weiter.
Ummul Fadl stand auf und
nahm einen dicken Pfahl. Mit ihrer ganzen Kraft schlug sie auf den Schädel von
Abu Lahab. Dabei sagte sie: „Behandelst du ihn so, weil sein Herr Abbas nicht
da ist?“[138]
Als die gescheiterten Götzendiener
nach und nach in die Stadt zurückkehrten, verboten Abu Sufyan und die anderen
Oberhäupter den Quraisch, für ihre Toten zu weinen, damit Muhammad und seine
Gefährten nicht triumphieren sollten. Es wurde auch beschlossen, dass niemand
zu Muhammad gehen sollte, um ihn darum zu bitten, die Angehörigen freizulassen.
Der berüchtigte und
inzwischen erblindete Aswad, der seine Sklaven gefoltert hatte, verlor drei
Söhne und wollte um sie weinen, aber es war streng verboten. Als er in der
Nacht ein Wehgeschrei hörte, befahl er seinem Sklaven: „Sieh nach, ob heftiges
Weinen wieder erlaubt ist und ob die Quraisch ihre Toten beklagen dürfen, damit
ich auch um Zam’a weinen kann! Denn es brennt in mir!“
Als der Sklave zurückkam,
brachte er die Nachricht, dass es sich nur um eine Frau handele, die um ihr verloren
gegangenes Kamel weinte.
Die Wunde am Schädel Abu
Lahabs heilte nicht, und sein ganzer Körper war mit Beulen bedeckt, an denen er
sieben Tage nach dem Schlag von Ummul Fadl starb.
Aus Ekel wagte es
niemand, sich seinem Leichnam zu nähern. Es dauerte nicht lange, bis er so sehr
stank, dass ganzMekka sich darüber beschwerte. Schließlich gruben seine Söhne
ein Loch vor seinem Haus, schoben die Leiche mit langen Stöcken hinein und
warfen Sand und Steine ins Grab, sodass man sich ihm nähern konnte.[139]
Abu Sufyan, dessen Sohn
auch gefangen genommen worden war, hielt sein Wort und bat nicht um dessen
Freilassung gegen Lösegeld. Die meisten anderen waren unterwegs nach Medina, um
mit den Siegern über die Freilassung ihrer Angehörigen zu verhandeln.
Abu Sufyan aber nahm bei
der nächsten Gelegenheit einen alten schwachen Mann aus Medina, der zur
Pilgerfahrt nach Mekka gekommen war, als Geisel und wollte ihn erst wieder
freilassen, wenn man seinen Sohn freiließ.
Die Familie des alten
Mannes ging zum Propheten und bat ihn, Amr, den Sohn des Abu Sufyan,
freizulassen, damit dafür der alte Mann freikäme. Der Prophet war sofort
einverstanden.[140]
Zaynab, die Tochter des
Propheten, deren Ehemann Abul As bei der Schlacht von Badr gefangen genommen
wurde, hatte für seine Freilassung ein Lösegeld geschickt, dem sie eine Kette
beilegte, welche ihr ihre Mutter Chadidscha zur Hochzeit geschenkt hatte.
Als der Prophet die Kette
erkannte, rührte ihn das so sehr, dass er die Gefährten bat, Abul As
freizulassen. Er bat Abul As, seiner Tochter Zaynab zu ermöglichen, nach Medina
auszuwandern. Abul As versprach ihm dies.
Als er nach seiner
Freilassung in Mekka ankam, erzählte er seiner Frau, dass sie ihrem Vater nach
Medina folgen dürfe. Ihre kleine Tochter Umama nahm sie mit.
Als Zaynab, die schwanger
war, die lange Reise nach Medina antreten wollte, erklärte sich ihr Schwager
Kinana bereit sie zu begleiten. Er nahm Bogen und Köcher und verließ Mekka tagsüber
mit Zaynab und seiner kleinen Nichte Umama, die beide auf dem Kamel saßen.
Einige Männer der Quraisch bemerkten das, und unter ihnen gab es allerlei
Gerede, bis einige ihr schließlich folgten. Der Erste, der sie erreichte, war
Habbar, der Sohn des blinden Al-Aswad. Er begann sie zu umkreisen und mit dem
Speer auf sie und ihre Tochter zu zielen. Er erschreckte beide aber auch das
Kamel so, dass Zaynab aus der Sänfte stürzte. Sie verletzte sich. Durch den
Schreck und die Verletzung erlitt sie eine Fehlgeburt.[141]
Kinana, ihr Schwager,
sprang von seinem Reittier ab, nahm seinen Bogen und leerte seinen Köcher vor
sich in den Sand. Während er seinen Bogen spannte, schrie er: „Bei Allah, wenn
einer von euch mir zu nahe kommt, werde ich ihn mit einem Pfeil durchbohren!“
Die Leute entfernten sich
von ihm. Abu Sufyan bat ihn, den Bogen beiseite zu legen, damit man mit ihm
sprechen könne.
Als Kinana ihm die
Möglichkeit gab, sagte Abu Sufyan: „Du hast nicht richtig gehandelt, indem du
die Frau vor den Augen der Leute aus unserer Mitte weggebracht hast, wo du doch
weißt, was für ein Leid uns durch Muhammad geschehen ist! Die Leute werden dies
als unsere Schwäche sehen. Bei meinem Leben, wir haben kein Interesse, sie von
ihrem Vater zu trennen oder uns damit zu rächen. Nun aber schafft die Frau
zurück nach Mekka, bis sich die Stimmen beruhigt haben und es sich
herumgesprochen hat, dass wir sie zurückgebracht haben; bringe sie dann
heimlich weg, und sie soll ihrem Vater folgen!“
Kinana war mit dem
Vorschlag einverstanden und brachte die blutende Zaynab nach Mekka zurück.[142]
Nachdem sie sich einige
Tage lang von ihren Verletzungen und ihrer Fehlgeburt erholt hatte, brachte
Kinana sie und die kleine Umama nachts aus der Stadt und übergab sie Zaid Bin
Haritha, den der Prophet ihnen mit einem anderen Gefährten geschickt hatte.
Als sie in Medina
ankamen, freuten sich Muhammad, Zaynab und seine anderen Töchter und Verwandten
sehr.
Als zu dieser Zeit Abbas
in Mekka angekommen war, schickte er dem Propheten seinen Sklaven Abu Rafi als
Geschenk. Der Prophet ließ ihn aber sofort frei. Abu Rafi war sehr glücklich
und wollte aber trotzdem immer in der Nähe des Propheten sein. Er wurde ein
Gefährte und alle halfen ihm.
Der Prophet sagte: „Wenn
einer einem Sklaven die Freiheit schenkt, dann rettet Allah für jedes Glied des
Sklavenkörpers ein gleiches Glied seines eigenen Körpers vor dem Höllenfeuer.“[143]
Aus allen Richtungen
Arabiens kamen Menschen herbei, um der Botschaft des Propheten zu folgen. Viele
von ihnen waren damit Flüchtlinge, die nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren
konnten. Der Prophet und die Mitglieder seiner Familie kümmerten sich um sie
und überließen ihnen einen Teil der Moschee. Muhammad sagte: „Das Essen von
einer Person genügt für zwei, das Essen von zweien genügt für vier, und das
Essen von vieren genügt für acht.“[144]
Er pflegte alles, was er
bekam, noch am gleichen Tag an die Bedürftigen zu verteilen.
Die
Quraisch wollen Rache
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A |
bu Sufyan schwor nach
Badr, kein Wasser solle nach der Verunreinigung seinen Kopf berühren, bis sie nicht
gegen Muhammad einen Kriegszug unternommen hätten. Seine Frau Hind aber pflegte
sich selbst nicht mehr, blieb dem Bett Abu Sufyans fern und hetzte die Leute
gegen Muhammad auf.Eines Abends saß Umayr Bin Wahb[145]
mit Safwan Bin Umayya[146]
zusammen.
„Seitdem unsere Brüder
weg sind, hat das Leben seinen Sinn verloren“, jammerte Safwan.
„Es ist wahr, und wenn
ich keine Schulden hätte, die ich zahlen muss, und keine Familie, um
derentwillen ich fürchte, dass sie nach mir verloren geht, wäre ich zu Muhammad
geritten und würde ihn töten!“ sagte sein Cousin Umayr, dessen Sohn auch ein
Gefangener war.
Safwan nutzte diesen
Augenblick und auch seine Schwäche und versprach Umayr: „Deine Schulden werde
ich übernehmen, und deine Familie werde ich wie meine behandeln und für sie
sorgen, solange sie leben!“
„Dann bewahre dies als
mein und dein Geheimnis!“ Safwan schwor, es niemanden zu erzählen. Umayr
erklärte sich bereit, für alle Götzendiener zu sterben.
Sogleich begann Umayr,
sein Schwert zu schärfen und es mit Gift einzureiben und machte sich auf den
Weg nach Medina, um den Propheten zu töten.[147]
Die jüdischen Stämme, die
Götzendiener und die Heuchler hatten in der Schlacht von Badr die Stärke der
Muslime erkannt.
Kaum waren die Muslime -
froh über den Sieg von Badr - zurückgekehrt, begannen die anderen Gruppierungen
Medinas, vor allem die jüdischen Stämme, sich zu verschwören, gegen sie zu
hetzen und Gedichte zur Aufhetzung gegen sie zu verbreiten. All das blieb dem
Propheten nicht verborgen.
Eine Weile nachdem Umayr
losgezogen war, sagte Safwan zu den Menschen in Mekka: „In einigen Tagen wird
eine gute Nachricht zu euch kommen, durch die ihr eure Niederlage in Badr
vergessen werdet!“
Jedes Mal, wenn ein
Reiter aus Medina kam, ging Safwan zu ihm und fragte nach Umayr.
Eine muslimische
Goldhändlerin kam mit etwas Schmuck zum Markt der jüdischen Banu Qaynuqa. Dort
setzte sie sich zu einem Goldschmied. Er verlangte von ihr, ihr Gesicht zu
entschleiern.Sieweigertesich.DakameinerderBanu Qaynuqa heimlich von hinten und
befestigte einen Zipfel ihres Gewandes mit einem Dorn an der Wand hinter ihrem
Rücken. Als sie sich erhob, wurde ihre Scham entblößt. Alle lachten über sie,
während sie weinend versuchte, sich zu bedecken. Als ein Muslim ihr zu Hilfe
eilte, kam es zu einem heftigen Streit, bei dem der jüdische Goldschmied
getötet wurde. Die Banu Qaynuqa stürzten sich daraufhin auf den Muslim, töteten
ihn und griffen auch die anderen Muslime auf dem Markt an.
Muhammad ging auf den
Markt und forderte die Banu Qaynuqa auf, mit ihren Angriffen aufzuhören, das
Freundschaftsabkommen einzuhalten und nicht den Fehler der Götzendiener zu
wiederholen, damit ihnen kein solcher Gotteszorn widerfahre wie den Quraisch.
Doch sie achteten seine
Warnung nicht. „Du solltest wissen, o Muhammad, dass du auf ein Volk gestoßen
bist, das nichts vom Krieg versteht, sodass du gesiegt hast! Wenn wir gegen
dich kämpfen, dann wirst du wissen, was für Leute wir sind!“ Sie meinten, dass
sie bessere Krieger seien als die Quraisch. Diese Aussage kam einer
Kriegserklärung gleich.
Mit ihren schweren Waffen
und ihren Reichtümern waren sie sich sicher, die Muslime besiegen zu können.
Beide Seiten begannen sich auf den Krieg vorzubereiten.
Es dauerte nicht lange;
die Muslime belagerten die Banu Qaynuqa fünfzehn Tage lang, bis diese
schließlich aufgaben und sich der Entscheidung des Propheten unterwerfen mussten.
Der Prophet überließ das Urteil den Chazradsch. Er folgte damit der Bitte
einiger ihrer Anführer, da die Chazradsch früher die Verbündeten der Banu
Qaynuqa waren. Sie durften ihr Vermögen mitnehmen und kehrten zu den Grenzen
von Ash-Sham[148]
zurück, woher sie ursprünglich gekommen waren. Vor vielen Jahren hatten sie Ash-Sham
verlassen und waren nach Medina ausgewandert, um den erwarteten Propheten in
ihrer Mitte zu empfangen. Muhammad akzeptierten sie jedoch nicht als den
Propheten.
Sie nahmen ihre Habe und
zogen Richtung Norden – bis nach Adhriat an der Grenze von Ash-Sham.
Umar Bin Al-Chattab ging
in die Moschee und rief: „O Prophet Allahs, hier ist der Feind Allahs Umayr Bin
Wahb, der sein Schwert gegürtet hat!“
„Lass ihn zu mir!“, sagte
der Prophet.
Umayr grüßte, wie sich
die Götzendiener begrüßen und wünschte einen guten Morgen.
„Allah gab uns einen
besseren Gruß als deinen, Umayr“, erwiderte der Prophet, „er heißt ‚Frieden’
und ist der Gruß, mit dem sich die Menschen im Paradies begrüßen.“ Danach
fragte er: „Was führt dich zu uns, Umayr?“ Umayr erklärte, er sei wegen seines
gefangenen Sohnes gekommen.
„Weshalb trägst du das
Schwert?“
„Allah verdamme die
Schwerter, was haben sie uns gebracht“, antwortete Umayr ausweichend.
Umar gab einigen Helfern
den Befehl: „Geht hinein zum Propheten Allahs, setzt euch zu ihm und gebt acht
auf diesen Bösen, dem nicht zu trauen ist!“
„Sag mir die Wahrheit,
wofür bist du gekommen?“ fragte der Prophet erneut.
Umayr erwähnte seinen
Sohn. Dann überraschte ihn der Prophet und gab das Gespräch zwischen Umayr und
Safwan bei der Kaaba genau wieder. „Du und Safwan habt euch über die getöteten
Quraisch unterhalten. Dann sagtest du: ‚Wenn ich keine Schulden hätte, die ich
zahlen muss, und keine Familie, um derentwillen ich fürchte, dass sie nach mir
verloren geht, wäre ich zu Muhammad geritten, und würde ihn töten. Safwan
übernahm deine Schuld und die Verantwortung für deine Familie, damit du mich
für ihn tötest. Aber Allah ist zwischen dich und ihn getreten!“
Umayr sagte: „Bei Allah,
da ist kein dritter Mann außer mir und Safwan gewesen! Wir nannten dich einen
Lügner, o Gesandter Allahs, während du uns himmlische Botschaften brachtest.
Bei Allah, ich weiß, dass niemand anderes als Allah dir dies offenbarte, gelobt
sei Er, Der mich jetzt zum Islam rechtleitete. Ich bezeuge, dass es keinen Gott
außer Allah gibt, und du bist der Gesandte Allahs!“
Nun war er überzeugt,
dass der Prophet Recht hatte und die Steine und Holzidole keine Götter waren.
„Lehrt euren Bruder seine
Religion, rezitiert ihm aus dem Koran und lasst seinen gefangenen Sohn frei!“,
bat der Prophet seine Gefährten.[149]
Als diese Nachricht Mekka
erreichte, ärgerte sich Safwan und schwor sich, nie wieder mit Umayr zu
sprechen und ihm nicht mehr behilflich zu sein.
Einige Tage später kam
Umayr zum Propheten und bat: „O Gesandter Allahs, mein Vorhaben war es, das
Licht Allahs auszulöschen. Ich war streng gegen die, die auf der Seite der
Religion des Erhabenen waren. Ich habe den Wunsch, dass du mir erlaubst, nach
Mekka zurückzukehren und sie zum Islam einzuladen!“
Der Prophet erlaubte es
ihm.
Als Umayr in Mekka ankam,
begann er zum Islam einzuladen. Viele hörten mit dem Götzendienst auf und
wurden durch ihn Muslime.
Ein Jahr war seit der
Schlacht von Badr vergangen und langsam kehrte in Medina Ruhe ein. Aber Abu
Sufyan ertrug es nicht, die Schande der Niederlage von Badr auf sich sitzen zu
lassen. Er musste den Arabern der Halbinsel beweisen, dass die Quraisch die
Macht und den Mut zum Kampf besaßen! Er sammelte eine Truppe schwerbewaffneter
Männer um sich und zog insgeheim mit ihnen aus. In der Nähe Medinas brachen sie
vor Tagesanbruch auf und gelangten zu einem Gebiet namens Al-Uraid. Dort fanden
sie einen Mann der Ansar und einen Kameraden von ihm auf ihrem Acker. Sie
töteten beide und steckten Häuser und Dattelpalmen in Brand.
Darauf wandte sich Abu
Sufyans zur Flucht, denn er fürchtete, dass der Prophet und seine Gefährten ihn
verfolgen würden.
Als der Prophet dies
erfuhr, rief er seine Gefährten, und sie verfolgten, mit ihm an der Spitze, Abu
Sufyans Spur bis zu einem Ort namens Karkarat Al-Chudr.
Abu Sufyan und seine
Begleiter bemerkten, dass sie verfolgt wurden und gerieten in Panik. Sie
trieben ihre Kamele eifrig an. Damit sie schneller vorankamen, warfen sie ihr
Essen, das aus Weizenbrei[150]
bestand, weg. Diesen Brei fanden die Muslime.
Als der Prophet erkannte,
dass die Flüchtigen außer Reichweite waren, kehrten er und seine Gefährten nach
Medina zurück.
Abu Sufyans Flucht
ruinierte seinen Ruf und denRuf der Quraisch. Er hatte damit gerechnet, dass
der Feldzug der Quraisch nach dem Unglück von Badr den verlorenen Stolz wieder
herstellen würde.
Die
Schlacht von Uhud
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M |
it der Niederlage wollten
die Quraisch nicht leben und bereiteten sich erneut auf einen Angriff auf
Medina vor. Die Frauen der Quraisch sollten den Kriegszug ebenfalls begleiten.
In diesem Punkt waren sich die Quraisch jedoch nicht einig. Einer sagte: „Sie sind
dafür gut, euch in Zorn zu versetzen und an die Getöteten von Badr zu erinnern.
Wir wollen nicht nach Hause zurückkehren, bevor wir nicht Rache genommen haben!“
Hind Bint Utba, die Frau
von Abu Sufyan, der gegen den Auszug der Frauen war, schrie: „Du,Abu Sufyan, bist
am Tag von Badr entkommen und zu deinen Frauen zurückgekehrt. Jawohl! Wir
werden ausziehen und beim Kampf dabei sein, und niemand wird uns zurückhalten!“
Die Quraisch zogen aus,
und ihre Frauen waren bei ihnen – an ihrer Spitze Hind, die heftig nach Rache
verlangte, denn ihr Vater Utba, ihr Onkel Schayba sowie ihr Bruder Walid waren
bei der Schlacht von Badr getötet worden. Die Quraisch führten dreitausend
Mann, zweihundert Pferde sowie dreitausend Kamele gegen Medina.
Abbas Bin Abdul-Muttalib,
der Onkel des Propheten, war unter ihnen und über jede wichtige Einzelheit informiert.
Als die Quraisch sich in großer Zahl zum Auszug sammelten, schrieb er einen
Brief, in dem er ihre Stärke, ihre Ausrüstung und ihre Anzahl genau beschrieb.
Er übergab das Schreiben einem Boten, der mit seinem Pferd losgaloppierte und
drei Tage später Medina erreichte, wo er den Brief dem Propheten aushändigte.
Die Einwohner Medinas
erkannten die Gefahr dieses Feldzugs.
Der Prophet verließ die
Stadt mit tausend Männern, um sich den Quraisch in den Weg zu stellen. Sie
hatten auch den Anführer der Heuchler, Ibn Salul, mit seinen Leuten dabei.
Sie kamen bei Uhud an, wo
sie übernachteten. Am nächsten Morgen bestieg Ibn Salul sein Pferd, sammelte
seine dreihundert Leute und zog mit ihnen einfach ab. Seine Absicht war es,
Unruhe in die Reihen der Muslime zu bringen.
Nun bestand die Armee der
Muslime nur noch aus siebenhundert Mann.
Der Prophet ordnete die
Reihen seiner Gefährten. Er stellte fünfzig Schützen auf einen Berg und sprach
zu ihnen: „Deckt unseren Rücken, denn wir fürchten, dass sie von hinten kommen.
Bleibt an eurem Platz und verlasst ihn nicht! Selbst wenn ihr seht, dass wir in
ihr Lager eindringen, so bleibt auf eurem Platz. Selbst wenn ihr seht, dass wir
getötet werden, eilt uns nicht zur Hilfe!“
Da rief Hamza zum
Angriff. Beide Heere marschierten aufeinander zu.
Ein heftiger Kampf
entbrannte; die Waffen krachten, die Männer schrien. Talha Bin Abi Talha, der
Bannerträger der Mekkaner, rief laut durch das Kampfgetümmel: „Wer misst sich
mit mir im Duell?“
Ali nahm die Herausforderung
zum Zweikampf an; zwischen den beiden Heeren trafen sie aufeinander. Ali fügte
ihm einen tödlichen Schlag zu. Die Muslime priesen Allah und stürmten los.
Abu Dudschana, in seiner
Hand das Schwert des Propheten und um seinen Kopf die Todesbinde[151],
schlug jeden nieder, den er mit seinem Schwert treffen konnte, bis er die
Reihen der Götzendiener trennte und eine Frau erblickte, die den Soldaten die
Gesichter zerkratzte. Er erhob das Schwert gegen sie, worauf sie ein wildes
Klagegeheul anstimmte – es war Hind Bint Utba. Er ließ von ihr ab. „Das Schwert
des Gesandten ist zu edel, als dass ich damit eine Frau schlagen würde“, sagte
Abu Dudschana.[152]
Hamza war einer der
tapfersten Helden der Araber, der am Tag von Badr viele Männer, darunter auch
Utba, den Vater von Hind, getötet und andere verwundet hatte. Am Tag von Uhud
war er wie am Tag von Badr der „Löwe Allahs“. Er tötete einige der Anführer und
Helden der Quraisch. Hind, die Tochter Utbas, hatte dem Abessinier Wahschi,
einem Sklaven aus Mekka, die Freiheit und reichen Lohn versprochen, falls er
Hamza tötete.
Wahschi berichtete später
von diesem Tag: „Ich war ein Abessinier, der den Speer genau wirft und damit
selten sein Ziel verfehlt. Als die Männer aufeinander trafen, versuchte ich,
Hamza zu finden, bis ich ihn erblickte, wie er mitten unter den Leuten sein
Schwert vernichtend unter ihnen wüten ließ. Da bewegte ich meinen Speer, bis
ich mit seiner Position zufrieden war und schleuderte ihn gegen Hamza. Er traf
ihn und er starb. Dann ging ich zu ihm, nahm meinen Speer und kehrte zum Lager
zurück, wo ich mich niedersetzte; denn außer an ihm hatte ich an niemandem
Interesse. Ich hatte ihn getötet, weil ich als Lohn die Freiheit erlangen
würde; und als ich nach Mekka kam, wurde ich aus der Sklaverei der Götzendiener
freigelassen.“
Jetzt trug Abu Saad Bin
Abi Talha das Banner und rief: „Behauptet ihr, dass eure Gefallenen im Paradies
sind und unsere Gefallenen im Höllenfeuer? Bei Allah, ihr lügt! Solltet ihr
wirklich glauben, was ihr sagt, so soll einer von euch herauskommen, der mit
mir kämpft!“
Kaum war er fertig,
versetzte Ali ihm mit dem Schwert einen Schlag.
Als die Bannerträger
getötet waren, flüchteten die Götzendiener und kümmerten sich um nichts mehr -
nicht einmal darum, dass ihre Frauen umzingelt waren und ihr Götzenbild aus der
Kamelsänfte gefallen war, in der es gelegen hatte.
Dreitausend Reiter der
Quraisch wurden bei dieser Schlacht von siebenhundert Muslimen zersprengt. Dann
jedoch begannen einige schwache Muslime nach der Beute zu greifen. Reich und
verlockend war diese Beute, vor welcher der Prophet sie gewarnt hatte. Aber
vergeblich!
Die Bogenschützen, denen
der Gesandte befohlen hatte, den Berg nicht zu verlassen, wollten sich
ebenfalls bereichern.
Chalid Bin Al-Walid[153],
ein Held,der an der Spitze der Reiter Mekkas stand, erkannte die Schwachstelle
in der Verteidigung der Muslime, stürmte mit seinen Männern von hinten auf die
Bogenschützen los und vertrieb sie.
Die Quraisch sahen, dass
ihre Reiterei die Verteidigung der Muslime durchbrochen hatte. Die flüchtenden
Truppen kamen zurück und griffen die Muslime wieder an, unter denen daraufhin
Panik ausbrach.
Nun begannen für den
Propheten schwere und gefährliche Stunden.Die Truppen der Quraisch umzingelten ihn.
Ein von den Quraisch
geworfener Stein traf den Propheten, und er fiel auf die Seite. Seine Lippe
wurde zerschnitten und ein Zahn brach ihm ab.
Einige der Muslime, die
ihn blutend zu Boden gehen sahen, wandten sich in Richtung des Berges, setzten
sich auf die Erde und weinten. So sah sie Anas Bin An-Nadr und fragte: „Warum
setzt ihr euch?“
Sie antworteten: „Der
Gesandte Allahs wurde getötet!“
Er erwiderte: „Was wollt
ihr denn nach ihm mit dem Leben anfangen? Erhebt euch und sterbt wie er!“
Dann wandte er sich dem
Feind zu und kämpfte, bis er getötet wurde. Als sein Leichnam gefunden wurde,
war er so von Schwerthieben übersät, dass ihn nur noch seine Schwester anhand
seiner Fingerspitzen erkennen konnte.
Doch der Prophet Muhammad
war nicht tot. Es waren nur wenige Muslime in seiner Nähe. Die Quraisch sahen
ihre Gelegenheit, ihn zu töten und attackierten ihn immer wieder. Umm Amara,
eine Frau von den Ansar, ergriff ein Schwert und begann, den Propheten
zu verteidigen. Abu Bakr, Mus’ab Bin Umayr und Abu Dudschana hatten sich auch
zum Propheten vorgekämpft, um ihn zu schützen. Einer der Helden der Quraisch
namens Abdullah Bin Qam’a griff den Propheten direkt an. Umm Amara, die sich
ihm in den Weg gestellt hatte, traf ihn mehrmals mit ihrem Schwert, konnte aber
seine Panzerung nicht durchbrechen, und er verletzte sie schwer an der
Schulter.
Die Gefährten erkannten,
dass der Prophet nicht getötet worden war und versuchten weiter, ihn zu
schützen und die anderen Muslime zu Hilfe zu holen.
Unter den Muslimen sprach
sich herum, dass Muhammad noch lebte. Währenddessen kämpfte der Prophet mit
einer kleinen Gruppe von Gefährten verzweifelt gegen eine immer größer werdende
Anzahl von Feinden, die sie umzingelten.
Saad Bin Abi Waqqas hielt
sich an der Seite des Propheten und schoss Pfeile ab, die er ihm reichte. Dabei
rief er: „Schieß! Mein Vater und meine Mutter sollen dein Opfer sein!“[154]
Der Prophet hatte zuvor
selbst mit seinem Bogen geschossen; dieser war jedoch zerbrochen.
Es sammelten sich immer
mehr Muslime um den Propheten, dem es gelang, mit ihnen die Reihen der Quraisch
zu durchbrechen und sich auf einen Berg zurückzuziehen. Die Muslime kämpften
sich mit den Verletzten in ihrer Mitte den Weg zum Berg frei.
Die Quraisch trauten sich
nicht, ihnen zu folgen.
Abu Sufyan stieg auf den
Berg und rief, so laut er konnte: „Im Krieg wird man einmal siegen und einmal
besiegt. Unbesiegt sei Hubal[155]!“
Der Prophet ließ Umar
antworten: „Allah ist Erhabener und Mächtiger. Wir sind nicht gleich. Unsere
Gefallenen sind im Paradies, die euren in der Hölle!“
Abu Sufyan bat Umar, zu
ihm herunterzukommen. Der Prophet sagte zu Umar: „Gehe zu ihm und schau, was er
will!“
„Haben wir wirklich
Muhammad getötet?“
„Bei Allah, er kann dich gerade
hören“, antwortete Umar.
„Ich glaube dir mehr als
Ibn Qam’a!“ sagte Abu Sufyan. Denn Ibn Qam´a hatte eine Nachricht verbreitet,
dass er Muhammad getötet hätte.
Abu Sufyan sprach erneut:
„Es hat Verstümmelungen an euren Gefallenen gegeben. Ich bin damit weder
zufrieden noch unzufrieden, und ich habe es weder verboten noch habe ich es befohlen.“
Und ganz zuletzt rief Abu
Sufyan: „Im nächsten Jahr ist unser Treffpunkt bei Badr!“[156]
Die Quraisch zogen ab,
nachdem sie ihre Gefallenen begraben und die Leichen der gefallenen Muslime
verstümmelt hatten.
Aus diesem Anlass
offenbarte Allah einige Verse, die den Muslimen Vergebung und Gerechtigkeit
auch in den schlimmsten Fällen auferlegen: „…wenn ihr Geduld zeigt, so ist dies besser für die Geduldigen.“[157]
Der Gesandte Allahs übte
Nachsicht, geduldete sich und verbot die Vergeltung und das Verstümmeln von
Leichen. Er bedeckte Hamza mit seinem Obergewand und betete für ihn. Seine
Schwester Safiya Bint Abdul-Muttalib kam, betete für ihn und bat für ihn um
Vergebung.
Als die Muslime Mus’ab Bin
Umayr mit seinem Mantel bedecken wollten, reichte dieser nicht, um ihn ganz zu
bedecken, und seine Füße wurden sichtbar, als man seinen Kopf bedeckte. So war
Mus’ab, der Lehrer von Medina, der im Luxus aufgewachsen war, von dieser Welt
gegangen. Er starb, als er versuchte, den Propheten zu schützen. Er wusste,
dass er seine Belohnung nicht im Diesseits sondern im Jenseits bekommen würde.
Die Muslime begruben ihre
Toten.[158]
Hafsaund
Fatima heiraten
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F |
atima, die damals etwa
zwanzig Jahre alt war, war über den Tod ihrer Schwester Ruqayya sehr
unglücklich; sie weinte und weinte. Der Prophet versuchte sie zu trösten und
trocknete ihre Tränen.
Es dauerte nicht lange,
und Fatima heiratete Ali. Ali verdiente Geld als Wasserträger und Fatima mit
dem Mahlen von Korn. Nach Fatimas Heirat erfuhr Haritha, dass der Prophet gern
seine Tochter in seiner Nähe hätte, weshalb er sein Haus, das der Moschee am
nächsten stand, dem Propheten schenkte.
Nicht lange danach starb Hafsas
Mann Hunaif Adi aus dem Stamme der Quraisch. Hunaif hatte an beiden
Auswanderungen der Muslime nach Abessinien und Medina teilgenommen und wurde zu
den engen Gefährten des Propheten gezählt. Nachdem er in der Schlacht von Uhud
verwundet worden war, starb er in Medina. Er hinterließ Hafsa, die Tochter des
Umar Bin Al-Chattab, als Witwe.
Nach dem Tod ihres Mannes
kehrte Hafsa in das Haus ihres Vaters zurück. Dort verbrachte sie traurig ihre
Tage, mit der Angst, dass sie ihre Jugend einsam verbringen würde.
Dies bereitete ihrem
Vater tiefe Sorge. Nachdem er ihre Trauer über sechs Monate angesehen hatte, entschied
er, ihr zu helfen, einen Ehemann zu suchen. Dabei kam er auf seinen Freund Abu
Bakr. Er war ein erfahrener Mann von gütigem Charakter, ruhig und zuverlässig;
er würde Hafsa ganz bestimmt gut behandeln und die Trauer der Witwenschaft von
ihr nehmen.
Umar ging zu Abu Bakr und
berichtete ihm über seine Hoffnungen für Hafsa.
Doch Abu Bakrhörte ihm
schweigend zu und sagte kein Wort. Die Ablehnung Abu Bakrs, Hafsa zu heiraten,
traf Umar tief. In tiefer Sorge verließ er das Haus Abu Bakrs.
Doch er gab nicht auf; er
ging zum Hause Uthman Bin Affans.
Uthman Bin Affan war mit
Ruqayya, der Tochter des Propheten, verheiratet gewesen. Doch war Ruqayya kurz
nach ihrer Ankunft in Medina gestorben. Uthman war daher schon längere Zeit
Witwer. Wegen seines guten Charakters und seiner Frömmigkeit war er
hochangesehen, auch war er bekannt für seine Schamhaftigkeit.[159]Er bot
Uthman Hafsa zur Ehefrau an. Uthman zog sich mit den Worten zurück: „Ich will
jetzt nicht heiraten.“
Diese erneute Kränkung
seiner Ehre und die Sorge um seine Tochter verletzte Umar umso tiefer.
Umar wollte wissen, warum
Abu Bakr und Uthman seine Tochter zurückgewiesen hatten. Er ging deswegen zum
Propheten. Der Prophet merkte gleich, dass Umar traurig war und fragte, was ihn
so getroffen hätte. Umar erzählte ihm alles.
Der Prophet lächelte und
antwortete ihm: „Hafsa wird den heiraten, der besser als Abu Bakr und Uthman
ist, und Uthman wird die heiraten, die besser als Hafsa ist.“
Die Worte erstaunten
Umar, denn wer anderes als der Prophet konnte besser als Abu Bakr und Uthman
sein? Er verstand, dass der Prophet seine Tochter Hafsa heiraten würde. Dies
war eine Ehre, die Umar selbst nie zu wünschen gewagt hätte. Glücklich und befreit
von seiner Sorge, lief er voll Freude auf den Propheten zu und gratulierte ihm
zu seiner Entscheidung. Er eilte hinaus, um allen Leuten seine Freude über die
Verlobung zu verkünden und ihre Glückwünsche entgegenzunehmen. Dann stürmte er
nach Hause, um seiner Tochter die frohe Botschaft zu übermitteln, die sich mehr
als alle anderen freute.
Auf dem Weg begegnete ihm
Abu Bakr, der seine Freude bemerkte und ahnte, was der Grund dafür war.
Entschuldigend und zugleich gratulierend streckte Abu Bakr ihm die Hand
entgegen und sprach: „O Umar, sei nicht traurig meinetwegen, denn der Prophet
hatte bereits zuvor von einer Heirat mit Hafsa gesprochen, und ich konnte das
Geheimnis des Propheten nicht verraten!“[160]
Aischa konnte die weitere
Ehe des Propheten gut verstehen, denn sie war wie die anderen Gläubigen der
Überzeugung, dass der Gesandte Allahs seine Ehen aus sozialen oder politischen
Gründen schloss oder aus Gründen, die mit der Botschaft zu tun hatten.
Der
Grabenkrieg
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ie Oberhäupter einiger jüdischen
Stämme, darunter Hujai Bin Achtab, waren schon mit einem Mordanschlag auf den
Propheten gescheitert. Nun gingensie von Chaibar aus zu den Quraisch nach
Mekka. Sie hetzten sie zum Krieg gegen den Propheten auf und sprachen: „Wir
wollen euch im Kampf gegen ihn unterstützen, bis wir ihn erledigt haben!“
„O ihr Männer der
Juden!Ihr seid das Volk mit dem ersten Buch und habt Wissen über unseren Streit
mit Muhammad! Ist unsere Religion besser oder seine?“ fragte Abu Sufyan.
„Eure Religion ist besser
als seine Religion, und ihr seid im Recht!“, antworteten sie, obwohl sie
wussten, dass die Götzendiener in Mekka Steine und Holzidole anbeten.[161]
Das freute die Quraisch
und ermutigte sie, sich auf einen weiteren Krieg vorzubereiten.
Dann gingen die Männer aus
Chaibar zu den Stämmen des Nadschd[162],
den Banu Ghatafan[163]
und vielen anderen Götzendienern und warben sie zum Kampf gegen den Propheten
an. Sie versprachen ihnen Unterstützung und erzählten, dass die Quraisch auch
dabei seien. Andere Stämme, die sie nicht anstacheln konnten, gegen die Muslime
zu kämpfen, versuchten sie mit Bestechung und dem Versprechen von reicher Beute
zum Kampf zu überreden.
Innerhalb kurzer Zeit
bewegte sich eine gewaltige Streitmacht in Richtung Medina, wie sie Arabien bis
dahin noch nicht gesehen hatte.[164]
Als der Prophet dies
alles durch einen Brief von seinem Onkel Abbas erfuhr, blieb ihm nur noch eine
Woche Zeit. Er rief die Muslime zu einer Versammlung zusammen, um seine
Gefährten nach Ratzu fragen. Salman der Perser, der mit Hilfe des Propheten aus
der Sklaverei der Juden freigekauft wurde, hatte einen besonderen Plan. Er
erzählte, was er bei seinem Volk gelernt hatte, wenn dessen Städte angegriffen
wurden: Sie gruben tiefe Gräben rund um ihre Städte, die es dem Feind unmöglich
machten, diese einzunehmen. Alle waren von diesem Plan begeistert. Zum Glück
mussten die Muslime nicht um die ganze Stadt herum graben, denn es gab bereits
hohe Mauern und Felsen, die nicht passierbar waren und nur noch miteinander
verbunden werden mussten, um die Lücken zu schließen. Jede Familie übernahm ein
Stück des Grabens.
Die Tage vergingen, aber
die Arbeit schien nicht fertig zu werden. Angst und Hunger nahmen zu; auch der
Prophet hungerte und arbeitete jeden Tag mit. Sie gruben unermüdlich.
Die Quraisch rückten
heran und belagerten Medina mit zehntausend Kriegern, in der Hoffnung, die
ganze Stadt gleich zu vernichten.
Der Graben war gerade
vollendet und der Prophet richtete mit dreitausend Muslimen ein Lager vor der
Stadt ein, sodass der Graben zwischen ihnen und den Quraisch lag. Er befahl,
Kinder und Frauen in die Festungen zu bringen, damit sie in Sicherheit wären.
Überrascht musstendie Götzendiener
feststellen, dass die Muslime ihre Felder um Medina herum schon abgeerntet
hatten, weshalb ihr Heer gleich in Richtung Medina marschierte, um die Muslime
zu vernichten.
Abu Sufyan, Chalid,
Ikrima, Amr und viele andere Anführer der Quraisch gingen an der Spitze und
freuten sich, als sie die Lager der Muslime vor den Toren der Stadt und nicht
hinter ihnen erblickten. Da es ihnen nicht an Männern und Waffen fehlte, waren
sie überzeugt, den Feind schnell vernichten zu können. Als sie aber immer näher
kamen, wurden sie überrascht.
Sie erblickten den
breiten Graben um die Stadt. Auf der anderen Seite begannen die Bogenschützen
der Muslime einen Hagel von Pfeilen auf sie zu schießen und zwangen sie,
zurückzuweichen. Dieser Graben war ein Trick in der Kriegskunst, den die Araber
noch nicht kannten!
An einer Stelle
blockierten die Festungen des jüdischen Stammes Bani Qurayda den Eingang in die
Stadt. Hujai Bin Achtab vom Stamm Banu An-Nadir war sich sicher, dass er den
jüdischen Stamm Banu Qurayda leicht überreden könnte, sein Versprechen Muhammad
gegenüber und damit den Vertrag von Medina zu verletzen.
Hujai ging sogleich zu Ka’b
Bin Asad von den Banu Qurayda, der für seinen Stamm mit dem Propheten den
Vertrag geschlossen hatte.
Als Ka’b die Stimme
Hujais vor der Burg hörte, verschloss er das Tor, denn Hujai war den Banu
Qurayda bekannt als Unglücksbringer, der seinem Stamm Verrat und Leid brachte.
„Wehe dir, Ka’b! Mach
auf!“
„Wehe dir, Hujai, du bist
ein Unheilbringer! Mit Muhammad habe ich einen Vertrag und an Muhammad habe ich
Treue und Ehrlichkeit erlebt!“
„Wehe dir, öffne mir,
damit wir reden!“
„Das tue ich nicht!“
„Du hast also Angst, dass
ich von deinem Weizenbrei esse!“
Dies machte Ka’b so
wütend und beleidigt, dass er Hujai das Tor öffnete. Dann sprach dieser: „Wehe
dir, Ka’b! Ich komme zu dir mit ewigem Ruhm und einem Meer starkerKämpfer. Mit
den Quraisch und ihren Führern bin ich gekommen und ebenso mit den Banu
Ghatafan und ihren Führern. Sie haben mir versprochen, Muhammad und seine Leute
zu vernichten!“
„Bei Allah, Hujai, du
bringst mir nur Unglück. Lass mich in Frieden; denn an Muhammad habe ich nichts
anderes als Ehrlichkeit und Treue gefunden.“
Hujai sprach von der
Beute und den vielen Vorteilen, die auf sie warteten, wenn sie die Muslime
vernichteten. Er redete auf Ka’b ein, bis er ihn schließlich zum Verrat bewegen
konnte. Hujai schwor: „Wenn die Quraisch und die Banu Ghatafan zurückkehren,
ohne Muhammad vernichtet zu haben, werde ich in deine Festung kommen und bei
dir bleiben, damit mir passiert, was auch dir passiert!“
Damit war Ka’b überredet,
er brach seinen Vertrag mit dem Propheten und beging Verrat. Nun war die ganze
Mühe der Stadtbewohner umsonst gewesen, und die Banu Qurayda würden den
Götzendienern Eintritt in die Stadt gewähren; diese würden sie dann plündern,
zerstören und jeden töten.
Einige der Banu Qurayda
waren zuerst dagegen, den Bund mit Muhammad zu verletzen und ihn zu verraten,
denn sie hatten von ihm nur Treue gesehen. Als jedoch die Heuchler um Ibn Salul
dazukamen und ihnen bestätigten, was Hujai ihnen gesagt hatte, waren sie vom
Erfolg überzeugt. Sie sahen, was für ein grauenvolles Heer der Quraisch da war,
das die Ebene vor ihren Augen füllte.
DerProphetwurdebenachrichtigt,woraufhin
er den Führer des StammesAus,SaadBinMu’adh,undden der Chazradsch, Saad Bin
Ubada, mit zwei anderen Gefährten beauftragte: „Seht, ob es stimmt, wenn es denn
stimmt!“
Die Delegation der
Muslime ging zu den Banu Qurayda. Sie merkten schnell, dass sie den Vertrag
gebrochen hatten und Verrat begehen werden. Ihre Bitte, diese Entscheidung zu
widerrufen, bevor eine Katastrophe geschah, wurde zurückgewiesen.
„Wer ist der Gesandte
Allahs?Wir haben kein Abkommen und keinen Vertrag mit Muhammad!“ Ka’b war sich
sicher, dass die Quraisch die Muslime vernichten würden und sie mit Quraisch die
Beute machen würden.
Saad Bin Mu’adh beschimpfte
sie, doch Saad Bin Ubada hielt ihn zurück: „Lass das Schimpfen! Die Sache ist
schlimmer!“
Die beiden Saads kehrten
mit den anderen Gefährten zum Propheten zurück und gaben ihm ein Zeichen. Der
Prophet verstand. Er wandte sich den Muslimen zu und rief: „Allahu akbar!
Seid frohen Mutes, o ihr Muslime!“
Trotz allem gab er die
Hoffnung nicht auf, obwohl die Lage für die Muslime nie ernster gewesen war.
Die Feinde bedrängten sie, bis die Prüfung so hart wurde, dass die Gläubigen zu
zweifeln begannen und bei einigen Heuchlern der Zweifel so offen zu merken war,
dass sie vor Angst das Gefühl hatten, ihre Leiber stünden in Flammen.[165]
Außer einigen
Pfeilschüssen war es bisher zu keinem richtigen Kampf gekommen. Eines Tages
jedoch legten Ikrima und einige Reiter der Quraisch ihre Waffen an, ritten mit
ihren Pferden zum Lager der Kinana und riefen: „Zum Krieg, ihr Banu Kinana!
Heute werden wir sehen, wer von uns die richtigen Reiter sind!“
Sie suchten sich eine
enge Stelle am Graben und schlugen auf ihre Pferde ein, bis diese den Graben
mühsam überwanden.
Ali ritt schnell mit
einigen Muslimen zu der Lücke. Amr Bin Abdu-Wadd, der in Badr verletzt wurde
und sich daher nicht an der Schlacht von Uhud beteiligt hatte, war unter den
Quraisch und wollte sich deutlich zeigen, damit man seine Stellung sehen
konnte. Er und andere Reiter wurden von den Muslimen angehalten. Er rief: „Wer
ist zum Duell bereit?“
Ali meldete sich, was Amr
so ärgerlich machte, dass er von seinem Pferd sprang und auf die Beine und den
Kopf des armen Tiers einschlug.[166]
Dann ging er auf Ali los, und die beiden umkreisten sich, bis sie in einer
Staubwolke versanken. Ihre Schwerter prallten aufeinander, und ihre erregten
Stimmen drangen aus dem Getümmel. Schließlich hörte man den Ruf „Allahu
akbar!“ Jeder wusste, dass es Alis Stimme war, der die Größe Allahs pries,
und dass Amr besiegt war. Ikrima ließ seinen Speer zurück, und mit den anderen
Reitern floh er zurück über den Graben.
Nun musste der Graben
pausenlos bewacht werden und die Muslime die Angriffsversuche mit Pfeilen
abwehren.
Hujai versuchte ständig,
die Quraisch zu überzeugen, dass sie mehrere tausend Männer zu den Burgen der
Qurayda entsenden sollten, um von dort aus die Festungen, in denen sich die
Frauen und Kinder der Muslime befanden, anzugreifen. Zunächst schickten die Banu
Qurayda ihre Spione vor, um zu sehen, ob Männer bei den Frauen waren. Wenn
keine Männer da waren, wollten sie angreifen.
In einer der Festungen
befand sich die Tante des Propheten, Safiya, eine Schwester von Hamza. Sie sah,
dass sich bewaffnete Kämpfer der Banu Qurayda näherten. Bereits früher hatte
sie mit ihrem Speer an der Schlacht von Uhud teilgenommen. Als sie nun einen Mann
der Banu Qurayda herankommen sah, nahm sie einen Zeltpfahl, stieg von der
Festung, versetzte ihm einen Schlag auf den Kopf und nahm ihm seine Waffen ab.
Aber die Gefahr, dass
auch die anderen angreifen würden, war noch nicht gebannt. Deshalb schlug sie
den Kopf des Mannes mit seiner eigenen Waffe ab, ergriff ihn und eilte nach
oben, von wo aus sie ihn über die Mauer mitten unter die Feinde warf.
Die Banu Qurayda waren
erschrocken und riefen: „Wir haben uns schon gewundert, dass Muhammad Frauen
und Kinder allein in den Festungen lässt! Jetzt wissen wir, dass Männer dort
sind, um die Frauen zu beschützen!“[167]
Nun bekamen viele
Muslime, die den Angriff bemerkt hatten, Angst um ihre Familien.
Die meisten Männer waren
erschöpft; ihnen fehlte Schlaf und Nahrung, weil sie am Tag und in den kalten
Nächten ununterbrochen Wache hielten. Einige, die schwach im Glauben waren,
dachten, dass der Sieg, den der Prophet ihnen versprochen hatte, nicht mehr
kommen würde. Für die Gläubigen jedoch war dies lediglich eine Prüfung, die
ihren Glauben stärkte, und sie übten sich täglich in Geduld.
Bei den Ghatafan war auch
Nuaim Bin Mas’ud gewesen, der früher von Abu Sufyan das Angebot erhalten hatte,
zwanzig Kamele zu bekommen, wenn er die Muslime überreden könne, dass es nicht
zu dem geplanten zweiten Gefecht in Badr käme, das Abu Sufyan selbst angekündigt
hatte, bevor er sich zurückzog. Seine Reise nach Medina war für ihn nicht
umsonst, denn als er damals dort gewesen war, beeinflusste ihn der Islam so
sehr, dass „dies die Zeit war, in der Allah mein Herz für den Islam öffnete“,
wie er später sagte.
Nuaim schlich in die
Stadt und verlangte den Propheten zu sprechen. Man brachte ihn zu ihm, und
Muhammad fragte, weshalb er zu ihm gekommen wäre.
„O Gesandter Allahs, ich
bin Muslim geworden, ohne dass meine Leute etwas davon wissen. Ich stehe unter
deinem Befehl!“
„Du bist nur ein
einzelner Mann unter uns, so gehe und versuche unsere Gegner durcheinander zu
bringen, wenn du kannst. Denn Krieg ist List.“[168]
Nuaim ging gleich zu den Banu
Qurayda, mit denen er in der Zeit der Unwissenheit, vor dem Islam, befreundet
gewesen war und sprach: „Ihr Banu Qurayda! Ihr kennt meine Freundschaft euch
gegenüber!“
„Du hast recht, wir
misstrauen dir nicht“, antworteten sie ihm.
„Die Quraisch und die Banu
Ghatafan sind nicht wie ihr. Hier ist eure Heimat, in der ihr euren Besitz,
eure Kinder und eure Frauen habt. Ihr könnt sie nicht so einfach verlassen. Die
Quraisch und die Banu Ghatafan aber sind hier, um Muhammad und seine Gefährten
zu bekämpfen. Ihr habt sie dabei gegen Muhammad unterstützt. Hier ist für sie
aber keine Heimat, sie haben ihren Besitz und ihre Frauen nicht hier, und wenn
es ihnen nicht gelingen sollte, wie die anderen Male, ihren Feind zu schlagen,
dann werden sie einfach dahin zurückkehren, woher sie gekommen sind und euch
Muhammad und seinen Gefährten überlassen. Ihr habt dann keine Macht über ihn.
Verlangt deshalb einige der Edlen der Quraisch als Geiseln, die bei euch
bleiben sollen, damit ihr Sicherheit habt, dass man euch nicht im Stich lassen
wird!“
„Du hast uns einen
vollkommenen Rat gegeben“, bestätigten ihm die Banu Qurayda. Denn genau diese
Bedenken hatten auch sie oft bei sich erwogen. Sie entschlossen sich, dem
Vorschlag zu folgen und versprachen, niemandem zu verraten, dass Nuaim ihnen
diesen Rat gegeben hatte.
Anschließend ging Nuaim
zu den Quraisch und sprach zu Abu Sufyan und einigen Männern der Quraisch: „Ihr
kennt meine Freundschaft zu euch, im Gegensatz zu Muhammad. Ich erfuhr etwas,
und bin verpflichtet, es euch mitzuteilen. Es soll aber ein Geheimnis bleiben!“
Die Quraisch versprachen
ihm, seine Warnung nicht zu verraten. Nuaim sagte weiter: „Die Banu Qurayda
haben inzwischen ihr Verhalten gegenüber Muhammad bereut und ihm die folgende
Nachricht zukommen lassen: ‚Wir bereuen unsere Tat. Würdest du zufrieden sein,
wenn wir dir aus den beiden Stämmen Quraisch und Banu Ghatafan einige Edle
übergäben, damit du ihre Köpfe abschlägst? Danach werden wir mit dir gegen die
restlichen Männer kämpfen, um alle zu vernichten.’ Muhammad ist damit
zufrieden. Sollten also die Banu Qurayda euch nun nach Geiseln fragen, liefert
ihnen niemanden von euren Männern!“
Danach ging Nuaim zu
seinen Leuten, den Banu Ghatafan, und sagte: „O ihr Männer von Banu Ghatafan!
Ihr seid meine Leute, und die Menschen, die mir am liebsten sind.“ Und er
warnte seinen eigenen Stamm, sowie er vorher die Quraisch gewarnt hatte.
Es war an einem
Freitagabend, als Abu Sufyan und die Häupter der Banu Ghatafan Männer aus ihren
Stämmen zu den Banu Qurayda schickten, ohne dass Hujai es erfuhr. Dort ließen
sie Folgendes ausrichten: „Hier ist nicht unsere Heimat und wir können nicht
länger warten. Macht euch morgen früh zum Kampf bereit, damit wir Muhammad
vernichten!“
Die Banu Qurayda
antworteten: „Morgen ist Sabbat. Und wir kämpfen auch nicht gegen Muhammad,
ohne dass ihr uns Geiseln gebt, die bei uns bleiben, bis wir ihn erledigt
haben. Wir haben Angst, dass ihr im Falle der Niederlage in eure Heimat
flüchtet und uns Muhammad überlasst, während wir hier zu Hause sind und nicht
in der Lage sind, ihn zu besiegen.“
Mit dieser Antwort
kehrten die Boten zu den Quraisch zurück. Die Quraisch und die Banu Ghatafan
stellten fest: „Was Nuaim euch erzählte, ist die Wahrheit!“ Sie ließen die Banu
Qurayda wissen, dass sie nicht bereit seien,
auch nur eine einzige Geisel zu übergeben, und wenn sie bereit seien zu
kämpfen, so sollten sie dies sofort tun.
Als
die Banu Qurayda die Antwort erhielten sagten sie zu sich: „Worüber Nuaim mit
euch gesprochen hat, war die Wahrheit! Sie verlangen nur, dass ihr kämpft, und
wenn sie eine Gelegenheit sehen, werden sie sie ausnützen. Andernfalls werden
sie in ihre Heimat zurückkehren und euch im Stich lassen.“ Deshalb ließen sie
die Quraisch und Banu Ghatafan wissen, dass sie ohne Geiseln nicht kämpfen
würden. Die Quraisch bestanden ebenfalls auf ihrer Ablehnung.
Nun
bekam Hujai Angst, getötet zu werden, als Abu Sufyan, der ihm nicht mehr
traute, sich mit ihm stritt. Darauf verließ Hujai das Lager und flüchtete zu
den Banu Qurayda.
Auf
der anderen Seite des Grabens betete der Prophet weiter; er war sich genau wie
am Anfang sicher, dass Allahs Sieg bald kommen werde.
In
dieser Zeit fragte er seine Gefährten, wer von ihnen den Mut habe, auf die
Seite der Feinde zu schleichen, um zu sehen, was diese taten. Es war aber schon
spät, und vor Erschöpfung, Kälte und Hunger traute kaum einer von ihnen sich zu
erheben. Außerdem heulten die Sturmböen wie wütende Wölfe. Als Hudhayfa[169]
seinen Namen hörte, strahlte er. Der Prophet sagte: „O Hudhayfa, geh und
schaue, was die Leute tun, ohne irgendetwas zu machen.“ Es dauerte nicht lange,
bis er in der dunklen Nacht aufbrach und sich in die Lager der Quraisch
einschlich.
Allah
schickte in jener Winternacht einen eiskalten Wind, der die Gefäße der Quraisch
mit erbarmungsloser Wucht umwarf und ihre Zelte wegfliegen ließ.
Da
wandte sich Abu Sufyan an die Quraisch, während ihm ein kalter Schauer über den
Rücken lief, und sprach: „Männer von Quraisch! Wir sind hier nicht an einem
sicheren Aufenthaltsort! Unsere Pferde und Kamele sterben, und die Banu Qurayda
haben ihr Wort nicht gehalten. Schreckliches haben sie uns angetan! Ihr seht
den stürmischen Wind, der uns kein Kochgeschirr, kein Feuer und kein Zelt
lässt. Reist also ab, denn ich reite auch nach Hause!“
Hudhayfa sagte später
dazu: „Abu Sufyan war so verwirrt, dass er stolperte, als er sich auf sein
Kamel setzte. Bei Allah, wenn der Prophet mir nicht gesagt hätte, ich solle
nichts machen, bis ich bei ihm sei, hätte ich ihn mit einem Pfeil getötet!“
Als Hudhayfa das Lager
der Banu Ghatafan erreichte, war es bereits verlassen.
„Ich kehrte zügig zum
Propheten zurück, der sich, in den Mantel seiner Frau gehüllt, gerade im Gebet
befand. Als er mich bemerkte, ließ er mich an seiner Seite sitzen, legte einen
Teil des Mantels auf mich und betete weiter. Als er sein Gebet beendet hatte,
berichtete ich ihm alles.“[170]
Am nächsten Morgen, als
auf der anderen Seite des Grabens nur noch eine leere Ebene zu sehen war, sagte
der Prophet: „Die Quraisch werden ab
diesem Jahr nie wieder gegen euch ziehen, aber ihr werdet gegen sie ziehen“.[171] Er
gab bekannt, dass jeder nach Hause gehen solle. Erleichtert kehrten alle in die
Stadt zurück und legten ihre Waffen ab.
Nachdem der Prophet von
der Grabenschlacht nach Hause zurückgekehrt war und die Waffen abgelegt hatte,
kam sogleich der Engel Gabriel zu ihm und fragte ihn: „Hast du die Waffen schon
abgelegt, o Gesandter Allahs?“
„Ja“, antwortete der
Prophet.
„Die Engel aber haben
noch nicht ihre Waffen abgelegt. Ich komme von der Verfolgung der Leute. Allah
befiehlt dir, o Muhammad, zu den Banu Qurayda zu marschieren! Ich gehe schon
hin und lasse sie erzittern.“
Der Prophet beauftragte
gleich einen Rufer: „Wer hört, soll sein Nachmittagsgebet nicht verrichten,
bevor er nicht bei den Banu Qurayda angekommen ist.“ Er schickte Ali mit der
Fahne. Als die Muslime ihn sahen, liefen sie ihm hinterher.
Ali zog weiter, bis er
sich den Häusern der Banu Qurayda näherte und hörte, wie sie den Propheten
beschimpften. Er ritt zum Propheten zurück und sagte zu ihm: „Gesandter Allahs!
Du solltest dich diesen Abscheulichen nicht nähern!“
Als der Prophet bei den Banu
Qurayda ankam, ließ er sich in ihrer Nähe an einem Brunnen namens Ana nieder
und belagerte sie 25 Tage, bis sie geschwächt waren und ihre Herzen vor Furcht
bebten.
Drei Jungen von der jüdischen
Sippe Banu Hadl erinnerten die Banu Qurayda an das Wort Ibn Alhayabans, der
nach Medina gekommen war, um den erwarteten Propheten zu sehen: „Seine Stunde
ist gekommen. Ihr Juden, versucht die ersten zu sein, die ihm folgen.“
Das war vergeblich,
weshalb die drei in der Nacht heimlich die Banu Qurayda verließen und sich den
Muslimen anschlossen. Das gleiche taten auch zwei weitere Männer der Banu
Qurayda, Rafiaa und Amr Bin Suda. Über Amr sagte der Prophet: „Allah rettete
diesen Mann wegen seiner Treue.“ Amr war immer dagegen gewesen, Verrat zu
begehen, den Vertrag von Medina zu verletzen und ihre Bewohner in Gefahr zu
bringen.
Hujai war nach dem Abzug
der Quraisch und der Banu Ghatafan in die Festung der Banu Qurayda geflüchtet,
um sich dort zu verstecken.
Als die Banu Qurayda sich
bewusst wurden, welchen Verrat sie begangen hatten, sprach Ka’b: „Ihr seht, in
welcher Lage ihr euch befindet! Deshalb mache ich euch drei Vorschläge. Der
Erste ist: Wir folgen diesem Mann. Es ist wahrlich klar, dass er ein gesandter
Prophet ist, über den ihr in eurer Schrift gelesen habt. Mein zweiter Vorschlag
ist, dass wir unsere Frauen und Kinder töten und dann frei mit dem Schwert
gegen Muhammad und seine Gefährten kämpfen. Wenn wir nicht siegen, lassen wir
zumindest keine Familien zurück. Wenn uns die Flucht gelingt, werden wir andere
Frauen und Kinder finden. Der dritte Vorschlag ist, anzugreifen, obwohl Sabbat
ist und Muhammad und seine Gefährten sich deshalb sicher sind, dass wir nichts
unternehmen werden.“[172]
Alle drei Vorschläge
lehnten sie ab. Vielleicht waren sie daran gewöhnt, dass Muhammad immer alles
verzeihen wird? Aber diesmal hatten sie wenig Hoffnung, davonzukommen, da die
Kämpfer der Banu An-Nadir und der Quraisch, die früher freigelassen worden
waren, im Grabenkrieg erneut gegen die Muslime kämpften. Hätte man damals die
Kriegsverbrecher hingerichtet, wäre das Heer der Quraisch nicht so mächtig
gewesen und die Banu Qurayda hätten sich nicht getraut, die Stadt und den
Vertrag zu verraten und so viele Menschenleben zu gefährden.
Die Muslime jedoch
hielten stand, kämpften und besiegten die Banu Qurayda. Hujai wusste, dass
seine Verhaftung bevorstand. Gewiss hatte er sich auf diese Stunde vorbereitet
und war sicher, dass er nicht entkommen würde. Er wurde mit den Männern der Banu
Qurayda festgenommen.
Saad Bin Mu’adh, der
Anführer der Aus, sollte das Urteil fällen. Ihm war die Schwere der Schuld der Banu
Qurayda bewusst und er urteilte: „Die Männer sollen hingerichtet werden!“[173]
Mit der Bestrafung der Banu
Qurayda endete die Grabenschlacht.
Nördlich von Medina aber
waren die Muslime weiterhin durch die Juden aus Chaibar gefährdet, die in jedem
Augenblick Medina angreifen konnten, mit dem Ziel, den Propheten umzubringen.
Früchte
der Güte
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S |
afiya, die Tochter
Hujais, hatte einen Traum, in dem sie sah, dass ein leuchtender Mond über
Medina stand, der langsam nach Chaibar wanderte, wo er in ihren Schoß fiel. Als
sie erwachte, erzählte sie ihrem Mann Kinana, was sie im Traum gesehen hatte.
Er schlug sie ins Gesicht, sodass sie beinahe ein Auge verlor, und brüllte:
„Das kann nur heißen, dass du an Muhammad, dem König der arabischen Halbinsel,
interessiert bist!“[174]Anscheinend
war ihm bekannt, dass sie mit Muhammad sympathisierte oder er kannte sich mit
Traumdeutung gut aus.
Inzwischen ließen sich
die Muslime nicht mehr so einfach von ihren Feinden überraschen. Sie waren
nunmehr auf Angriffe vorbereitet und hatten gelernt, die Gegend um Medina
sicher zu bewachen.
Eines Tages war eine
Reitertruppe zum Nadschd unterwegs und brachte auf ihrem Heimweg einen
Götzendiener zum Propheten. Er fragte seine Gefährten: „Wisst ihr, wen ihr da
mitgenommen habt? Das ist Thumama Bin Athal Al-Hanafi. Seid gut zu eurem
Gefangenen!“[175]
Der Prophet war ständig
dem Widerstand von Götzendienern ausgesetzt, die sich mit den Quraisch
verbündeten.
Allah wies den Propheten
über Offenbarungen an, nicht Gleiches mit Gleichem zu vergelten, sondern das
Böse mit Gutem abzuwehren, denn dann „wird derjenige, zwischen dem und dir
Feindschaft besteht, so, als wäre er ein warmherziger Freund.“[176]
Muhammad ging nach Hause
und bat seine Familie, dem Gefangenen etwas zu essen zu bringen. Er ging erneut
zu ihm und sagte: „Womit rechnest du bei mir, Thumama?“
Thumama antwortete: „Nur
mit Gutem! Wenn du mich tötest, so tötest du einen Menschen, dessen Blut
geschützt ist, und wenn du mir Gnade erweist, so erweist du sie einem
Dankbaren. Wenn du aber dafür ein Lösegeld verlangst, so verlange, was du
willst.“
Der Prophet ging fort,
ohne ihm zu antworten. Später kam er öfters zu ihm und sagte: „Womit rechnest
du bei mir, Thumama?“
„Mit dem, was ich dir
gesagt habe.“
Der Prophet kam am
drittenTag erneut zu ihm und fragte wieder: „Womit rechnest du bei mir,
Thumama?“
Thumama wiederholte:
„Womit ich rechne, habe ich dir gesagt!“
Darauf überraschte ihn
der Prophet mit seiner Güte und rief: „Lasst Thumama frei!“
Thumama konnte es kaum
glauben, er strahlte vor Freude und ging zu einer Palme in der Nähe der
Moschee, vollzog eine Ganzkörperwaschung und kehrte zurück. Er betrat die
Moschee und sprach: „Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah, und ich
bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Allahs ist! O Muhammad, ich schwöre bei
Allah, dass es kein Gesicht auf dieser Erde gab, das ich mehr hasste als dein
Gesicht. Heute ist dein Gesicht für mich das geworden, was ich am meisten
liebe. Ich schwöre bei Allah, dass es keine Religion gab, die ich mehr hasste
als deine Religion. Heute ist deine Religion für mich jene geworden, die ich
unter allen Religionen am meisten liebe. Ich schwöre bei Allah, dass es keine
Stadt gab, die ich mehr hasste als deine Stadt. Heute ist deine Stadt für mich
diejenige geworden, die ich unter allen Städten am meisten liebe. Deine Truppen
nahmen mich fest, als ich die kleine Pilgerfahrt (Umra)nach Mekka vollziehen
wollte. Ich möchte sie vollenden. Was hältst du davon?“
Der Gesandte lächelte und
ermutigte ihn, die Umra zu vollziehen.
Als Thumama in Mekka
ankam, begann er die Talbiya[177]
des Islam zu rufen. Sofort nahmen ihn die Quraisch fest und drohten, ihn zu
enthaupten. Sie waren davon ausgegangen, dass Thumama ihr Freund sei. Ein Mann
sagte: „Lasst ihn, ansonsten bekommt ihr kein Getreide mehr aus Yamama!“ Sie
beschimpften ihn: „Ungläubig bist du geworden!“
„Nein, bei Allah“,
erwiderte er, „vielmehr bin ich ein Muslim geworden, mit Muhammad. Nein, bei
Allah, ihr werdet eines Tages kein einziges Weizenkorn mehr aus Yamama erhalten,
ohne dass der Prophet seine Erlaubnis dazu gibt!“
Schließlich waren die
Quraisch gezwungen, ihn freizulassen. Als er wieder zu Hause in Yamama war, gab
er seinem Volk den Befehl, den Quraisch kein einziges Körnchen Getreide mehr zu
schicken.
Würde Muhammad sich jetzt
für die Jahre rächen, in welchen die Quraisch ihn und die Muslime hatten
hungern lassen?
Den Quraisch war der
Ernst der Lage klar. Deshalb schrieben sie gleich einen Brief an den Propheten
und erinnerten ihn an die Verwandtschaft. Sie flehten ihn an, er solle
zulassen, dass sie wieder Getreide bekämen. Offenbar hatten sie in diesem
Moment vergessen, was sie den Muslimen angetan hatten, oder sie wagten es, ihm
diese Bitte zu schicken, weil sie blind seiner Güte vertrauten.
Nicht lange nach dem
Grabenkrieg zog der Schwiegersohn des Propheten, Abul As, Zaynabs Mann, mit
Handelsgütern der Quraisch nach Asch–Scham.
In der Nähe Medinas stieß
er auf eine Truppe Muslime, die in Beschlag nahmen, was die Karawane bei sich
trug und die meisten Männer gefangen nahm.
Abul As gelang die
Flucht, und er wollte an Medina vorbei nach Mekka in den Süden. Als er aber in
der Nähe von Medina war, in der Stadt, wo seine geliebte Frau Zaynab und seine
kleine Tochter Umama waren, konnte er nicht anders handeln, als einfach in die
Stadt zu Zaynabs Wohnung zu gehen.
Abul As blieb bei seiner
Tochter Umama, während Zaynab in die Moschee ging, um mit den Frauen das
Morgengebet zu verrichten. Kurz bevor sie mit dem Gebet begannen, rief Zaynab:
„O ihr Menschen, ich habe dem Abul As Bin Rabi Schutz gewährt!“
Nachdem der Prophet das
Gebet beendet hatte, machte er den Muslimen klar, dass er davon nichts wisse,
aber nicht nur seine Tochter, sondern jeder Muslim und jede Muslima ein
Schutzversprechen geben könne, das für alle Muslime bindend sei. Dann ging er
zu Zaynab und bat sie: „Mein Töchterchen, du sollst freundlich zu ihm sein,
aber als Ehemann ist er für dich nicht erlaubt.“
Zaynab stimmte zu und
setzte sich weiter für ihn ein.
„Ich würde mich freuen,
wenn ihr diesem Mann Güte zeigt und ihm seine Waren zurückgebt“, sagte der
Prophet zu den Männern.
Man gab ihm alles zurück.
Einige Muslime, die ihn
festgenommen hatten, schlugen ihm vor, ihm die Handelsgüter der Quraisch zu
schenken, wenn er Muslim würde. Er wollte aber sein Versprechen gegenüber den
Quraisch nicht brechen und sagte, er wolle seinen Glauben an den Islam nicht
mit Veruntreuung beginnen. Sie ließen ihn ziehen.
Er gelangte sicher nach
Mekka. Als er seinen Gefährten von den Quraisch alles zurückgegeben hatte, was
ihm anvertraut worden war, rief er: „O ihr Quraisch! Hat irgendjemand von euch
von dem, was er mir gegeben hatte, etwas nicht zurück erhalten?“
Sie antworteten: „Nein!
Allah möge es dir mit Gutem vergelten! Wir haben dich vertrauenswürdig und edel
gefunden.“
Darauf sprach er: „So
bezeuge ich, dass es außer Allah keinen Gott gibt und dass Muhammad Sein Diener
und Sein Gesandter ist. Bei Allah, nichts hinderte mich, als ich bei ihm in
Medina war, Muslim zu werden, außer der Furcht, ihr könntet sagen, ich hätte
euer Geld auffressen wollen; doch da Allah es euch nun zukommen ließ und da ich
es los bin, werde ich nun Muslim!“[178]
Nicht nur Zaynab und die
kleine Umama freuten sich über die Ankunft von Abul As, die ganze Familie des
Propheten war sehr froh, dass die kleine Familie endlich wieder zusammen war.
Der
Prophet mochte Umama sehr. Wenn er betete, trug er sie auf dem Arm. Wenn er
sich niederwarf, legte er sie hin, und wenn er aufstand, nahm er sie wieder. Je
öfter die Frauen sahen, wie gut der Prophet Kinder und Frauen behandelte, desto
wohler und selbstbewusster fühlten sie sich und wagten, nach ihren Rechten zu
fragen.
Ehen von Frauen, die
ohne Einverständnis hatten heiraten müssen – auch wenn diese Zwangsehen aus den
Traditionen der vorislamischen Zeiten stammten – erklärte Muhammad für
ungültig, und er gab den Frauen das Recht, sich scheiden zu lassen. Chansa war
eine dieser Frauen, deren Ehe der Prophet für nichtig erklärte, weil ihr Vater
sie gegen ihren Willen verheiratet hatte.[179]Der
Prophet ermutigte sie: „Heirate wen du willst.“[180]Danach
heiratete sie Abu Lubaba und verbrachte mit ihm ein glückliches Leben.
Es
wurde zur Voraussetzung einer Heirat, dass der Vertrag in beiderseitigem
Einverständnis geschlossen wurde.
Immer
wiederbefreiten sich auch die neuen Muslime von ihrer Unwissenheit. Deshalb
kamen die Frauen zum Propheten und klagten: „Die Männer sind im Vergleich zu
uns in der Mehrzahl, so gib uns einen Tag, an dem wir teilhaben an dir, um von
dir zu lernen!“
Da
setzte er ihnen einen bestimmten Tag fest, an dem er mit ihnen zusammentraf,
sie unterrichtete und ihnen Anweisungen gab.
Aischas
Kette
|
A |
us Mitleid hatte der
Prophet die Yamama benachrichtigt, dass sie Mekka wieder mit Getreide versorgen
dürften. Trotz dieser Großzügigkeit drängten die Quraisch ihre Verbündeten von
der Sippe der Banu Al-Mustaliq, einen Angriff auf Medina zu starten.
Als der Prophet dies
erfuhr, zögerte er nicht lange und stand mit seinen Männern plötzlich vor dem
Lager der Banu Al-Mustaliq.Ohne
viel Widerstand ergaben sie sich.
Im Lager der Muslime gab
es einen kleinen Streit an einer Wasserquelle zwischen einem Mann der Helfer
und einem der Auswanderer. Als der Prophet davon erfuhr, erinnerte er sie
daran, dass derlei Zwietracht in die Zeit der Unwissenheit gehöre, von der er
sagte, sie sei überwunden.[181]
Männer, die als Heuchler
bekannt waren, vor allem Ibn Salul, nutzten diesen Streit aus und versuchten,
Zwietracht zu säen.
Als der Prophet durch
Zaid davon erfuhr und sah, wie die Stimmung sich verschlechterte, gab er den
Befehl aufzubrechen. Er hielt nur kurz an, damit sie das Gebet verrichten
konnten.
Aischa und Umm Salama
sowie einige andere Frauen waren dabei. Als Aischa wegen ihrer Kette, die sie
unterwegs verloren hatte, zurückblieb, begannen Ibn Salul und einige andere
Heuchler, daraus eine Geschichte zu spinnen, die den Propheten dort verletzte,
wo es ihn am meisten schmerzte. Sie begannen, Lügen auszustreuen und zu
erzählen, Aischa sei mit einem Mann zurückgeblieben.
Umar beobachtete diese
Sache aufmerksam. Er schlug vor, Ibn Salul zu bestrafen. Doch der Prophet ließ
dies nicht zu. Er übte sich in Geduld und sprach: „O Umar, die Leute werden
sagen: ‚Muhammad tötet seine Gefährten!’“
Abdullah, der Sohn des
Ibn Salul, der gemeinsam mit seiner Schwester Muslim geworden war, erfuhr dies
und fragte sich verzweifelt, was er machen sollte, denn er liebte den Propheten
mehr als seinen Vater.
Unterwegs wehte ein
starker Wind, der ihnen das Weiterziehen erschwerte und schließlich zum Sturm
wurde. Alle fürchteten sich. Der Prophet aber beruhigte seine Gefährten: „Habt
keine Angst! Dieser Wind weht wegen des Todes eines großen Verbrechers!“
Als sie in Medina
ankamen, erfuhren sie, dass am gleichen Tag ein übler Verbrecher namens Rufaa
gestorben war, der ein Unterstützer der Heuchler gewesen war.[182]
Am gleichen Tag kam
Abdullah, der Sohn Ibn Saluls, zum Propheten. „O Gesandter Allahs, ich habe
gehört, dass du meinen Vater Ibn Salul möglicherweise töten lassen könntest,
wegen dem, was er getan hat. Wenn dem so ist, beauftrage mich, damit ich dir
seinen Kopf bringe!“
Der Prophet verzieh Ibn
Salul und antwortete: „Im Gegenteil, wir werden deinen Vater mit Sanftmut
behandeln, solange er unter uns ist.“ Ab diesem Zeitpunkt tadelten seine
Verwandten Ibn Salul immer wieder wegen seiner Taten.[183]
Erst viel später erfuhr
Aischa, dass die Heuchler Gerüchte über sie in die Welt gesetzt hatten. Das
kränkte sie sehr, weil ihr Charakter und ihre Liebe zum Propheten in ganz
Medina bekannt waren. Sie war krank und befand sich bei ihrer Mutter. Dass der
Prophet sie öffentlich von der Kanzel herab verteidigte, wusste sie nicht.
Weinend bemühte sie sich um Geduld und sagte: „Ich suchte nach dem Namen
Jakobs, konnte mich aber daran nicht erinnern, weshalb ich sagte: ‚Aber ich
will wie Josephs Vater sagen: Mein ist die schöne Geduld und Anrufung Allahs
um Hilfe gegen euren Bericht.’“[184]Der
Prophet saß noch bei uns, als eine himmlische Botschaft zu ihm kam und er, wie
üblich, von den Schmerzen dieser Offenbarung ergriffen wurde, die ihn zu
solchen Zeiten stets heimsuchten. Trotz der Kälte des Winters perlten
Schweißtropfen von seiner Stirn. Als der Druck, den er empfand, nachließ,
wischte er mit Freude den Schweiß von seiner Stirn und sprach: “O Aischa, Allah
hat den Beweis deiner Unschuld herabgesandt.““
Aischa pries Allah, und
der Prophet ging zu den Gläubigen und rezitierte ihnen die herabgesandten
Koranverse.[185]
Mistah war einer jener,
die nacherzählte, was die anderen Übles über Aischa gesagt hatten. Abu Bakr,
der Mistah regelmäßig unterstützte, sagte: „Bei Allah, ich werde nie wieder
Mistah etwas geben und ihm nie wieder einen Gefallen tun, nachdem er uns und
Aischa so etwas angetan hat!“ Darüber wurden die Koranverse offenbart: „Und es sollen diejenigen von euch, die Überfluss
und Wohlstand besitzen, nicht schwören, sie würden den Verwandten, den Armen
und denjenigen, die auf Allahs Weg ausgewandert sind, nichts mehr geben,
sondern sie sollen verzeihen und nachsichtig sein. Liebt ihr es nicht, dass
Allah euch vergibt? Und Allah ist Allvergebend und Barmherzig.“[186]
Abu Bakr sagte dazu:
„Bestimmt liebe ich es, dass Allah mir vergibt!“ Dann rannte er zu Mistah, um
ihm zu verzeihen und ihm zu geben, was er immer gab und versprach: „Bei Allah,
ich werde es ihm nie mehr verweigern!“[187]
Damit kehrte in Medina
wieder Ruhe ein.
Friedensangebot
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E |
ines Nachts träumte der
Prophet, dass er mit geschorenem Kopf vor der Kaaba stünde, während er ihre
Schlüssel in der Hand hielt. Er begriff, dass der Traum ein Hinweis Allahs war,
und am nächsten Tag forderte er seine Gefährten auf, sich auf eine Besuchs-Pilgerfahrt
nach Mekka vorzubereiten.[188]
Sie kauften siebzig
Kamele, um diese für Allah zu opfern und ihr Fleisch an Arme zu verteilen.
Vielleicht unternahm der Prophet die Pilgerfahrt auch, weil die derzeitige
Schwäche der Quraisch dem Frieden dienen konnte.
Der Prophet wollte keine
Gelegenheit ungenutzt lassen, die Menschen einander näher zu bringen.
Die Gefährten wollten
ihre Rüstungen und Schilde anlegen, weil sie fürchteten, dass die Quraisch sie
trotz des heiligen Monats angreifen könnten.[189]
Der Prophet jedoch sagte ihnen: „Ich will aber unbewaffnet sein.“ Er machte
ihnen klar, dass er nur die Pilgerfahrt vollziehen und in Frieden reisen
wollte. So trug er nur zwei ungenähte Tücher; mit dem einen bedeckte er den
unteren Teil seines Körpers, und den anderen legte er um die Schulter, um die spirituelle
und friedliche Reise bescheiden und demütig anzutreten.
Der Anweisung des
Propheten folgend führten die Muslime nur die Waffen mit, welche für
Handelskarawanen üblich waren. Diese Bewaffnung hätte einer Armee nicht
standhalten können. Damit signalisierten sie ihre gute Absicht.
Die Mekkaner, die nicht
von den friedlichen Absichten der Muslime überzeugt waren, machten sich große
Sorgen und waren gespannt, wann sie von ihnen angegriffen würden, nachdem die
Muslime nun stärker geworden waren und man in ganz Arabien von ihrer
Gerechtigkeit, aber auch von ihrer Tapferkeit sprach. Die Quraisch schickten
ihnen eine bewaffnete Truppe entgegen.
Bei Usfan[190]
begegnete der Prophet einem Muslim namens Bischr Bin Sufyan Al-Kabi, der ihm
sagte: „O Gesandter Allahs! Die Quraisch haben von deinem Kommen erfahren.
Bewaffnet haben sie Mekka verlassen, um dir den Eintritt in die Stadt zu
verweigern. Chalid Bin Al-Walid ist schon mit den Reitern der Quraisch unterwegs.“
„Wehe den Quraisch!Ohne
Krieg halten sie es nicht aus!“[191]
Dann fragte er, ob es
einen Mann gebe, der sie nach Mekka bringen könnte, ohne dass sie unterwegs auf
die Krieger der Quraisch stoßen würden.
Ein Mann meldete sich. Er
führte sie durch das sogenannte Salzgebiet – auf einem Weg, der sie über den
Pass von Murar in die Ebene von Hudaibiya unterhalb Mekkas führte. Als die
Reiter der Quraisch den aufgewirbelten Staub sahen, erkannten sie, dass die
Muslime einen anderen Weg eingeschlagen hatten und ritten nach Mekka zurück.
Plötzlich kniete Qaswa,
die Kamelstute des Propheten,auf dem Pass von Murar, nieder. Die Muslime
wunderten sich und sprachen: „Dein Kamel kniet nieder?“
„Das ist nicht typisch
für mein Kamel, aber Allah, Der auch den Elefanten[192] von
Mekka abhielt, versperrt ihm den Weg. Deshalb werde ich heute kein Angebot der
Quraisch ablehnen, das die Verwandtschaftsbande wieder herstellt“, erwiderte
der Prophet.[193]
Gelassen ließ er die Muslime absteigen, und als sie ihm erklärten, dass es im
Tal kein Wasser gäbe, um zu rasten, holte er aus seinem Behälter einen Pfeil
heraus und gab ihn einem Gefährten, der ihn in ein ausgetrocknetes Wasserloch
steckte. Reichlich frisches, klares Wasser sprudelte empor. Menschen und Tiere
löschten ihren Durst. Alle Gefährten waren Zeuge dieses Wunders.
Nach einer Weile kam
Budail Bin Warqa mit einigen Männern vom Stamm BanuChuza´a aus Mekka zum
Propheten und erkundigte sich nach seinem Vorhaben.
Er sagte, er wolle keinen
Krieg und sei als Besucher der Kaaba gekommen.
Sie gingen wieder zu den
Quraisch und erklärten ihnen: „Männer von Quraisch! Ihr beeilt euch gegen
Muhammad, doch er ist nicht zum Kämpfen, sondern zum Besuch der Kaaba
gekommen!“
„Selbstwennernichtkämpfen
will, wird er sie nicht betreten!“
Die Quraisch schickten
nun Hulais.[194]
„Dieser Mann verehrt den
Herrn der Kaaba. Stellt die Opfertiere vor sein Gesicht, damit er diese sehen
kann!“ sagte der Prophet, als er ihn kommen sah.
Hulais sah die vielen
Opfertiere und den Zustand der Muslime, weshalb er aus Ehrfurcht nicht
weiterzog. Er erkannte, dass die Muslime wirklich als Pilger nach Mekka
gekommen waren. Hulais kehrte zu den Quraisch zurück und erzählte ihnen, was er
gesehen hatte.
Diese aber sagten nur:
„Setz dich! Du bist nur ein Beduine, der nichts versteht!“
Wütend antwortete Hulais:
„Ihr Quraisch! Dafür haben wir uns nicht mit euch verbündet! Lasst ihn
eintreten, oder ich werde alle Ahabisch abziehen lassen!“
„Lass uns, Hulais, bis
wir erreicht haben, was wir an Bedingungen erreichen wollen!“
Die Quraisch wollten Urwa
Bin Mas’ud zum Propheten schicken. Dieser zögerte zunächst, die Aufgabe zu
übernehmen, nachdem er gesehen hatte, wie Hulais behandelt worden war.
Als er beim Propheten
war, erklärte er ihm das Gleiche, und auch Urwa konnte sich davon überzeugen,
dass Muhammad ohne kriegerische Absichten gekommen war.
Beim Propheten sah Urwa
auch, welche Stellung Muhammad unter seinen Gefährten hatte.[195]
Als einige Kampflustige
der Quraisch merkten, dass der Frieden allzu nah war, schlichen sie sich mit
etwa siebzig bis achtzig Kriegern nachts ins Lager der Muslime, um das Feuer
des Krieges zu entzünden.
Muhammad Bin Maslama
hatte die Führung der Wache übernommen, und es gelang ihm, alle Angreifer
schnell festzunehmen. Der hinterhältige Angriff schmälerte den Wunsch des
Propheten nach Frieden nicht – er antwortete mit einer weiteren Vergebung und
ließ alle wieder frei. Er schickte seinen Schwiegersohn Uthman und Charrasch zu
den Führern der Quraisch, und auch diese brachten ihnen die Friedensbotschaft
des Propheten.
Als Uthman seinen Auftrag
erledigt hatte, boten die Quraisch ihm an, er dürfe die Kaaba umschreiten. Er lehnte
das Angebot aber ab und sagte: „Ich werde dies nicht tun, bevor der Gesandte
Allahs die Kaaba umschritten hat!“
Nun schickten die
Quraisch Suhail mit einer neuen Anweisung zum Propheten: „Geh zu Muhammad und
schließe mit ihm einen Friedensvertrag, aber nur auf der Basis, dass er in
diesem Jahr zurückkehrt, damit die Araber nicht sagen, er habe uns gezwungen,
ihm den Eintritt zu gewähren.“
Als der Prophet Suhail
kommen sah, sagte er: „Die Leute wollen Frieden, deshalb haben sie diesen Mann
gesandt.“
Sie verhandelten lange;
die Gefährten hörten von draußen, wie ihre Stimmen sich hoben und senkten.
Endlich hatten sie sich auf einen Friedensvertrag geeinigt.
Der Prophet bat Ali, den
Friedensvertrag zu schreiben:Auf Folgendes hat Muhammad Bin Abdullah mit
Suhail Bin Amr einen Friedensvertrag geschlossen: Sie vereinbaren, zehn Jahre
auf Krieg zu verzichten, damit sich in dieser Zeit die Menschen sicher fühlen
und einander keine Gewalt antun. Muhammad ist verpflichtet, jeden zu den
Quraisch zurückzuschicken, der ohne Erlaubnis seines Vormunds zu ihm kommt. Die
Quraisch aber sind nicht verpflichtet, solche, die Muhammad verlassen,
zurückzuschicken. Keine Feindschaft und keinen Betrug darf es geben. Wer ein
Bündnis mit Muhammad schließen möchte oder mit den Quraisch, ist frei, dies zu
tun.
Plötzlich meldeten sich
die Stammesführer der Chuza’a und erklärten, dass sie ein Bündnis mit dem
Propheten eingehen wollten. Sie waren zum Lager gekommen, um die Pilger zu
besuchen. Einige Vertreter der Banu Bakr, die mit Suhail gekommen waren,
erklärten, dass sie mit den Quraisch in Vertrag stehen würden.
Am Ende des Vertrags
stand:
In diesem Jahr wirst du,
Muhammad, zurückkehren und Mekka nicht besuchen dürfen. Im nächsten Jahr werden
wir Mekka verlassen, sodass du, Muhammad, dort mit deinen Gefährten drei Tage
verbringen kannst. Ihr werdet nur die Waffen der Reisenden bei euch tragen
dürfen.
Nachdem der
Friedensvertrag abgeschlossen worden war, der als „Sulhul Hudaibiya“
bekannt wurde, wollte der Prophet die Opfertiere schlachten. Doch die Muslime
zögerten und waren sehr traurig darüber, dass sie Mekka nicht betreten durften.
Der Prophet fragte Umm Salama, die ihn begleitet hatte, um Rat. Sie riet ihm,
er solle einfach mit dem Schlachten der Opfertiere und mit dem Rasieren der
Haare beginnen, und so würde jeder Gefährte seinem Beispiel folgen.
Der Prophet hörte auf
seine Frau und tat dies, er begann die Opfertiere zu schlachten und setzte sich
nieder, damit Charrasch ihm den Kopf schor. Als die Gefährten das sahen,
sprangen sie gleich auf, schlachteten ihre Opfertiere und rasierten sich die
Köpfe. Umm Salama[196] war
mit einigen anderen Frauen dabei und sah, dass die Gefährten begannen, sich so
energisch die Köpfe zu rasieren, dass sie befürchtete, sie könnten einander verletzen.[197]
Auf dem Rückweg wurde dem
Propheten zwischen Mekka und Medina eine Sure offenbart, die er Umar
rezitierte: Gewiss, Wir haben dir einen deutlichen Sieg verliehen.[198]
Umar fragte, ob die Verse die Befreiung Mekkas voraussagten. Der Prophet
bejahte es. Umar war erleichtert, als er das fröhliche Gesicht des Propheten
sah.
Nie zuvor war ein Sieg im
Islam größer als bei diesem Friedensvertrag. Vorher waren sich die Menschen nur
im Kampf begegnet. Die Götzendiener wollten nicht, dass man die Botschaft des
Islam hörte, und sie waren es gewesen, die mit dem Kampf begonnen hatten.
Nun aber, nachdem der
Waffenstillstand besiegelt und der Krieg verhindert worden war, begegneten sich
die Menschen offen und in Frieden. Deshalb nahm jeder den Islam an, der angesprochen
wurde. In den nächsten zwei Jahren erhöhte sich die Zahl der Muslime ständig,[199]
und eine Delegation nach der anderen kam nach Medina, um ihren Beitritt zum
Islam zu verkünden oder Verträge und Friedensabkommen mit dem Propheten zu
schließen. Ganze Stämme und Dörfer nahmen die Lehren des Korans an, denn der
neue islamische Staat konnte allen Menschen die Freiheit des Glaubens bieten,
wie sie in folgendem Koranvers offenbart ist: „Es gibt keinen Zwang im
Glauben. Besonnenheit ist nunmehr klar unterschieden von Verirrung. Wer also
falsche Götter verleugnet, jedoch an Allah glaubt, der hält sich an der festesten
Handhabe, bei der es kein Zerreißen gibt.“[200]
Die Menschen lernten den
Wert der Glaubensfreiheit noch besser kennen. Die neuen Muslime in Mekka durften
nicht zum Propheten nach Medina auswandern, deshalb wurden sie im Laufe der
Zeit ein Problem für die Quraisch, denn sie bereiteten ihren Handelskarawanen
Schwierigkeiten.
Einem Mann namens Abu
Busair gelang die Flucht aus der Gefangenschaft der Quraisch. Als er jedoch
Medina erreichte, durfte ihn der Prophet, dem Abkommen von Hudaibiya folgend,
nicht aufnehmen. Der Prophet sagte zu ihm: „O Abu Busair, wir haben mit ihnen
vereinbart, was dir bekannt ist, und unsere Religion verbietet uns den Verrat von
Vereinbarungen!“
Abu Busair erwiderte „O
Gesandter Allahs, schickst du mich zu ihnen zurück und gibst ihnen die
Möglichkeit, mich von meiner Religion abzubringen?“
Der Prophet antwortete:
„O Abu Busair, geh zurück. Allah wird dir und den anderen Unterdrückten eine
Rettung gewähren!“
Zwei Mekkaner, die
gekommen waren, um ihn zu holen, nahmen ihn mit.
Auf dem Weg zurück nach
Mekka gelang ihm die Flucht. Er ging zurück zum Propheten und sagte ihm: „O
Gesandter Allahs, du hast dein Abkommen eingehalten und mich zurück geschickt.
Allah hat mich gerettet!“ Doch er verließ Medina, damit der Vertrag nicht
gebrochen würde. Er ließ sich an der Küste des Roten Meeres in der Nähe der
Karawanenstraße nach Ash-Sham nieder.
Im Laufe der Zeit
sammelten sich siebzig Muslime um Abu Busair, die alle das gleiche Schicksal
erlitten hatten. Sie waren aus Mekka vor der Unterdrückung der Quraisch
geflüchtet und konnten nicht zum Propheten nach Medina. Um sich zu versorgen,
begannen sie die Karawanen der Quraisch zu überfallen, denn da sie nicht nach
Medina durften, galt die Waffenruhe für sie nicht.
Die Quraisch mussten
feststellen, dass sie nicht nehmen konnten, was in den Herzen der Frauen und
Männer heimisch geworden war. Ihnen wurde klar, dass sie keine Möglichkeit
hatten, ihre Töchter und Söhne, die den Islam angenommen hatten, dazu zu
zwingen, ihre neue Religion aufzugeben.
Jeder der jungen Muslime
wartete nur auf eine Gelegenheit, Mekka zu verlassen und sich Abu Busair
anzuschließen.
Schließlich sahen sich
die Quraisch gezwungen, eine Nachricht zum Propheten zu schicken und ihn darum
zu bitten, dass er Abu Busair und die anderen in seiner Gemeinde aufnehmen
möge, damit sie die Karawanen der Quraisch nicht länger überfallen würden.
Muhammad nahm Abu Busair
und die anderen Muslime um ihn in Medina auf. Damit verzichteten die Quraisch
auf das, worauf Suhail Bin Amr im Vertrag von Hudaibiya bestanden hatte: Das
Zurückschicken der quraischitischen Muslime nach Mekka, wenn diese ohne
Einwilligung ihrer Familien und Clans zum Propheten überliefen.[201]
Die neue Glaubensfreiheit
ermutigte nicht nur einzelne Personen, sondern ganze Stämme, dem Propheten zu
folgen. Das gefiel den Juden in Chaibar ganz und gar nicht...
Ein
Geheimnis für nur drei Tage
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C |
haibar war eine nördlich
von Medina gelegene Oase östlich der Karawanenstraße von Mekka nach Syrien.
Hierher waren viele der Banu Qaynuqa und der Banu An-Nadir nach dem Konflikt
mit den Muslimen in Medina gezogen.
Chaibar hatte den Angriff
auf Medina bei der Grabenschlacht tatkräftig unterstützt. Dieses Vorhaben war
misslungen und die Quraisch hatten nun ein Abkommen mit den Muslimen, das die
Kämpfe einstellte. Jetzt versuchte Chaibar, auf eigene Faust Krieg gegen Medina
zu führen.
Chaibar unternahm einen
Mordanschlag auf den Propheten und versuchte verschiedene Stämme, unter ihnen
die Banu Ghatafan, gegen Medina zu mobilisieren. Im Jahre 628, sieben Jahre
nach der Auswanderung, rüstete Chaibar zum Angriff gegen die Muslime.
Die Muslime waren
schneller und zogen mit einer Armee von 1.500 Mann gegen den Festungen von
Chaibar. Als die Banu Ghatafan hörten, dass der Prophet nach Chaibar unterwegs
war, sammelten sie sich und brachen auf, um ihren Verbündeten gegen die Muslime
zu helfen.
Währenddessen warteten
die Quraisch gespannt auf Nachrichten vom Kriegsgeschehen. Sie hatten erfahren,
dass die Muslime nach Chaibar unterwegs waren. Jeden Tag versammelten sie sich
und fragten alle Reisenden, die aus dem Norden kamen, ob es Neues gäbe. Sie
wussten, dass die Festungen von Chaibar schwer bewaffnet waren.
Als sie Hadschadsch Bin‘Ilatt
As-Sulaymi in Mekka ankommen sahen, fragten sie ihn, noch bevor er von seinem
Kamel abstieg, ob er etwas Neues wisse.
„Ich habe gute
Nachrichten, die euch freuen werden“, begann Hadschadsch. Die Götzendiener
versammelten sich zu beiden Seiten seines Kamels und fragten ihn aufgeregt, ob
das wirklich wahr sei.
„Eine Niederlage hat Muhammad
erlitten, wie ihr sie euch nicht vorstellen könnt! Viele seiner Gefährten sind
getötet worden, und Muhammad ist in Gefangenschaft geraten, und sie haben
gesagt, sie werden ihn nicht umbringen, sondern den Quraisch ausliefern, damit
sie sich an ihm rächen und ihn töten können!“
Die Götzendiener
verkündeten nun in ganz Mekka, dass sie Muhammad erwarteten, um ihn zu töten.
Dann bat Hadschadsch die
Mekkaner, ihm schnell zu helfen, sein Geld zurückzubekommen, denn viele hätten
ihre Schulden bei ihm noch nicht bezahlt. Er brauche das Geld, um die
erbeuteten Gegenstände, die man Muhammad weggenommen habe, billig kaufen zu
können, bevor andere Händler es täten. Dieser Bitte kamen die Quraisch mit
Freude nach.
Während er sich im Zelt
der Händler aufhielt, kam Abbas Bin Abdul-Muttalib, stellte sich neben ihn und
fragte: „O Hadschadsch, was erzählst du hier, was ist das für eine Nachricht,
mit der du gekommen bist?“
„Habe ich auch dir etwas
von meinem Besitz anvertraut?“, fragte Hadschadsch.
Abbas bejahte es.
„Dann lass es noch bei
dir, bis ich dich allein treffe, denn wie du siehst, bin ich dabei, meinen
Besitz einzusammeln.“
Als Hadschadsch alles,
was er in Mekka besaß, an sich genommen hatte, ging er zu Abbas und bat ihn:
„Bewahre mein Geheimnis nur drei Tage lang, o Abbas.“
Hadschadsch fuhr fort:
„Bei Allah, ich schwöre, dass Chaibar erobert ist und jetzt dem Propheten und
seinen Gefährten gehört! Von dort droht keine Gefahr mehr.“
„Was sagst du,
Hadschadsch?“, fragte Abbas.
„Bei Allah, behalte mein
Geheimnis für dich! Ich bin Muslim geworden und war nur hier, um an meinen
Besitz zu gelangen, der hier verstreut war! Wenn drei Tage vergangen sind, mach
es bekannt. Und was den Propheten angeht, bei Allah, es geht ihm so gut, wie du
es wünschst!“[202]
Als drei Tage vergangen
waren, zog Abbas seine besten Kleider an, machte sich zurecht, nahm seinen
Stock und ging zur Kaaba, um sie zu umschreiten.
Als man ihn in diesem
Zustand sah, fragte man ihn, ob er dies aus Trauer wegen seines Neffen täte.
„Im Gegenteil“,
antwortete Abbas, „Muhammad hat Chaibar besiegt; er und seine Gefährten haben
Chaibar unter Kontrolle!“
„Wer hat dir diese
Nachricht gebracht?“
„Der Gleiche, der euch
die andere brachte! Er ist als Muslim zu euch gekommen, nahm seinen Besitz und
ist losgeritten, um Muhammad und seine Gefährten zu erreichen.“
„Wenn wir das nur gewusst
hätten“, stöhnten die Quraisch, „wir hätten ihn nicht entfliehen lassen!“
Es dauerte nicht lange,
bis die zweite Nachricht bestätigt wurde.[203]
Aus
Chaibar kommt nie wieder Gefahr
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D |
ieBanuGhatafanwarenschoneinen
Tag unterwegs, um ChaibarzuHilfezu kommen. Da hörten sie eine Stimme, die ihnen
sagte, dass mit ihren Herden und Familien etwas geschehen sei. Sie wussten
nicht, ob die Stimme aus dem Himmel oder von der Erde zu ihnen gesprochen
hatte, aber sie fürchteten, dass man ihre Heimat in ihrer Abwesenheit
angegriffen hatte und eilten deshalb nach Hause zurück. Damit hatten sie dem
Propheten den Weg nach Chaibar freigegeben.
Nach harten Kämpfen
gelang es den Muslimen, die Festungen der jüdischen Stämme einzunehmen. Das
Gebiet von Chaibar wurde unter muslimische Schutzherrschaft gestellt, und nun
drohte von dort keine Gefahr mehr.
Während der Belagerung
einer Festung kam ein Hirte namens Aswad mit seinen Schafen zum Propheten und
sagte ihm, er sei der Hirte eines Juden. Er bat ihn, ihm den Islam zu erklären.
Muhammad erklärte ihm geduldig, was er wissen wollte. Die Worte des Propheten
berührten den Hirten so tief, dass er Muslim wurde. Daraufhin forderte der
Prophet ihn auf, die Schafe, die ihm anvertraut worden waren, ihrem Besitzer
zurückzuschicken, indem er eine Handvoll Steinchen nehmen und diese in Richtung
der Tiere werfen solle. Als Aswad die Steine warf, sammelten sich die Tiere und
gingen zusammen davon, als ob jemand sie führen würde.[204]
Die besiegten jüdischen
Stämme von Chaibar baten den Propheten flehend, er möge sie ziehen lassen und
sie begnadigen. Der Prophet erfüllte ihnen den Wunsch.
Kurz danach kam Safiya,
die Tochter des Hujai, zu ihm. Als der Prophet die Wunde in ihrem Gesicht sah,
fragte er, wer ihr das angetan hätte.
Safiya erzählte von ihrem
Traum und den Schlägen ihres Mannes. Der Prophet bot ihr die Freiheit an und
ließ ihr die Wahl, ob sie zu ihren Leuten zurückkehren oder mit den Muslimen
gehen wolle.
Sie hatte ihre
Entscheidung längst getroffen. „Ich wähle Allah und Seinen Gesandten“,
antwortete sie.
Safiya hegte schon länger
Sympathie für den Islam und den Propheten. Sie war damals enttäuscht gewesen,
als sie von ihrem Vater und ihrem Onkel gehört hatte, dass Muhammad der
erwartete Prophet sei, sie ihn aber dennoch bekämpfen wollten.[205]
Der Prophet heiratete
Safiya, sie wurde damit eine der Mütter der Gläubigen.
Nach der Befreiung
Chaibars hatte Hadschadsch Bin‘Ilatt As-Sulaymi den Propheten um die Erlaubnis
gebeten, nach Mekka zu reisen, um seinen Besitz, der sich bei den Händlern
Mekkas befand, zu holen. Die Mekkaner hatten von seiner Bekehrung zum Islam noch
nichts gewusst, ihm geglaubt, was er ihnen erzählt hatte und ihm sogar dabei
geholfen, seinen Besitz einzusammeln.[206]
Ein Jahr war seit dem
Friedensvertrag von Hudaibiya vergangen, als die Mekkaner hörten, dass der
Prophet und seine zweitausend Gefährten wieder unterwegs seien. Neugierig
verließen sie die Stadt, um ihm beim Einmarschin Mekka zuzusehen.
Die Oberhäupter der
Quraisch versammelten sich auf dem Hügel Abu Qubays, um von dort aus die Kaaba
zu beobachten. Sie sahen die barhäuptigen, in weiß gekleideten,bescheidenen Männer,
und sie hörten die alten Pilgerrufe aus der Zeit des Propheten Abraham: „Labbayk Allahumma labbayk!
Hier bin ich, o Allah, zu Deinen Diensten!“
Schnell verbreiteten die
Quraisch Gerüchte, dass der Prophet und seine Gefährten durch das Fieber von
Medina sehr geschwächt seien.
Bald standen die Mekkaner
reihenweise oben auf dem Berg, um den Propheten und seine Gefährten zu beobachten.
Als er den heiligen Bezirk der Kaaba erreichte, legte er sein Gewand über seine
linke Schulter. Seine rechte Schulter bedeckte er nicht. Dann küsste er den schwarzen
Stein und lief mit seinen Gefährten siebenmal um die Kaaba.
Danach gingen sie zum
Fuße des Hügels Safa und begannen, insgesamt siebenmal zwischen Safa und Marwa
hin- und herzulaufen, wie es einst Hadschar, die Mutter Ismaels tat. Einen Teil
der Etappen legten sie im schnellen Lauf zurück, so konnte jeder sehen, dass
die Muslime, entgegen der Behauptung der Quraisch, stark und gesund waren.
Anschließend opferte der Prophet ein Kamel und ließ sich die Haare rasieren.
Abbas zeigte sich während
der drei Tage öffentlich mit seinem Neffen, und fast alle Mekkaner, die im
Geheimen Muslime geworden waren, begegneten in den Nächten ihren Schwestern und
Brüdern aus Medina. Der Prophet blieb drei Tage in Mekka.
Auf dem Rückweg nach
Medina fragte der Prophet nach Chalid Bin Al-Walid, weil er sich wunderte, dass
dieser trotz seiner Klugheit noch immer nicht zum Islam gefunden hatte.
Als Walid, der jüngere
Bruder von Chalid, dies hörte, schickte er einen Brief an seinen Bruder, in dem
er schrieb, dass der Prophet ihn erwähnt habe. Seine Mutter und viele Verwandte
waren bereits Muslime. Er selbst hatte, auch als er gegen den Propheten
gekämpft hatte, ihm gegenüber stets Liebe und Respekt verspürt.
Ein weiterer mächtiger
Mann der Quraisch vom Range Chalids war Amr Bin Al-As, der eine Weile nach der
Grabenschlacht einige Männer der Quraisch um sich scharte, die seine Meinung
teilten und ihn als Führer akzeptierten. Er erklärte ihnen, dass die Sache
Muhammads groß geworden war. Er hatte eine Idee und wollte wissen, was sie
davon hielten.
„Was ist das für eine
Idee?“
„Meine Idee ist, dass wir
uns zum Negus nach Abessinien begeben. Wenn Muhammad über unser Volk siegt,
bleiben wir dort, und wenn die Quraisch siegen, können wir jederzeit nach Mekka
zurückkehren.“
„Das ist gut!“
„Dann sammelt Geschenke
für den König!“
Als Amr beim Negus ankam,
sah er AmrBin Umayya, den Boten Muhammads, der gerade das Schloss des Königs
verließ. Nachdem Amr die Geschenke überreicht hatte, bat er den König, er möge ihnen den Boten
Muhammads übergeben. Das machte den Negus sehr wütend. Amr sagte: „O König,
wenn ich wüsste, dass dies dich so verärgert, hätte ich dich nicht darum
gebeten.“ Er sagte: „O Amr, soll ich dir den Boten des Gesandten Allahs geben,
damit du ihn tötest – den Boten des Gesandten, zu dem der Engel Gabriel kommt,
wie er früher zu Moses und Jesus, dem Sohn der Maria, kam?“
Amr berichtete, er habe
zu sich gesagt: „Araber und Nichtaraber haben die Wahrheit kennengelernt und
ich widersetze mich ihr.“ Überrascht fragte Amr den Negus: „O König, bezeugst
du dies?“
„Ich bezeuge das vor
Allah, gehorche mir, Amr, und folge ihm!“, antwortete der Negus, „bei Allah, er
ist im Recht und wird all diejenigen besiegen, die gegen ihn auftreten, wie
Moses Pharao und sein Heer besiegte!“[207]
Amr fragte, ob der König
ihm den Treueeid auf den Islam abnehmen könne. Der Negus bejahte und streckte
seine Hand aus. Amr schwor den Treueeid und ging zu seinen Gefährten, denen er
jedoch verheimlichte, dass er den Islam angenommen hatte. Dann verließ er
Abessinien auf einem Schiff.
Auf der anderen Seite
angelangt, kaufte er sich ein Reittier, um in Richtung Medina zu reiten. Als er
einen Rastplatz erreichte, traf er Chalid und Uthman Bin Talha. Amr fragte:
„Wohin gehst du, Chalid?“
„Zu Muhammad!“,
antwortete Chalid.
„Bei Allah, ich habe die
gleiche Absicht!“
Zu dritt reisten sie nach
Medina. Chalid erzählte später über diese Begegnung mit dem Propheten: „Der
Prophet wartete schon auf mich. Als ich ihn grüßte, erwiderte er meinen
Friedensgruß mit einem freundlichen Gesicht.“
Chalid trat als erster
zum Propheten und sprach: „Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah,
und du bist der Gesandte Allahs.“ Der Prophet antwortete: „Gepriesen sei Allah,
Der dich rechtleitete. Ich wusste, dass du einen Verstand hast, der dich nur
zum Guten führen wird.“
Dann sagte Chalid: „O
Gesandter Allahs, du hast meine Hartnäckigkeit gegen die Wahrheit gesehen.
Bitte Allah, dass Er mir verzeiht!“
Der Prophet antwortete:
„Die Annahme des Islams tilgt alle vorherigen Sünden.“ Dann betete er für
Chalid, dass Allah ihm vergeben möge.[208]
Danach traten Amr und
Uthman zu ihm und schworen den Treueeid. Amr hatte den gleichen Wunsch wie
Chalid; dass Allah ihm seine vergangenen Taten vergeben möge.
Der Prophet sagte ihm: „O
Amr, der Islam tilgt, was vorher war, und die Auswanderung tilgt ebenfalls, was
vorher war.“[209]
Über diese Vergebung
freuten sich die drei einst mächtigen Männer der Quraisch.
Später erzählte Amr, dass
er seine Augen aus Ehrfurcht kaum zum Antlitz des Propheten aufrichten konnte
und seitdem sein Rang und der von Chalid beim Propheten so hoch war wie der von
Abu Bakr und Umar.[210]
Friedensboten
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D |
er Prophet schickte
Friedensboten in die Welt und lud sie ein, den Islam kennen zu lernen. Erschickte
Briefe an den Muqauqis[211],
das Oberhaupt Ägyptens, an Chosrau[212],
den Kaiser von Persien, an den Negus, den König von Abessinien, an Herakleios[213],
den Kaiser von Byzanz, an Al-Mundhir Bin Sawi, das Oberhaupt von Bahrain, an
Hauda, den Statthalter von Yamama und an Al-Harith Bin Abi Samar Al-Ghassani,
den Statthalter des römischen Kaisers in Syrien. In den Briefen lud er die
mächtigen Herrscher ein, die neue Religion ohne Zwang kennen zu lernen, getreu
den Worten Allahs im Koran: „Es gibt keinen Zwang im Glauben. Besonnenheit
ist nunmehr klar unterschieden von Verirrung. Wer also falsche Götter
verleugnet, jedoch an Allah glaubt, der hält sich an der festesten Handhabe,
bei der es kein Zerreißen gibt.“[214]
Fünfzehn der
Friedensboten des Propheten, die nach Syrien unterwegs waren, wurden ermordet.
Ihre freundlichen Grüße wurden mit einem Hagel von Pfeilen beantwortet und alle
bis auf einen wurden getötet.
Einer der Boten wurde vom
Fürsten des Stammes Ghassan überfallen und ermordet. Obwohl es klar war, dass
dieser Stamm vom mächtigen kaiserlichen Statthalter unterstützt wurde, wollten
die Muslime den Mord nicht unbestraft lassen, denn das Überfallen oder Töten
eines Boten kam einer Kriegserklärung gleich.[215]
Nachdem die Byzantiner
alle vom Propheten gemachten Vorschläge zur Wiedergutmachung zurückgewiesen
hatten, zog eine Armee von 3.000 Muslimen nach Syrien.
Bei Mu’ta an der
syrischen Grenze kam es zum Kampf gegen eine fünfzigfache Übermacht der
Byzantiner und der Ghassan. Wie ein weißer Fleck auf der Haut eines schwarzen
Kamels war die Größe der muslimischen Armee gegenüber jener der Byzantiner.
Über diese Schlacht wird
berichtet: Der Prophet schickte ein Heer nach Mu’ta. Er hatte es unter den
Befehl des Zaid Bin Haritha gestellt und sagte:
„Wenn Zaid fällt,
übernimmt Dschaafar Bin Abi Talib die Führung. Wenn auch er fällt, wird
Abdullah Bin Rawaha der Befehlshaber!“
Der Prophet berichtete in
Medina, was in Syrien während der Schlacht geschah, wobei ihm Tränen über das
Gesicht liefen. Er schilderte, dass die drei Gefährten gefallen seien. „Dann
wurde die Fahne von einem der Schwerter Allahs ergriffen, und Allah öffnete
ihnen den Weg.“
Die Muslime, 3.000 an der
Zahl, konnten das mehr als 100.000 Mann starke Heer von Byzanz und den Ghassan
in Schach halten, und Chalid gelang durch einen klugen Plan der Rückzug. Er
schaffte es, die Muslime mit nur geringen Verlusten nach Hause zu bringen, ohne
dass die Feinde ihnen zu folgen wagten.
Ihr Abzug nach dem Tode
ZaidBin Harithas, Dschaafar Bin Abi Talibs und Abdullah Bin Rawahas war dennoch
ein Achtungssieg, denn die Byzantiner waren erleichtert über den Abzug der
Muslime und dankbar, dass sie nicht länger zu kämpfen brauchten – obwohl ihr
Heer einer Überlieferung zufolge 100.000 Mann stark war, während die Zahl der
Muslime nur 3.000 Mann betrug.[216] Entscheidend war die
Entschlossenheit der Muslime beim Kampf,aber auch die Klugheit und List
Chalids, der am zweiten Tag der Schlacht die kleine Armee so geschickt
verteilte und sie solchen Lärm machen ließ, dass die Byzantiner dachten,
Hilfstruppen aus Medina seien gekommen.
In Chalids Hand
zerbrachen am Tag von Mu´ta neun Schwerter. Nichts blieb in seiner Hand außer
einem kleinen jemenitischen Schwert.[217]
Die arabischen Stämme,
die an der Grenze von Ash-Sham lebten, blickten nun voller Bewunderung auf die
Kampfkunst der Muslime.
Eine Folge der Schlacht
war, dass der Islam sich unter den Stämmen des Nadschd in der Grenzgegend von
Irak und Ash-Sham – wo die Herrschaft der Byzantiner sich auf ihrem Höhepunkt
befand – zunehmend verbreitete.
Die christlichen Araber
in Syrien und Jordanien litten sehr unter den Byzantinern. Sie waren ihnen tributpflichtig,
mussten hohe Steuern zahlen und standen politisch unter ihrem Einfluss. Die
Byzantiner begannen nun jeden zu verfolgen, der in ihrer Grenzregion die neue
Religion, den Islam, angenommen hatte.
Nach dem Rückzug aus Mu’ta
erhielt man in Medina die Nachricht, dass auch die nördlichen Stämme der Bali
und Qudaa den jungen islamischen Staat angreifen wollten. Der Prophet reagierte
rasch und schickte den neuen Muslim Amr Bin Al-As mit dreihundert Männern nach
Norden.
Nach einem kurzen
Pfeilwechsel gelang es Amr, die Macht des Islam an der syrischen Grenze zu
erweitern. Amrs Erfolg und die Schlacht von Mu’ta stärkten die Lage der Muslime
im Norden bis zu den Grenzen von Syrien und Jordanien und festigten ihre
Stärke.
Nicht nur wegen der
Einfachheit der Lehren des Islam, sondern auch wegen der Großzügigkeit, Treue
und Zuverlässigkeit der Gläubigen wurden die Angehörigen vieler Stämme entweder
Muslime oder Bündnispartner.[218]
Außerdem hatten viele
Menschen den Propheten hautnah erlebt, was keinen Zweifel an seiner
Wahrhaftigkeit ließ.
Die Leute konnten seine
Wunder sehen und das größte Wunder war der Koran.
Herakleios
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E |
inige Jahre zuvor hatte
Herakleios über die Perser gesiegt, was eine Prophezeiung des Korans erfüllte.[219] In
einer Nacht in Jerusalem hatte Herakleios einen Traum, in dem ein Beschnittener
ihn besiegte. Deshalb wollte er erfahren, welches Volk die Beschneidung der
Männer ausübte.
Seine Beamten versuchten
ihn zu überzeugen, dass außer den Juden kein anderes Volk die Beschneidung
vornehme. Sie begannen nach Juden zu suchen und töteten innerhalb kürzester
Zeit eine große Zahl von ihnen.
Während er noch in
Jerusalem verweilte, bat ein Bote des Statthalters von Busra[220]
um Einlass beim Kaiser. Er sprach zu ihm: „O König, dieser Araber berichtet von
einem Wunder in seinem Volk!“
Herakleios ließ den
Araber befragen. Dieser bestätigte die Aussage des Boten, und sofort befahl
Herakleios seinem General, nach einem Mann zu suchen, der aus der gleichen
Gegend kam wie der Prophet.
Sie fanden Abu Sufyan,
der zu der Zeit immer noch ein erbitterter Gegner des Propheten war.
Abu Sufyan berichtete
später von seinem Treffen mit dem Kaiser: „Ich befand mich zu jener Zeit auf
einer Reise, als es zwischen mir und dem Gesandten Allahs noch Feindschaft gab.
Während ich mich im Gebiet von Syrien aufhielt, kam ein Bote mit einem
Schreiben vom Propheten, das an Herakleios, den römischen Kaiser, gerichtet
war. Herakleios fragte: ‚Gibt es in dieser Gegend jemanden, der zu den Leuten
dieses Mannes Muhammad gehört?’ Nachdem die Leute bejahten, wurde ich mit
einigen Leuten aus dem Stamm Quraisch gerufen; anschließend traten wir bei
Herakleios ein. Er ließ uns vor sich sitzen und sagte: ‚Wer von euch ist am
nächsten verwandt mit jenem Propheten?’ Ich sagte: ‚Ich.’ Da ließen sie mich
vor ihm sitzen und meine Begleiter hinter mir.
Zu meinen Begleitern
sprach Herakleios: ‚Ich will ihm Fragen stellen. Sollte er lügen, dann meldet
euch!’
Er sagte zu seinem
Dolmetscher: ‚Frage ihn: Wie ist seine Herkunft unter euch?’ Ich antwortete:
‚Muhammad ist unter uns von edler Abstammung.’
Herakleios fragte: ‚War
einer seiner Vorväter ein König?’
Ich sagte: ‚Nein.’ Er
fragte weiter: ‚Habt ihr ihn der Lüge bezichtigt, bevor er das sagte, was er
verkündet hat?’
Ich sagte: ‚Nein.’
Herakleios fragte:
‚Folgen ihm die Starken und Mächtigen oder die Schwachen?’ Ich sagte: ‚Ihm
folgen die Schwachen, die Armen, unterdrückte Sklaven und Frauen.’ Er fragte:
‚Nimmt ihre Zahl zu oder ab?’ Ich antwortete: ‚Sie nimmt ständig zu.’ Er
fragte: ‚Trat einer von ihnen von seinem Glauben zurück, nachdem er diesen
angenommen hatte, weil er mit ihm unzufrieden war?’ Ich sagte: ‚Nein.’
Herakleios fragte weiter:
‚Habt ihr ihn bekämpft?’ Ich sagte: ‚Ja.’
Er fragte: ‚Wie war euer
Kampf gegen ihn?’ Ich erwiderte: ‚Der Erfolg war wechselnd – wir gewannen eine
Runde, und die andere gewann er.’ Er fragte: ‚Brach er je seine Abmachung mit
euch?’ Ich sagte: ‚Nein! Wir wissen aber nicht, was er zurzeit macht. Wir
stehen mit ihm unter einem Friedensvertrag.’
Herakleios fragte: ‚Hat
jemand vor ihm behauptet, ein Prophet zu sein?’ Ich sagte: ‚Nein.’
Da sprach Herakleios:
‚Ich habe dich über seine Abstammung unter euch befragt, und du gabst an, dass
er unter euch von edler Abstammung ist. Genauso sind die Propheten: Diese
werden gewöhnlich aus den Edlen ihrer Völker auserwählt.
Ich fragte dich auch, ob
es unter seinen Vorvätern einen König gab, und du hast dies verneint. Wäre
unter seinen Vorvätern ein König gewesen, so würde ich annehmen, dass er ein
Mann sei, der für die Rückgewinnung des Königreichs seiner Vorväter kämpfen
wollte.
Ich fragte dich nach
seinen Anhängern, ob sie die Elite oder die Schwachen sind, und du sagtest,
dass ihm die Schwachen folgen. Diese sind doch stets die Anhänger der Propheten.
Ich fragte dich, ob er
schon mal gelogen hat, bevor er sagte, was er behauptete, und du hast dies
verneint. Ich hielt es nicht für möglich, dass er die Lüge vor den Menschen
unterlässt, um dann gegen Allah zu lügen.
Ich fragte dich, ob
jemand von seinen Anhängern von seinem Glauben zurücktrat, nachdem er diesen
angenommen hatte, weil er mit ihm nicht zufrieden war, und du hast auch dies
verneint. Dies ist doch üblich für den Glauben, wenn er im Herzen eines
Menschen bleibt. Ich fragte dich, ob die Zahl seiner Anhänger zu- oder abnimmt,
und du gabst an, dass diese zunehme.[221]
Dann fragte ich dich, ob
ihr ihn bekämpft habt, und du gabst an, dass der Kampf zwischen euch
wechselhaft war und dass ihr eine Runde gewonnen habt, und die andere gewann
er. Dies ist genau der Fall mit den Gesandten: Sie werden zunächst geprüft;
aber am Ende ist der Sieg auf ihrer Seite.
Ich fragte dich, ob er
seine Abmachung mit euch bricht und du gabst an, dass er dies nicht tue.
Es ist genauso mit den
Gesandten: Sie brechen ihre Abmachung nicht.
Ich fragte dich, ob
jemand vor ihm die Behauptung gemacht hätte, ein Prophet zu sein, und du hast
dies verneint. Ich sagte zu mir: Hätte es vor ihm einen gegeben, der so etwas
behauptet hätte, so hätte ich angenommen, dass er es ihm nachmacht!’
Herakleios fuhr fort:
‚Was befiehlt er euch?’ Ich antwortete: ‚Er befiehlt uns, dass wir das Gebet
verrichten, die Zakat[222]
entrichten, die Verwandtschaftsbande pflegen und uns keusch verhalten.’
Herakleios sagte: ‚Wenn das, was du über ihn sagst, die Wahrheit ist, so ist er
ein Prophet. Ich wusste schon zuvor, dass noch ein Prophet kommen wird, nahm
aber nicht an, dass er aus eurer Mitte hervorgehen würde. Wenn ich wüsste, dass
ich ihm Folge leisten könnte, so würde ich mich gern auf den langen Weg zu ihm
machen. Wenn ich mich bei ihm befände, so würde ich seine Füße waschen.
Wahrlich, sein Machtbereich wird den Boden erreichen, den ich hier unter meinen
Füßen habe.
Danach ließ er das
Schreiben des Propheten vorbringen und verlesen, in dem Folgendes stand:
Im
Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen!
Dieses
Schreiben ist von Muhammad, dem Gesandten Allahs, an Herakleios, Herrscher des
römischen Reiches! Friede sei mit demjenigen, der der Rechtleitung folgt. Sodann:
Ich lade dich ein, den Weg des Islam zu befolgen. Werde Muslim, so rettest du
dich, und wenn du Muslim geworden bist, so wird Allah deinen Lohn verdoppeln.
Wendest du dich aber davon ab, so trägst du die Sünde doppelt, sowohl wegen
deiner Herrschaft als auch wegen deiner Untergebenen.
Dann folgten folgende
Worte aus dem Koran:
O
Volk der Schrift, kommt herbei zu einem gleichen Wort zwischen uns und euch,
dass wir nämlich Allah allein dienen und nichts neben Ihn stellen, und dass
nicht die einen von uns die anderen zu Herren nehmen außer Allah. (3:64)
Als das Verlesen des
Schreibens beendet war, wurden Stimmen laut. Da wurde der Befehl erteilt, wir
sollten hinausgehen. Draußen sagte ich zu meinen Gefährten: ‚Es scheint mir,
dass die Sache so weit geht, dass der König der Byzantiner Furcht davor
empfindet.’ Ich war davon überzeugt, dass die Angelegenheit des Gesandten
Allahs doch eines Tages siegreich sein würde, sodass Allah mir den Islam in
mein Herz eingab.“[223]
Den Brief des Propheten
hatte Dihya Al-Kalbi in Busra dem Gouverneur gegeben, damit dieser ihn zum
Kaiser in Jerusalem schicke. Das Gespräch mit Abu Sufyan und jetzt noch der
Brief waren für den König eine Bestätigung, dass es sich tatsächlich um den
erwarteten Propheten handelte.
Das
Versprechen Allahs
|
D |
ie Quraisch hatten im
Geheimen oft zum Ausdruck gebracht, dass sie den Friedensvertrag von Hudaibiya,
an den sie gebunden waren, ursprünglich nicht wollten. Unauffällig nutzten sie
die Zeit, sich militärisch zu stärken, um erneut gegen die Muslime zu kämpfen.
Infolge des Abkommens von
Hudaibiya waren verschiedene Bündnisse zwischen den arabischen Stämmen und den
Muslimen beziehungsweise den Quraisch entstanden; so hatten die Muslime ein
Bündnis mit den Banu Chuza’a, während die Quraisch eines mit den Banu Bakr
hatten.
Das Abkommen von
Hudaibiya galt für alle. Es gab unter den Banu Bakr aber welche, die
entschlossen waren, ihre alte Feindschaft mit den Banu Chuza’a fortzuführen.
Mit Hilfe der Quraisch
verübten die Banu Bakr einen nächtlichen Überfall auf die Banu Chuza’a. Mehrere
Männer von ihnen, wie Ikrima, der Sohn Abu Dschahls, beteiligten sich an den
Kämpfen gegen die Chuza´a, bis sie im heiligen Bezirk mehr als zwanzig Männer
töteten und damit nicht nur den Friedensvertrag mit dem Propheten verletzten,
sondern auch den heiligen Bezirk entehrten, der ein Ort des Friedens ist, wo
Blutvergießen ein noch größeres Verbrechen darstellte als es ohnehin schon ist.
Amr Bin Salim von den Banu
Chuza’a setzte sein Pferd eilig in Galopp und ruhte nicht, bis er bei Muhammad
in Medina ankam, der in der Moschee unter den Leuten saß. Er erzählte ihm mit
einem Gedicht, was sich ereignet hatte und bat ihn um Hilfe.
Der Gesandte Allahs
sagte: „Dir wird geholfen, o Amr Bin Salim.“[224]
Kurz nach Amr kam eine
Delegation der Chuza’a, die seine Schilderung bestätigte. Nachdem sie dem
Propheten berichtet hatten, was geschehen war, kehrten sie nach Mekka zurück.
Die Quraisch spürten
jetzt auch, dass sie das Abkommen von Hudaibiya gebrochen hatten.
Der Prophet sprach zu den
Muslimen: „Ich glaube, Abu Sufyan wird zu euch kommen, um den Vertrag zu
bestätigen oder zu verlängern.“
Tatsächlich traf die
Delegation der Banu Chuza’a auf ihrem Rückweg auf Abu Sufyan, der inzwischen
aus Syrien zurückgekehrt war. Die Quraisch hatten ihn aus Furcht vor den
Konsequenzen ihres Verhaltens zum Propheten geschickt, damit er das Abkommen
festige und eine Verlängerung der Vertragsdauer erwirke, bevor Muhammad von
ihrem Verrat erfahren würde.
Als Abu Sufyan unterwegs
die Delegation der Banu Chuza’a sah, war er schockiert und sicher, dass sie
bereits mit dem Propheten gesprochen hatten. Abu Sufyan zog trotzdem weiter,
denn er wusste, dass die Muslime niemandem etwas antaten, der sie nicht
bekämpfte und ihr Leben gefährdete – erst recht nicht, wenn es sich um einen
Boten handelte.
In Medina angekommen,
begab er sich zunächst zu seiner Tochter Umm Habiba, der Ehefrau des Propheten.
Er wollte sich auf die Schlafmatte des Propheten setzen, doch seine Tochter
reagierte schnell und faltete die Matte zusammen. Abu Sufyan fragte sie
erstaunt: „Mein Töchterchen! Ich weiß nicht, ob dirmehr Wert bin oder diese
Schlafmatte?“
„Das ist die Schlafmatte
des Gesandten Allahs, und du bist ein unreiner Götzendiener. Ich mag nicht,
dass du auf der Schlafmatte des Propheten Platz nimmst!“ Sie hatte ihren Vater
schon seit Jahren nicht mehr gesehen. Ihre Liebe zum Propheten und zum Islam
war größer als alles andere auf der Welt.
Als er sah, dass auch
seine eigene Tochter nicht bereit war, ihm zu helfen, begriff er, dass der
Vertrag durch die Verbrechen der Quraisch aufgehoben war.
Ängstlich und unsicher
begab sich der mächtigste Herr der Quraisch zum Propheten, von dem er keine
Auskunft bekam. Dann bat er Abu Bakr, er möge sich für ihn beim Propheten einsetzen
und mit ihm reden. Abu Bakr erwiderte, dass er dies nicht tun würde. Dann kam
er zu Umar, der sagte: „Wie bitte? Ist es dein Ernst, dass ich mich für euch
beim Gesandten Allahs einsetzen soll? Bei Allah, selbst wenn ich nichts als
eine Ameise finde, womit ich gegen euch kämpfen könnte, würde ich euch
bekämpfen!“
Schließlich ging Abu
Sufyan zu Ali und dessen Frau Fatima, der Tochter des Propheten. Auch diese
beiden konnten und wollten ihm nicht helfen. Ängstlich bestieg er sein Kamel
und verließ Medina. In Mekka tadelten ihn die Quraisch, dass er nichts erreicht
und sich dazu noch lächerlich gemacht hatte.[225]
Nach der Verletzung des
Abkommens durch die Quraisch stand für den Propheten fest, dass nur die
Einnahme Mekkas den Frieden und die Religionsfreiheit garantieren könnte.
Abu Bakr besuchte seine
Tochter Aischa, die damit beschäftigt war, die Ausrüstung des Propheten
vorzubereiten. Er fragte sie: „Meine Tochter, hat der Gesandte Allahs dir
gesagt, du sollst seine Ausrüstung vorbereiten?“
„Ja! Mach du es auch“,
sagte Aischa.
„Wohin will er deiner
Meinung nach?“, fragte ihr Vater.
Sie schwieg, um das
Geheimnis ihres Mannes nicht zu verraten.
Der Prophet befahl den
Leuten, sich gut vorzubereiten, verriet ihnen aber nicht das Ziel. Er wollte
seine Absicht verbergen, damit die
Mekkaner sich nicht vorbereiteten. Er betete: „O Allah, enthalte den Quraisch
die Sicht und die Nachrichten vor, bis wir sie in ihrem Land überraschen!“
Nach diesem Bittgebet
erfuhr der Prophet durch den Engel Gabriel, dass ein Muslim namens Hatib einen
Brief mit einer Frau nach Mekka an die Quraisch schickte, um sie zu warnen. Der
Prophet schickte ihr seine Gefährten Ali und Zubair hinterher. Als sie ihr
Gepäck durchsuchten und nichts fanden, schwor Ali bei Allah, dass der Prophet nie
gelogen hatte und drohte, sie zu durchsuchen, wenn sie den Brief nicht
freiwillig übergab. Als sie sah, wie sicher sie sich waren, holte sie den Brief
heraus, den sie in ihren Haaren versteckt hatte. Sie brachten Hatib und den
Brief zum Propheten und fragten Hatib nach seinem Beweggrund. Er sagte: „Weder
habe ich meinen Glauben verlassen noch bin ich ein Heuchler geworden, o
Gesandter Allahs. Aber bei den Mekkanern leben noch meine Frau und meine
Kinder, für die ich einen Vorteil bei den Quraisch gewinnen wollte, damit diese
ihnen nichts antun, weil sie niemanden dort haben.“
Umar rief: „O Gesandter
Allahs, lass mich den Kopf dieses Mannes abschlagen, denn er ist ein Heuchler
geworden!“ Der Prophet erwiderte jedoch: „O Umar, was ist, wenn Allah auf die Kämpfer
von Badr schaut und sagt: Tut, was ihr wollt, denn Ich vergebe euch.“ Er wollte
seine guten Seiten nicht vergessen und verzieh ihm. Umars Augen wurden feucht,
und er sagte: „Allah und Sein Gesandter wissen es besser.“[226]
Die Muslime brachen auf,
und unterwegs trafen sie auf Abbas und seine Frau Ummul Fadl mit ihren Kindern,
die sich endlich entschlossen hatten, nach Medina auszuwandern und sich nun dem
Propheten anschlossen.
Den Muslimen wurde
schnell klar, in welche Richtung sie gingen, und es dauerte nicht lange, bis
sie - fast 10.000 an der Zahl - vor Mekka standen.
Neben Abbas ritten die
Vettern des Propheten, Abu Sufyan Bin Al Harith Bin Abdul-Muttalib[227]
und der Halbbruder von Umm Salama, Abdullah Bin Abi Umayya. Beide erreichten
das Heer der Muslime, als diese zwischen Medina und Mekka rasteten und baten
Umm Salama um Erlaubnis, zum Propheten zu gehen. Als seine Frau Umm Salama ihn
danach fragte, verweigerte er es ihnen zunächst wegen ihrer schlimmen
Vergangenheit.
AlsAbuSufyanBinAl-Harithdies
erfuhr, sagte er: „Bei Allah, entweder bekomme ich die Erlaubnis, oder ich
werde die Hand meines Sohnes nehmen und mit ihm in die Wüste ziehen, bis wir
vor Durst und Hunger sterben!“
Da empfand Muhammad
Mitleid und gab ihnen die Erlaubnis. Sie traten bei ihm ein und nahmen den
Islam an.
Unterwegs zwischen Ardsch
und Tulub[228] sah
der Prophet eine Hündin liegen, die ihre Jungen säugte. Er ließ Dschuail Bin
Suraqa bei ihr, um auf sie aufzupassen, bis alle Männer an ihr und ihren Jungen
vorbeigezogen waren.[229]
Während der Prophet in
Marr Adhahran bei Mekka lagerte, bat er die Muslime, sobald es dunkel wurde,
überall Lagerfeuer zu entzünden.
Die Quraisch entdeckten
die zahlreichen Lagerfeuer und glaubten, es läge eine gewaltige Streitmacht vor
der Stadt. Abu Sufyan, Hakim[230]
und Budail[231]
verließen Mekka reitend und sahen den atemberaubenden Anblick.
Abbas berichtete: „Ich
war unterwegs und wollte einen Holzsammler oder Melker oder irgendjemanden, der
nach Mekka unterwegs war, suchen, um ihn zu beauftragen, den Mekkanern zu
sagen, wo der Prophet sich befand, damit sie kämen und ihn um Sicherheit bäten,
sodass er nicht mit Gewalt in die Stadt eintreten müsste.
Während ich mich
umschaute, hörte ich Abu Sufyans Stimme, der mit Budail sprach. Abu Sufyan
sagte gerade: ‚Solches Feuer und solche Streitkräfte wie die, die ich heute
Nacht sehe, habe ich noch nie zuvor gesehen!’ ‚Das sind ganz bestimmt die Feuer
der Banu Chuza’a, die sich nun im Kriegszustand befinden’, sagte Budail. Abu
Sufyan rief: ‚Die Banu Chuza’a sind viel weniger und zu gering, als dass diese
ihre Feuer und ihre Armee sein könnten.’ Ich rief: ‚Abu Sufyan, dies ist der
Gesandte Allahs.’
Abu Sufyan fragte
aufgeregt: ‚Was sollen wir tun?’ Ich antwortete: ‚Wenn man dich trifft, wird es
dein Ende sein! Reite mit mir und ich bringe dich zum Gesandten Allahs, damit
ich ihn für dich um Schutz bitten kann!’
Wir ritten weiter, bis
wir an Umars Lagerfeuer vorbeikamen. Er wollte sehen, wer wir waren. Als er Abu
Sufyan hinter mir sah, rief er: ‚Abu Sufyan, der Feind Allahs! Gepriesen sei
Allah, Der dich ohne Vertrag und ohne Versprechen gefasst hat!’Schnell lief er zum
Propheten.“
Abbas setzte sein Tier in
Galopp und kam gleichzeitig mit Umar beim Propheten an. Umar sprach: „O
Gesandter Allahs, Allah hat uns Abu Sufyan ohne Vertrag übergeben!“
Abbas bat den Propheten,
Abu Sufyan beschützen zu dürfen. Der Gesandte Allahs erlaubte ihm, Abu Sufyan
zu seiner Lagerstelle mitzunehmen und morgen früh wieder zu ihm zu kommen.
Abu Sufyan übernachtete
bei Abbas und nach Sonnenaufgang gingen beide zum Propheten. Der Prophet fragte
freundlich: “Siehe, Abu Sufyan! Ist die Zeit nicht gekommen zu bezeugen, dass
kein Gott existiert außer Allah?“
“Du, der mir wertvoller
bist als mein Vater und meine Mutter, wie milde, wie großzügig und wie
liebenswürdig bist du! Wäre da ein anderer Gott außer Allah, hätte er mich
nicht im Stich gelassen.“
Abbas bat den Propheten,
etwas für Abu Sufyans Ansehen zu tun. Da sagte der Prophet: “Ja! Wer sich in
das Haus Abu Sufyans begibt, ist sicher! Und jeder, der in seinem eigenen Haus
bleibt, ist sicher! Und jeder, der sich bei der Kaaba aufhält, ist sicher!“
Als Abu Sufyan gehen
wollte, bat der Gesandte seinen Onkel Abbas, Abu Sufyan an jener engen Stelle
des Tals aufzuhalten, damit er die Armee Allahs sähe. Er tat es, und als die
Stämme mit ihren Bannern an ihnen vorbeizogen, fragte Abu Sufyan nach den
jeweiligen Namen dieser Stämme.
Als der Prophet mit
seiner grünen Abteilung vorbeiritt, fragte Abu Sufyan erneut: “Gepriesen sei
Allah, o Abbas, wer sind diese?“ “Dies ist der Gesandte Allahs mit den
Auswanderern und den Helfern“, antwortete Abbas.
“Niemand hat die Macht,
diese zu besiegen! Bei Allah, o Abbas, das Königreich deines Neffen ist heute
mächtig geworden!“
“Das ist die
Prophetenschaft, o Abu Sufyan“, antwortete Abbas. Abu Sufyan sagte: „Das ist
wahr!“[232] Der
Anblick war atemberaubend.
Das Banner der Helfer
trug Saad Bin Ubada. Als er an Abu Sufyan vorbeiritt, rief er: “O Abu Sufyan,
dies ist der Tag der Schlacht! An diesem Tag demütigt Allah die Quraisch!“ Als
der Prophet Abu Sufyans Nähe erreichte, rief dieser: “O Gesandter Allahs, hast
du befohlen, dein Volk zu töten?“ Und er wiederholte, was Saad vorhin gesagt
hatte.
Auch Uthman und
Abdurrahman Bin Auf waren besorgt: “O Gesandter Allahs, wir vertrauen Saad
nicht!“
“Dies ist der Tag der
Barmherzigkeit, der Tag, an dem Allah die Quraisch erhöht“, sagte der Prophet
und schickte einen Boten zu Saad, der ihm sagen solle, dass er seinem Sohn Qays
das Banner aushändigen solle.[233]
Nachdem der Prophet an
Abu Sufyan vorbeigezogen war, riet ihm Abbas, rasch zu den Quraisch zu gehen.
Dort angekommen, rief Abu
Sufyan ganz laut: „Ihr Quraisch! Muhammad ist mit einer Armee gekommen, gegen
die ihr hilflos seid! Wer sich in Abu Sufyans Haus begibt, dem passiert
nichts!“
Seine Frau Hind zog ihn
am Schnurrbart und rief: „Tötet ihn, diesen Dicken! Hässlich soll so ein
Beschützer seiner Leute sein!“
„Wehe euch! Diese Frau darf
euch nicht anstiften, denn gegen Muhammads Armee habt ihr keine Macht. Wer sich
in Abu Sufyans Haus begibt, dem passiert nicht!“
„Allah soll dich töten!
Wem wird dein Haus reichen?“
Dann sagte er: „Wer in
seinem Haus bleibt, ist sicher, und wer sich bei der Kaaba aufhält, ist auch
sicher.“
Die Menschen gingen in
ihre Häuser oder zur Kaaba. Die Muslime marschierten in Mekka ein.
Plötzlich hielt der
Prophet auf seinem Reittier an und verbeugte sich im Angesicht des Sieges vor
Allah. Er senkte seinen Kopf bescheiden[234] und in Demut vor Allah
nach unten, bis sein Bart seinen Sattel erreichte.[235]
Als der Prophet das
Blitzen der Schwerter von Chalid und seiner Truppe sah, rief er: „Habe ich das Kämpfen nicht verboten?“[236]
Denn er hatte seine Heerführer verpflichtet, beim Eintritt nach Mekka nur gegen
solche zu kämpfen, die sie angriffen.
Da sagte man ihm, dass
Ikrima, Safwan und Suhayl einige Männer der Quraisch und ihrer Verbündeten um
sich geschart und Chalid den Weg versperrt hatten. Chalid bat Ikrima, den Weg freizumachen,
denn der Prophet habe ihm befohlen, nicht zu kämpfen. Trotzdem wurde Chalid
angegriffen. Nachdem 30 Götzendiener getötet worden waren, flüchteten sie zur
Küste.
Fatima, Umm Salama und
Maymuna waren bereits vor dem Propheten in dem Zelt angekommen, das Abu Rafi
bei der Kaaba errichtet hatte.
Auch Umm Hani, die
Cousine des Propheten, war zu den Frauen gekommen, denn zwei Männer, die gegen
Chalid gekämpft hatten, waren in ihr Haus geflüchtet. Ihr Bruder Ali wollte sie
begrüßen und sah die flüchtigen Männer bei ihr, die sie schützte.
Als der Prophet das Zelt
erreichte, begrüßte er seine Cousine herzlich. Sie berichtete ihm von denen,
die sie schützte, und er antwortete: „Wem du Sicherheit gibst, dem geben wir
Sicherheit.“[237]
Damit bekräftigte er die hohe Stellung der Frau im Islam erneut. Denn ein
solcher Schutz wäre in der Zeit der Unwissenheit für die Frauen undenkbar
gewesen.
Nachdem der Prophet in
Mekka angekommen war und die Lage etwas ruhiger geworden war, begab er sich zur
Kaaba und ritt siebenmal um sie herum, wobei er mit einem Stab in der Hand den schwarzen
Stein berührte. Jedes Mal, wenn er die Kaaba umschritt, richtete er ihn auf
einen Götzen, worauf dieser zu Boden fiel und zerbrach, bis alle 360
Götzenbilder gefallen waren. Dabei sprach er den Vers des Korans: Die
Wahrheit ist gekommen, und das Falsche geht dahin; das Falsche ist ja dazu
bestimmt, dahinzugehen.[238]
Die Götzendiener hatten
ihr falsches Handeln oft mit dem Willen der Götzen gerechtfertigt, die das
Töten ihrer Kinder, vor allem das lebendige Begraben ihrer Töchter, erlaubt
haben sollten. Sogar den Verzehr bestimmter Feldfrüchte und des Fleisches
bestimmter Tiere hatten sie verboten.
Als die Mekkaner sahen,
dass ihre Götzen hilflos zu Boden stürzten, gab es keinen mehr unter ihnen, der
nicht begriff, dass Muhammad ihr Bestes wollte. Sie sollten ihre Kinder und
Frauen lieben statt lebloser Steine, weil Steine weder nützen noch schaden – es
waren keine Götter, sondern nur Steine. Allah ist der einzige Schöpfer und
Bewahrer aller Dinge. Zuvor waren sie der Meinung, der Prophet habe die
Religion ihrer Väter beleidigt. Hubal, der größte Götze und ein Symbol der
Unterdrückung, war Bestandteil der alten Religion. Nun hatten sie gesehen, dass
weder Hubal noch die anderen 359 Götzen etwas ausrichten konnten.
Was sollte nun aus den
Steinen und Hölzern werden? Der Prophet rief Uthman Bin Talha und ließ sich von
ihm den Schlüssel zur Kaaba geben. Das Heiligtum wurde ihm geöffnet und als er
eintrat, fand er einige Statuen, die er alle mit seiner eigenen Hand zerschlug.
Die Menschen sammelten
sich um ihn und er begann zu sprechen: „Es gibt keinen Anbetungswürdigen außer Allah allein. Er hat keinen Partner. Er
hat Sein Versprechen verwirklicht und Seinem Diener zum Sieg verholfen. Er
alleine besiegte die Verbündeten. Jede Blutrache und Zinsschuld ist unter
meinen Füßen außer dem Recht auf die Bewachung der Kaaba und dem zur Tränkung
der Pilger. O ihr Quraisch, Allah entfernte von euch die Großtuerei der Zeit
der Unwissenheit und den Stolz auf die Stammesväter! Die Menschen stammen von
Adam ab, und Adam wurde aus Staub erschaffen!“
Um die Gleichheit der
Menschen noch mehr zu bekräftigen, trug er den Koranvers vor, der die
Gleichwertigkeit von Mann und Frau beschreibt: O ihr Menschen, Wir haben
euch aus Mann und Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, auf
dass ihr einander erkennen möget. Wahrlich, vor Allah ist von euch der
Angesehenste, welcher der Gottesfürchtigste ist. Gewiss, Allah ist Allwissend,
Allkundig.[239]
Der Prophet rief: „Ihr
Quraisch! Was glaubt ihr, was ich mit euch tun werde?“
Gespannt, aber
hoffnungsvoll antworteten sie: „Gutes! Ein edler Bruder, der Sohn eines edlen
Bruders bist du!“.
Und er sprach mit den
Worten der Verzeihung, die laut Koran auch der Prophet Joseph zu seinen Brüdern
gesagt hatte: „Siehe, ich spreche zu euch, wie mein Bruder Joseph: ‚Kein
Tadel treffe euch heute! Allah möge euch verzeihen. Er ist ja der Barmherzigste
der Erbarmer.’[240]Geht
eures Weges! Ihr seid frei!“[241]
Dann setzte sich der Gesandte Allahs in die Moschee.
Da kam Ali mit dem
Schlüssel der Kaaba in der Hand und bat ihn: „O Gesandter Allahs! Übertrage uns
die Aufgabe des Bewachens der Kaaba und des Tränkens der Pilger!“
Der Prophet aber fragte,
wo Uthman Bin Talha sei, der bis dahin den Dienst an der Kaaba innegehabt
hatte. Als Uthman kam, sagte der Prophet: „Dies ist dein Schlüssel, Uthman.
Heute ist der Tag der Güte und Treue.“ Er vergab ihm unter anderem den Tag, als
Uthman dem Propheten den Eintritt in die Kaaba verweigert hatte.
Der Prophet hatte nun
seine Feinde und Gegner in unter Kontrolle. Die Quraisch und ihre Verbündeten
hatten die Muslime enteignet, verstoßen, eingesperrt, gefoltert, gequält und
getötet. Doch er vergab ihnen und gab damit ein Vorbild dafür, dass Rache nie
zu Frieden und Erfolg führen kann.
Nachdem Abu Bakr seinen
blinden Vater besucht hatte, kam er mit diesem in die Moschee zum Propheten.
Als Muhammad dies sah, sagte er: „Du hättest den alten Mann zu Hause lassen
sollen und ich hätte ihn besuchen können.“
„Gesandter Allahs, er
soll zu dir kommen und nicht umgekehrt.“
Der Prophet gab ihm seine
Hand und nahm seinen Beitritt zum Islam an.[242]
Als es Mittag wurde, bat
der Prophet Bilal, auf das Dach der Kaaba zu steigen.
Bilal kletterte hinauf
und rief mit seiner klaren Stimme den Ruf des Islam, der die alleinige Existenz
Allahs beschwor und Muhammad als dessen Gesandten.
Der ehemalige Sklave, der
wegen seines Glaubens gefoltert worden war, stand nun auf dem Heiligtum, einem
Platz der sonst nur den Edelsten der Quraisch vorbehalten war. Es gab keine
Unterschiede mehr aufgrund von Hautfarbe oder Abstammung. Allein gute Taten,
die Gottesfurcht und die Liebe zum Schöpfer zählten jetzt.
Männer und Frauen kamen
zu Hunderten zu Muhammad, der sich auf dem nahe gelegenen Hügel Safa befand.
Mit anderen Frauen kam
auch Hind, die Frau des Abu Sufyan - verschleiert, weil sie Angst hatte, der
Prophet könne sie wegen ihrer verbrecherischen Vergangenheit zum Tode
verurteilen. Sie sprach: „Gesandter Allahs, Preis sei Allah, Der die Religion
siegen ließ, die ich jetzt für mich selbst gewählt habe.“ Danach zeigte sie ihr
Gesicht und sagte: „Hind Bint Utba.“
„Du bist willkommen“,
sagte der Prophet.
Sie lobte Muhammad für
seine Verzeihung, und als sie zu Hause angekommen war, zerstörte sie die
Götzenfiguren, die sie zu Hause aufbewahrt hatte.[243]
Nachdem Hind den Islam
angenommen hatte, kam auch Umm Hakim, Ikrimas Ehefrau, zum Propheten und bat um
Gnade für ihren Mann, der in Richtung Jemen auf der Flucht war. Der Prophet gab
ihr die Sicherheit.
Umm Hakim brach mit einem
Begleiter auf, um ihn zurückzuholen, bevor er ein Schiff bestieg.
Auch Safwan Bin Umayya
war geflüchtet und wollte in Dschidda ins Meer springen, um sich umzubringen.
Sein Freund Umayr Bin Wahb, mit dem er früher einen Anschlag auf den Propheten
geplant hatte, kam zum Propheten und bat um Sicherheit für Safwan, die ihm auch
gewährt wurde.
Safwan aber hatte noch
Bedenken und konnte kaum glauben, dass der Prophet auch ihm verzeihen würde. Er
bat Umayr um ein Zeichen des Propheten.
Umayr ritt erneut nach
Mekka und erzählte von der Unsicherheit Safwans. Umayr bekam den Turban des
Propheten als Zeichen der Sicherheit, was Safwan beruhigte. Beim Propheten
angekommen fragte er, ob er ihm Sicherheit gewähre. Der Prophet bestätigte es,
doch Safwan wurde erst drei Monate später Muslim, nachdem er genug Zeit gehabt
hatte, es sich zu überlegen.[244]
Einer der drei größten
Götzen, Al-Uzza, war in Nachla. Als der Wächter des dortigen Tempels erfuhr,
dass Chalid ihn zerstören würde, ließ er dem Götzen ein Schwert und sprach:
„Verteidige dich und töte Chalid oder werde ein Muslim!“[245]
Umm Hakim beeilte sich,
ihren Mann zu treffen, bevor sie ihn für immer verlor. Doch er war schon an der
Küste von Tihama angekommen und wollte gerade ein Schiff besteigen. Auf dem
Schiff forderte ihn der Kapitän auf: „Sprich: La ilaha illa Allah, es
gibt keinen Anbetungswürdigen außer Allah!“
„Ich bin aber vor nichts
anderem als la ilaha illa Allah geflüchtet!“, sagte Ikrima. Rechtzeitig
traf seine Frau ein und flehte ihn an, zurückzukehren und sich dies nicht
anzutun, denn sie komme von einem Mann, der für seine Güte und Milde beispiellos
sei und bei dem er sicher sein werde.
Sie kehrten zusammen zurück.
Der Prophet hatte dies bereits geahnt und sprach zu seinen Gefährten: „Ikrima,
Abu Dschahls Sohn, kommt als ein Gläubiger und Auswanderer zu euch. Schmäht
nicht seinen Vater, denn die Schmähung der Toten erreicht die Toten nicht,
trifft aber die Lebenden!“
Chalid und seiner Truppe
gelang es inzwischen, den Götzen Al-Uzza zu zerstören. Die Götzendiener
wunderten sich, dass der Stein, dem sie im Laufe der Jahre so viel Geld und
Opfertiere gebracht hatten, sich nicht zu wehren vermochte. Chalid tat sein
Vater leid, der früher so viele Tiere für diese Steine geopfert hatte, die
weder hören noch sprechen konnten.[246]
Ikrima ging zum
Propheten, als er in Mekka ankam und setzte sich mit seiner Frau zu ihm. Der
Prophet lächelte ihn freundlich an und sagte: „Heute werde ich dir keinen
Wunsch abschlagen.“
„Dann bitte Allah, dass
Er mir meine Gegnerschaft dir gegenüber vergibt und alles, was ich dir angetan
und zu dir gesagt habe!“, bat ihn Ikrima.
Der Prophet verzieh ihm
und bat Allah um Verzeihung für ihn. Dann rief Ikrima aus: „Das Geld, das ich
ausgegeben hatte, und die Kriege, die ich geführt habe, um die Menschen davon
abzuhalten, der Wahrheit des Islam zu folgen, so werde ich auf dem Wege Allahs
das Doppelte ausgeben, und für all die Kämpfe, die ich geführt habe, um den Weg
Allahs zu versperren, werde ich doppelt soviel auf dem Wege Allahs kämpfen!“[247]
Er hielt sein Wort und fing als erstes gleich an, die vielen Götzen, die er zu
Hause hatte, zu zerstören.[248]
Das
Versprechen des Propheten
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D |
er mächtige Stamm der
Hawazin rüstete sich, um Mekka anzugreifen und sich für die Götzen zu rächen.
Die Quraisch standen nun
auf der Seite des Propheten und des Islam. Es ging darum, den Islam und Mekka
zu verteidigen.
König der Hawazin war
Malik Bin Auf.[249]
Er zwang seine Soldaten, ihre Frauen, ihre Kinder und ihr Vermögen auf den
Feldzug mitzunehmen. Dies sollte ihren Kampfeswillen steigern und sie davon
abhalten, vom Kampfplatz zu flüchten.
Die muslimische Armee
zählte 12.000 Mann; unter ihnen waren einige, die erst neu zum Islam
konvertiert waren. So kam es, dass einige der neuen Muslime dachten, dass eine
solch große Streitmacht nicht besiegt werden könnte.
Dem Propheten missfiel
diese Art zu denken, er hoffte auch auf die Unterstützung Allahs, denn er wusste,
dass die Größe einer Armee allein nicht ausschlaggebend ist. Er sollte recht
behalten.[250]
Beide Armeen marschierten
aufeinander zu, die Hawazin und Thaqif von Taif kommend, die Muslime aus Mekka.
Maliks Plan war es, die
Truppen aus Mekka im Tal von Hunayn[251]
in einen Hinterhalt zu locken. Er hatte vor, seine Truppen in den Schluchten
und auf den Bergen um das Tal zu postieren, bevor die Muslime angekommen waren,
um sie so in der Schlucht einkesseln zu können. Er trieb seine Truppen an,
damit er das Tal vor den Muslimen erreichen würde, was ihm auch gelang. Nun
warteten die Hawazin auf die Muslime, die sich in Richtung Hunayn bewegten.
Die muslimischen Truppen
drangen in das Tal vor, ohne die Hawazin zu bemerken. Malik gab seinen
Bogenschützen, die auf den Bergen positioniert waren, den Befehl zu schießen.
Die Pfeile prasselten auf die Muslime nieder, es brach Panik aus. Malik befahl
seinen Truppen, von allen Seiten anzugreifen. Von diesem Angriff überrascht,
begann das Heer der Muslime zu fliehen. Eine Niederlage stand kurz bevor.
Muhammad flüchtete jedoch
nicht. Er wich nicht zurück, sondern positionierte sich an der rechten Seite
des Tales und rief: „Eilt zu mir, ihr Leute, ich bin der Gesandte Allahs, ich
bin Muhammad, der Sohn Abdullahs!“ An seiner Seite waren noch 80 der
Auswanderer und der Helfer. Hier ritt der Prophet für alle sichtbar vor die
Truppen der Hawazin und rief: „Ich bin der Prophet, dies ist keine Lüge. Ich
bin der Sohn Abdul-Muttalibs! O Allah, sende Deinen Sieg herab!“
Die wenigen Männer waren
ihm gefolgt und griffen mit ihm das ihnen zahlenmäßig überlegene Heer der
Hawazin an.
Der Prophet wies Abbas
an, die Gefährten zu rufen. Abbas rief, so laut er konnte „O ihr Auswanderer! O
Ihr Helfer!“ Dieser Ruf blieb nicht ungehört, immer mehr der flüchtenden
Muslime machten kehrt und schlossen sich der Truppe um den Propheten an, welche
die Hawazin immer mehr unter Druck setzte, bis sie diese zurückschlugen.
Die Hawazin sahen sich
den Muslimen nicht mehr gewachsen und flüchteten; die meisten von ihnen
verschanzten sich bei ihren Stammesbrüdern von den Thaqif in Taif. Der Besitz
der Hawazin und ihre Familien waren in die Hände der Muslime gefallen. Maliks
Plan war gescheitert.
Die Quraisch haben den
Mut des Propheten und den seiner Anhänger nun mit eigenen Augen gesehen.
Die muslimischen Truppen
marschierten nun nach Taif und belagerten die Stadt. Die Hawazin und die Thaqif
bewarfen die Muslime von den Mauern Taifs aus mit Steinen und Feuer; dies
führte zu einigen Opfern unter den Muslimen. Daraufhin bauten sie Katapulte
auf, mit denen sie ihre Stellungen beschossen.[252]
Um den Druck auf Taif zu
erhöhen, ließ der Prophet verkünden, dass jeder, der die Festung verließe, frei
sein würde.
Es gelang 23 Sklaven[253] aus
Taif vor den Götzendienern zu fliehen und zum Propheten zu gelangen. Sie
bekamen so ihre Freiheit. Die Hawazin und die Thaqif wurden sich der
Aussichtslosigkeit ihrer Situation bewusst. Sie wussten, dass der Sieg des
Propheten nun nicht mehr aufzuhalten war.
Um seine Gefährten vor
den Angriffen aus der Stadt zu schützen, lockerte der Prophet die Belagerung
und zog seine Truppen nach Dschirana zurück und verweilte dort in Erwartung der
Thaqif und Hawazin. Er wusste, sie würden auch ohne Belagerung aufgeben und
kommen.
Einige Gefährten des Propheten
baten ihn, er solle die Thaqif in Taif verfluchen. Doch dies tat er nicht, denn
er wollte, dass sie freiwillig kämen. Er erhob seine Hände gen Himmel und
betete zu Allah, dass Er die Thaqif rechtleite.[254]
Als die Thaqif, wie er es
erbeten hatte, freiwillig zu ihm kamen und ihren Beitritt zum Islam
verkündeten, fragten einige von ihnen nach ihren Sklaven. Der Prophet gab sie
ihnen nicht zurück, sondern sagte: „Nein, sie sind Freigelassene Allahs!“ Und
er ermutigte die Muslime, ihre noch verbliebenen Sklaven freizugeben oder
Sklaven zu kaufen, um ihnen die Freiheit zu schenken.
Inzwischen nahm auch
Wahschi, der Mörder von Hamza, Kontakt mit dem Propheten auf, obwohl er sich
nicht vorstellen konnte, dass Muhammad ihm vergeben würde. Doch der Prophet
vergab ihm und Wahschi wurde Muslim.
Auch Malik Bin Auf, der
König der Hawazin, kam nach einigem Zögern zum Propheten nach Dschirana. Dieser
gab ihm seine Familie und sein Vermögen zurück. Auch andere Familien, die in
Gefangenschaft geraten waren, ließ er frei und gab ihnen ihren Besitz - bis auf
das, was man schon auf die Quraisch und die anderen Stämme verteilt hatte.
Nachdem sich der Prophet für die Hawazin eingesetzt hatte, gaben die meisten
der Quraisch den Besitz, den sie bekommen hatten, wieder her.
Der Prophet hatte neuen
Muslimen wie Abu Sufyan, Safwan und einigen Beduinenstämmen viele Geschenke
gemacht, um ihre Herzen für den Frieden zu gewinnen.
Die Auswanderer und die
Helfer aus Medina aber bekamen nichts. Einige von den Helfern flüsterten
darüber und sagten: „Der Gesandte Allahs hat sich mit seinem Volk vereint!“
Saad ging zum Propheten
und erzählte ihm, was über ihn gesprochen wurde. Der Prophet veranlasste Saad,
alle Helfer zu sammeln. Als die Auswanderer auch dazukamen, ließ er dies zu, als
aber andere sich an dieser Versammlung beteiligen wollten, hielt man sie davon
ab.
Dann begab sich der
Prophet zu ihnen, pries Allah und hielt eine kurze Rede: „O ihr Ansar!
Welch ein Gerede höre ich von euch, und welche Abneigung, die ihr mir gegenüber
empfindet? Bin ich nicht zu euch gekommen, als ihr irregeleitet wart, und Allah
leitete euch auf den rechten Weg? Wart ihr nicht arm, und Allah machte euch
reich? Seid ihr nicht miteinander verfeindet gewesen, und Allah einigte eure
Herzen?“
„Ja, in der Tat! Allah
und Sein Gesandter sind gnädig und gütig!“
„Wollt ihr mir denn
nichts entgegnen, o ihr Helfer?“, fragte der Prophet.
„Was könnten wir
entgegnen? Bei Allah und Seinem Propheten sind Gnade und Güte!“
„Bei Allah, ihr könnt es
mir vorhalten, und ihr hättet recht und jeder würde es glauben: ‚Du kamst zu uns,
als man dich der Lüge bezichtigte, und wir haben dir geglaubt; du wurdest im
Stich gelassen, und wir halfen dir; du wurdest vertrieben, und wir haben dich
aufgenommen; du warst arm, und wir haben mit dir unseren Besitz geteilt.’ Seid
ihr mir wirklich böse, o ihr Helfer, wegen weltlicher Sachen, mit denen ich die
Herzen der Menschen versöhne, damit sie sich Allah ergeben, während ich euch
jedoch den Islam anvertraut habe? Seid ihr nicht zufrieden, o ihr Helfer, dass
diese Leute mit Schafen und Kamelen nach Hause gehen, ihr aber mit dem
Gesandten Allahs nach Hause geht?
Bei Dem, in Dessen Hand
Muhammads Seele liegt – wenn es nicht wegen der Auswanderung[255] wäre, wäre ich einer von
euch.
Wenn die Leute einen Weg
einschlagen und die Helfer einen anderen, würde ich mir den Weg der Ansar
wählen. O Allah, sei gnädig den Ansar sowie ihren Kindern und
Kindeskindern!“
Die Leute weinten so
sehr, bis die Tränen an ihren Bärten herunterliefen und riefen: „Wir sind
glücklich, dass der Gesandte Allahs unser Anteil und unser Glück ist!“
Der Prophet ging fort,
und sie zerstreuten sich.[256]
Nachdem sich der Prophet
von Dschirana aus zur Umra,
einer kleinen Pilgerfahrt, nach Mekka begeben hatte, kehrte er am Ende des
Monats nach Medina zurück und hielt sein Versprechen. Zwischen Mekka, Medina
und den arabischen Stämmen herrschte nun Frieden, und alle konnten in
Sicherheit leben.
Aus den einstigen Feinden
waren Brüder geworden.
Der Prophet zog noch
einmal gegen die Byzantiner und ihre Verbündeten, nachdem er erfahren hatte,
dass sie sich versammelt hatten, um im Norden der Arabischen Halbinsel
einzufallen. Er führte einen Feldzug nach Norden an. Dieser Feldzug, der im
Sommer bei großer Hitze und unter schweren Bedingungen für die Muslime
stattfand, wurde „Feldzug von Tabuk“ genannt.
Die Byzantiner und ihre
Verbündeten verloren ihren Kampfesmut, als sie die muslimischen Truppen
erblickten. So kam es, dass der Prophet Abkommen mit den Verbündeten der
Byzantiner schloss, die den Frieden im Norden vorerst sicherten. Der Prophet
konnte ohne Kampf nach Medina zurückkehren. Allah hatte den Muslimen das
Kämpfen erspart.[257]
Der
Abschied des Propheten
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N |
achdem das Fasten im
Ramadan zu Ende ging, vertraute der Prophet seiner Tochter Fatima etwas an, das
sie niemandem erzählen sollte: „Jedes Jahr im Ramadan rezitiert Gabriel mir
einmal den Koran, und jedes Jahr rezitiere ich ihn einmal. Aber in diesem Jahr
hat er ihn mir zweimal rezitiert. Das lässt mich glauben, dass meine Zeit
gekommen ist.“[258]
Fatima war die letzte seiner Töchter, die noch am Leben war.
Zaynab war zwei Jahre
zuvor gestorben. Sie hatte sich nie ganz von den Verletzungen und der
Fehlgeburt erholt, die sie erlitten hatte, als sie beim Verlassen Mekkas
aufgehalten wurde, und so starb sie letztlich an den Folgen von Habbars
Angriff. Nach ihrem Tod blieb Muhammad nur Fatima, nachdem Umm Kulthum und
Ruqayya schon vor Zaynab gestorben waren.
Einen Monat später
verkündete der Prophet, dass er selber die große Pilgerfahrt leiten werde. Mehr
als 30.000[259] Frauen
und Männer mit ihren Familien waren glücklich, ihn begleiten zu dürfen. Dieses
Jahr waren alle Pilger nun Verehrer des Einen Gottes; Götzendiener gab es keine
mehr unter ihnen.
Unterwegs bekam Aischa
ihre Monatsblutung und war deshalb sehr traurig, denn sie dachte, sie dürfe in
diesem Zustand die Pilgerfahrt nicht vollziehen. Als der Prophet den Grund für
ihr Weinen erfuhr, sagte er zu ihr, dass sie alle Pilgerriten, außer dem
Umschreiten der Kaaba, verrichten dürfe.Nachdem der Prophet die Kaaba siebenmal
umrundet hatte, begab er sich zu der Ebene von Arafat. Dort stieg er auf einen
Hügel, lobpreiste Allah und verkündete die Unantastbarkeit des Lebens und des
Besitzes jedes Menschen.
„Ihr
Menschen, hört mir gut zu, denn es kann sein, das ich nicht noch einmal zu euch
an diesen Ort zurückkomme! O ihr Menschen, euer Blut und euer Besitz ist für
euch unantastbar, bis ihr euren Herrn trefft...
Vergesst
nicht, dass ihr eines Tages eurem Herrn gegenübertreten werdet, Der euch nach
euren Taten fragen wird. Dann müsst ihr für alles, was ihr in eurem Leben getan
habt, die Verantwortung tragen. Wenn einer von euch ein anvertrautes Gut hat,
so soll er es dem zurückgeben, der es ihm anvertraut hat. Ich habe es
verkündet!
Zinsen
sind aufgehoben, aber euch gehört euer Vermögen. Ihr sollt nicht ungerecht
behandelt werden und sollt auch selbst niemanden ungerecht behandeln. Allah hat
beschlossen, dass es keinen Zins geben darf, und die Zinsen von Abbas Bin Abdul-Muttalib
sind alle aufgehoben. Betrügt euch nicht gegenseitig und handelt nie ungerecht.
Nehmt nie etwas von einem anderen Menschen, das euch nicht gerne gegeben wird.
Behandelt eure Frauen freundlich und kümmert euch gut um all diejenigen, die
euch anvertraut sind. Ich hinterlasse euch eine klare Richtschnur, das Buch
Allahs und die Sunna seines Propheten, welche ich euch gelehrt habe. Wenn ihr
danach handelt, werdet ihr nicht in die Irre gehen. Hört auf meine Worte und
versteht! Allah ist mein Zeuge, dass ich euch die Botschaft des Islams
überbracht habe.“[260]
Dann rezitierte er den
zuletzt offenbarten Vers, der den Koran vervollständigte: „Heute habe Ich
euren Glauben für euch vollendet und habe Meine Gnade an euch erfüllt und es
ist Mein Wille, dass der Islam euer Glaube ist.“[261]
Diese Wallfahrt wurde zu
einer Abschiedswallfahrt, auf der Muhammad die islamischen Werte bekräftigte
und die Gläubigen die richtige Art der Pilgerfahrt lehrte, wie sie einst
Abraham gelehrt hatte. Er zeigte, wie man den spirituellen Teil des Glaubens,
der die Pilger zu friedlichen Menschen machte, die während der Pilgerfahrt
nicht einmal eine Pflanze herausrissen, vollzog. Nachdem er Satan symbolisch
gesteinigt und Tiere geopfert hatte, ließ der Prophet sein Kopfhaar rasieren.
Chalid war heute ein ganz
anderer als sonst, und so trat er an den Propheten heran: „O Gesandter Allahs,
deine Stirnlocke! Gib sie keinem anderen außer mir! Mein Vater und meine Mutter
sollen dir Opfer sein!“[262] Als
er sie bekam, legte er sie an seine Augen und Lippen.
Zwei Monate nach der
Abschiedswallfahrt erkrankte der Prophet. Die ersten elf Tage fühlte er sich
noch kräftig genug, zu jedem Gebet in die Moschee zu gehen und es als Imam zu
leiten. Er rief die Menschen noch einmal zu sich und legte ihnen das tägliche
Gebet und den Koran ans Herz. Er bat sie, sich zu melden, wenn er ihnen
irgendetwas schuldete.
Einmal sprach er während
dieser Tage von der Kanzel: „Unter den Dienern Allahs gibt es einen, den Allah
zwischen dieser Welt und der Welt, die bei Ihm ist, wählen ließ, und dieser
Diener hat die Welt, die bei Allah ist, gewählt.“
Wahrscheinlich wollte er
die Menschen nicht beunruhigen. Abu Bakr aber verstand die Botschaft, und seine
Augen füllten sich mit Tränen. Als der Prophet ihn weinen sah, bat er ihn
aufzuhören und sagte: „Diese Türen, die zur Moschee führen, sollen alle
geschlossen werden, außer der Abu Bakrs,denn ich kenne keinen, mit dem ich eine
bessere Freundschaft hatte als mit ihm.[263]
Hätte ich einen Freund unter allen Menschen der Welt auswählen müssen, von dem
man sich nie trennt, hätte ich Abu Bakr gewählt. Aber wir sind Gefährten und
Glaubensbrüder, bis Allah uns bei Sich wieder vereint.“[264]
Seine letzten Tage musste
der Prophet liegen und bekam von seinen Frauen die Erlaubnis, diese Zeit bei
Aischa zu verbringen, wo die anderen ihn besuchten. Seine Tochter Fatima kam
ebenfalls oft zu ihm; einmal küsste sie ihn, und Aischa sah, wie er seiner
Tochter etwas ins Ohr flüsterte und sie zu weinen begann. Dann flüsterte er ihr
noch einmal etwas zu, und sie lächelte durch ihre Tränen. Als Aischa sie später
danach fragte, antwortete sie: „Der Prophet hatte mir erklärt, dass er an
dieser Krankheit sterben würde, und deshalb weinte ich. Dann jedoch sagte er
mir, dass ich die erste unter den Menschen seines Hauses sein werde, die nach
ihm sterben wird, deshalb lächelte ich.“[265]
Bei einem weiteren Besuch
ihres Vaters weinte sie und sagte: „O Vater, welch ein Schmerz!“
Er lächelte und sprach zu
ihr: „Deinen Vater trifft nach diesem Tag kein Schmerz mehr.“
Er ließ seine Enkel
Hassan und Hussain zu sich kommen und verabschiedete sich von ihnen. Auch seine
Frauen versammelte er noch einmal zum Abschied um sich.
Am Samstag sank sein
Fieber, und er wollte trotz seiner Schwäche zur Moschee, wo er die Gläubigen im
Mittagsgebet antraf. Die Freude der Menschen war so groß, dass sie sie beinahe
vom Beten ablenkte.
Während das Gesicht des
Propheten vor Freude strahlte, als er ihre friedliche und spirituelle Haltung
sah, setzte er seinen Weg fort. Dabei wurde er von seinem Cousin Fadl und Thawban,
einem freigelassenen Sklaven, gestützt. Abu Bakr, der das Gebet leitete, hörte
den Propheten kommen und trat einen Schritt zurück, ohne den Kopf zu wenden,
aber der Prophet legte ihm die Hand auf seine Schulter und schob ihn wieder vor
die Versammelten, damit er mit dem Gebet fortfuhr, während er selbst sich zu
seiner Rechten niederließ und sitzend betete.[266]
Die Freude der
muslimischen Frauen und Männer in der Moschee war groß, als sie sahen, dass es
dem Propheten wieder besser ging.
Dann half man dem
Propheten, in Aischas Wohnung zurückzukehren, wo er sie anwies, die einzigen
sechs oder sieben Dirham, die sich in seinem Besitz befanden, den Armen zu
spenden.
Am nächsten Tag, als er
den Gebetsruf zum Morgengebet hörte, ließ der Prophet sich zum letzten Mal zur
Tür seiner Wohnung helfen, die nur durch einen Vorhang von der Moschee getrennt
war. Er beobachtete die Gläubigen, die sich in der Verrichtung des Morgengebets
befanden und lächelte glücklich. Die Gläubigen freuten sich, während er ihnen
andeutete, fortzufahren. Anas erzählte später: „Noch nie hatte ich das Gesicht
des Propheten so schön gesehen wie in jenem Moment.“
Dann ließ er den Vorhang
wieder fallen.[267] Er
war sehr schwach, und sein Kopf lag an Aischas Brust, als ihr Bruder
Abdurrahman mit einem Zahnholz in der Hand in das Zimmer kam. Aischa merkte,
wie der Prophet das Zahnholz ansah, und sie wusste, dass er es gerne hätte. Sie
nahm es von ihrem Bruder und begann es zu kauen, bis es weich war. Dann gab sie
es dem Propheten, der sich damit die Zähne so energisch putzte wie nie zuvor.
Es dauerte nicht lange, und seine Augen blickten zur Zimmerdecke. Aischa hatte
oft gehört, dass der Gesandte Allahs sagte: „Allah wird keinen Propheten zu
sich nehmen, bevor er ihn nicht zwischen dem Leben und dem Tod wählen ließ.“
Sie ging davon aus, dass
dies jetzt geschehen würde und sagte: „Bei Dem, Der dich mit der Wahrheit
sandte, du wurdest vor die Wahl gestellt und du hast gewählt!“
Dann hörte sie ihn sagen:
„Mit denen Du gnädig warst, mit den Propheten, Rechtschaffenen, Märtyrern und
den Gerechten, in der höchsten Vereinigung im Paradies.“[268]
Den letzten Satz
wiederholte er insgesamt dreimal, während sein Blick zur Decke wanderte und
seine Hand herabsank.[269]
Die anwesenden Frauen
begannen zu weinen. Am Montag, dem 8. Juni 632 n.Chr., im 23. Jahr seiner Entsendung,
im elften Jahr nach der Auswanderung, dem Beginn der islamischen Zeitrechnung,
starb der Prophet Muhammad.
Die ungeheure Nachricht
drang nach draußen. Die Menschen konnten es nicht fassen und waren verzweifelt.
Selbst der starke Umar
schien von der Schwere der Kunde benommen zu sein. Er erklärte den Leuten in
der Moschee, Muhammad sei zu seinem Herrn nur in der Weise gegangen, wie einst
Moses auf den Berg gegangen war, und er werde wiederkommen und die Heuchler,
die diese Nachricht verbreiteten, zur Rechenschaft ziehen.
Während er dies noch
sprach, erschien Abu Bakr. Er betrat sofort das Zimmer seiner Tochter Aischa
und sah die Wahrheit mit eigenen Augen. Weinend betrachtete er das Gesicht des
Propheten und küsste ihn auf die Stirn. Er sprach: „Du bist mir lieber als mein
Vater und meine Mutter, du hast den Tod erlebt, den Allah für dich geschrieben
hat, aber danach wirst du nie mehr einen Tod erleben.“ Respektvoll legte er den
Mantel auf dasGesicht des Propheten und begab sich in die Moschee, wo Umar
immer noch sprach.
„Beruhige dich, Umar und
höre zu!“, rief Abu Bakr. Doch Umar wollte nicht schweigen.
Erst als Abu Bakr zu
sprechen begann und Allahs Einzigkeit pries, drehten sich die Menschen zu Abu
Bakr und hörten ihm zu.
Abu Bakr sagte: „O ihr
Menschen, wer Muhammad verehrt hat, so ist Muhammad nun gestorben; und wer auch
immer Allah gedient hat, so Allah ist lebendig und stirbt nicht!“
Dann rezitierte er eine
Stelle aus dem Koran: Und Muhammad ist doch nur ein Gesandter, vor dem schon
Gesandte vorausgegangen sind. Wenn er nun stirbt oder getötet wird, werdet ihr
euch dann auf den Fersen umkehren? Und wer sich auf den Fersen umkehrt, wird
Allah keinerlei Schaden zufügen. Aber Allah wird es den Dankbaren vergelten.[270]
Den Menschen war, als
hätten sie diesen Vers zum ersten Mal gehört. Umar berichtete später: „Bei
Allah! Als Abu Bakr diesen Vers rezitierte, war mir klar, dass es stimmte.
Meine Beine wurden schwach, und ich ging zu Boden.“
Die Trauer unter den
Frauen, Kindern und Männern war unbeschreiblich.
Währenddessen lag der
Körper des Propheten auf seinem Sterbebett. Seine nahen Verwandten hatten sich
um ihn versammelt und berieten, wie sie ihn bestatten sollten. Doch sie konnten
sich nicht entscheiden.
Aber auch die anderen
Bewohner Medinas waren sich uneinig, wohin man den Propheten bringen sollte.
Nach einigen Vorschlägen
kam Abu Bakr hinzu, der sagte: „Ich hörte den Gesandten Allahs sagen: “Kein
Prophet stirbt, ohne dass er an der Stelle bestattet wird, wo er gestorben
ist!“[271]
Darauf wurde entschieden,
dass an dem Ort der Lagerstatt, auf der er starb, ein Grab ausgehoben werden
solle.
Die engsten Verwandten
des Propheten übernahmen seine Waschung, darunter an erster Stelle Ali, Abbas
und dessen Söhne Al Fadl und Qutham. Usama und Schukran, der Freigelassene des
Propheten, gossen das Wasser über ihn, und Ali wusch ihn, wobei ihm sein
knielanges Hemd belassen wurde. Währenddessen nahmen sie einen ganz besonderen
Duft an ihmwahr, sodass Ali ausrief: „Du bist mir wie Vater und Mutter! Wie
wohlriechend bist du sowohl lebendig als auch tot!“
Als sie mit der Waschung
fertig waren, hüllten sie ihn in drei Leichentücher.
Dann wurde den Muslimen
die Tür geöffnet, um von der Moschee her einzutreten und einen letzten Blick
auf ihn zu werfen sowie für ihn um Segen zu bitten.
Das Zimmer war voll, als
Abu Bakr und Umar eintraten und mit den Muslimen beteten, wobei ihnen in diesem
Gebet keiner vorbetete.
Als die Männer mit ihrem
Gebet fertig waren, wurden die Frauen eingelassen und nach ihnen die Kinder.
Ihrer aller Herzen erbebten, und die Trauer über das Hinscheiden des Gesandten
Allahs, des Siegels der Propheten, schien sie zu zerreißen.
Die Bestattung fand in
der Nacht zum Mittwoch statt, zwei Tage, nachdem er gestorben war.[272]
Anas Bin Malik sagte über
den Todestag des Propheten Muhammad: „Ich habe keinen helleren und schöneren
Tag erlebt, als jenen seiner Ankunft in Medina und keinen dunkleren und
traurigeren, als den, an dem er starb.“[273]
Fatima folgte ihrem
Vater, wie er es ihr gesagt hatte, wenige Monate später; sie war das einzige
seiner Kinder, das ihn überlebte.
Quellen
- Muhammad, die
faszinierende Lebensgeschichte des letzten Propheten, Jotiar Bamarni, 3.
Auflage, Schreibfeder Verlag, 2010.
- Der edle Qur’an, aus dem Arabischen übersetzt
von A. As-Samit Frank Bubenheim und Dr. Nadeem Elyas 2002, überprüfter
Nachdruck 2006, König-Fahd-Komplex, Medina
- Sahih Buchari, Darul Kitab Al-Arabi,
Beirut, Libanon 2007
- Sahih Muslim,
Darul Kitab Al-Arabi, Beirut, Libanon 2008
- Sahih Muslim,
deutsche Übersetzung von Jotiar Bamarni, Schreibfeder Verlag
- Sunan Ad-Darimi, von M. A. Ibn Bahram
Ad-Darimi, Al-Asriya Verlag, Libanon 2008
– Der Koran, aus dem Arabischen übersetzt
von Max Henning, überarbeitet von Dr. Murad Hofmann, 1. Auflage, Çagri-Verlag,
Istanbul
– As-Sira An-Nabawiya (die Biografie des
Propheten) von Ibn Hischam: Sie basiert auf dem Werk von Ibn Ishaq (mehr als
1300 Jahre altes Werk) und wurde von Ibn Hischam ergänzt und neu
veröffentlicht. Sie ist ein Standardwerk zum Leben des Propheten, für dieses
Buch wurden die folgenden Auflagen benutzt:
- Ausgabe
des Dar-Ibn-Hazm-Verlags in einem Band, 1. Auflage 2001, Beirut, Libanon
- Ausgabe
des As-Safa-Verlags, 2 Bände, 1. Auflage 2006, Kairo, Ägypten.
- Ausgabe
des Dar-Al-Ma’rifa-Verlags, 2 Bände, Auflage ohne Jahresangabe, Beirut, Libanon
- As-Sira An-Nabawiya (die Biografie des
Gesandten) von Ibn Kathir, Ausgabe des As-Safa-Verlags, 2 Bände, 1. Auflage
2006, Kairo, Ägypten
- SahihuAs-Sira An-Nabawiya (Authentischesin der
Biografie des Gesandten) von Ibn Kathir, überarbeitet von M. Nasraddin Albani,
1. Auflage, Islamische Bibliothek, Amman, Jordanien
- Qisas Al-Anbiya´
(Prophetengeschichten) von Ibn Kathir, Auflage des As-Safa-Verlags in einem
Band, 1. Auflage 2005, Kairo, Ägypten
- Ar-Rahiq Al-Machtum von Safi-ur-Rahman
Al-Mubarakpuri, Dar-Al-Wafaa-Verlag, 17. Auflage 2005, Mansura, Ägypten
– Muhammad, Prophetder Barmherzigkeit, von Abu-r-Rida M. Rassoul, IB-Verlag,
Köln 1999
- At-Tabaqat Al-Kubra von Ibn Saad aus
der arabischen Internetseite www.al-eman.com bzw.
Maktabat Al-Khanaji, Kairo 2001
-Tarikh Ar-Rusul wa-l-Muluk, (Geschichte der Propheten und Könige)
von At-Tabari, 15 Bände, aus der
Internetseite www.majles.alukah.net
- Sunan At-Tirmidhi, von Abu
Issa At-Tirmidhi, Al-Fikr Verlag Libanon 2005
– Kitabul Maghazi von Al-Waqidi, Marsden
Jones, Beiraut Alam Al-Kutub
– Geografische
Angaben zur Arabischen Halbinsel und den Stämmen stammen von der
arabischsprachigen Internetseite
- Mukhtasar
Riyadus Salihin - Auszüge aus: Die Gärten der Rechtschaffenen, Imam An-Nawawi,
Übersetzung: Jotiar Bamarni, Schreibfeder Verlag, Berlin, 2009
Wörterbücher
- Lisanul ´Arab,
Sadir Verlag, Beirut, Libanon
- Arabisches
Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart Arabisch – Deutsch, Hans Wehr,
Harrassowitz; 1985
-
Synchron-Wörterbuch der drei Sprachen, Bamarni Verlag, Jotiar Bamarni, 1.
Auflage 2001
- DUDEN, die
deutsche Rechtschreibung, 24. Auflage, 2006
[1]Nicht zu verwechseln
mit dem Propheten Abraham.
[2] Ibn Kathir,
S. 30; An-Nadwi, S. 80.
[3] Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 57.
[4] Ibn
Hischam, S. 27; At-Tabari; Ibn Kathir, S. 33.
[5] Koran 105:
1–5.
[6] Gedichte, die bis heute die Weltliteratur bereichern. Einige
dieser Gedichte sind bei Ibn Hischam auf
Seite 28-33 zu lesen.
[7] Medina, dieman in
dieser Zeit noch Yathrib nannte, liegt
ungefähr 450 Kilometer von Mekka entfernt. Anders als Mekka war ihr Boden
fruchtbar, daher lebten die Bewohner vom Ackerbau und dem Anbau von
Dattelpalmen.
[8] Abdullah
wurde in Dar An-Nabigha Al-Ya´di bei Medina begraben, vgl. Ar-Rahiq Al-Machtum,
S. 59.
[9] Zu Aminas
Gedichten siehe Ar-Rahiq Al-Machtum.
[10] Ibn
Hischam, S. 76. Dies geschah an einem Montag im Jahre des Elefanten. Der
Historiker Ibn Saad schreibt in seinem Werk „At-Tabaqat Al-Kubra“, dass
Muhammad sogar am gleichen Tag geboren wurde, an dem auch Abraha die Kaaba
bedrohte. Hassan Ibn Thabit, ein Gefährte des Propheten, sagte, er sei sieben
Jahre alt gewesen, als ein Jude vom Dach seines Hauses aus verkündete, dass der
Stern des Ahmad, des „Hochgepriesenen“,
heute Nacht erschienen sei.
[11] Ibn Hischam, S. 77; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 62 f.
[12] Ibn
Hischam, S. 78.
[13] Ibn
Hischam, S. 78; At-Tabari II/S. 158; Ibn Saad.
[14] Ibn
Hischam, S. 80; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 64.
[15] Ibn
Hischam, S. 80; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 64.
[16] Ibn
Hischam, S. 85.
[17] At-Tabaqat
Al-Kubra von Ibn Saad.
[18] Ibn
Dschauzi schreibt in Talqih Fuhum Ahlil Athar, S. 7, dass er 12 Jahre, 2 Monate
und 10 Tage alt war. Vgl. Ibn Hischam, S. 85.
[19] Ibn
Hischam, S. 85.
[20] Ibn
Hischam, S. 85, At-Tabari II/S. 277–279; At-Tirmidhi V/S. 550; Ar-Rahiq
Al-Machtum, S. 65.
[21] Ibn Kathir
I/S. 263; Ibn Hischam, S. 88.
[22] Ibn
Hischam, S. 89.
[23] Neben dem
Namen Ahmad wird Muhammad (der
Gepriesene) auch nach seinem ersten Kind Abul-Qasim
(Qasims Vater) genannt. (Ibn Hischam, Sahih Buchari).
[24] Ar-Rahiq
Al-Machtum, S. 67.
[25] Ibn Kathir
I/S. 276 f.
[26] Ibn
Hischam, S. 92; Ibn Kathir I/S. 278.
[27] Der schwarze Stein
stammt aus dem Paradies, Abraham und Ismael hatten ihn in die Kaaba eingebaut.
Imam Ahmad überlieferte, dass der Stein ursprünglich weiß wie Schnee war, doch
durch die Sünden der Menschen wurde er schwarz.
[28]Ibn Hischam, S. 93;
At-Tabari II/S. 289-290.
[29] Ar-Rahiq
Al-Machtum, S. 75; Sahih Buchari, Ibn Hischam, S. 111, Musnad Imam Ahmad VI/S.
233.
[30] Koran 96:
1–5.
[31] Ibn
Hischam, S. 111, Musnad Imam Ahmad VI/S. 233.
[32] Ibn
Hischam, S. 112; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 76; Sahih Buchari.
[33] Ibn Hischam,
S. 114.
[34] Ibn
Hischam, S. 115.
[35] Abu Dawud 4682, At-Tirmidhi 1162. Abu Dawuds
Überlieferung beinhaltet nur den ersten Teil des Hadith. Sahih Al-Dschami
As-Saghir 1232, As-Silsila As-Sahiha 284, Sahih Tirmidhi von Albani 928 und in
Mischkat Al-Masabih 3264.
[36] Koran, 81: 8–9.
Koran (Qur´an) bedeutet wörtlich “Lesung”. Es ist die
abschließende, verbale, in arabischer Sprache gesprochene, dem Propheten
Muhammad offenbarte, an die gesamte Menschheit gerichtete Botschaft Allahs.
(Koranübersetzung Bubenheim/Elyas).
[37] Sunan Ad-Darimi, Muqaddima, S. 7.
[38] Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 84.
[39] Wegen dieses
Verhaltens von Abu Lahab wurde die Koran-Sura 111
herabgesandt, in der er getadelt wird.
[40] Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 85.
[41] Ibn
Hischam, S. 122.
[42] Ibn Hischam
S. 117–120; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 81.
[43] Ibn
Hischam, S. 116; Sunan Abi Dawud, S. 26; At-Tabari II/S. 313 und Ar-Rahiq
Al-Machtum, S. 81.
[44]Ibn Hischam, S. 136.
[45]Ramda war ein Ort
nahe Mekka, der dafür bekannt war, dass er keinerlei Schutz vor der Sonne bot,
da es dort weder Felsen noch Bäume gab. Dieser Ort wurde von den Quraisch oft
genutzt, um die Muslime zu foltern.
[46] Asadul
Ghabah I/S. 591; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 91.
[47] At-Tabaqat
Al-Kubra von Ibn Saad VIII/S. 256; Ibn Hischam, S. 146–147; Ar-Rahiq
Al-Machtum, S. 91.
[48] Die Banu Dschuma
waren einer der Stämme der Quraisch.
[49] Koran 92:
5–6, 19–21; Ibn Hischam, S. 147; At-Tabaqat Al-Kubra VIII/S. 256; Ar-Rahiq
Al-Machtum, S. 92
[50] Ibn Hischam, S. 147.
[51] Ibn
Hischam, S. 133; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 102 f.
[52] Das heutige
Äthiopien.
[53] Zadul Mi´ad I/S. 24; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 98; Ibn Hischam, S. 148. Es waren
etwa 80 Auswanderer; ihre Namen finden sich bei Ibn Hischam auf S. 149.
[54] Koran:
Maria 19: 16–35.
[55]Ibn Hischam,
S. 156.
[56] Ibn
Hischam, S. 155-157, Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 101.
[57]Ibn Hischam S.
159-160, At-Tabaqat Al-Kubra III/S. 267-269.
[58] Ibn
Hischam, S. 162; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 105.
[59] Derjenige,
der die Urkunde schrieb, war Mansur, der Sohn Ikrimas. Der Prophet bat Allah,
ihn zu bestrafen. Daraufhin wurden einige seiner Finger gelähmt. (Ibn Hischam,
S. 162).
[60] Ibn
Hischam, S. 163, 173.
Hischam
Ibn Amr gehörte zum Stamm der Banu Amr, einem der Stämme der Quraisch. Er war von Beginn an gegen den
Boykott, denn er hielt es für unehrenhaft, sich gegenüber den eigenen
Stammesbrüdern so zu verhalten.
[61] Sahih
Buchari, Zadul Ma´ad II/S. 46; Ibn Hischam, S. 162–164, 173–176;
Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 112–114. Siehe auch die Gedichte Abu Talibs über die
himmlische Nachricht, dass Würmer die Urkunde gefressen hatten.
[62] Koran 54: 2.
[63]„Heute
bekennen sich über 1,4 Milliarden Gläubige zum Islam; er ist in der Postmoderne
zur einzigen weltweit wachsenden Religion geworden, als einzige ernsthafte
Alternative zur westlichen Konsumgesellschaft. Auch in den USA, Großbritannien,
Frankreich und in Deutschland gibt es inzwischen jeweils Millionen von Muslimen
mit einer ständig wachsenden Zahl „weißer” und „schwarzer” Konvertiten.“ (Dr.
Hofmann, Murad: Der Islam als Alternative, 4. Auflage, München 1999).
[64] Sahih
Buchari im Kapitel „Heirat des Propheten mit Chadidscha“; Ar-Rahiq Al-Machtum,
S. 118. Der Koran geht in Sure 93: 6–8
auf ihre Ehe mit Muhammad ein: Hat Er dich nicht als Waise gefunden und dir
Obdach gewährt? Und dich herumirrend gefunden und rechtgeleitet! Und dich
bedürftig gefunden und reich gemacht!
[65] Buchari und
Muslim.
[66] Ibn
Hischam, S. 191; Adh-Dhahabi in: „Geschichte des Islam – As-Sira“, S. 235.
[67] Taif befindet sich
ca. 70 Kilometer südöstlich von Mekka.
[68]Ibn Hischam 193.
[69] Ibn
Hischam, S. 193 ; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 125.
[70] Dschinn: Dies
sind aus Feuer erschaffene Wesen, für die Menschen meist unsichtbar, die eine Art
wie die Menschheit bilden. Sie sind wie die Menschen mit eigenem Willen und
eigener Entscheidungsfreiheit erschaffen; einige von ihnen sind Gott ergeben.
(siehe Koranübersetzung Bubenheim/Elyas).
Ebenso
wie die Menschen sind sie erschaffen worden, um Allah zu dienen. Siehe Koran
51: 56.
[71] Dieses Reittier
wird Al-Buraq genannt. Es gibt keine genauen Angaben, um was für ein Tier es
sich handelte. Der Prophet band das Tier an einer Mauer bei der Aqsa-Moschee
an, als er Jerusalem erreichte.
[72] Dieser
Bericht und die Namen der beteiligten Frauen und Männer sind in Ibn Hischam auf
S. 197 zu lesen.
[73]Der Islam hat dieses
Verbrechen für immer abgeschafft. Bei den ärmeren Beduinen Arabiens gab es die
Sitte, in Zeiten der Dürre ungewollte Mädchen zu töten. Manche rechtfertigten
dieses Verbrechen damit, dass ihre Götzen ihnen dies befohlen hätten.
[74]At-Tabari
II/S. 356; Ibn Hischam, S. 199.
[75] Saad Ibn Mu’adh war
das Oberhaupt der Aus. Er war ein fähiger, kluger und mutiger Mann, der in
seinem Stamm ein sehr hohes Ansehen genoss.
[76] Ibn
Hischam, S. 199–201.
[77] Manat war ein
weiblicher Götze, der wie Al-Lat und
Al-Uzza als Tochter Allahs verehrt wurde; sie wurde als Göttin des Schicksals
betrachtet.
[78] Ibn
Hischam, S. 207-208.
[79] Uthman Ibn Talha
war der Sohn eines der größten Gegner des Propheten, Talha Ibn Abi Talha, der
später bei der Schlacht von Uhud getötet wurde. Seine Familie war eine der
angesehensten der Banu Abd-ad-Dar. Sie hatten die Ehre, die Hüter der Schlüssel
zur Kaaba zu sein. Uthman war für seinen Edelmut und seine Tapferkeit bekannt.
[80] Ibn
Hischam, S. 215-216, Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 148.
[81] Ibn
Hischam, S. 218.
[82] Ibn
Hischam, S. 218.
[83] Koran 39:
53–55.
[84] Ibn
Hischam, S. 219-220.
[85] Ibn
Hischam, S. 221, 223.
[86] Es handelt sich um das Haus Dar An-Nadwa, das Qusai Ibn Kilab gehörte und in dem die Quraisch
alle politischen und militärischen Angelegenheiten berieten. (Ibn Hischam, S. 221).
[87] Ibn
Hischam, S. 221-222.
[88] Ibn
Hischam, S. 222, Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 154.
[89] Ya-Sin!
Beim weisen Koran! Du bist wahrlich einer der Gesandten auf einem geraden Weg.
Er ist die Offenbarung des Allmächtigen und Barmherzigen, damit du ein Volk
warnst, dessen Väter nicht gewarnt wurden, so dass sie [gegenüber allem]
unachtsam sind. Das Wort ist ja gegen die meisten von ihnen unvermeidlich
fällig geworden, so glauben sie nicht. Gewiss, Wir haben um ihre Hälse Fesseln
gelegt. Sie reichen bis zum Kinn, so dass sie den Kopf hochhalten [müssen]. Und
Wir haben vor ihnen eine Sperrmauer errichtet und [ebenso] hinter ihnen eine
Sperrmauer und sie so überdeckt, dass sie nichts sehen [können]. (Koran
36:1–9).
[90] At-Tabari II/S. 374; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 156.
[91] Koran 8:
30, 52: 30–31; Ibn Hischam, S. 223.
[92] Ibn
Hischam, S. 225.
[93] Sahih
Buchari I/S. 554; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 156.
[94] Sahih
Buchari I/S. 516, 558; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 156.
[95] Ibn
Hischam, S. 226.
[96] Koran 28:
85.
[97] Ibn
Hischam, S. 227: Dies geschah an einem Montag, dem 24. oder 27. September 622.
Auch der Geburts– und Sterbetag Muhammads war ein Montag. Zudem pflegte der
Prophet montags zu fasten.
Hassan
Ibn Thabit sagte, er sei sieben Jahre alt gewesen, als ein Jude auf dem Dach
lautstark verkündet habe, dass der Stern des Ahmad, des „Hochgepriesenen“, in
jener Nacht erschienen sei.
Ibn
Ishaq schreibt, er habe Said Ibn Abdurrahman Ibn Hassan Ibn Thabit gefragt, wie
alt Hassan gewesen sei, als der Prophet nach Medina auswanderte. Er sagte, er
sei 60 gewesen. Muhammad war mit 53 ausgewandert. (Ibn Hischam, S. 77).
[98]At-Tabaqat
Al-Kubra von Ibn Saad undAbdullah
Ibn Amr berichten: Ein Mann
fragte den Propheten: „In welcher Weise kann man den Islam am besten leben?“
Der Prophet sagte: „Indem du andere speist und jeden mit dem Friedensgruß
(Salam) grüßt, den du kennst, und den du nicht kennst!“ (Sahih Buchari, Hadith 6236).
[99] Berichtet
von Tirmidhi, Ibn Madscha und Ad-Darimi, Mischkat Al-Masabih 1, S. 168;
Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 177.
[100] Salman
blieb zunächst in seinem Status als Sklave der Juden. Wie er davon freikam,
berichtet er selbst: „Schließlich teilte der Gesandte mir mit, dass ich mit
meinem Herrn einen Freilassungsvertrag abschließen solle! So forderte ich dies
so oft von meinem Herrn, bis er endlich einwilligte und mit mir einen Vertrag
auf Freilassung unter der Bedingung abschloss, dass ich ihm als Gegenleistung
dreihundert junge Dattelpalmen einpflanzte und vierzig Unzen Silber zahlte. Als
der Gesandte von diesen Bedingungen erfuhr, sagte er zu seinen Gefährten:
‚Helft eurem Bruder beim Einpflanzen der jungen Palmen!’ So half jeder nach
seinen Kräften mit. Darauf sagte der Prophet: ‚Salman, gehe hin und grabe
Löcher für die Palmen! Und wenn du fertig bist, benachrichtige mich, so werde
ich sie dann mit meinen eigenen Händen setzen.’ Da machte ich mich also an die
Arbeit, wobei mir einige Gefährten des Propheten mithalfen, bis wir dreihundert
Löcher bereit hatten. Der Gesandte begann dann, die Palmen mit seiner Hand zu
setzen, die Erde über den Wurzeln zu glätten und über ihnen den Segenswunsch
auszusprechen, bis er mit allem fertig war. Danach blieben nur noch die vierzig
Unzen Silber zu zahlen. Während der Gesandte eines Tages mit seinen Gefährten
zusammen war, brachte ihm jemand ein Goldstück in der Größe eines Hühnereis,
das er dem Propheten als Almosen gab. Der Prophet sagte: ‚Was macht eigentlich
der arme Perser mit seinem Freilassungsvertrag? Er soll zu mir kommen!’ Als ich
mich bei ihm einfand, sagte er zu mir: ‚Geh mit diesem Goldstück und bezahle
damit, was du an Schulden noch zu entrichten hast!’“ (Ibn Hischam S. 100-104,
At-Tabaqat Al-Kubra IV/S. 75-80).
[101] Zu dieser
Zeit hieß die Stadt noch Yathrib. Erst nach der Gründung des islamischen
Staates wurde sie Medinatu-r-Rasul (die
Stadt des Propheten), kurz Medina, genannt.
[102] Abu Ayyub
Chalid Ibn Zaid hatte beim zweiten Treffen
in Aqaba den Treueeid geschworen. (Ibn Hischam, S. 229–231).
[103] Nach ihrem
Tod fasste Aischa ihre Meinung über Sauda in den Worten zusammen: „Es gibt
unter den Menschen niemanden, den ich wegen seines Charakters mehr liebe als
Sauda, obwohl sie etwas Temperament hatte.“
[104] Vom
Propheten selbst ausgebildet, galten seine Frauen bei der weiteren Vermittlung
der islamischen Lehre als sachkundige Lehrerinnen für Frauen und Männer. Ihre
Wohnräume und die Moschee waren Ausbildungsstätten für muslimische Frauen. Sie
gehörten zu den ersten Theologinnen und Überlieferinnen – nicht nur für ihre
Zeit, sondern für die gesamte islamische Welt bis heute. Der Koran bezeichnet
jede von ihnen als „Mutter der Gläubigen“. Allein Aischa überlieferte
zuverlässig 2200 Aussagen des Propheten.
[105] Eine der
Aussagen des Propheten zum Thema Umwelt: „Wenn einer ein Bäumchen pflanzt,
schreibt ihm Allah so viel Lohn zu, wie der Baum Früchte trägt.“ (Überliefert
durch Ahmad Ibn Hanbal).
[106] Dieses Prinzip
überlieferte die Frau des Propheten, Aischa, in einem Hadith: „Jedesmal wenn
der Gesandte Allahs (s) zwischen zwei Dingen wählen konnte, nahm er das
Leichtere an, solange es keine Sünde war.“ Siehe Sahih Buchari 3560, Sahih
Muslim 2327 und den bekannten Hadith:„Macht
alles leicht und erschwert nichts. Verbreitet gute Botschaften und verschreckt
die Leute nicht." (Sahih Buchari 69,
Sahih Muslim 1734).
[107] Kein Zwang im
Glauben! Klar ist nunmehr das Rechte vom Irrtum unterschieden (Koran
2:256). Dies ist sowohl das Verbot, in Glaubensfragen Gewalt anzuwenden, als
auch die Feststellung, dass solcher Zwang ein untauglicher Versuch wäre. (Vgl.
Der Koran, Übersetzung von Max Henning, Überarbeitung von Murad Hofmann).
[108]Ibn Hischam, S.
232-234.
[109]Ibn Hischam, S.
240-241.
[110] Ibn Ubay Ibn Salul
war ein mächtiger Mann in Medina. Nach dem Krieg zwischen den Aus und den
Chazradsch war er es, auf den sich die Stämme als König einigten. Die Ankunft
des Propheten in Medina verhinderte jedoch, dass er König wurde. Ibn Salul
fühlte sich daher seiner Königswürde beraubt. Diejenigen, die ihn als ihr
Oberhaupt sahen, pflegten sich bei ihm zu treffen.
[111] Ibn
Hischam, S. 245.
[112] Ar-Rahiq
Al-Machtum, S. 216, Ibn Hischam, S. 261-262.
[113] Ibn
Hischam, S. 236-237.
[114] Koran 22:
39–40. Das bedeutet nicht, dass der Islam den Kampf zur Selbstverteidigung und
zur Freiheit des Glaubens gegen Tyrannei und Unterdrückung damals ablehnte –
vielmehr machte er sie zur Pflicht, zum Teil der Unantastbarkeit der
menschlichen Würde. Allerdings verurteilte er damals wie heute und zu jeder
Zeit den Angriffskrieg, der nur als letztes Mittel angewendet werden soll: „Und
überschreitet nicht das Maß, wahrlich, Allah liebt die Maßlosen nicht.“
(2:190). Menschen mit unlauteren Absichten versuchen immer wieder, Verse aus
dem Zusammenhang zu lösen, indem sie sagen, im Koran stünde: ...Und kämpft
gegen sie... Sie lassen die Verse davor und danach weg, sodass der Inhalt
verfälscht wird.
[115]Koran 2: 193. Es
heißt auch: damit es keine Verfolgung mehr gibt.
[116] Koran 2:
190.
[117]Abu Dawud:
Bab Khabar An-Nadhir II/S. 124; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 182. Sahih Buchari:
Kitab Al-Maghazi II/S. 593.
[118] Ibn
Hischam, S. 289-291.
[119] Ein Dirham ist eine
Silbermünze, die als Währung auf der arabischen Halbinsel verwendet wurde, und
ein Dinar war (ist) eine Goldmünze.
[120]Ibn Hischam 290-291.
[121] Koran 5: 24
und Ibn Hischam, S. 293: „Der Prophet zieht seine Gefährten zu Rate“.
[122] Koran 5: 24
und Ibn Hischam, S. 294.
[123]Hamza, Zaid und Abu
Kabscha Anasa ritten auf einem Kamel und Abu Bakr, Umar und Abdurrahman Ibn Auf
teilten sich ein Kamel (Ibn Hischam, S. 292).
[124] Badr ist der Name
einer bekannten Wasserstelle und war der Platz einer der Märkte der Araber, wo
sie sich alljährlich trafen, um Handel zu treiben (Ibn Hischam, S. 295).
[125] Saad Ibn Abi Waqqas
stammte aus einem angesehenen Hause des Stammes der Banu Zuhra. Er war in jungem
Alter Muslim geworden. Saad war gut im Herstellen von Bögen und zudem ein guter
Bogenschütze.
[126] Es waren
diese Stammesführer der Quraisch: Utba Ibn Rabi´a, Schayba Ibn Rabi´a, Abu
Al–Bachtari Ibn Hischam, Hakim Ibn Hizam, Naufal Ibn Chuwaylid, Harith Ibn Amir
Ibn Naufal, Tu´ayma Ibn ´Adi Ibn Naufal, Nadir Ibn Harith, Zama’a Ibn Aswad,
Abu Dschahl Ibn Hischam, Umayya Ibn Chalaf, Nubayh und Munabah, die zwei Söhne
von Al-Hadschadsch, Suhayl Ibn Amr und Amr Ibn Abdu-Wadd (Ibn Hischam, S.
294-295).
[127] Ibn
Hischam, S. 295.
[128] Achnas Ibn
Schariq Ibn Amr Ibn Wahb Ath-Thaqafi war ein Verbündeter der Sippe Banu Zuhra,
mit denen er gekommen war. Es gelang ihm, die Banu Zuhra zu überzeugen Abu
Dschahl nicht zu folgen, und dass dieser Krieg keinen Sinn hatte. Die Banu
Zuhra folgten seinem Rat und kehrten nach Mekka zurück (Vgl. Ibn Hischam, S.
296).
[129] Koran 8: 10–16.
[130] Ar-Rahiq
Al-Machtum, S. 199, Ibn Hischam, S. 299.
[131] Ibn
Hischam, S. 300; Sahih Buchari.
[132] Koran 8: 11.
[133] Ubayda Ibn
Al-Harith war der Vetter des Propheten. Er war zehn Jahre älter als der
Prophet.
[134] Ibn
Hischam, S. 298-304
[135]Ibn Hischam 307.
[136]Die Muslime teilten
nicht nur ihr Essen und ihre Behausungen mit den Gefangenen, sondern gaben
ihnen das Beste, was sie an Essen hatten. Imam Tabarani berichtet von Abu Aziz
Ibn Umayr: „Ich war ein Badr-Gefangener. Der Prophet hatte seine Gefährten
darum gebeten, die Gefangenen gut zu behandeln. Ich war bei den Ansar und als
diese nur trockene Datteln aßen, gaben sie mir das beste Essen.“ Ähnlich
äußerte sich Abul-As.
[137] Sahih
Buchari und Sahih Muslim, Mischkat Al-Masabih II/S. 345, Ar-Rahiq Al-Machtum,
S. 207, At-Tabaqat Al-Kubra Ibn Saad IV/V, 67-68.
[138] Ibn
Hischam, S. 310.
[139] Ar-Rahiq
Al-Machtum, S. 207.
[140] Nicht nur
Amr wurde in die Freiheit entlassen – auch Abul-As, Muttalib Ibn Hantab, Sayfi,
Abu Azza und viele andere. In einem Gedicht bringt Abu Azza die Güte und
Freundlichkeit Muhammads und die Rechtleitung und Vernunft seiner Religion zum
Ausdruck. Das Gedicht „Abu Azza“ sowie die Namen der Gefangenen, die die
Muslime ohne Bedingung freiließen, sind in Ibn Hischam auf S. 312 und 316 zu
lesen.
[141] Ibn Hischam, Band
1, S. 654. Zu den Details der Geschichte siehe die Fußnote auf derselben Seite.
[142]Ibn Hischam, S.
313-315.
[143] Sahih Muslim Nr. 2775, Sahih
Buchari Nr. 6204.
[144] Sahih
Muslim, S. 36, 176.
[145] Der Sohn von
Umayr gehörte zu den Gefangenen von
Badr.
[146] Safwan war der Sohn
von Umayya, Bilals ehemaligem Herrn. Er und Umayr gehörten zu den schlimmsten
Gegnern des Propheten. Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 214.
[147] Ibn
Hischam, S. 317.
[148] Ash-Sham ist das Gebiet, das heute als Syrien, Libanon,
Palästina und Jordanien bekannt ist.
[149] Ibn
Hischam, S. 317.
[150] Wegen des
Weizenbreis, den die Quraisch abgeworfen hatten, wurde dieser Feldzug Muhammads
der „Weizenbrei–Feldzug“ genannt. (Ibn Hischam, S. 367).
[151] Eine rote Binde,
die er zu tragen pflegte, um zu zeigen, dass er nicht zurückweichen würde, egal
was auf ihn zukäme.
[152] Ibn
Hischam, S. 381.
[153] Chalid war der Sohn
des bekannten Gegners des Propheten Al-Walid Ibn Al-Mughira, einem der
reichsten Mekkaner. Er gehörte zu den Banu Machzum. Chalid war für seine
Klugheit bekannt. Er gehörte zu den fähigsten militärischen Führern der
Quraisch.
[154]Sahih Buchari V/S.
124, Ibn Hischam, S. 388.
[155] Hubal war der
Hauptgott unter den 360 Gottheiten, die in und um die Kaaba standen. Bei ihm
wurden oft die Lospfeile geworfen.
[156]Als im
folgenden Jahr zur verabredeten Zeit der Prophet mit seinen Gefährten in Badr
wartete, waren die Götzendiener nur einige Stunden von Mekka entfernt und
trauten sich nicht, anzugreifen. Abu Sufyan versprach Nuaim Ibn Mas'ud zwanzig
Kamele, wenn er es schaffte, Muhammad zu überreden, nicht nach Badr zu ziehen,
was ihm jedoch nicht gelang. Sie bereiteten sich aber weiterhin vor, um einen
großen Krieg gegen die Muslime zu führen.
[157] Koran 16:
127.
[158] Zu den Details der
Schlacht von Uhud siehe Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 225 - 255.
[159] Aischa
berichtet, dass Abu Bakr eines Tages zum Propheten kam und dann Umar; der
Prophet änderte seine Sitzstellung nicht. Dann kam Uthman, und Muhammad
richtete seine Kleider und seine Sitzstellung. Als sie weg waren und Aischa
nach dem Grund fragte, antwortete der Prophet, wie könne er sich vor einem Mann
nicht schämen, vor dem die Engel sich schämen. Abu Huraira berichtete: „Der
Prophet sagte: Der Glaube besteht aus mehr als siebzig Bestandteilen, und die
Schamhaftigkeit (Haya´) ist einer der Bestandteile des Glaubens“. (Sahih
Muslim, Hadith 50).
[160]Sahih
Buchari 4005
[161] Über sie
hat Allah in Medina diese Koran–Verse offenbart: „Hast du nicht jene
gesehen, denen ein Teil der Schrift gegeben wurde? Sie glauben an Zauberei und
Götzen, und sie sagen von den Ungläubigen: „Sie sind in der Lehre besser
geleitet als die Gläubigen.“Diese sind es, die Allah verflucht hat; und für
den, den Allah verflucht, wirst du keinen Helfer finden.“ (Koran 4: 51–55).
[162]Nadschd ist das Gebiet in der Mitte der Arabischen Halbinsel.
[163] Die Banu Ghatafan waren ein großer Stammesverbund im Nadschd.
[164]Die Quraisch wurden
von Abu Sufyan angeführt, die Banu Ghatafan von Uyayna Ibn Hisn (Ibn Hischam,
S. 453).
[165] Mu'attib
Ibn Quschayr vom Stamm der Banu Amr, der kein Heuchler war und sich an der
Badr-Schlacht beteiligt hatte, sagte: „Muhammad hatte uns doch versprochen, wir
würden die Schätze Chosraus und Cäsars bekommen, während wir heute nicht einmal
unsere Notdurft verrichten können.“ (Ibn Hischam, S. 456–457).
[166] Er wollte damit demonstrieren, dass er entweder siegen oder
sterben wollte.
[167]At-Tabaqat
Al-Kubra I/II, S. 53; Al.Maghazi, S. 487.
[168] Ibn Madscha
Nr. 2833 und 2834, Ibn Hischam, S. 460.
[169] Hudhayfa Ibn
Al-Yaman wurde in Mekka geboren. Wegen einer Blutrache war sein Vater
Al-Dschaman nach Yathrib geflüchtet. Er gehörte zu der Delegation aus Medina
bei Al-Aqaba. Seine ganze Familie konvertierte zu Islam. Hudhayfa war ein
Vertrauter des Propheten, nur ihm vertraute dieser die Namen der Heuchler an.
[170] Ibn
Hischam, S. 462
[171] Ibn
Hischam, S. 472
[172] Ibn
Hischam, S. 463–464.
[173] Siehe Ar-Rahiq
Al-Machtum, S. 278 – 281. Zur Grabenschlacht wurde die Sure 33 offenbart, die
unter anderem auch den Verlauf der Schlacht und das Leiden der Muslime
schildert.
[174] Ibn
Hischam, S. 513–514.
[175] Ibn
Hischam, S. 658, Sahih Buchari Nr. 4372. Thumama Ibn Athal war ein mächtiger
Stammesfürst aus dem Nadschd, der dem Propheten den Krieg erklärt hatte, ohne
ihn zu kennen.
[176] Koran 41:
34.
[177]Talbiya: das Aussprechen der Formel: „Labbayk Allahumma labbayk!“ (Hier
bin ich, o Allah, zu deinen Diensten!) Mit dieser Formel kommt zum Ausdruck,
dass der Mensch dem Ruf Allahs zu seinen Stätten gefolgt ist.
[178] Ibn
Hischam, S. 315-316; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 285.
[179]Ihr
vollständiger Name war Chansa Bint Chaddam Bin Chalid Al-Ansariya Al-Ausiyya.
Mawta´ 367, Taqribul Tahthib T 11638, As-Sunan Al-Kubra
von Baihaqi 7/119
[180]As-Sunan Al-Kubra von Baihaqi 7/119
[181] Ar-Rahiq
Al-Machtum, S. 289.
[182]Ibn Hischam, S. 491.
[183] Ibn
Hischam, S. 491. Umar sagte später, dass er gemerkt hatte, dass die
Entscheidung des Propheten mehr Segen brachte, als die seine es getan hätte
(Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 292).
[184] Ibn
Hischam, S. 493–496; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 291.
Joseph litt unschuldig.
Zuerst unter seinen Brüdern, dann unter Potiphars Frau und schließlich im
Gefängnis.
[185] Ibn
Hischam, S. 496. Die herabgesandten Verse sind 24: 11–12; 15–17.
[186] Koran 24:
22.
[187] Ibn
Hischam, S. 497.
[188] Ar-Rahiq
Al-Machtum, S. 294.
[189] In den vier
heiligen Monaten des islamischen Kalenders waren und sind jegliche
Kampfhandlungen rund um die Kaaba verboten.
[190] Usfan ist eine
Gegend zwischen Mekka und Medina.
[191] Ar-Rahiq
Al-Machtum, S. 296.
[192] Vgl. den
Feldzug Abrahas gegen die Kaaba, als Allah den Elefanten niederknien ließ.
(Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 295–296).
[193] Ibn
Hischam, S. 499–500; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 296.
[194] Hulais Ibn
Alqama gehörte zu den Banu Al-Harith Ibn Abdu-Manat aus der Stamm der Kinana
und war damals der Führer der Ahabisch (Ibn Hischam, S. 501; Ar-Rahiq
Al-Machtum, S. 96).
[195] Ar-Rahiq
Al-Machtum, S. 97.
[196] Nach dem
Tod ihres Mannes bat Muhammad Umm Salama um ihre Hand, um sich um sie und ihre
Kinder zu kümmern. Doch sie entschuldigte sich wegen ihrer großen Familie und
ihres fortgeschrittenen Alters. Sie tat ihm leid und er ließ nicht nach, bis er
sie geheiratet und die Fürsorge für ihre Kinder auf sich genommen hatte.
[197]Sahih Buchari 2731,
2732, Musnad Ahmad IV/S. 326, 332; Sahih
Muslim 1783-1786, 1409-1413.
[198] Koran 48: 1.
[199]Das ist die Aussage
von Al-Zuhri über den Friedensvertrag von Hudaibiya (Ibn Hischam, S. 506).
[200] Koran 2:
256. Über die Freiheit der Religion steht in einem anderen Vers: „Und sag:
(Es ist) die Wahrheit von eurem Herrn. Wer nun will, der soll glauben, und wer
will, der soll ungläubig sein.“ (Koran 18: 29).
[201]Die Ereignisse um Abu Busair finden sich in: Ibn Hischam (Ausgabe des
Dar-Al-Ma’rifa-Verlags, Beirut), S.
323–324; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 302.
[202]Ibn Hischam, s. 518-519, Tabaqat Ibn Saad I/IV, 157-159,
Al-Waqidi 702-705 II.
[203] Ibn
Hischam, S. 518–519.
[204] Ibn
Hischam, S. 517-318.
[205] Ibn
Hischam, S. 513.
[206] Ibn
Hischam, S. 518.
[207] Ibn
Hischam, S. 277, Al-Waqidi II/S. 742-744; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 302. Die
ganze Geschichte erzählt Amr selbst, sie wird von Yazid Ibn Abi Habib in Ibn
Hischam überliefert.
[208] Al-Waqidi
II/S. 745–749.
[209] Ibn
Hischam, Band 2, S. 278; Sahih Muslim, S. 121 in Bab Al–Iman. Über die Verzeihung Allahs wurden viele Koranversen
offenbart, wie z.B. 39: 53: Sprich: „O meine Diener, die ihr euch gegen eure
eigenen Seelen vergangen habt, zweifelt nicht an Allahs Barmherzigkeit; denn
Allah vergibt alle Sünden; Er ist der Allverzeihende, der Barmherzige.“ Und
in 2: 186: Und wenn dich Meine Diener über Mich befragen, so bin Ich nahe;
Ich höre den Ruf des Rufenden, wenn er Mich ruft. Deshalb sollen sie auf Mich
hören und an Mich glauben. Vielleicht werden sie den rechten Weg einschlagen.
[210]Al-Waqidi II/S.
744-745.
[211] Der Patriarch von
Alexandria, der zugleich Statthalter des oströmischen Kaisers war.
[212] Chosrau II regierte
Persien bis 628 n. Chr.
[213] Herakleios regierte
das Oströmische Reich bis 641 n. Chr.
[214]Koran 2: 256.
[215]Zadul Mi´ad II/S.
155.
[216]Einer
anderen Überlieferung zufolge soll das römische Heer sogar 200.000 Mann umfasst
haben.
[217]Sahih Buchari,
Hadith-Nummer 4265, Auszüge aus: Gärten der Rechtschaffenen, Übersetzung Jotiar
Bamarni.
[218] In diesen
zwei Jahren interessierten sich viele Völker der Region für den Islam. Unter
den Delegationen waren auch sechzig Christen aus Nadschran, die ein Bündnis mit
dem Propheten schlossen und den Schutz des islamischen Staates genossen.
Während ihres Aufenthaltes erlaubte er ihnen, ihre Gebete in der Moschee, nach
Osten gewandt, zu verrichten.
[219] Die Byzantiner sind besiegt worden. Im
nächstliegenden Land. Aber sie werden nach ihrer Niederlage siegen, in einigen
Jahren. Allah steht die Entscheidung zu, vorher wie nachher. Und an jenem Tag
werden die Gläubigen froh sein, über Allahs Hilfe. Er hilft wem er will, und Er
ist der Allmächtige und Barmherzige. (Koran 30: 2–5, offenbart zu Mekka)
Die Anmerkung in der Übersetzung von Bubenheim und Dr. Nadeem Elyas: Die Byzantiner (Oströmer) wurden von den
Persern geschlagen und verloren Damaskus (613) und Jerusalem (614). Diese
Prophezeiung erfüllte sich, als Herakleios einen Feldzug gegen die Perser
führte (622–627 n. Ch.), der mit einem großen Sieg bei Ninive endete (627). Die
heidnischen Mekkaner sympathisierten mit den Persern, die Muslime hingegen mit
den christlichen Byzantinern.
[220] Busra ist eine
Stadt im Südwesten des heutigen Syriens.
[221] „Sie nimmt
immer noch ständig zu” ist die Antwort auf diese Frage während der gesamten
1400 Jahre – bis heute.
[222]Zakat, die Pflichtabgabe,
welche die Wohlhabenden an Arme, Bedürftige und
an andere in bestimmten Situationen zu entrichten haben. Sie beträgt
2,5% des Besitzes eines wohlhabenden Menschen, dessen Besitz eine gewisse
Grenze überschreitet. Dies ist die dritte der fünf Säulen des Islams. Zakat
bedeutet „Reinigung“ oder „Anwachsen“.
[223] Sahih
Buchari I/S. 4; Sahih Muslim II/S. 97–99; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 308–309. Der
Kaiser war im Jahre 629 n. Chr. nach Jerusalem gepilgert, um Gott für den Sieg
über die Perser zu danken.
[224] Ibn
Hischam, S. 540. Auf der gleichen Seite steht das Gedicht von Amr Ibn Salim,
das ausführlich über den Mord an den schlafenden Menschen berichtet.
[225] Vgl. Ibn
Hischam, S. 541.
[226] Ibn
Hischam, S. 542-543, Sahih Buchari I/S. 422;
II/S. 612; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 343.
[227] Nicht zu
verwechseln mit Abu Sufyan Ibn Harb, dem Anführer der Quraisch.
[228] Tulub ist
eine Wasserquelle zwischen Medina und Mekka, siehe Fußnote Al-Waqidi, S. 804.
[229]Al-Waqidi II/S. 804.
[230] Hakim Ibn Hizam war
Chadidschas Neffe, der seinerzeit alles versucht hatte, die Quraisch zu
überzeugen, nicht zu kämpfen, um die Schlacht von Badr zu verhindern (Ibn
Hischam, S. 297 f.).
[231] Budail Ibn
Warqa' gehörte zur Delegation der Chuza’a, die dem Propheten vom Angriff der Banu
Bakr auf die Chuza’a berichtete. Er war einer der Anführer der Banu Chuza’a.
[232] Ibn
Hischam, S. 545; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 346.
[233] Ar-Rahiq
Al-Machtum, S. 346; Al-Waqidi II/S. 820-823.
[234] Muhammad war nun Herrscher über sämtliche Stämme
Arabiens und hätte sich jeden Luxus erlauben können. Reichtümer interessierten
ihn jedoch nicht, es sei denn, um sie zu verschenken, einen Menschen damit
glücklich zu machen oder um damit Frieden herzustellen. Er betrachtete sich
selbst ausschließlich als bescheidenen Diener Allahs. In seinem Zimmer gab es
nur eine einfache Schlafmatte und ein Schaffell. Die wenigen Kleider und
Schuhe, die er brauchte, reparierte er selbst her. Er kümmerte sich weiterhin
selbst um die Versorgung seiner Familie, so wie er es immer getan hatte. Allen
Menschen begegnete er mit Liebe und Fürsorge. Wie früher schon, legte er sich
nie schlafen, bevor er nicht seinen letzten Dinar an die Armen verteilt hatte.
Oft hungerte er, denn häufig war jemand da, der dringend etwas zu Essen
benötigte.
[235] Ibn
Hischam, S. 545; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 347, überliefert von Al-Hakim in
Mustadrak III/S. 47, Al-Waqidi II/S. 823-824.
[236] Al-Waqidi
II/S. 826, 838-839.
[237] Ibn
Hischam, S. 549; Tabaqat Ibn Saad II/S. 144 f.
[238] Koran 17:
81; Ibn Hischam, S. 551; At-Tirmidhi,
Nr. 3137.
[239] Koran 49:
13. Mann und Frau sind vor Allah sowohl in religiöser als auch geistiger
Hinsicht gleichwertig. Rechte und Pflichten von Mann und Frau sind in Koran und
Sunna offenbart: Und die gläubigen Männer und Frauen sind untereinander
Freunde. Sie gebieten, was Recht ist und verbieten, was verwerflich ist,
verrichten das Gebet, geben die Zakat und gehorchen Allah und seinem Gesandten.
Ihrer wird sich Allah erbarmen. (Koran 9:71).
[240] Koran 12:
91–92; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 348, Al-Waqidi II/S. 835.
[241] Ibn
Hischam, S. 549; Ahmad in Musnad II/S.11; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 348.
[242] Ibn
Hischam, S. 546, überliefert von Al-Haithamy in Madschma´ Az-Zawai´d VI/S. 173.
[243]Al-Waqidi II/S. 850.
[244] Ibn
Hischam, S. 552; Al-Waqidi II/S. 853-855.
[245] Al-Waqidi
III/S. 874.
[246] Al-Waqidi II/S. 850, III/S. 874.
[247]Ab diesem Tag war
Ikrima auf der ganzen Welt niemand lieber als Muhammad. Die offenbarten Verse
aus dem Koran zeigten den Muslimen, wie sie ihre Gegner behandeln sollen, auch
nachdem sie Macht über sie gewannen: „Nicht gleich sind die gute Tat und die
schlechte Tat. Wehre mit einer Tat, die besser ist, (die schlechte) ab, dann
wird derjenige, zwischen dem und dir Feindschaft besteht, so, als wäre er ein
warmherziger Freund.“ Koran 41:34.
[248] Al-Waqidi
II/S. 850–853, III/S. 870–871.
Ikrima
hielt sich bis zu seinem Tode an sein Versprechen: Als die Muslime bei der
Schlacht von Yarmuk gegen die Byzantiner in eine schwierige Situation gerieten,
sagte er: „Überall hatte ich den Gesandten Allahs bekämpft, soll ich jetzt, wo
ich Muslim bin, fliehen?“ Er kämpfte weiter, bis er fiel (At-Tabari IV/S. 36; Nadwi, S. 43).
[249] Malik Ibn Auf war
damals dreißig Jahre alt. Er war sehr ehrgeizig und sah für seinen Stamm, die
Hawazin, die Möglichkeit, die Vormachtstellung in Arabien zu gewinnen.
[250] Ar-Rahiq
Al-Machtum, S. 357.
[251] Das Tal von Hunayn
liegt in der Nähe von Taif, auf dem Weg nach Mekka.
[252]Zur Schlacht von
Hunayn und der Belagerung Taifs siehe: Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 356 - 363; Ibn
Hischam (Ausgabe des Dar-Al-Ma’rifa-Verlags, Beirut), Band 2, S. 437 - 500.
[253]Sahih
Buchari II/S. 620; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 360; Ibn Hischam, Band 2, S. 485.
[254] Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 361; Ibn Hischam, S. 586; At-Tirmidhi Nr. 4034.
[255]weil die
Auswanderung einen großen Wert bei Allah hat
[256] Ibn
Hischam, S. 591-592; Sahih Buchari II/S. 620, 621; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 362.
[257] Zu den Details des
Feldzugs nach Tabuk siehe Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 368 – 375 und Ibn Hischam, S.
597-602.
[258] Sahih
Buchari.
[259] Einige
Berichte sprechen von 100.000 Menschen, die an dieser Pilgerfahrt teilnahmen,
ein Ereignis, welches sich fortan ohne den Propheten jährlich wiederholen und
beständig vergrößern sollte. Heute beteiligen sich daran bis zu fünf Mio.
Frauen und Männer pro Jahr, und von vielen wird es als die größte jährliche
internationale Friedensversammlung betrachtet.
[260] Ibn
Hischam, S. 641; Sahih Muslim I/III, S. 97.
[261]Koran 5: 3.Der gesamte von Allah offenbarte Text des Korans war nun
vollständig, und seine Verse sind von den Muslimen aufgenommen und
niedergeschrieben worden, noch während der Prophet Muhammad lebte. Es handelt
sich um eine sehr präzise Aufnahme: Nicht eine Silbe oder ein Laut, ob kurz
oder lang gesprochen, ist je geändert worden, geschweige denn ein Buchstabe.
[262] Al-Waqidi, III/S. 1108-1109.
[263] Ibn Hischam, S. 664-665; At-Tirmidhi in Al-Manaqib Nr. 3735; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 400; Sahih Buchari I/S.
516.
[264] Ibn
Hischam, S. 665; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 400.
[265] Sahih
Buchari.
[266] Sahih
Buchari mit Fath Al-Bari II/S. 195, 238f.; Hadith, S. 683, 712, 713; Ar-Rahiq
Al-Machtum, S. 402.
[267] Sahih
Buchari mit Fath Al-Bari II/S. 193; Hadith, S. 680, 681, 754, 1205, 4448;
Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 402; Ibn Hischam, S. 666-667.
[268] Sahih
Buchari II/S. 638–641; Sahih Muslim 2191, At-Tabari III/S. 199; Ar-Rahiq
Al-Machtum, S. 403.
[269] Ar-Rahiq
Al-Machtum, S. 403.
[270] Koran 3:144.
[271] Ibn
Hischam, S. 672; Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 405.
[272] Ar-Rahiq
Al-Machtum, S. 405.
[273] Ad-Darimi
überliefert, Mischkatul Masabih II/S. 547; Dschami´At-Tirmidhi V/S. 588;
Ar-Rahiq Al-Machtum, S. 404.

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